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Hoffman-Report der APA

(Click to download the Hoffman report)

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Die weltgrößte Psychologenvereinigung APA (American Psychological Association) stand schon länger im Verdacht, an Foltertechniken im Zuge des Terroranschlags vom 9/11 beteiligt zu sein. Ich habe bereits im Jahre 2009 in meinem Blog darüber berichtet (siehe hier). Nun ist mit dem gerade erschienenen Hoffman-Report (benannt nach dem Anwalt David Hoffman und seinem Team von der Anwaltskanzlei Sidley Austin, der im Auftrag der APA das unabhängige Gutachten erstellt hat; Download des Reports hier) aus der Vermutung traurige Gewissheit geworden, dass im Zuge von 9/11 die Ethik-Richtlinien der APA auf Wunsch der Bush-Administration so entschärft wurden, dass Folter als legale Option für unsere Disziplin galt.

Der Hoffman Report ist grossartig in seiner Gründlichkeit - alle Ecken und Winkel der APA werden dabei ausgeleuchtet. Kein Name wird verschwiegen, auch unserer Honorarprofessor Robert Sternberg, APA Präsident 2003, wird erwähnt (p. 53): “Sternberg was uncooperative with the investigation; he begrudgingly and briefly spoke to Sidley and denied ever giving a presentation to the CIA or visiting the CIA”. Kein Zahlungsfluss blieb ungeprüft. Das ist für mich eine gute Botschaft: so gründlich wie die Hoffman-Truppe vorgegangen ist, so sollte man solche Sümpfe aufklären und trockenlegen.

In einer Pressemitteilung vom 10.7.15 (siehe http://www.apa.org/news/press/releases/2015/07/independent-review-release.aspx) entschuldigt sich der gegenwärtige APA-Vorstand mit folgenden Worten: “… The conclusions of the Independent Review report are deeply disturbing. Mr. Hoffman found evidence of an ongoing pattern of collusion between a small group of APA representatives and the Department of Defense. The Hoffman report states that the intent of the individuals who participated in the collusion was to “curry favor” with the Defense Department, and that may have enabled the government’s use of abusive interrogation techniques. … The Hoffman report clearly writes a difficult chapter in our organization’s history.  We sincerely apologize for the actions, policies and lack of independence from governmental influence detailed in the report.  Our members, our organization, our profession, and the public expected and deserved better. ”

Es ist erfreulicherweise nicht bei dieser Entschuldigung geblieben - die ersten personellen Konsequenzen in der APA-Geschäftsstelle wurden vollzogen. In einer Mitteilung vom 14.7.15 an die APA-Mitglieder heisst es: “The APA Board of Directors today announced the retirement of Dr. Norman Anderson, who has served as Chief Executive Officer of the organization since 2003. … The Board also announced the August 15, 2015 retirement of Deputy Chief Executive Officer Michael Honaker. … The APA also announced that Rhea K. Farberman, APA’s Executive Director for Public and Member Communications has resigned, ending her 22-year tenure with the Association on July 31, 2015.”. Bereits unmittelbar nach Bekanntwerden des Reports wurde Stephen Behnke, Deputy Director of Ethics, fristlos entlassen.

Die Präsidentin der “Deutschen Gesellschaft für Psychologie”, Prof. Dr. Andrea Abele-Brehm, hat in einer heute (15.7.15) erschienenen Stellungnahme klare Worte gefunden: “… die Deutsche Gesellschaft für Psychologie (DGPs) hat mit tiefer Enttäuschung zur Kenntnis genommen und bedauert sehr, dass die APA die Beteiligung von Mitgliedern an Folterprogrammen der CIA gestützt und gedeckt hat. Entsprechend ihrer ethischen Grundsätze lehnt die DGPs jede Folter und sonstige Schädigung anderer Menschen ab und distanziert sich von derartigem Missbrauch psychologisch-wissenschaftlicher Erkenntnisse. Die DGPs begrüßt die am 10. Juli 2015 von der APA veröffentlichte Entschuldigung als einen wichtigen Schritt im Zuge der Aufklärung der Ereignisse.”

Doch bevor wir Stab über die die amerikanische Verquickung von Psychologie und Militär brechen, sollten wir unsere eigene Vergangenheit nicht vergessen (Dank an Jochen Musch für den Hinweis): Unsere (inzwischen nicht mehr gültige Diplomprüfungsordnung Psychologie hat ja auch keine ehrenvolle Geschichte.  Auf der Seite http://www.sgipt.org/gesch/psych/diplom41.htm ist zu lesen: “1940 konstituierte sich eine Kommission mit Vertretern der DGfPs, der Wehrmachtpsychologie, der Arbeitspsychologie, der Psychotherapie und der Lehrerbildung, die einen Entwurf für eine Diplom-Prüfungsordnung ausarbeitete. Kroh als Vorsitzender der DGfPs und Simoneit als leitender Wehrmachtpsychologe spielten dabei die entscheidende Rolle. In seinen wesentlichen fachlichen Teilen wurde der im September 1940 dem Ministerium überreichte Entwurf dort übernommen. Eine Vorprüfung
erfolgte danach in Allgemeiner Psychologie, Entwicklungspsychologie, Charakterkunde und Erbpsychologie, Ausdruckspsychologie, Philosophie und Weltanschauung sowie in den biologisch-medizinischen
Hilfswissenschaften Biologie, Physiologie, medizinische Psychologie und Psychopathologie. Die Hauptprüfung enthielt Diagnostik, Angewandte Psychologie, Pädagogische Psychologie sowie Kultur- und Völkerpsychologie.”

Und interessant: auf den ersten Seiten des Hoffman-Reports wird die Geschichte der (amerikanischen) Psychologie und ihre Verbindung zum Militär nioch einmal in groben Umrissen zusammengefassend dargestellt. Offensichtlich sind große Mengen an Dollar in entsprechende Forschung geflossen. In Zeiten Drittmittel-orientierter Forschung (mehr als die Hälfte des Budgets der Uni Heidelberg stammt inzwischen aus dritter Hand!) sollten wir wachsam sein, welche Effekte eine deartige Aussensteuerung von Wissenschaft hat. Was tun Forscher nicht alles für Geld, Anerkennung und Ruhm! Wir sind nicht einfach nur Zuschauer des APA-Skandals…

Tag der Freunde 2015

Am Freitag 10.7.2015 fand wieder einmal unser jährlicher “Tag der Freunde” statt. Das Ritual sieht als Ablauf den Dreischritt bestehend aus Mitgliederversammlung, Festvortrag und geselligem Zusammensein im Haus Buhl vor, ein Dreischritt, der von unserem früheren Vorsitzenden Prof. Dr. Gerald Rittershaus begründet wurde.

Auf der Mitgliederversammlung wurden die ausscheidenden, langjährig aktiven Vorstandsmitglieder Andreas Epple (22 Jahre Vorstandsmitglied), Daniela Mattheus (12 Jahre Vorstandsmitglied) und Bernhard Schreier (15 Jahre Vorstandsvorsitzender) mit großem Dank für die geleistete Arbeit verabschiedet. Sie erhielten neben einem persönlichen Fotoband auch jeweils eine Mini-Ausgabe der gelb-roten “Flammen”, mit denen wir die jährlich vergebenen Preise der Freunde in der Eingangshalle der Neuen Universität symbolisieren.

Zur Kandidatur als neue Vorstandsmitglieder hatten sich ein altes Vorstandsmitglied und zwei neue Kandidaten bereit erklärt (Auszug aus den Unterlagen):

  • Prof. Dr. Joachim Funke, 61 Jahre, Ordentlicher Professor am Psychologischen Institut der Universität Heidelberg, Vorstandsmitglied der Gesellschaft der Freunde seit 2007, Gründer und langjähriger Vorsitzender der Sektion „Alumni Psychologici“ in der Gesellschaft der Freunde;
  • Dr. Thorsten Helm, 45 Jahre, Partner bei der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG, dort Leiter des Bereichs Public Sector/Health Care Tax, Alumnus der Universität Heidelberg: Studium und Promotion an der Juristischen Fakultät, wo er seit 2003 Lehrbeauftragter ist, seit 1998 Mitglied der Gesellschaft der Freunde und seit 2008 ihr Rechnungsprüfer;
  • Gabriele Meister, 66 Jahre, bis August 2014 Präsidentin des Amtsgerichts Mannheim, zuvor langjährige Direktorin des Amtsgerichts Heidelberg und Vorsitzende Richterin am Oberlandesgericht Karlsruhe, Alumna der Universität Heidelberg: Studium an der Juristischen Fakultät, seit 2007 Mitglied in der Gesellschaft der Freunde, engagiert sich insbesondere für die Beziehungspflege der Universität zu ihren Ehemaligen.

Festvortrag Hans-Dieter Hermann

Alle drei wurden von den anwesenden Mitgliedern in den Vorstand der GdF gewählt, dem neben den Wahlmitgliedern auch Rektor Bernhard Eitel und Dezernatsleiter Jochen Ridinger qua Amt angehören. Als neuen Vorstandsvorsitzenden der GdF haben die Vorstandsmitglieder mich bestimmt - große Ehre, große Verantwortung! Danke!

Den diesjährigen Festvortrag hielt der Sportpsychologe Hans-Dieter Hermann, der unter dem Titel „Sportpsychologie in Wissenschaft und Alltag“ seine Sicht auf die Themen Leistung und Motivation darstellte. Prof. Dr. Hans-Dieter Hermann war lange am Institut für Sportwissenschaft der Universität Heidelberg tätig, wo er promoviert wurde und als Assistent von Prof. Dr. Hans Eberspächer arbeitete. Sein Psychologie-Studium absolvierte er in München, Antwerpen und Würzburg. Bekannt wurde Hans-Dieter Hermann vor allem durch seine Arbeit für die deutsche Fußball-Nationalmannschaft, die er als deren erster Mannschaftspsychologe seit 2004 betreut und bei allen Länderspielen, Europa- und Weltmeisterschaften begleitet. Hermann hat 2010 den Förderpreis der Deutschen Gesellschaft für Psychologie erhalten.

Geselliges Abendessen im Haus Buhl

Hermanns Vortrag im vollen Hörsaal 14 der Neuen Universität zog die Zuhörer in ihren Bann. Viele Beispiele illustrierten die verschiedenen Themenbereiche des Leistungssports, die Hermann ansprach und die natürlich auch in der Arbeitswelt Gültigkeit haben, wo ebenfalls Spitzenleistungen verlangt werden. Wie stark psychologische Effekte Leistungen verändern, zeigen z.B. die “Trainingsweltmeister”: Unter Trainingsbedingungen kommen fantastische, fehlerfreie Leistungen zustande - in der Wettbewerbssituation scheinen die gleichen Personen wie ausgewechselt und machen dumme Fehler. Hier kann die Psychologie helfen.

Das anschliessende gesellige Zusammensein im Haus Buhl unterhalb des Schlosses war vom Wetter begünstigt: Das herrliche Ambiente des Gartens, mit Speisen und Getränken gut versorgt, begeisterte die Teilnehmenden und es wurde lebhaft kommuniziert. Das Buffet wurde gemeinsam vom scheidenden Vorsitzenden der “Gesellschaft der Freunde”, Ehrensenator Bernhard Schreier, und mir als dem neuen Vorstandsvorsitzenden eröffnet. Ein schöner Abend im Kreis von Freunden der Universität Heidelberg!

Frühere Blog-Einträge zum “Tag der Freunde”:

Uni-Rat trifft Senat

Nach Landeshochschulgesetz sind die drei zentralen Organe der Universität das Rektorat, der Senat und der Universitätsrat. Auf der darunter liegenden Ebene sind die Fakultäten angesiedelt. Drei Gremien, deren Zusammenspiel nicht immer einfach war. Es gab Zeiten, da weigerte sich der Universitätsrat (UR), mit dem Senat zu sprechen!

Am Freitag 10.7.15 haben sich zum ersten Mal in der Geschichte die beiden Gremien UR und Senat (zusammen mit dem Rektorat, das in beiden Gremien vertreten ist) zu einer gemeinsamen Sitzung getroffen. Das LHG verlangt diese Treffen neuerdings mindestens 1x pro Jahr. Offizieller Gesprächsgegenstand war die Erörterung des Jahresberichts des Rektors für das vergangene Jahr 2014.

Die scheidende Vorsitzende des UR, Dr. Ulrike Albrecht, eröffnete die Sitzung und machte deutlich, dass dem UR die strategisch wichtigen Themenfelder Zukunft der Exzellenz-Initiative, Probleme des wissenschaftlichen Nachwuchses, demografische Entwicklung und mangelnde Grundfinanzierung am Herzen liegen. Aber natürlich ist die Themenpalette noch breiter.

Kommunikation zwischen den zentralen Organen der Universität: das war nicht immer selbstverständlich! Schön, wenn hier ein neuer Stil geprägt werden kann! Natürlich macht eine Schwalbe noch keinen Sommer, aber die Bereitschaft zum Gespräch ist signalisiert worden. Wir sollten sie nutzen! Vielleicht lässt sich die gewmeinsame Sitzung zu einem kommunikativen Instrument ausbauen. Das würde allen Seiten nutzen!

Wasserschaden

Wasserschaden vor HS 2

Wasserschaden vor HS 2

Wir gehen gerade in die Endphase unseres Bauvorhabens “Fahrstuhl Hintergebäude” - Mitte Juli soll alles fertig sein. Auch die Aussenanlagen werden schon wieder in Form gebracht, auf Vorschlag der Fachschaft werden weitere hölzerne Sitzgarnituren für den Innenhof bestellt (die ästhetisch schöneren Sitzmöbel, die uns Frau Christmann vorgeschlagen hatte, sind leider vier Mal so teuer wie der gesamte finanzielle Verfügungsrahmen). Also alles in guter Ordnung.

Nun ist ein kleiner Zwischenfall eingetreten: Der Wasserkreislauf für die Klimaanlage in HS 2 (ja, man glaubt es fast nicht: da haben wir eine Klimaanlage!) ist wegen einer Verstopfung geplatzt und ausgelaufenes Wasser ist in die Gipsplatten der abgehängten Decke des Vorraums zu HS 2 gedrungen. Vollgesogen mit Wasser drohen die nun herabzustürzen. Ist wohl besser, im Moment nicht dort entlangzulaufen…

Aus der Mail von unserem Kustos, Dr. Schahn: “die Ursache des Wasserschadens vor dem Hörsaal 2 ist ein geplatztes Rohr der Frischwasserzuführung für die Klimaanlage. Dort lief wohl über Tage Wasser aus und hat die Decke völlig durchfeuchtet. Auch die Elektrik des Hörsaals ist in Mitleidenschaft gezogen. Es muss nun zunächst das Wasser beseitigt und die durchfeuchtete Decke des Vorraums abgebrochen und neu aufgebaut werden. Die Dauer der Arbeiten hängt vom Ausmaß der Schäden ab und ist noch nicht vorhersagbar.”

Was das Foto noch zeigt (anklicken zum Vergrößern): man erkennt den Adhocismus der Problemlösung an den herangezogenen Hilfsmitteln, die in großer Hektik dazu dienen sollten, die Wasserläufe etwas aufzufangen bzw. den Durchgang zu versperren. Intelligenter Werkzeuggebrauch, oder? Bei Katastrophen (wie dieser kleinen hier) muss man improvisieren und Kreativität zeigen. Ein “quick fix”: hier ist das angemessen - bei anderen Problemen brauchen wir nicht schnelle, sondern nachhaltige Lösungen!

Und gut, dass uns die derzeitigen Aussentemperaturen von >35 Grad helfen werden, zu einer schnellen Trocknung zu kommen. Erst dann wird man eine genaue Schadensanalyse vornehmen können. Auch hier nochmal unser Kustos: es ist “… wahrscheinlich, dass die Klimaanlage (Kühlung) nicht wieder in Betrieb genommen werden kann. Die Frischluftzufuhr wird schon wieder hergestellt werden können, aber dann wird eben die angesaugte Luft so warm sein wie die Außenluft. Wenn der Hörsaal im Juli sowieso nicht benutzbar ist, ist das aber im WS kein Problem mehr, sondern erst im nächsten Sommer. Vielleicht beschleunigt die Sache die ohnehin mittelfristig vorgesehene Renovierung des Hörsaals etwas.” Das wäre zu wünschen!

NACHTRAG 6.7.15: In einer neuerlichen Mail des Kustos heisst es nun: “Der Schaden vor dem Hörsaal 2 wird bis Ende der Woche repariert sein; damit können ab dem 13.7. wieder Veranstaltungen dort stattfinden. Es war übrigens ein Schaden beim Abwasser, nicht bei der Klimaanlage, was bedeutet, dass diese nicht außer Betrieb genommen werden muss.” Uff! Glück im Unglück gehabt!

NACHTRAG zum NACHTRAG 7.7.15: Zu früh gefreut, schreibt doch der Kustos heute: ” Obwohl unbeschädigt, ist die Klima-Anlage in HS 2 nun auf Dauer stillgelegt, da bei der ganzen Sache aufgefallen ist, dass sie eigentlich schon lange nicht mehr zulässig ist (sie funktioniert mit Frischwasser). Bis zu einer Renovierung des Hörsaals in vielleicht ein bis drei Jahren (vor 2017 ist wohl unrealistisch) wird es also dort keine Kühlungsmöglichkeit mehr geben.”

Laudate Papam!

Kinder suchen nach Aluminium, Kupfer oder Eisen auf der Müllhalde von Agbogbloshie/Accra. (Uniceffoto 2011) © dpa

Menschenunwürdige Bedingungen: Kinder suchen nach Aluminium, Kupfer oder Eisen auf der Müllhalde von Agbogbloshie/Accra. (Uniceffoto 2011) © dpa

Lobet den Papst Franziskus! Seine jüngste Enzyklika “Laudato si” (hier zur deutschen Übersetzung) ist getragen von der Sorge um unseren Planeten und den Auswirkungen des menschengemachten Klimawandels (Untertitel der Enzyklika: “Über die Sorge für das gemeinsame Haus”). Zu den Zentralthemen dieser Stellungnahme, die aus 246 Absätzen besteht, gehören gemäß Absatz 16

  • “die enge Beziehung zwischen den Armen und der Anfälligkeit des Planeten;
  • die Überzeugung, dass in der Welt alles miteinander verbunden ist;
  • die Kritik am neuen Machtmodell und den Formen der Macht, die aus der Technik abgeleitet sind;
  • die Einladung, nach einem anderen Verständnis von Wirtschaft und Fortschritt zu suchen;
  • der Eigenwert eines jeden Geschöpfes;
  • der menschliche Sinn der Ökologie;
  • die Notwendigkeit aufrichtiger und ehrlicher Debatten;
  • die schwere Verantwortung der internationalen und lokalen Politik;
  • die Wegwerfkultur und der Vorschlag eines neuen Lebensstils” (16).

Was für eine Liste! Und welch starke Aussagen Franziskus macht:

„Die Erde, unser Haus, scheint sich immer mehr in eine unermessliche Mülldeponie zu verwandeln (…) Noch ist es nicht gelungen, ein auf Kreislauf ausgerichtetes Produktionsmodell anzunehmen, das Ressourcen für alle und für die kommenden Generationen gewährleistet und das voraussetzt, den Gebrauch der nicht erneuerbaren Reserven aufs Äußerste zu beschränken, den Konsum zu mäßigen, die Effizienz der Ressourcennutzung maximal zu steigern und auf Wiederverwertung und Recycling zu setzen. Die Auseinandersetzung mit dieser Frage wäre ein Weg, der Wegwerfkultur entgegenzuwirken.“ (21 und 22)

Und zum Klimawandel:

„Es besteht eine sehr starke wissenschaftliche Übereinstimmung darüber, dass wir uns in einer besorgniserregenden Erwärmung des Klimasystems befinden. (23) (…) Wenn die augenblickliche Tendenz anhält, könnte dieses Jahrhundert Zeuge nie dagewesener klimatischer Veränderungen und einer beispiellosen Zerstörung der Ökosysteme werden, mit schweren Folgen für uns alle. (24) (…) Darum ist es dringend geboten, politische Programme zu entwickeln, um in den kommenden Jahren den Ausstoß von Kohlendioxid und anderen stark verunreinigenden Gasen drastisch zu reduzieren, zum Beispiel indem man die Verbrennung von fossilem Kraftstoff ersetzt und Quellen erneuerbarer Energie entwickelt.“ (26)

Über das Artensterben heisst es (33): “Die weitaus größte Mehrheit stirbt aus Gründen aus, die mit irgendeinem menschlichen Tun zusammenhängen (…) Die Pflege der Ökosysteme setzt einen Blick voraus, der über das Unmittelbare hinausgeht, denn wenn man nur nach einem schnellen und einfachen wirtschaftlichen Ertrag sucht, ist niemand wirklich an ihrem Schutz interessiert.“

Was sind die Handlungsempfehlungen? Im Kleinen könne jeder durch seinen Lebensstil einen Beitrag leisten. Der Papst schlägt vor, öffentliche Verkehrsmittel zu benutzen, ein Auto mit mehreren Personen zu teilen (153), unnötige Lampen auszuschalten und Bäume zu pflanzen (211). Wow! Der Papst: nicht neu, aber so konkret! Das ist allemal besser als beten!

Das ganze Statement überzeugt auch deswegen, weil es der berichteten Bescheidenheit seiner Amtsführung entspricht. Vorbildlich also! Interessant, dass solche Äußerungen von einem einflussreichen Kirchenführer und nicht von unseren politischen Repräsentanten kommen - die G7 hätten dazu ja Gelegenheit gehabt! Zielkonflikte? Ganz offenkundig…

New Honorary Professors

Robert Kail and Sabina Pauen showing the new service clothing

To strengthen the international connections of our department and also to bring our students into contact with leading researchers in their field, we are happy that the list of our prominent honorary professors has grown. Two highly renowned researchers accepted our invitation to become appointed as Honorary Professor at our department: Robert Kail (see my older blog entry) and Allan Wigfield.

Prof. Dr. Robert Kail (Purdue University), invited by our colleague Sabina Pauen (Developmental Psychology), has given his inaugural lecture last week under the title “When opportunity knocks, open the door”. What was meant by this funny title? Here comes his abstract: “In this talk I take a retrospective look at three facets of my career, two involving lines of research and one involving editorial work. The theme of the talk is this: As scientists we typically see ourselves (and our work) as rationale, planful, and deliberate. Nevertheless, sometimes exciting opportunities arrive unexpectedly. When they do, we should embrace them eagerly!”

Rob gave 3 examples from his personal career when windows of oppurtunity opened for him (his early developmental work; his work about amnesic aphasia; his work as editor of highly ranked journals and as teacher for concise scientific writing).

We all were impressed to hear about the number of manuscripts that he had to deal with during his editorship of “Psychological Science“, according to their homepage “the highest ranked empirical journal in psychology”. Within 5 years, a total of 10.854 papers (!) have been processed - and most of them have been read be Rob! Wow!

Allan Wigfield and Birgit Spinath testing coffee quality

Prof. Dr. Allan Wigfield (University of Maryland), invited by our colleague Birgit Spinath (educational psychology), is a specialist for achievement motivation and its development. He started with his lectures also last week; he will give his inaugural lecture next summer. I will report about that event next year.

You will probably know Allan Wigfield from his work on the expectancy-value-approach to motivation which he elaborated together with Jacque Eccles. This is one of the leading models that is used to explain achievement-related choices such as the amount of effort one invests for certain tasks or the subjects one chooses in school or in higher education. If you want to hear more about Allan Wigfield’s research, come to the talk that he will give when he is Heidelberg next time.

Neues von Jens Förster (Teil 4)

Wie man nach dem bisherigen Verlauf der “Causa Förster” annehmen konnte, ist das Ende der Debatte um unglaubwürdige Datensätze mit fast perfekter Linearität noch nicht erreicht (Dank an verschiedene Mitleser dieses Blogs, die mich auf die neuen Entwicklungen aufmerksam gemacht haben!). Gerade hat die Universität Amsterdam (UvA) weitere 8 Retraktionen von Jens Försters Arbeiten bei den entsprechenden Journal-Herausgebern eingefordert. Insgesamt 15 ältere Publikationen mit UvA-Affiliation wurden von Statistikern untersucht; vier davon waren unauffällig, 3 bedingt auffällig, 8 wurden als auffällig deklariert (”strong evidence for low veracity”): http://www.uva.nl/en/news-events/news/uva-news/uva-news/uva-news/content/folder/2015/05/articles-jens-forster-investigated.html

Für “Science” ist das unter Rubrik “Breaking News” immerhin einen Kommentar wert: http://news.sciencemag.org/europe/2015/06/report-further-incriminates-social-psychologist-jens-f-rster?rss=1

In seinem eigenen Blog nimmt Jens Förster zu den neuen Vorwürfen Stellung und beklagt die Intransparenz des Verfahrens. Er und seine Ko-Autoren bewerten den ihm von der UvA vorab zugesandten Prüfbericht als “voreingenommen und irreführend”. Weiter heisst es in seiner kurzen Stellungnahme (der sicher mehr folgen wird): “Im Moment möchte ich nur meine tiefe Empörung über dieses Verfahren äußern, in dem über eine Analyse berichtet wird, auf die mir nicht einmal die Zeit gegeben wurde, angemessen zu reagieren. Die Intention der UvA ist mir vollkommen schleierhaft; ich weiß noch nicht einmal, aus welchen Personen sich die Kommission zusammensetzt.” (Quelle: http://www.socolab.de/main.php?id=66). Wieso ist eigentlich die Intention der UvA “schleierhaft”? Ich kann das gut verstehen!

Statistische Argumente sind natürlich nur ein Aspekt in dieser Debatte - aber kein ganz unwichtiger, wie mir scheint. Für Freunde der Bayes-Statistik gibt es auch noch mehr Material zu den Daten von Jens Förster unter http://arxiv.org/pdf/1405.4540v2.pdf Dort heisst es: “This would imply that the probability that 12 studies will have an evidential value of at least 2, as occurs in Table 1, equals approximately (1/7)12 ≈ 7.2 × 10−11.”

Aus dem Wörterbuch des Teufels von Ambrose Bierce (The Devil’s Dictionary): “Proof, n. Evidence having a shade more of plausibility than of unlikelihood. The testimony of two credible witnesses as opposed to that of only one.”

Nachtrag: Der Link zum vollständigen Untersuchungsbericht der UvA (dated May 15, 2015) findet sich hier: https://drive.google.com/file/d/0B5Lm6NdvGIQbamlhVlpESmQwZTA/view Last but not least: Retraction Watch hat den Vorgang ebenfalls kommentiert: http://retractionwatch.com/2015/06/03/yet-another-investigation-casts-doubt-on-forsters-findings-he-responds-with-outrage/

Nachtrag 18.6.2015: Es gibt mit Datum 17.6.15 eine ausführliche Stellungnahme von Jens Förster zum UvA-Untersuchungsbericht, in der er die neuen Vorwürfe und Retraktionsforderungen wie folgt kommentiert: “In sum, I find the report and the entire procedure that led to its writing and publication unacceptable. There is no concrete evidence of data manipulation, the statistical methods used are error prone, flawed and most probably invalid. UvA has no reason for asking journal editors to retract my papers.”

Große gesellschaftliche Herausforderungen

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Am 24.4.2015 hat der Wissenschaftsrat (WR; seit 2014 unter dem Vorsitz von Manfred Prenzel, TU München) in Stuttgart ein Positionspapier zum Thema „Zum wissenschaftspolitischen Diskurs über Große gesellschaftliche Herausforderungen“ vorgestellt (zum Download: hier), das viele interessante Anregungen enthält. Die Stellungnahme beansprucht, “Desiderate für den Umgang von Wissenschaft und Wissenschaftspolitik mit Großen gesellschaftlichen Herausforderungen zu formulieren” (S. 5). Das ist - nicht nur in Hinblick auf die in 2017 kommende dritte Runde der Exzellenzinitiative - von besonderem Interesse: Die großen Förderorganisationen der Wissenschaft (wie DFG, MPG, FhG), aber auch der Bund und die Länder lesen in diesem Papier Erwartungen an die Wissenschaft (und an die Wissenschaftsförderer), die die Ressourcenverteilung, neue Forschungsformate sowie generell das Verhältnis von Wissenschaft und Gesellschaft betreffen und uns als Wissenschaftler daher interessieren müssen.

Ausgangspunkt der Überlegungen sind sog. Große gesellschaftliche Herausforderungen (GgHn, das große G soll den stehenden Begriff markieren; international verwendete Bezeichnungen sind “societal challenges” oder “grand challenges”), die nach unserem Begriffsverständnis als “wicked problems” (der Begriff stammt von Rittel, 1972, und bezeichnet komplexe Probleme) verstanden werden können und die sich “durch hohe Komplexität, Vernetztheit, Zielpluralität und Unschärfe” (S. 16) auszeichnen.

Beispiele für die damit gemeinten gesellschaftlichen Herausforderungen sind Klimawandel, Energieversorgung, Wasseressourcen, Welternährung, Altern, Gesundheit, Ressourcenverknappung, Friedenssicherung – Problemfelder, für die keine einfachen und vor allem keine kurzfristigen Lösungen in Sicht sind. Viele Akteure sind beteiligt, haben ganz unterschiedliche Informationslagen und vor allem unterschiedliche Interessen. Kompromisslösungen, die Gerechtigkeit herstellen sollen, sind nicht in Sicht, weil schon beim Konzept “Gerechtigkeit” der Streit beginnt: Die verschiedenen Spielarten (z.B. Verteilungsgerechtigkeit oder Generationengerechtigkeit) führen jeweils zu anderen Ergebnissen und machen Diskussionen notwendig.

Im europäischen Forschungsraum hat die EU-Kommission für ihr Förderprogramm “Horizon 2020” etwa 40% der gesamten Fördersumme von insgesamt knapp 80 Milliarden Euro für die Beschäftigung mit “societal challenges” bereitgestellt (also rund 30 Mrd €). Darunter versteht die EU inhaltlich folgende konkrete Themen: „Health, demographic change and wellbeing; food security, sustainable agriculture and forestry, marine and maritime and inland water research, and the bioeconomy; secure, clean and efficient energy; smart, green and integrated transport; climate action, environment, resource efficiency and raw materials; Europe in a changing world, inclusive, innovative and reflective societies; secure societies – protecting freedom and security of Europe and its citizens“. Eine lange Liste!

Zum Themenkomplex “neue Forschungsformate” werden Stichworte wie “Reallabore” oder “citizen science” (Bürgerforschung, dh. Beteiligung von Akteuren ausserhalb der Wissenschaft an Forschung) erwähnt und der Unterschied zwischen erkenntnisorientierter und lösungsorientierter Forschung betont. Unter dem Leitbild “transformativer Wissenschaft” (z.B. Schneidewind & Singer-Brodowski, 2014; siehe auch den das Buch begleitende Blog) wird eine spezielle Sicht von Wissenschaft beschrieben: Der “Wissenschaftliche Beirat der Bundesregierung Globale Umweltveränderungen” (WGBU) hat 2011 transformative Wissenschaft definiert als die Wissenschaft, die „Umbauprozesse durch spezifische Innovationen (…) befördert. Sie unterstützt Transformationsprozesse konkret durch die Entwicklung von Lösungen sowie technischen und sozialen Innovationen; dies schließt Verbreitungsprozesse in Wirtschaft und Gesellschaft sowie die Möglichkeiten zu deren Beschleunigung ein und erfordert zumindest in Teilen systemische Betrachtungsweisen sowie inter- und transdisziplinäre Vorgehensweisen, darunter die Beteiligung von Stakeholdern“ (WBGU, 2011, p. 374).

Der Wechsel von staatsgetriebener Forschung (z.B. Atomkraft in den 60er Jahren) über industriegetriebene Forschung (z.B. Humanisierung der Arbeitswelt) zur zivilgesellschaftlich getriebenen Forschung: Wie können Bürgerinnen und Bürger ihre Interessen an Forschung einbringen? Was sind die zivilgesellschaftlichen Interessen an Forschung? Die Frage nach einem glücklichen, friedlichen, gesunden Leben (”subjektives Wohlbefinden“) könnte dabei aus unserer psychologischen Sicht eine wesentliche Rolle spielen.

Was sind nun die Desiderate, die der WR in Bezug auf die GgHn formuliert? In sieben Unterkapiteln werden die Bedürfnisse im Umfeld von GgHn beschrieben.

(1) Zunächst ist für die Identifikation zukünftiger GgHn ein gesellschaftlicher Verständigungsprozeß notwendig, der politisches Handeln bestimmt. Kommunikation und Partizipation spielen dabei eine wichtige Rolle.

(2) Das Zusammenführen und Integrieren verschiedener Wissensquellen stellt einen weiteren Bedarf dar, der mehr bedeutet als die Verwendung des Wörtchens “interdisziplinär”. Ob man gleich zum Mittel des “text mining” greifen will, sei dahingestellt - ich denke, Integration muss anders erfolgen (und zwar über Nachdenken).

(3) Das Erkennen und Offenlegen der Grenzen wissenschaftlicher Erkenntnis. Erkenntnisse sind oft nicht eindeutig (schadet Kaffee dem Herzen oder nicht?). Man findet häufig Pro- und Kontra-Argumente. Dies bedeutet nicht nur das Offenlegen von möglichen Interessenkonflikten, sondern auch Selbstkritik in bezug auf eigene Erkenntnisse. Selbst Wissenschaftler machen Fehler :-)

(4) Koordinationsmechanismen sind bei komplexen Problemen eher nicht-hierarchisch, nicht-direktiv und dezentral. Instrumenten- und Perspektivenvielfalt ist wichtiger als Homogenität. Das bedeutet einen gewissen Verlust an Kontrolle, zugleich aber möglichen Gewinn an Kreativität.

(5) Die Selbstkorrekturfähigkeiten im Wissenschaftssystem müssen gestärkt werden. Gleichzeitig sollen Vielfalt und Freiheit der Forschung nicht eingeschränkt werden. Wissenschaftlich fundierte Sachstandsanalysen sollen dabei helfen.Der Hype um manche Forschungsthemen geht zulasten solider aber “leiser” Forschung (ein Beispiel ist das spektakulär inszenierte Human Brain Project, von dem die EU schon nach kurzer Anlaufphase gerade eine Neuausrichtung verlangt [siehe auch meinen Blog-Eintrag dazu]).

(6) Die Mitwirkung von Akteuren ausserhalb der Wissenschaft an Forschungsaktivitäten sollte mitbedacht werden, da die GgHn umfassende gesellschaftliche Veränderungsprozesse anstossen, die alle Akteure betreffen und sie daher von Anfang an einbeziehen sollten.

(7) Eine Stärkung der globalen Perspektive (”Think global, act local”) mit dem Aspekt der Global Governance, also der Staaten-übergreifenden Abstimmung, da GgHn fast immer grenzüberschreitende Themen darstellen und Interessen Dritter berühren.

Ist das ganze nur ein Papiertiger? Zunächst mal ja! Um so ein Papier lebendig werden zu lassen, müssen Dinge in die Tat umgesetzt werden. Die Anstöße sind da, das Tun fehlt noch. Aber es wäre nicht fair (und den GgHn unangemessen), einfach nur zuzusehen und nicht auch selbst aktiv zu werden. Veränderungsprozesse fangen immer mit ersten kleinen Schritten an. “Schritte” heisst: man muss sich bewegen, aus der Deckung herauskommen. Sonst werden eines Tages aus den GgHn die MGgHn - die Mega-Großen gesellschaftlichen Herausforderungen.

Kritische Reaktionen gibt es auch schon, die in diesem Transformationskonzept einen Angriff auf die Freiheit der Wissenschaft sehen und die Fremdbestimmung von Forschungszielen befürchten (siehe z.B. hier). Das sollte natürlich nicht passieren. Aber seien wir ehrlich: schon heute sind Teile der Drittmittelforschung nicht mehr völlig frei von Interessenkonflikten, und für Gutachten zur Stützung der einen Position finden sich Gegengutachten, die eine andere Sicht stark machen. Wahrheitssuche ist eben ein schwieriges Geschäft. Wer Angst vor Fremdsteuerung hat, darf nicht nur transformative Wissenschaft kritisieren, sondern muss die herrschenden Forschungsstrukturen hinterfragen.

Das WR-Papier wird hoffentlich einen breiten Diskurs auslösen! Mich hat es schon mal zum Nachdenken gebracht. Ich arbeite an einem HCE-Antrag zu Reallaboren mit!

Anzeigen in der “Rundschau”

Im aktuellen Heft 2/2015 der “Psychologischen Rundschau” (PRU) ist nach Seite 130 eine Anzeige geschaltet, die Erstaunen auslöst: Die University of Nicosia (Standort: Wien) wirbt dort auf einer 1/2 Seite für ein Doktoratsstudium Psychologie, berufsbegleitend, “nur 12 Präsenztermine in Wien”. Den vollständigen Werbeflyer findet man hier. Natürlich ist es ein Bezahl-Studium, da es sich um eine private Hochschule handelt - die Gebühren sind mit 13.500 Euro für ein dreijähriges Doktoratsstudium preiswert (zum Vergleich: private Hochschulen in der BRD bieten einen kompletten BSc-Studiengang Psychologie für knapp 30.000 Euro an).

Da es sich bei der PRU um die Zeitschrift handelt, die im Namen der “Deutschen Gesellschaft für Psychologie” (DGPs) herausgegeben wird, stellt sich natürlich die Frage, wer über die Aufnahme von Anzeigen entscheidet. Die Herausgeber verantworten den redaktionellen Teil, für die Anzeigen ist der Verlag zuständig. So weit, so gut - aber trotzdem stellt sich die Frage, ob diese Werbung nicht eine rote Linie überschreitet, die dem Anspruch der DGPs widerspricht. Brauchen wir in der DGPs vielleicht Regeln für den Umgang mit Anzeigenkunden?

Was mich bei der Anzeige schmunzeln lässt: Die PRU erhalten alle 2.500 Mitglieder der DGPs ins Haus geliefert - allerdings sind die meisten Leserinnen und Leser bereits promoviert, da Promotion noch bis vor kurzem Voraussetzung für eine Mitgliedschaft in der DGPs ist (inzwischen gibt es auch studentische Mitglieder, aber in geringen Mengen). Es kann der University of Nicosia also mit der Anzeige kaum darum gehen, Kunden zu finden. Da wären andere Journale sicher passender. Was dann?

Abschied von Frau Hohneder

Alexandra Hohneder in ihrem Büro (Anklicken zum Vergrößern)

Zum 1.5.2015 verläßt uns Alexandra Hohneder und wechselt vom Prüfungsamt in den Ruhestand - ein Wechsel an einer zentralen Stelle des Psychologischen Instituts, der sicher nicht leicht zu verkraften ist! Über lange Jahre hinweg hat Frau Hohneder unsere Studierenden (früher die Diplomer, heute die Bachelor- und Master-Studis) zugleich streng wie auch verständnisvoll begleitet. Am 21.4. fand ein Abschiedsfest im Institut statt - es waren viele Personen (auch Ehemalige) anwesend und haben Frau Hohneder nochmals hoch leben lassen, ein Ständchen gebracht, Geschenke überreicht, für die Arbeit in den vergangenen 25 Jahren gedankt und Ihr alles Gute für die Zukunft gewünscht.

Ein Prüfungsamt hat darauf zu achten, dass fair geprüft wird, dass erbrachte Leistungen anerkannt und registriert werden, sowie dass die Prüfungsresultate ordnungsgemäß zu einem Zeugnis (heute “transcript of records”, Notenliste mit ECTS-Punkten) zusammengestellt werden. Frau Hohneder hat dies in optimaler Weise (reibungslos und ruhig) über die Bühne gebracht und uns Pluspunkte verschafft an einer für die Zufriedenheit der Studis wichtigen Stelle. Dass die Arbeit in den letzten Jahren zugenommen hat, steht ausser Frage.

Ein legendärer Ausspruch von Frau Hohneder nach der Umstellung auf ECTS-Punkte 2007: “Mit dieser Umstellung werden ganze Völkerstämme beschäftigt!” Zu diesen Völkerstämmen zählen übrigens nicht nur die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Prüfungsämter, sondern auch alle Dozierenden incl. der Professoren-Ebene: Soviel Verwaltungsarbeit wie heute hatte ich noch nie! Und das ist langweilig! Dagegen waren die mündlichen Prüfungen, die es früher gab, richtig unterhaltsam (und ich habe viele Stunden damit verbracht: an der Uni Bonn habe ich in den 12 Jahren, die ich dort verbracht habe, rund 1000 mündliche Prüfungen in Allgemeiner Psychologie [im Grundstudium] sowie Kognitiver Psychologie [im Hauptstudium] abgehalten). In gewisser Weise war das noch im weitesten Sinn Wissenschaft, heute ist es pure Administration. Das semesterweise Ausfüllen von Excel-Sheets (für jede Veranstaltung eines) mit Kreditpunkten und sonstigen Details: Wenn ich die Stunden dafür zusammenzähle, hätte ich bestimmt eine weitere Veröffentlichung schreiben können.

Als Nachfolger von Frau Hohneder ist Michael Brünnich bestellt, der aus der Ethnologie kommt, sich schon seit März 2015 einarbeitet und dem wir natürlich alles Gute zum Start wünschen!

Frau Hohneder: wir beide hatten trotz aller Belastungen durch Prüfungen (und durch Prüflinge) immer wieder Spass miteinander - das werde ich vermissen! Und natürlich wünsche ich Ihnen von Herzen alles Gute für den Ruhestand!