Skip to content

Sternberg & Funke (Eds): Psychology of Human Thought

Together with Robert Sternberg (Cornell University), I have edited a textbook with the title “Psychology of Human Thought: An Introduction”, published by Heidelberg University Publishing. Besides many other strong points, it has one revolutionary feature: It is an “open access” collection of peer-reviewed chapters from all areas of higher cognitive processes. So, you could download isolated chapters or the whole book (=399 pages) as a PDF for free! For small money, there is also an option to get a printed copy (book-on-demand) via Amazon.

This is revolutionary because nowadays, textbooks can become really expensive! A report 5 years ago documented the enormous increase in yearly costs for textbooks (around 1200 Dollar per year per student at an American university). What do you expect are the prices now in 2019? Open Educational Resources (OER) are growing (see the video from Rajiv Jhangiani, Canada), we will be part of this movement.

The book is intended to be used as a textbook in courses on higher processes, complex cognition, human thought, and related courses. Chapters include concept acquisition, knowledge representation, inductive and deductive reasoning, problem solving, metacognition, language, expertise, intelligence, creativity, wisdom, development of thought, affect and thought, culture, and sections about history and about methods. The chapters are written by distinguished scholarly experts in their respective fields, coming from such diverse regions as North America, Great Britain, France, Germany, Norway, Israel, and Australia. The level of the chapters is addressed to advanced undergraduates and beginning graduate students.

Here is the complete list of chapters, together with their authors:

  1. The Psychology of Human Thought: Introduction (Robert J. Sternberg & Joachim Funke)
  2. History of the Field of the Psychology of Human Thought (Robert J. Sternberg)
  3. Methods for Studying Human Thought (Arndt Bröder)
  4. Concepts: Structure and Acquisition (Kimery R. Levering & Kenneth Kurtz)
  5. Knowledge Representation and Acquisition (Art Graesser, Anne M. Lippert, & Keith T. Shubeck)
  6. Metacognition: Monitoring and Controlling One’s Own Knowledge, Reasoning and Decisions (Klaus Fiedler, Rakefet Ackerman, & Chiara Scarampi)
  7. Deductive Reasoning (Jonathan St. B. T. Evans)
  8. Inductive Reasoning (Janet E. Davidson)
  9. Problem Solving (Joachim Funke)
  10. Decision Making (Julia Nolte, David Garavito & Valerie Reyna)
  11. Nature of Language (Lisa von Stockhausen & Joachim Funke)
  12. Language and Thought (Andrea Bender)
  13. Expertise (David Z. Hambrick)
  14. Intelligence (Oliver Wilhelm & Ulrich Schroeders)
  15. Creativity (Todd Lubart & Branden Thornhill-Miller)
  16. Wisdom (Judith Glück)
  17. Development of Human Thought (Kathleen M. Galotti)
  18. Affect and Thought: The Relationship between Feeling and Thinking (Joseph Forgas)
  19. Culture and Thought (Mary Gauvain)

We are keen to learn how our colleagues adopt this non-commercial textbook all over the world, how students perceive the level of difficulty, how the download figures develop over time.

If you compare our new edition with the old one from Sternberg and Smith (1988, more than 30 years ago), you will see the progress that has been made in the psychology of human thought. We are proud to have documented this progress for the next generation.

Thanks to Heidelberg University Publishing to give us the chance for such a project! And thanks to the contributors who did not insist on royalties for their work! And thanks to Julia Karl who did a wonderful job as copyeditor for this book!

see our book at the publisher HeiUP:
see our book at Amazon:

PS: On August 8, 2019, I have submitted our edition to the Open Textbook Library. Let the Open Educational Resources grow!

Tag der Freunde 2019

Wieder einmal war es soweit: Die “Gesellschaft der Freunde Universität Heidelberg e.V.”, deren Vorsitzender ich seit 2015 bin, feierte am 26.7.19 ihren Jahrestag, den “Tag der Freunde”! Das Programm besteht traditionell aus den drei Teilen: (a) Mitgliederversammlung, (b) Festvortrag und (c) anschließendem geselligen Teil (ein Abendessen in schöner Umgebung, mit den Freunden der Universität). Dieses Programm wurde vor genau 25 Jahren vom damaligen Vorsitzenden Gerald Rittershaus begründet, dem wir dafür unsere Dankbarkeit aussprachen.

Die Mitgliederversammlung fand im klimatisierten Hörsaal 14 am Universitätsplatz statt. Diesmal galt es neben den üblichen Formalien (wie alle vier Jahre) auch den Vorstand der Gesellschaft neu zu wählen - da der “alte” Vorstand, bestehend aus Gabriele Meister, Karl Hahn, Thorsten Helm und mir (neben den beiden nicht zu wählenden Vorstandsmitgliedern qua Amt: unser Rektor Bernhard Eitel und der Leiter des Dezernats “Beziehungspflege” Jochen Ridinger), sich erneut zur Wahl stellte und auch wiedergewählt wurde.

Der Festvortrag wurde von Dr. Frieder Hepp gehalten. Er ist seit 2001 Direktor des Kurpfälzischen Museums der Stadt Heidelberg und seit 2008 Honorarprofessor der Ruprecht-Karls-Universität. Er ist durch zahlreiche Ausstellungen und Veröffentlichungen zur Kulturgeschichte der Frühen Neuzeit, zur Frage von Religion und Herrschaft inder Kurpfalz sowie zur Ikonographie bekannt. Er ist u.a. ordentliches Mitglied der Kommission für Historische Landeskunde in Baden-Württemberg und Mitglied im Sachverständigengremium der IHK Rhein-Neckar.

Das Thema seines Festvortrags: “Königskinder. Heidelbergs Kampf um Glaube und Macht.” Worum ging es dabei? Im August 1619 wählten die böhmischen Stände den Pfälzer Kurfürsten Friedrich V. zu ihrem König. Der durch den Prager Fenstersturz am 23. Februar 1618 ausgelöste böhmisch-habsburgische Konflikt nahm damit europäische Dimensionen an und eskalierte schließlich zu einer der größten Katastrophen für die Menschen in Deutschland: dem Dreissigjährigen Krieg. Untrennbar war mit Friedrichs Aufstieg und Fall auch das Schicksal Heidelbergs verbunden, nicht zuletzt aber auch das Los seiner vielköpfigen Familie.

Der Vortrag spannte den Bogen von der „Vermählung von Rhein und Themse“, der Traumhochzeit Friedrichs und Elisabeth am 14. Februar 1613 in London, bis zur Rückkehr des Kurprinzen Karl Ludwig nach dem Westfälischen Frieden am 6. Oktober 1649 in seine Geburtsstadt, auf den Tag genau 30 Jahre, nachdem er Heidelberg als Zweijähriger mit seinen Eltern und großem Gefolge in Richtung Prag verlassen hatte und das Verhängnis für Heidelberg und die Kurpfalz seinen Lauf nahm. Der Vortrag war sehr unterhaltsam und verband die Ereignisse von 1619 (und folgend) mit unserer heutigen Zeit, wo z.B. im Juli 2017 royaler Besuch in Person von William und Kate in Heidelberg zu Besuch war (siehe hier).

Der gesellige Teil fand diesmal nicht wie gewohnt im Haus Buhl statt (das wird gerade umfänglich renoviert), sondern wir waren zu Gast bei der Heidelberger Akademie der Wissenschaften, am Karlsplatz gelegen, mit herrlichem Blick zur Schloßruine. Der Wettergott war uns wohlgesonnen, wir konnten im Innenhof sitzen und bei kühlen Getränken und warmen Speisen Erinnerungen austauschen. Zwei Mitglieder waren dabei, die seit 55 Jahren Mitglied in unserer Gesellschaft sind. Das musste gefeiert werden!

Und übrigens freuen wir uns wie immer über alle die, die unsere Alma Mater großzügig unterstützen! Wer noch kein Mitglied, aber sich mit dem Gedanken trägt: Nur zu! Hier geht es zur Anmeldung! Mit 10€ sind die Studierenden dabei, mit 25€ schlagen die ersten drei Jahre nach dem Abschluß zu Buche, 50€ beträgt der “normale” jährliche Mitgliedsbeitrag (viele zahlen bereitwillig mehr als die Untergrenze, Dank dafür!). Wir haben derzeit gut 1.300 Mitglieder, da ist noch Luft nach oben!

Seit 1999 bin ich Vorsitzender der damals von Herbert Wettig und mir gegründeten Sektion “Alumni Psychologici“, einer Art “Verein im Verein”; seit 2007 bin ich im Vorstand der Gesellschaft (und damit auch im Vorstand der Stiftung Universität Heidelberg) tätig, siehe den damaligen Blog-Eintrag, seit 2015 dessen Vorsitzender, siehe den damaligen Blog-Eintrag. Für mich ist es voraussichtlich die letzte Runde in diesem Amt, die jetzt begonnen hat. Ich danke allen Mitgliedern für das Vertrauen, das sie uns und mir mit ihrer Wahl geschenkt haben! Das ist für uns Verpflichtung, daraus etwas Gutes zu machen!

Exzellenzstatus für Uni Heidelberg

Gestern (am 19.7.19 um 16:11) wurden von der Bundesministerin für Bildung und Forschung, Anja Karliczek, die Gewinner der letzten Runde der Exzellenzstrategie von Bund und Ländern bekanntgegeben. Elf Universitäten erhalten den Titel “Exzellenzuniversität” und die damit verbundene siebenjährige finanzielle Förderung im jeweils niedrigen zweistelligen Millionenbereich. Die gute Nachricht: Die Uni Heidelberg ist dabei! Gratulation zu diesem Erfolg, der nicht ganz selbstverständlich war!

Ausgewählt wurden (in alphabetischer Reihenfolge - hier die gemeinsame Pressemitteilung von Wissenschaftsrat und Deutscher Forschungsgemeinschaft):

  1. Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule Aachen
  2. Verbund Berlin (aus FU, HU und TU)
  3. Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn
  4. Technische Universität Dresden
  5. Universität Hamburg
  6. Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg
  7. Karlsruher Institut für Technologie (KIT)
  8. Universität Konstanz
  9. Ludwig-Maximilians-Universität München
  10. Technische Universität München
  11. Eberhard Karls Universität Tübingen

Dass vier der 11 geförderten Unis aus Baden-Württemberg kommen, ist natürlich Klasse und spricht für die Qualität der Forschung in unserem Bundesland! Es zeigt auch, dass politische Proporz-Aspekte sich in der Bewertung nicht widerspiegeln.

Der jetzt erzielte Erfolg ist Ansporn und Verpflichtung zu wirklich heraussagender Forschung! Das Fach Psychologie ist im Field of Focus 4 “Selbstregulation und Regulation: Individuen und Gesellschaften” ein maßgeblicher Treiber! Diese Rolle wollen wir nun gut ausfüllen und sehen, was mit den zusätzlichen Ressourcen möglich sein wird!

Zwischenberichte in der “Causa Bluttest”

Im Februar 2019 stand kurzzeitig eine Sensation im Raum: Heidelberger Forscher meinten, einen Bluttest zur Brustkrebsdiagnostik (die Bild-Zeitung nannte es “Weltsensation”) entwickelt zu haben, der zur Früherkennung nützlich sein könnte. Doch so schnell die Meldung durch die Presse ging, so schnell kam auch Kritik daran auf. Einer der ersten Kritiker war unser Kollege Gerd Gigerenzer, der diesen angeblichen Test zur “Unstatistik” des Monats Februar 2019 kürte (siehe auch sein Update im Mai 2019).

Schon kurze Zeit später tauchten so viele Fragen auf, das aus der Weltsensation ein Skandal wurde, mit dem sich mehrere Untersuchungskommissionen detailliert beschäftigen. Zwei davon haben diese Woche am 16.7. (drei Tage vor Verkündung des Exzellenz-Wettbewerbs der deutschen Universitäten) Zwischenberichte vorgelegt, über die nun nachzulesen ist.

Der Zwischenbericht des Universitätsklinikums:
https://www.klinikum.uni-heidelberg.de/newsroom/causa-bluttest-heiscreen-externe-kommission-stellt-aufsichtsrat-des-universitatsklinikums-ersten-zwischenbericht-vor/

Der Zwischenbericht der Universität Heidelberg:
https://www.uni-heidelberg.de/de/newsroom/bluttest-zur-brustkrebsdiagnostik

Die Rezeption der Zwischenberichte durch den Wissenschaftsblogger Jan-Martin Wiarda:
https://www.jmwiarda.de/2019/07/17/bluttest-skandal-kommission-legt-kurz-vor-exstra-entscheidung-zwischenbericht-vor/

Dass dieser unschöne (und unnötige) Vorgang im Universitätsklinikum die Chancen der Universität Heidelberg im Rahmen der Exzellenzinitiative beeinträchtigen könnte, steht als Hypothese im Raum. Aber: Sollte man nicht darauf vertrauen, dass die Wissenschaftler, die derzeit zur Beurteilung der Exzellenzanträge  tagen, in ihrem Urteil autonom sind und sich nicht durch Presseberichte (weder solche über angebliche Weltsensationen noch solche über erfolgreiche Aufklärung von Skandalen) beeinflussen lassen? Wenn wir den Titel erneut gewinnen, dann hoffentlich wegen der Qualität unseres Antrags!

Morgen (am 19.7.19) gegen 16 Uhr wird das Urteil von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) bekanntgeben. Dann sehen wir, welche 11 Universitäten sich glücklich schätzen dürfen angesichts des Geldregens, der über sie ausgeschüttet wird. Die anderen müssen mit der Dürre weiterhin leben - das ist doch wohl der eigentliche Skandal!

PS: Die Finanzierungslücke beschreibt Rektor Eitel so: „Inflationsbereinigt bekommen wir derzeit pro Student und Jahr 3540 Euro weniger als noch 1998. Damals lag der Wert bei 10 610 Euro, 2017 bei 7890 Euro.” Und das bei gestiegenen Aufgaben!

Gastbeitrag “Gemeinsam statt einsam!”

Gastbeitrag „Gemeinsam statt einsam! Ein Mitmach-Projekt zum Schutz vor psychischer Belastung“ von Leonie Martin, Studentin der Psychologie am Psychologischen Institut der Universität Heidelberg

In Gemeinschaft basteln, Radfahren oder kochen? Das ist die Idee des Präventionsprojekts „prEVENTion“, das von Heidelberger Psychologiestudierenden und MitarbeiterInnen der Psychotherapeutischen Hochschulambulanz der Universität Heidelberg diesen Frühling ins Leben gerufen wurde. Das Angebot richtet sich an Menschen jeden Alters, die aufgrund schwieriger oder neuer Lebensumstände gerne mit anderen in Kontakt kommen oder an gemeinsamen Aktivitäten teilnehmen möchten. Während herausfordernder Lebensphasen – für die es vielfältige Gründe gibt wie Umzug, Trennung, Erkrankungen oder den Eintritt in die Rente – ist das Risiko erhöht, an psychischen Störungen wie bspw. Depressionen zu erkranken. Mit anderen Menschen in Kontakt zu treten und gemeinsam aktiv zu sein, ist eine wirksame Methode, um die psychische Gesundheit zu erhalten oder zu verbessern.

Hierbei soll das vielfältige Programm des prEVENTion-Projekts helfen. Monatlich erscheint ein Kalender mit Terminen und Treffpunkten für die unterschiedlichen Aktivitäten, die von engagierten Studierenden organisiert werden (www.prevention-hd.de). Für die Teilnahme ist weder eine Anmeldung noch ein Kostenbeitrag erforderlich. Das Besondere an diesem Angebot ist, dass individuell und spontan entschieden werden kann, ob und welchen Aktivitäten man sich anschließen möchte. Man kann somit unverbindlich laufen und wandern gehen, sowie gemeinsam kochen, lesen oder basteln.

Die Sport-Community trifft sich regelmäßig zum Joggen, Wandern oder Radfahren. Im Mittelpunkt steht dabei das gemeinsame Bewegen an der frischen Luft, frei von Wettkampfgedanken und Leistungsdruck. Die Kreativgruppe plant regelmäßige Treffen zu bestimmten Themen, beispielsweise drehte sich ein Termin um Collagen. Bei Gesprächen in lockerer Atmosphäre kann man basteln oder sich kreativ ausdrücken. Für kulturell Interessierte organisiert die Koch- und Lesegruppe gemeinsame Kochabende und im Rahmen eines Lesezirkels werden Bücher sowie literarische Texte diskutiert. Das Ziel für alle Gruppen ist, eine freundschaftliche und unterstützende Atmosphäre zu schaffen, in der sich jeder einbringen kann, aber nicht muss.

Die am Projekt beteiligten ehrenamtlichen OrganisatorInnen sind von Herzen dabei und freuen sich bereits auf Ihr Kommen!

Homepage: https://www.prevention-hd.de, Facebook: Stichwort „prevention Heidelberg

Das ehrenamtliche Team

Das ehrenamtliche Team

Bob Sternberg zu Besuch

Einer seiner ersten offiziellen Besuche in Heidelberg war Ende April 2005, seine Honorarprofessur hat er im Jahr 2007 erhalten, seither kommt er regelmäßig (einmal jährlich) und hält unterhaltsame Vorlesungen und Seminare in Heidelberg ab: Wieder einmal war unser Honorarprofessor Robert Sternberg mit seiner Frau Dr. Karin Sternberg und seinen Drillingen Melody, Sammy und Brittany (sie gehen schon zur Schule!) zu Besuch in Heidelberg. Er hat sein Blockseminar zum Thema “Success and failure in leadership” bei hochsommerlichen Temperaturen abgehalten und zudem einen spannenden Vortrag zum Thema “Time Bomb: How the Western Conception of Intelligence is Taking Down Humanity” gehalten. Zitat aus seiner Vortragsankündigung:

In this talk, I will discuss the evolution of my thinking about intelligence. In the process, I will try to show how scientific thinking evolves over the course of a career, discarding or elaborating upon earlier ideas in favor of newer ones. I will discuss, in turn, the componential theory of intelligence, the triarchic theory of intelligence, the theory of successful intelligence, the augmented theory of successful intelligence, and the new theory of intelligence serving as a mental immune system. I will suggest that conventional views of intelligence have had a catastrophic effect on societies, resulting in the promotion of incompetent and often malign individuals into positions of leadership and authority, and leaving marginalized far more competent and benign people. Societies may not have much time to change their practices.

Robert Sternberg is Professor of Human Development at Cornell University and Honorary Professor of Psychology at the University of Heidelberg. His PhD is from Stanford and he holds 13 honorary doctorates. Sternberg formerly was IBM Professor of Psychology and Education and Director of the Center for Abilities, Competencies, and Expertise at Yale University. Sternberg has won both the William James and James McKeen Cattell Awards from the Association for Psychological Science and the Grawemeyer Award in Psychology. He is a past-president of the American Psychological Association and the Federation of Associations in Behavioral and Brain Sciences. He is a member of the National Academy of Education and the American Academy of Arts and Sciences. Sternberg’s main interests are in intelligence, creativity, wisdom, love, and hate. Sternberg is the author of College Admissions for the 21st Century (Harvard University Press, 2010) and What Universities Can Be (Cornell University Press, 2016).

Ein Vortrag, der die Grundlagen unserer westlichen Intelligenzkonzeptionen hinterfragte und das Konzept kollektiver Intelligenz (verstanden als Intelligenz zum Wohl der Menschheit) mit individualistischen Intelligenzkonzepten verglich. Wenn Intelligenz bedeutet: Anpassung an neue Umwelten und aktives Gestalten dieser Umwelten (Assimilation und Akkomodation), dann sind wir gerade massgeblich damit beschäftigt, unsere Umwelt zu zerstören und damit unserer Spezies die Lebensgrundlagen zu entziehen - ist das intelligent?

Die Studierenden berichteten von spannenden Seminarinhalten und zeigten sich sehr zufrieden. Ich selbst freue mich jedesmal, Bob und seine Familie wiederzusehen. Unsere erste Begegnung liegt inzwischen etwa 30 Jahre zurück.

Wir hatten wie immer viel Spaß miteinander, aber auch die Arbeit kommt nicht zu kurz - das gemeinsame Open-Access-Buchprojekt “Psychology of human thought”, das wir vor 2 Jahren geplant hatten, steht kurz vor dem Abschluss. Demnächst mehr dazu. Was mir gefällt: Sein Interesse an “murky environments“!

Hier ein Link zu seiner persönlichen Webseite: http://www.robertjsternberg.com/

Manfred Amelang zum 80. Geburtstag

Ein Urgestein des Psychologischen Instituts feiert seinen 80. Geburtstag: unser Kollege Manfred Amelang! Herzlichen Glückwunsch!

Falls jemand Manfred Amelang nicht kennt (kaum vorstellbar!), hier eine Kurz-Biografie aus dem “Dorsch” (dem legendären Psychologie-Lexikon, aus der Feder von Helmut Lück): Amelang “wurde in Bad Sulza (Thüringen) geb. und kam durch Lektüre von Freud zum Ps.studium nach Marburg, wo er durch Heinrich Düker zur exp. Ps. gelangte. Er arbeitete dann bei Ferdinand Merz und Helmut von Bracken in Marburg, nach seiner Promotion bei Kurt Pawlik in Hamburg, wo er später eine Professur erhielt. 1976 nahm Amelang einen Ruf nach Heidelberg an, wo er bis zu seiner Emeritierung [im Jahr 2006, JF] blieb. Einen Ruf nach Marburg 1992 lehnte er ab. Amelang war vor allem im Bereich der Differentiellen Psychologie tätig. In größeren Untersuchungen setzte er sich kritisch mit der Theorie von Hans-Jürgen Eysenck auseinander, wobei sich auch meth. Fragen, Fragen nach kult. Unterschieden und andere Forschungsthemen ergaben. Untersuchungen zur Emotionalen Intelligenz folgten (Willmann et al. 1997). 1996–1998 war Amelang Präsident der Deutschen Gesellschaft für Psychologie.” Was dort nicht steht, zeigt ein Blick auf dieses Bild von M.A. bei einer seiner favorisierten Freizeitaktivitäten.

Was viele nicht wissen: Manfred Amelang war derjenige, der mich 1997 von Bonn nach Heidelberg geholt hat und der mich mir den Gepflogenheiten des Instituts nahe gebracht hat. Er hat mich damals mit dem Heidelberger Geist vertraut gemacht, einer kollegialen Haltung, die unser Institut bis heute bewahrt hat und die eine besonders positive Atmosphäre unter den Kolleginnen und Kollegen sicherstellt.

Manfred Amelang, Klaus Fiedler und Karlheinz Sonntag bei einem Professorium im Sommer 2000

Manfred Amelang, Klaus Fiedler und Karlheinz Sonntag bei einem Professorium im Sommer 2000

In der gerade aktuellen Debatte um die Probleme der sog. “Krebspersönlichkeit”  spielte er schon früh eine wichtige Rolle. Der britische Psychologe Hans-Jürgen Eysenck soll - wie jüngst enthüllte Dokumente zeigen - von der Tabakindustrie finanziert worden sein, um die These zu vertreten, dass nicht Rauchen Lungenkrebs auslöst, sondern Persönlichkeitsmerkmale dafür verantwortlich seien (siehe Pelosi, 2019, Personality and fatal diseases: Revisiting a scientific scandal). Manfred Amelang hat diese These von Anbeginn nicht nur lautstark in Zweifel gezogen, sondern auch eine Replikationsstudie als 10jährige Kohortenstudie durchgeführt, die seine kritische Position empirisch untermauert und die Behauptung einer Krebspersönlichkeit falsifiziert hat (Amelang et al., 2004, Personality, cardiovascular disease, and cancer).

Lieber Manfred: wir alle wünschen Dir einen schönen runden Geburtstag und weiterhin viel Lebensfreude! Danke für all’ das, was Du für unser Institut und für unser Fach geleistet hast! Das bleibt unvergessen!

Masterplan Neuenheimer Feld: Dialog mit Experten

Als Mitglied des Koordinationsbeirats für den “Masterplan Im Neuenheimer Feld” leite ich folgende Einladung zur Bürgerbeteiligung weiter, die spannende Perspektiven durch ausgewiesene Stadtplaner und Mobilitätsexperten verspricht.

Liebe Interessierte am Masterplanverfahren INF/Neckarbogen,

die nächste Stufe im Masterplanverfahren Im Neuenheimer Feld / Neckarbogen steht vor der Tür. In dieser sollen die vier Planungsbüros ihre bisherigen Ideen zu jeweils einer Entwicklungsperspektive zusammenfassen. Noch bevor die Entwicklungsperspektiven vorliegen und es mit den „klassischen“ Beteiligungsformaten zu dieser Stufe richtig losgeht – der öffentlichen Veranstaltung am Dienstag, 9. Juli, den Forumssitzungen und der Online-Beteiligung –, gibt es vorab eine ganz besondere öffentliche Veranstaltung, die den Blick über Heidelberg hinaus richtet: „Die Stadt und ihre Orte für die Wissenschaft von morgen – Dialog mit den Experten“, am Donnerstag, 4. Juli 2019, um 18.30 Uhr in der Neuen Aula der Universität Heidelberg, Universitätsplatz 1. Die Veranstaltung ist eine Initiative des Koordinationsbeirats „Masterplan Im Neuenheimer Feld“. Alle Interessierten sind herzlich eingeladen.

Bei der Veranstaltung am 4. Juli werden die externen Experten im Masterplanprozess über ihre Visionen vom Campus der Zukunft und seiner Vernetzung mit der Stadt sprechen. Ziel ist es, den Blick zu weiten, innovative Ansätze der Campusentwicklung in anderen Städten zu betrachten und neue Impulse für das Masterplanverfahren zu bekommen.

Die Besonderheit: Das Publikum wird aktiv in die Veranstaltung einbezogen. Die Besucherinnen und Besucher haben während der Vorträge und Podiumsgespräche die Möglichkeit, mit ihren Smartphones oder Tablets Fragen und Argumente für die Experten auf der Bühne einzugeben. Die Experten reagieren dann auf die zugeschickten Publikumseingaben, die auf einer Leinwand für alle sichtbar sind. Wer kein eigenes Smartphone dabei hat oder Hilfe benötigt, kann eine der angebotenen Laptop-Stationen im Saal nutzen, um seinen Beitrag abzuschicken.

Dem Dialog mit der Bürgerschaft stellen sich Professor Andreas Knie vom Wissenschaftszentrum Berlin (WZB) und von der Technischen Universität (TU) Berlin, der sich für eine umfassende Verkehrs- und Energiewende einsetzt, sowie Professorin Regine Gerike, Spezialistin für Integrierte Verkehrsplanung an der TU Dresden. Weitere Teilnehmer sind Professor Gerd-Axel Ahrens von der TU Dresden, Professor Brian Cody von der TU Graz, Professor Rudolf Scheuvens von der TU Wien und Professor Hartmut Topp von der TU Kaiserslautern. Die Experten werden sich unter anderem mit Zukunftsaspekten von Nutzungsvielfalt, Lehre und Forschung, Energie, Freiraum, Stadtklima, Mobilität und nachhaltiger Entwicklung auseinandersetzen.

Wie geht es weiter?

Die nächsten Termine im Masterplanverfahren sind die öffentliche Veranstaltung am Dienstag, 9. Juli 2019, ab 18 Uhr im Foyer und Hörsaal des Hörsaalzentrums Chemie, Im Neuenheimer Feld 252. Hier werden die Planungsbüros ihre Entwicklungsperspektiven der Öffentlichkeit präsentieren. Ebenfalls am Dienstag, 9. Juli, startet die Online-Beteiligung zum Planungsatelier. Die nächsten öffentlichen Forumssitzungen finden statt am Dienstag, 16. Juli, und Donnerstag, 25. Juli 2019. Am Ende des Planungsateliers wird der Gemeinderat die Entwicklungsperspektiven und die Planungsteams auswählen, die in der darauffolgenden Konsolidierungsphase konkrete Entwicklungsentwürfe ausarbeiten sollen.

Wir freuen uns auf Ihr Kommen.

Bitte leiten Sie diese E-Mail an alle Interessierten weiter. Vielen Dank.

Mit freundlichen Grüßen

i. A.

Franziska Ritter

Amt für Stadtentwicklung und Statistik

Koordinierungsstelle Bürgerbeteiligung

Stadt Heidelberg

Gaisbergstraße 11

69115 Heidelberg

Poetikdozentur 2019: Ulf Stolterfoht

Schon wiederholt habe ich in meinem Blog über die Poetikdozenturen an unserer Universität geschrieben (siehe meine Kommentare zu 2018 Maxim Biller, 2017 Frank Witzel, 2016 Felicitas Hoppe, 2014 Wilhelm Genazino, 2012 Patrick Roth, 2010 Bernhard Schlink, 2008 Peter Bieri (alias Pascal Mercier), 1998 Hanns-Josef Ortheil). Hier kommt ein Bericht über den diesjährig geehrten Dichter.

In diesem Jahr ist der Lyriker, Übersetzer und Verleger Ulf Stolterfoht (Jahrgang 1963) zu Besuch, von dem ich bislang noch nichts gehört hatte (ich muss gestehen, dass mein Herz mehr für Prosa als für Lyrik schlägt…). Allein: als ich den Titel seiner Poetikvorlesung sah, “Methodenmann vs. Grubenzwang und mündelsichre Rübsal”, wurde ich neugierig. Und in der Tat gab es eine witzige und durchaus tiefsinnige Vorlesung (dazu Rezitationen ausgewählter eigener Gedichte, z.B. “fachsprachen IV (1) eröffnet lebhaft“). Stolterfoht spricht langsam, legt Wert auf jedes einzelne Wort, liebt Sprache - das ist es, was mich an dem Mann begeistert. Zudem hat er das Problem der Protokollsätze (eine etwas naive Vorstellung aus dem Wiener Kreis um Rudolf Carnap und Moritz Schlick zur Etablierung einer guten Wissenschaftssprache) humorvoll angesprochen mitr Verweis auf George Moore und dessen Paradoxon “Es regnet, aber ich glaube nicht, dass es das tut”.

Stolterfoth nennt seinen eigenen Verlag “Brüterich Press” und bewirbt ihn mit dem Spruch “Schwierige Lyrik zu einem sehr hohen Preis - dann ist es Brüterich Press” - das ist nett, denn alle Bücher dieses Verlags kosten genau 20 Euro … Aber bevor er den Verlag gründete, gab es andere Kindheitsträume: “1971 erlitt ich bei der Eröffnung eines privaten Postamts Schiffbruch und eröffnete eine kleine Leihbücherei…”. Stempel, Stempelhalter, Gummifinger: Das waren Ausrüstungsgegenstände, die sein Herz höher schlagen liessen.

In seiner Vorlesung betonte er zur Beruhigung der anwesenden Studierenden, dass er sein Studium der Germanistik und Allgemeinen Sprachwissenschaft in Bochum und Tübingen abgebrochen habe. Glaubhaft machte er das durch Aufzählung zahlreicher Tübinger Gastwirtschaften (getrennt nach Sommer- und Winter-Locations), in denen er gelesen  (4 Stunden Wittgensteins “Tractatus“), gedichtet (4 Stunden aus deem Gelesenen und Halbverstandenen Gedichte zimmern) und getrunken habe (wenn ich es recht verstanden habe, ging es bei den Getränken nicht nur um Mineralwässer).

Was mir besonders gut gefallen hat (neben seinem Exkurs über Ludwig Wittgensteins Unterscheidung von sinnvollen, sinnlosen und unsinnigen Sätzen): er beschrieb anschaulich die Glücksgefühle, die ein Nicht-Verstehen von Wörtern auslösen könne! Normalerweise würde man sagen “Verstehen macht glücklich” - aber es gibt auch Argumente für den umgekehrten Fall. Das wäre ein Thema für eine psychologische Bachelor- oder sogar Masterarbeit…

Einen seiner Lieblingsätze will ich noch erwähnen (neben verschiedenen Paragraphen aus Wittgensteins “Philosophischen Untersuchungen“, deren Lektüre er allen ans Herz legte und aus denen er ausgiebig zitierte): “Chef, ich glaube, Sie sollten sich das hier mal angucken”. Wir ahnen alle, was als nächstes kommt und was mit “das hier” gemeint sein könnte…

An den kommenden beiden Montagen besteht erneut die Gelegenheit, Ulf Stolterfoht in seiner verschlungenen Ausführungen zuzuhören (Programm). Ich werde versuchen, die Glücksgefühle des Nicht-Verstehens weiter zu vertiefen.

Kann man Kreativität lernen?

Was ist eigentlich Kreativität? Psychologen nennen eine Idee kreativ, wenn sie einen neuen und nützlichen Lösungsvorschlag für ein wie auch immer geartetes Problem enthält. Die Entdeckung der Solarzelle löst das Problem regenerativer Energie, eine Büroklammer am defekten Reißverschluss einer Hose löst ein anderes Problem. Kreative Ideen vom Typ Solarzelle stellen die „große“ Kreativität dar, die gesellschaftlich nützliche Produkte hervorbringt. Die Büroklammer ist ein Beispiel für die „kleine“ (alltägliche) Kreativität dar, die eine individuell nützliche Lösung eines Problems liefert.

Der Begriff Kreativität ist in aller Munde, Kreativität ist eine gute Sache, wie es scheint. Also steht die naheliegende Frage im Raum: Kann man Kreativität lernen? Die Antwort der Wissenschaft darauf ist wie so oft ein „Ja“ und ein „Nein“. Diesen scheinbaren Widerspruch will ich kurz erläutern.

Früher dachte man, Kreativität wäre nur wenigen Genies vorbehalten. Seit Beginn der 1950er Jahre ist – maßgeblich durch den amerikanischen Psychologen Joy Guilford beeinflusst – ein Umdenken eingeleitet worden, das anstelle eines Genie-Konzepts die Annahme setzt, dass im Grunde genommen jeder Mensch zu horizont-erweiterndem, divergenten Denken fähig ist. Natürlich gibt es unterschiedliche Ausmaße dieses kreativen Denkens bei unterschiedlichen Menschen, aber prinzipiell ist jeder zu kreativen Ideen fähig.

Ein Grund für das rasante Interesse am Thema „Kreativität“ in der zweiten Hälfte des letzten Jahrhunderts war unter anderem der „Sputnik“-Schock: Dass die Russen vor den Amerikanern den Weltraum zu erobern drohten, setzte auf amerikanischer Seite erhebliche Anstrengungen auf der Suche nach kreativen Köpfen in Gang. Mit dem Vorschul-Fernsehprogramm „Sesamstrasse“ versuchten die Amerikaner, flächendeckend bereits bei Kindern im Vorschulalter durch mehr Bildung mehr Kreativität zu erzeugen.

Die Folge dieser „kreativen Wende“ waren Kreativitäts-Workshops und Ideenbörsen, Zukunftswerkstätten und Utopie-Gruppen, alle Welt will Kreativität fördern. Lösen wir also einen Gehirnsturm – ein „brain storming“ – aus, und gehen wir mit einem genialen Einfall nach Hause. Was wird nicht noch alles getan, um selbst den letzten Gedanken aus dem Gehirn zu kitzeln. Zugleich wird immer mehr evaluiert, kontrolliert, reglementiert und noch der letzte Rest an freier Zeit verplant. Zum anarchischen Wesen der Kreativität gehört es aber nun einmal, dass sie sich weder planen noch verordnen lässt. Allein von Disziplin wird die begehrte Muse auch nicht zum ersehnten Kuss verführt. Förderlich für die Kreativität hingegen sind mehr Zeit, mehr Vertrauen, weniger Druck. Dann wird man am Ende sehen können, ob sich ein interessanter Gedanke, etwas Neues entwickelt hat.

Deswegen ein „Nein“ auf die Frage, ob man Kreativität lernen kann. Die Teilnahme an einem Kreativitätskurs macht noch niemanden zu einer kreativen Person, so wie ein Schwimmkurs jemandem das Schwimmen lehrt. Wer sich vornimmt, jeden Freitagnachmittag ein paar kreative Stunden zu verbringen, hat keine Sicherheit, dass am Abend wirklich neue Ideen auf dem Tisch liegen. Kreativität lässt sich nicht verordnen, ein guter Einfall ist nicht garantiert.

Ein „Ja“ gibt es auf die im Titel gestellte Frage, weil man selbst durch seine Handlungen einiges dazu beitragen kann, sein kreatives Potential zu erhöhen. Vor allem die Offenheit für neue Erfahrungen ist dabei ein starkes Element. Wer in Routinen und Gewohnheiten erstarrt, wird seine Kreativität zum Verschwinden bringen. Deswegen ist die kindliche Kreativität, die sich im Phantasiespiel zeigt, ein natürlicher Anfangspunkt, der jedoch schnell verloren gehen kann, wenn diese Freiheiten zu stark eingeengt werden. Eigentlich ist Träumen und Phantasieren auch bei älteren Menschen sinnvoll. Kreativität muss mit höherem Lebensalter nicht verloren gehen. Ein Blick in die Kunstwelt zeigt, dass Alterswerke (etwa bei Pablo Picasso) ihre eigene Faszination haben. Auch bei Komponisten ist häufig nicht das Erstlingswerk, sondern das Spätwerk dasjenige, was uns beeindruckt.

Blickt man zurück in die Geschichte, zeigt sich, dass wichtige Innovationen nicht das Ergebnis von kostspieligen Anreiz-Programmen und ausgeklügelten Kreativitätsübungen sind. Häufig waren sie die Resultate des Grübelns intelligenter Eigenbrödler, die ihre Ideen mit teils milder, teils heftiger Besessenheit verfolgten und sich dabei meist nur wenig um die Meinung ihrer Zeitgenossen scherten. Die kreative Idee, die urplötzlich über ihren Entdecker hereinbricht und Außenstehenden wie ein göttlicher Geistesblitz erscheinen mag, stellt sich bei näherer Betrachtung oft als das Konzentrat langwieriger Vorarbeiten heraus, ganz im Sinne des Diktums von Thomas Edison: „Genius is one percent inspiration and 99 percent perspiration“.

Leonardo da Vinci, dessen 500. Todestag kürzlich begangen wurde, war eine außergewöhnlich kreative Person. Seine Neugier auf alle möglichen Erscheinungen der Natur – sei es der Vogelflug oder der menschliche Körper – hat ihn zu vielen Erfindungen inspiriert. Funktioniert haben davon zu seinen Lebzeiten nur wenige. Ihm fehlte die Ausdauer, mit der etwa Thomas Edison jahrelang an der Legierung seines Glühfadens für das elektrische Licht gebastelt hat, bis er schließlich ein haltbares Metall fand. Kreative Personen sind sehr unterschiedlich aufgestellt, es gibt kein Erfolgsrezept.

Die Frage, ob Roboter, ob Maschinen mit künstlicher Intelligenz Kreativität zeigen, würde von Vertretern der KI vermutlich bejaht. Tatsächlich malen Roboter Klecksbilder im Stil des amerikanischen Künstlers Jackson Pollock und intelligente Softwareprogramme komponieren Musik im Stil der Beatles. Aber diese Produktionen setzen natürlich das Werk von Künstlern oder Musikern bereits voraus, Einen eigenen Stil oder ein eigenes Genre hat die Künstliche Intelligenz noch nicht hervorgebracht. Es bleibt eine „mechanische“ Kreativität.

Gibt es Schattenseiten der Kreativität? Natürlich gibt es eine „dark side of creativity“, eine dunkle Seite: Überall da nämlich, wo Kreativität mit schlechten Wertvorstellungen zusammenkommt. Die kreative Gestaltung von betrügerischen Unternehmungen, die Kreativität im Erfinden und Verfeinern von Foltermethoden: all das sind Beispiele dafür, dass wir Kreativität nur solange gut finden, wie sie zum Wohl des Einzelnen oder der Gemeinschaft eingesetzt wird. Aber im Grunde ist das kein Problem der Kreativität, sondern eines, das mit den Wertvorstellungen der handelnden Personen zu tun hat.

Wie so oft, haben wir es auch bei der Kreativität mit der Wechselwirkung einer Person und ihrer Umwelt zu tun: Kreative Milieus sind leicht zu spüren, wenn man ihnen begegnet – sie sind jedoch nur schwer zu beschreiben und noch schwerer herzustellen. Allenfalls kann man Gelegenheit zur Kreativität schaffen; dabei hilfreich sind Personen mit milden Formen der Besessenheit, viel Zeit und Muße.

So sehr wir uns alle viele kreative Milieus in kreativ ausgerichteten Organisationen wie zum Beispiel den Universitäten wünschen, am Ende ist es immer nur das Individuum, das mit seinen neuen Ideen die Welt voranbringt. Auch wenn der 2001 erschienene iPod (ein tragbares Gerät zum Musikabspielen) mit dem Firmennamen von Apple verbunden wird: Die treibende Kraft hinter dieser Entwicklung war die Person Steve Jobs, die sich über Zweifler hinwegsetzte.

Kreative Personen brauchen Freiräume und Vertrauen, sodass sie ihre Kreativität entwickeln und Bereitschaft zum Risiko zeigen können. „Kreativität lernen“: Das bedeutet für die kreative Person auch, Mut zur eigenen Kreativität zu zeigen! Für dessen Umwelt bedeutet es, nicht sofort mit Kritik und Zweifel zu kommen, sondern neuen und ungewöhnlichen Ideen eine Chance zu geben.

Die Kreativität ist ein zartes Pflänzchen. Pflegt man es nicht stetig und geduldig, kommt nur ein dürres Gewächs heraus. Ein guter Gärtner hegt seine Pflanzen und liebt sie und weiß doch, dass schöne Blüten nicht zu erzwingen sind. Wenn aber das Klima stimmt, gibt es Grund zur Hoffnung.

(Dieser Beitrag erschien in der Pfingstausgabe der Rhein-Neckar-Zeitung am 8.6.2019)