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Wasserschaden

Wasserschaden vor HS 2

Wasserschaden vor HS 2

Wir gehen gerade in die Endphase unseres Bauvorhabens “Fahrstuhl Hintergebäude” - Mitte Juli soll alles fertig sein. Auch die Aussenanlagen werden schon wieder in Form gebracht, auf Vorschlag der Fachschaft werden weitere hölzerne Sitzgarnituren für den Innenhof bestellt (die ästhetisch schöneren Sitzmöbel, die uns Frau Christmann vorgeschlagen hatte, sind leider vier Mal so teuer wie der gesamte finanzielle Verfügungsrahmen). Also alles in guter Ordnung.

Nun ist ein kleiner Zwischenfall eingetreten: Der Wasserkreislauf für die Klimaanlage in HS 2 (ja, man glaubt es fast nicht: da haben wir eine Klimaanlage!) ist wegen einer Verstopfung geplatzt und ausgelaufenes Wasser ist in die Gipsplatten der abgehängten Decke des Vorraums zu HS 2 gedrungen. Vollgesogen mit Wasser drohen die nun herabzustürzen. Ist wohl besser, im Moment nicht dort entlangzulaufen…

Aus der Mail von unserem Kustos, Dr. Schahn: “die Ursache des Wasserschadens vor dem Hörsaal 2 ist ein geplatztes Rohr der Frischwasserzuführung für die Klimaanlage. Dort lief wohl über Tage Wasser aus und hat die Decke völlig durchfeuchtet. Auch die Elektrik des Hörsaals ist in Mitleidenschaft gezogen. Es muss nun zunächst das Wasser beseitigt und die durchfeuchtete Decke des Vorraums abgebrochen und neu aufgebaut werden. Die Dauer der Arbeiten hängt vom Ausmaß der Schäden ab und ist noch nicht vorhersagbar.”

Was das Foto noch zeigt (anklicken zum Vergrößern): man erkennt den Adhocismus der Problemlösung an den herangezogenen Hilfsmitteln, die in großer Hektik dazu dienen sollten, die Wasserläufe etwas aufzufangen bzw. den Durchgang zu versperren. Intelligenter Werkzeuggebrauch, oder? Bei Katastrophen (wie dieser kleinen hier) muss man improvisieren und Kreativität zeigen. Ein “quick fix”: hier ist das angemessen - bei anderen Problemen brauchen wir nicht schnelle, sondern nachhaltige Lösungen!

Und gut, dass uns die derzeitigen Aussentemperaturen von >35 Grad helfen werden, zu einer schnellen Trocknung zu kommen. Erst dann wird man eine genaue Schadensanalyse vornehmen können. Auch hier nochmal unser Kustos: es ist “… wahrscheinlich, dass die Klimaanlage (Kühlung) nicht wieder in Betrieb genommen werden kann. Die Frischluftzufuhr wird schon wieder hergestellt werden können, aber dann wird eben die angesaugte Luft so warm sein wie die Außenluft. Wenn der Hörsaal im Juli sowieso nicht benutzbar ist, ist das aber im WS kein Problem mehr, sondern erst im nächsten Sommer. Vielleicht beschleunigt die Sache die ohnehin mittelfristig vorgesehene Renovierung des Hörsaals etwas.” Das wäre zu wünschen!

Laudate Papam!

Kinder suchen nach Aluminium, Kupfer oder Eisen auf der Müllhalde von Agbogbloshie/Accra. (Uniceffoto 2011) © dpa

Menschenunwürdige Bedingungen: Kinder suchen nach Aluminium, Kupfer oder Eisen auf der Müllhalde von Agbogbloshie/Accra. (Uniceffoto 2011) © dpa

Lobet den Papst Franziskus! Seine jüngste Enzyklika “Laudato si” (hier zur deutschen Übersetzung) ist getragen von der Sorge um unseren Planeten und den Auswirkungen des menschengemachten Klimawandels (Untertitel der Enzyklika: “Über die Sorge für das gemeinsame Haus”). Zu den Zentralthemen dieser Stellungnahme, die aus 246 Absätzen besteht, gehören gemäß Absatz 16

  • “die enge Beziehung zwischen den Armen und der Anfälligkeit des Planeten;
  • die Überzeugung, dass in der Welt alles miteinander verbunden ist;
  • die Kritik am neuen Machtmodell und den Formen der Macht, die aus der Technik abgeleitet sind;
  • die Einladung, nach einem anderen Verständnis von Wirtschaft und Fortschritt zu suchen;
  • der Eigenwert eines jeden Geschöpfes;
  • der menschliche Sinn der Ökologie;
  • die Notwendigkeit aufrichtiger und ehrlicher Debatten;
  • die schwere Verantwortung der internationalen und lokalen Politik;
  • die Wegwerfkultur und der Vorschlag eines neuen Lebensstils” (16).

Was für eine Liste! Und welch starke Aussagen Franziskus macht:

„Die Erde, unser Haus, scheint sich immer mehr in eine unermessliche Mülldeponie zu verwandeln (…) Noch ist es nicht gelungen, ein auf Kreislauf ausgerichtetes Produktionsmodell anzunehmen, das Ressourcen für alle und für die kommenden Generationen gewährleistet und das voraussetzt, den Gebrauch der nicht erneuerbaren Reserven aufs Äußerste zu beschränken, den Konsum zu mäßigen, die Effizienz der Ressourcennutzung maximal zu steigern und auf Wiederverwertung und Recycling zu setzen. Die Auseinandersetzung mit dieser Frage wäre ein Weg, der Wegwerfkultur entgegenzuwirken.“ (21 und 22)

Und zum Klimawandel:

„Es besteht eine sehr starke wissenschaftliche Übereinstimmung darüber, dass wir uns in einer besorgniserregenden Erwärmung des Klimasystems befinden. (23) (…) Wenn die augenblickliche Tendenz anhält, könnte dieses Jahrhundert Zeuge nie dagewesener klimatischer Veränderungen und einer beispiellosen Zerstörung der Ökosysteme werden, mit schweren Folgen für uns alle. (24) (…) Darum ist es dringend geboten, politische Programme zu entwickeln, um in den kommenden Jahren den Ausstoß von Kohlendioxid und anderen stark verunreinigenden Gasen drastisch zu reduzieren, zum Beispiel indem man die Verbrennung von fossilem Kraftstoff ersetzt und Quellen erneuerbarer Energie entwickelt.“ (26)

Über das Artensterben heisst es (33): “Die weitaus größte Mehrheit stirbt aus Gründen aus, die mit irgendeinem menschlichen Tun zusammenhängen (…) Die Pflege der Ökosysteme setzt einen Blick voraus, der über das Unmittelbare hinausgeht, denn wenn man nur nach einem schnellen und einfachen wirtschaftlichen Ertrag sucht, ist niemand wirklich an ihrem Schutz interessiert.“

Was sind die Handlungsempfehlungen? Im Kleinen könne jeder durch seinen Lebensstil einen Beitrag leisten. Der Papst schlägt vor, öffentliche Verkehrsmittel zu benutzen, ein Auto mit mehreren Personen zu teilen (153), unnötige Lampen auszuschalten und Bäume zu pflanzen (211). Wow! Der Papst: nicht neu, aber so konkret! Das ist allemal besser als beten!

Das ganze Statement überzeugt auch deswegen, weil es der berichteten Bescheidenheit seiner Amtsführung entspricht. Vorbildlich also! Interessant, dass solche Äußerungen von einem einflussreichen Kirchenführer und nicht von unseren politischen Repräsentanten kommen - die G7 hätten dazu ja Gelegenheit gehabt! Zielkonflikte? Ganz offenkundig…

New Honorary Professors

Robert Kail and Sabina Pauen showing the new service clothing

To strengthen the international connections of our department and also to bring our students into contact with leading researchers in their field, we are happy that the list of our prominent honorary professors has grown. Two highly renowned researchers accepted our invitation to become appointed as Honorary Professor at our department: Robert Kail (see my older blog entry) and Allan Wigfield.

Prof. Dr. Robert Kail (Purdue University), invited by our colleague Sabina Pauen (Developmental Psychology), has given his inaugural lecture last week under the title “When opportunity knocks, open the door”. What was meant by this funny title? Here comes his abstract: “In this talk I take a retrospective look at three facets of my career, two involving lines of research and one involving editorial work. The theme of the talk is this: As scientists we typically see ourselves (and our work) as rationale, planful, and deliberate. Nevertheless, sometimes exciting opportunities arrive unexpectedly. When they do, we should embrace them eagerly!”

Rob gave 3 examples from his personal career when windows of oppurtunity opened for him (his early developmental work; his work about amnesic aphasia; his work as editor of highly ranked journals and as teacher for concise scientific writing).

We all were impressed to hear about the number of manuscripts that he had to deal with during his editorship of “Psychological Science“, according to their homepage “the highest ranked empirical journal in psychology”. Within 5 years, a total of 10.854 papers (!) have been processed - and most of them have been read be Rob! Wow!

Allan Wigfield and Birgit Spinath testing coffee quality

Prof. Dr. Allan Wigfield (University of Maryland), invited by our colleague Birgit Spinath (educational psychology), is a specialist for achievement motivation and its development. He started with his lectures also last week; he will give his inaugural lecture next summer. I will report about that event next year.

You will probably know Allan Wigfield from his work on the expectancy-value-approach to motivation which he elaborated together with Jacque Eccles. This is one of the leading models that is used to explain achievement-related choices such as the amount of effort one invests for certain tasks or the subjects one chooses in school or in higher education. If you want to hear more about Allan Wigfield’s research, come to the talk that he will give when he is Heidelberg next time.

Neues von Jens Förster (Teil 4)

Wie man nach dem bisherigen Verlauf der “Causa Förster” annehmen konnte, ist das Ende der Debatte um unglaubwürdige Datensätze mit fast perfekter Linearität noch nicht erreicht (Dank an verschiedene Mitleser dieses Blogs, die mich auf die neuen Entwicklungen aufmerksam gemacht haben!). Gerade hat die Universität Amsterdam (UvA) weitere 8 Retraktionen von Jens Försters Arbeiten bei den entsprechenden Journal-Herausgebern eingefordert. Insgesamt 15 ältere Publikationen mit UvA-Affiliation wurden von Statistikern untersucht; vier davon waren unauffällig, 3 bedingt auffällig, 8 wurden als auffällig deklariert (”strong evidence for low veracity”): http://www.uva.nl/en/news-events/news/uva-news/uva-news/uva-news/content/folder/2015/05/articles-jens-forster-investigated.html

Für “Science” ist das unter Rubrik “Breaking News” immerhin einen Kommentar wert: http://news.sciencemag.org/europe/2015/06/report-further-incriminates-social-psychologist-jens-f-rster?rss=1

In seinem eigenen Blog nimmt Jens Förster zu den neuen Vorwürfen Stellung und beklagt die Intransparenz des Verfahrens. Er und seine Ko-Autoren bewerten den ihm von der UvA vorab zugesandten Prüfbericht als “voreingenommen und irreführend”. Weiter heisst es in seiner kurzen Stellungnahme (der sicher mehr folgen wird): “Im Moment möchte ich nur meine tiefe Empörung über dieses Verfahren äußern, in dem über eine Analyse berichtet wird, auf die mir nicht einmal die Zeit gegeben wurde, angemessen zu reagieren. Die Intention der UvA ist mir vollkommen schleierhaft; ich weiß noch nicht einmal, aus welchen Personen sich die Kommission zusammensetzt.” (Quelle: http://www.socolab.de/main.php?id=66). Wieso ist eigentlich die Intention der UvA “schleierhaft”? Ich kann das gut verstehen!

Statistische Argumente sind natürlich nur ein Aspekt in dieser Debatte - aber kein ganz unwichtiger, wie mir scheint. Für Freunde der Bayes-Statistik gibt es auch noch mehr Material zu den Daten von Jens Förster unter http://arxiv.org/pdf/1405.4540v2.pdf Dort heisst es: “This would imply that the probability that 12 studies will have an evidential value of at least 2, as occurs in Table 1, equals approximately (1/7)12 ≈ 7.2 × 10−11.”

Aus dem Wörterbuch des Teufels von Ambrose Bierce (The Devil’s Dictionary): “Proof, n. Evidence having a shade more of plausibility than of unlikelihood. The testimony of two credible witnesses as opposed to that of only one.”

Nachtrag: Der Link zum vollständigen Untersuchungsbericht der UvA (dated May 15, 2015) findet sich hier: https://drive.google.com/file/d/0B5Lm6NdvGIQbamlhVlpESmQwZTA/view Last but not least: Retraction Watch hat den Vorgang ebenfalls kommentiert: http://retractionwatch.com/2015/06/03/yet-another-investigation-casts-doubt-on-forsters-findings-he-responds-with-outrage/

Nachtrag 18.6.2015: Es gibt mit Datum 17.6.15 eine ausführliche Stellungnahme von Jens Förster zum UvA-Untersuchungsbericht, in der er die neuen Vorwürfe und Retraktionsforderungen wie folgt kommentiert: “In sum, I find the report and the entire procedure that led to its writing and publication unacceptable. There is no concrete evidence of data manipulation, the statistical methods used are error prone, flawed and most probably invalid. UvA has no reason for asking journal editors to retract my papers.”

Große gesellschaftliche Herausforderungen

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Am 24.4.2015 hat der Wissenschaftsrat (WR; seit 2014 unter dem Vorsitz von Manfred Prenzel, TU München) in Stuttgart ein Positionspapier zum Thema „Zum wissenschaftspolitischen Diskurs über Große gesellschaftliche Herausforderungen“ vorgestellt (zum Download: hier), das viele interessante Anregungen enthält. Die Stellungnahme beansprucht, “Desiderate für den Umgang von Wissenschaft und Wissenschaftspolitik mit Großen gesellschaftlichen Herausforderungen zu formulieren” (S. 5). Das ist - nicht nur in Hinblick auf die in 2017 kommende dritte Runde der Exzellenzinitiative - von besonderem Interesse: Die großen Förderorganisationen der Wissenschaft (wie DFG, MPG, FhG), aber auch der Bund und die Länder lesen in diesem Papier Erwartungen an die Wissenschaft (und an die Wissenschaftsförderer), die die Ressourcenverteilung, neue Forschungsformate sowie generell das Verhältnis von Wissenschaft und Gesellschaft betreffen und uns als Wissenschaftler daher interessieren müssen.

Ausgangspunkt der Überlegungen sind sog. Große gesellschaftliche Herausforderungen (GgHn, das große G soll den stehenden Begriff markieren; international verwendete Bezeichnungen sind “societal challenges” oder “grand challenges”), die nach unserem Begriffsverständnis als “wicked problems” (der Begriff stammt von Rittel, 1972, und bezeichnet komplexe Probleme) verstanden werden können und die sich “durch hohe Komplexität, Vernetztheit, Zielpluralität und Unschärfe” (S. 16) auszeichnen.

Beispiele für die damit gemeinten gesellschaftlichen Herausforderungen sind Klimawandel, Energieversorgung, Wasseressourcen, Welternährung, Altern, Gesundheit, Ressourcenverknappung, Friedenssicherung – Problemfelder, für die keine einfachen und vor allem keine kurzfristigen Lösungen in Sicht sind. Viele Akteure sind beteiligt, haben ganz unterschiedliche Informationslagen und vor allem unterschiedliche Interessen. Kompromisslösungen, die Gerechtigkeit herstellen sollen, sind nicht in Sicht, weil schon beim Konzept “Gerechtigkeit” der Streit beginnt: Die verschiedenen Spielarten (z.B. Verteilungsgerechtigkeit oder Generationengerechtigkeit) führen jeweils zu anderen Ergebnissen und machen Diskussionen notwendig.

Im europäischen Forschungsraum hat die EU-Kommission für ihr Förderprogramm “Horizon 2020” etwa 40% der gesamten Fördersumme von insgesamt knapp 80 Milliarden Euro für die Beschäftigung mit “societal challenges” bereitgestellt (also rund 30 Mrd €). Darunter versteht die EU inhaltlich folgende konkrete Themen: „Health, demographic change and wellbeing; food security, sustainable agriculture and forestry, marine and maritime and inland water research, and the bioeconomy; secure, clean and efficient energy; smart, green and integrated transport; climate action, environment, resource efficiency and raw materials; Europe in a changing world, inclusive, innovative and reflective societies; secure societies – protecting freedom and security of Europe and its citizens“. Eine lange Liste!

Zum Themenkomplex “neue Forschungsformate” werden Stichworte wie “Reallabore” oder “citizen science” (Bürgerforschung, dh. Beteiligung von Akteuren ausserhalb der Wissenschaft an Forschung) erwähnt und der Unterschied zwischen erkenntnisorientierter und lösungsorientierter Forschung betont. Unter dem Leitbild “transformativer Wissenschaft” (z.B. Schneidewind & Singer-Brodowski, 2014; siehe auch den das Buch begleitende Blog) wird eine spezielle Sicht von Wissenschaft beschrieben: Der “Wissenschaftliche Beirat der Bundesregierung Globale Umweltveränderungen” (WGBU) hat 2011 transformative Wissenschaft definiert als die Wissenschaft, die „Umbauprozesse durch spezifische Innovationen (…) befördert. Sie unterstützt Transformationsprozesse konkret durch die Entwicklung von Lösungen sowie technischen und sozialen Innovationen; dies schließt Verbreitungsprozesse in Wirtschaft und Gesellschaft sowie die Möglichkeiten zu deren Beschleunigung ein und erfordert zumindest in Teilen systemische Betrachtungsweisen sowie inter- und transdisziplinäre Vorgehensweisen, darunter die Beteiligung von Stakeholdern“ (WBGU, 2011, p. 374).

Der Wechsel von staatsgetriebener Forschung (z.B. Atomkraft in den 60er Jahren) über industriegetriebene Forschung (z.B. Humanisierung der Arbeitswelt) zur zivilgesellschaftlich getriebenen Forschung: Wie können Bürgerinnen und Bürger ihre Interessen an Forschung einbringen? Was sind die zivilgesellschaftlichen Interessen an Forschung? Die Frage nach einem glücklichen, friedlichen, gesunden Leben (”subjektives Wohlbefinden“) könnte dabei aus unserer psychologischen Sicht eine wesentliche Rolle spielen.

Was sind nun die Desiderate, die der WR in Bezug auf die GgHn formuliert? In sieben Unterkapiteln werden die Bedürfnisse im Umfeld von GgHn beschrieben.

(1) Zunächst ist für die Identifikation zukünftiger GgHn ein gesellschaftlicher Verständigungsprozeß notwendig, der politisches Handeln bestimmt. Kommunikation und Partizipation spielen dabei eine wichtige Rolle.

(2) Das Zusammenführen und Integrieren verschiedener Wissensquellen stellt einen weiteren Bedarf dar, der mehr bedeutet als die Verwendung des Wörtchens “interdisziplinär”. Ob man gleich zum Mittel des “text mining” greifen will, sei dahingestellt - ich denke, Integration muss anders erfolgen (und zwar über Nachdenken).

(3) Das Erkennen und Offenlegen der Grenzen wissenschaftlicher Erkenntnis. Erkenntnisse sind oft nicht eindeutig (schadet Kaffee dem Herzen oder nicht?). Man findet häufig Pro- und Kontra-Argumente. Dies bedeutet nicht nur das Offenlegen von möglichen Interessenkonflikten, sondern auch Selbstkritik in bezug auf eigene Erkenntnisse. Selbst Wissenschaftler machen Fehler :-)

(4) Koordinationsmechanismen sind bei komplexen Problemen eher nicht-hierarchisch, nicht-direktiv und dezentral. Instrumenten- und Perspektivenvielfalt ist wichtiger als Homogenität. Das bedeutet einen gewissen Verlust an Kontrolle, zugleich aber möglichen Gewinn an Kreativität.

(5) Die Selbstkorrekturfähigkeiten im Wissenschaftssystem müssen gestärkt werden. Gleichzeitig sollen Vielfalt und Freiheit der Forschung nicht eingeschränkt werden. Wissenschaftlich fundierte Sachstandsanalysen sollen dabei helfen.Der Hype um manche Forschungsthemen geht zulasten solider aber “leiser” Forschung (ein Beispiel ist das spektakulär inszenierte Human Brain Project, von dem die EU schon nach kurzer Anlaufphase gerade eine Neuausrichtung verlangt [siehe auch meinen Blog-Eintrag dazu]).

(6) Die Mitwirkung von Akteuren ausserhalb der Wissenschaft an Forschungsaktivitäten sollte mitbedacht werden, da die GgHn umfassende gesellschaftliche Veränderungsprozesse anstossen, die alle Akteure betreffen und sie daher von Anfang an einbeziehen sollten.

(7) Eine Stärkung der globalen Perspektive (”Think global, act local”) mit dem Aspekt der Global Governance, also der Staaten-übergreifenden Abstimmung, da GgHn fast immer grenzüberschreitende Themen darstellen und Interessen Dritter berühren.

Ist das ganze nur ein Papiertiger? Zunächst mal ja! Um so ein Papier lebendig werden zu lassen, müssen Dinge in die Tat umgesetzt werden. Die Anstöße sind da, das Tun fehlt noch. Aber es wäre nicht fair (und den GgHn unangemessen), einfach nur zuzusehen und nicht auch selbst aktiv zu werden. Veränderungsprozesse fangen immer mit ersten kleinen Schritten an. “Schritte” heisst: man muss sich bewegen, aus der Deckung herauskommen. Sonst werden eines Tages aus den GgHn die MGgHn - die Mega-Großen gesellschaftlichen Herausforderungen.

Kritische Reaktionen gibt es auch schon, die in diesem Transformationskonzept einen Angriff auf die Freiheit der Wissenschaft sehen und die Fremdbestimmung von Forschungszielen befürchten (siehe z.B. hier). Das sollte natürlich nicht passieren. Aber seien wir ehrlich: schon heute sind Teile der Drittmittelforschung nicht mehr völlig frei von Interessenkonflikten, und für Gutachten zur Stützung der einen Position finden sich Gegengutachten, die eine andere Sicht stark machen. Wahrheitssuche ist eben ein schwieriges Geschäft. Wer Angst vor Fremdsteuerung hat, darf nicht nur transformative Wissenschaft kritisieren, sondern muss die herrschenden Forschungsstrukturen hinterfragen.

Das WR-Papier wird hoffentlich einen breiten Diskurs auslösen! Mich hat es schon mal zum Nachdenken gebracht. Ich arbeite an einem HCE-Antrag zu Reallaboren mit!

Anzeigen in der “Rundschau”

Im aktuellen Heft 2/2015 der “Psychologischen Rundschau” (PRU) ist nach Seite 130 eine Anzeige geschaltet, die Erstaunen auslöst: Die University of Nicosia (Standort: Wien) wirbt dort auf einer 1/2 Seite für ein Doktoratsstudium Psychologie, berufsbegleitend, “nur 12 Präsenztermine in Wien”. Den vollständigen Werbeflyer findet man hier. Natürlich ist es ein Bezahl-Studium, da es sich um eine private Hochschule handelt - die Gebühren sind mit 13.500 Euro für ein dreijähriges Doktoratsstudium preiswert (zum Vergleich: private Hochschulen in der BRD bieten einen kompletten BSc-Studiengang Psychologie für knapp 30.000 Euro an).

Da es sich bei der PRU um die Zeitschrift handelt, die im Namen der “Deutschen Gesellschaft für Psychologie” (DGPs) herausgegeben wird, stellt sich natürlich die Frage, wer über die Aufnahme von Anzeigen entscheidet. Die Herausgeber verantworten den redaktionellen Teil, für die Anzeigen ist der Verlag zuständig. So weit, so gut - aber trotzdem stellt sich die Frage, ob diese Werbung nicht eine rote Linie überschreitet, die dem Anspruch der DGPs widerspricht. Brauchen wir in der DGPs vielleicht Regeln für den Umgang mit Anzeigenkunden?

Was mich bei der Anzeige schmunzeln lässt: Die PRU erhalten alle 2.500 Mitglieder der DGPs ins Haus geliefert - allerdings sind die meisten Leserinnen und Leser bereits promoviert, da Promotion noch bis vor kurzem Voraussetzung für eine Mitgliedschaft in der DGPs ist (inzwischen gibt es auch studentische Mitglieder, aber in geringen Mengen). Es kann der University of Nicosia also mit der Anzeige kaum darum gehen, Kunden zu finden. Da wären andere Journale sicher passender. Was dann?

Abschied von Frau Hohneder

Alexandra Hohneder in ihrem Büro (Anklicken zum Vergrößern)

Zum 1.5.2015 verläßt uns Alexandra Hohneder und wechselt vom Prüfungsamt in den Ruhestand - ein Wechsel an einer zentralen Stelle des Psychologischen Instituts, der sicher nicht leicht zu verkraften ist! Über lange Jahre hinweg hat Frau Hohneder unsere Studierenden (früher die Diplomer, heute die Bachelor- und Master-Studis) zugleich streng wie auch verständnisvoll begleitet. Am 21.4. fand ein Abschiedsfest im Institut statt - es waren viele Personen (auch Ehemalige) anwesend und haben Frau Hohneder nochmals hoch leben lassen, ein Ständchen gebracht, Geschenke überreicht, für die Arbeit in den vergangenen 25 Jahren gedankt und Ihr alles Gute für die Zukunft gewünscht.

Ein Prüfungsamt hat darauf zu achten, dass fair geprüft wird, dass erbrachte Leistungen anerkannt und registriert werden, sowie dass die Prüfungsresultate ordnungsgemäß zu einem Zeugnis (heute “transcript of records”, Notenliste mit ECTS-Punkten) zusammengestellt werden. Frau Hohneder hat dies in optimaler Weise (reibungslos und ruhig) über die Bühne gebracht und uns Pluspunkte verschafft an einer für die Zufriedenheit der Studis wichtigen Stelle. Dass die Arbeit in den letzten Jahren zugenommen hat, steht ausser Frage.

Ein legendärer Ausspruch von Frau Hohneder nach der Umstellung auf ECTS-Punkte 2007: “Mit dieser Umstellung werden ganze Völkerstämme beschäftigt!” Zu diesen Völkerstämmen zählen übrigens nicht nur die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Prüfungsämter, sondern auch alle Dozierenden incl. der Professoren-Ebene: Soviel Verwaltungsarbeit wie heute hatte ich noch nie! Und das ist langweilig! Dagegen waren die mündlichen Prüfungen, die es früher gab, richtig unterhaltsam (und ich habe viele Stunden damit verbracht: an der Uni Bonn habe ich in den 12 Jahren, die ich dort verbracht habe, rund 1000 mündliche Prüfungen in Allgemeiner Psychologie [im Grundstudium] sowie Kognitiver Psychologie [im Hauptstudium] abgehalten). In gewisser Weise war das noch im weitesten Sinn Wissenschaft, heute ist es pure Administration. Das semesterweise Ausfüllen von Excel-Sheets (für jede Veranstaltung eines) mit Kreditpunkten und sonstigen Details: Wenn ich die Stunden dafür zusammenzähle, hätte ich bestimmt eine weitere Veröffentlichung schreiben können.

Als Nachfolger von Frau Hohneder ist Michael Brünnich bestellt, der aus der Ethnologie kommt, sich schon seit März 2015 einarbeitet und dem wir natürlich alles Gute zum Start wünschen!

Frau Hohneder: wir beide hatten trotz aller Belastungen durch Prüfungen (und durch Prüflinge) immer wieder Spass miteinander - das werde ich vermissen! Und natürlich wünsche ich Ihnen von Herzen alles Gute für den Ruhestand!

Neues von Jens Förster (Teil 3)

Vor einiger Zeit habe ich in meinem Blog über den Sozialpsychologen Jens Förster und seine problematischen Paper geschrieben. Gleich 2x stand er im Fokus meines Blogs:

* 09.05.2014: http://f20.blog.uni-heidelberg.de/2014/05/09/integre-wissenschaft/

* 19.09.2014: http://f20.blog.uni-heidelberg.de/2014/09/19/neuigkeiten-im-fall-jens-forster/

Nun gibt es in der Angelegenheit “Alexander-von-Humboldt-Professur” aktuelle Neuigkeiten: Jens Förster teilt mit, dass er auf diese hochdotierte Professur verzichtet (siehe den Bericht auf Retraction Watch) und zukünftig das massenhafte Produzieren von Daten zugunsten des “digging deeper” aufgeben will; er schreibt (nachzulesen in seinem eigenen Blog): “I will spend the rest of my life on BEING rather than on HAVING. Thus, I will leave the materialistic and soulless production approach in science. And I want to say  ‘Adieu’ to 10 cruel years, in which my life was almost completely determined by others. I am going my own way now.”

Ein Fall von Läuterung? Hört sich (jedenfalls auf den ersten Blick) mal ganz gut an und scheint anzudeuten, dass er bestimmte Praktiken seiner Vergangenheit offensichtlich als Fehler sehen könnte! Das war in früheren Statements ja eher anders, wo ich den Eindruck gewann, dass er sich zu Unrecht angegriffen sah und eher zum Gegenangriff auf die Statistiker überging. Eine gewisse unterschwellige Schuldzuweisung bleibt feststellbar und lässt unklar, ob die Läuterung so echt ist (Zitat JeFö: “I would urge those who still have doubts to read the recent excellent alternative explanations for my results under discussion, proving that such results patterns can be obtained by methods that are not problematic”).

Last but not least: er erspart dem Auswahlausschuss und dem Stiftungsrat der AvH-Stiftung damit eine für beide Seiten schwierige Entscheidung (face saving). Natürlich frage ich mich, wenn JeFö jetzt schreibt, dass er ab sofort “sein eigenes Ding macht”: Wer hat früher sein Ding gemacht? Kommt nach der Fremd- nun die Selbstbestimmung? Und wie anders wird das wohl sein? Woran kann man diesen Wechsel erkennen? Wie wird Forschung im Modus “BEING” im Vergleich zu Forschung im Modus “HAVING” aussehen? Wir dürfen gespannt sein!

Der “Fall” von JeFö ist vorläufig zu einem Ende gekommen - frei nach Bertolt Brecht (abgwandelt von Reich-Ranicki): „Und so sehen wir betroffen / Den Vorhang zu und alle Fragen offen.“

Nachtrag 1.5.2015: Gegen den Förster-kritischen Statistik-Dozenten Raphael Diepgen (siehe dessen Kommentar zu diesem Blog) wird von der RUB disziplinarrechtlich ermittelt: http://www.spiegel.de/unispiegel/studium/ruhr-uni-bochum-bootet-statistik-dozenten-aus-a-1030937.html Hintergrund-Info zu den Machtverhältnissen: die Dekanin der Fakultät, Sylvia Schneider, ist die Frau von Jürgen Margraf, der sich als Alexander-von-Humboldt-Preisträger für Jens Förster und sein Kommen noch Bochum eingesetzt hat. Honi soit qui mal y pense (=ein Schelm, wer Böses dabei denkt)…

Semesterstart

Das Sommersemester 2015 hat begonnen -  die Welle an Emails, Anrufen, Besuchen und sonstigen Aktivitäten rollt gerade wieder an und es heisst wieder Geduld aufzubringen, bis die anfängliche Unruhe abebbt. Dabei scheint mir der Zeitdruck zuzunehmen: Gutachten-Zyklen (für Journals, für Stiftungen, für Berufungskommissionen, für Stipendien, für Buchverlage) werden immer kürzer, zugleich steigt die Menge an Information an, die dabei nachgefragt wird. Terminabsprachen und Sitzungsplanungen stehen in großer Zahl an. Journalisten rufen an und wollen Statements. Geldgeber verlangen Berichte und Abrechnungen. Neue Projekte (wie z.B. “problem solving assessment in Japan”) müssen vorbereitet werden. Daneben wollen Artikel geschrieben und Druckfahnen korrigiert werden.

Was auch immer wieder zu Semesterbeginn ansteht: Vorbereitung der Lehre! Und das bedeutet sowohl inhaltliche als auch formale Vorbereitungen wie z.B. Durchsicht der EDV-Anmeldelisten, in die z.B. erworbene ECTS-Punkte einzutragen sind. Das bedeutet auch Wiedersehen mit Studierenden, die über ihre Fortschritte oder auch Probleme berichten; das bedeutet auch Prüfungen und Nach-Prüfungen. Die anstehende Auswahl der Master-Bewerbungen (159 für OBAC, 433 für DCP), organisiert von Benjamin Tauber unter Leitung von Monika Sieverding, kommt dazu. Aus allen Arbeitseinheiten werden Mitwirkende gebraucht, um die Besten herauszufischen, mit denen wir demnächst arbeiten werden. Spannend, aber auch mühsam!

Als internationale Gäste, die uns diesen Sommer begleiten, sind gleich mehrere Personen zu nennen, nämlich unsere beiden neuen Honorarprofessoren Robert Kail (Entwicklung) und Allan Wigfield (Pädagogische) sowie die Gastprofessoren Manfred Diehl (Altern), Kathleen Vohs (Sozial) und Gerdi Weidner (Gesundheit). Im Winter kommen dann auch unsere Honorarprofessoren Andreas Schleicher (Pädagogische) und Robert Sternberg (Allgemeine). Wir freuen uns auf viele Anregungen.

Im Institut haben wir seit 1.4.15 einen neuen Geschäftsführenden Direktor (GD genannt): nach Sven Barnow, der uns gut durch die letzte Periode geführt hat, folgt nun Hans-Werner Wahl in diesem Amt, das für 2 Jahre übernommen wird. Wir wünschen ihm viel Erfolg dabei (und das nicht nur aus eigenem Interesse)! Das erste Professorium unter neuer Leitung wie auch die erste große Mitarbeiterbesprechung (siehe Panorama-Foto von Florian Kutzner) haben am Montag einen guten Auftakt gebracht.

Wie jedes Semester ist auch diesmal wieder ein Anstieg der Unruhe unvermeidlich und zugleich gibt es doch die Gewissheit, dass in ein paar Tagen wieder “business as usual” stattfindet. Mit Blick auf meinen Blutdruck eine beruhigende Erwartung! An uns alle: Guten Start! Keep calm and carry on!

Stock-Flow Failure zum Verschwinden gebracht?

In der Debatte um das Verständnis des Klimawandels gibt es das Phänomen des “stock-flow failure” (SF-Fehler; siehe z.B. Cronin, Gonzalez & Sterman, 2009: “Why don’t well-educated adults understand accumulation? A challenge to researchers, educators, and citizens”, Link), wonach selbst gut gebildete Personen Schwierigkeiten damit haben, Zuflüsse und Abflüsse von Beständen richtig einzuschätzen. Typisches Beispiel wäre die Vermutung: Wenn wir morgen mit der CO2-Emission aufhören würden, ist dem Klimawandel Einhalt geboten, weil dann keine Emissionen mehr das Klima verschmutzen. Falsch! Der SF-Fehler besteht darin, den Bestand zu ignorieren. Wenn man bei seiner Badewanne den Hahn schliesst, hört der Wasserzufluss auf. Gut! Aber das in der Wanne befindliche Wasser wird dadurch erst mal nicht weniger. Dafür müsste man den Abfluss öffnen.

Selbst wenn wir morgen am Tag also alle Emissionen komplett einstellen würden, hätten wir über Jahrzehnte mit dem bereits akkumulierten Bestand und dessen schädlichen Auswirkungen zu kämpfen. Die Arbeitsgruppe um John Sterman (MIT System Dynamics Group) hat diesen Fehler vielfach nachgewiesen und damit eine Erklärung angeboten, warum Menschen mit dem Klimawandel nicht verantwortlich umgehen: sie können es nicht! Sie verstehen die Logik von Zuflüssen, Beständen und Abflüssen nicht richtig und handeln daher nicht adäquat.

In einer neuen Arbeit mit dem Titel “Improving Stock-Flow Reasoning With Verbal Formats” argumentieren Helen Fischer, Christina Degen und ich, dass das Format der Befragung diesen SF-Fehler provozieren könnte und der SF-Fehler daher ein Artefakt der Erhebungsbedingungen ist. Wir können in unseren Experimenten nämlich einerseits die Befunde zum SF-Fehler reproduzieren, wenn wir unsere Testpersonen im Sterman-Stil befragen; andererseits können wir den Fehler zum Verschwinden bringen, wenn wir in einem leicht verändeten Stil (verbal) fragen. Ein sogenannter Format-Effekt: Die Art der Befragung legt das Ergebnis fest. Wir ziehen daraus den Schluss: Menschen verstehen stock-flow besser als gedacht, man muss nur die richtigen Fragen stellen :-) Das heisst aber auch: es gibt keine Entschuldigung dafür, in Sachen Klimawandel mit der Schulter zu zucken und auf das Unvermögen der Menschheit zu plädieren; es liegt nicht an mangelndem Verstehen, sondern an mangelndem Willen. Villeicht doch keine so gute Botschaft?

Hier sind unsere Überlegungen dazu nachzulesen: Fischer, H., Degen, C., & Funke, J. (2015). Improving stock-flow reasoning with verbal formats. Simulation & Gaming. doi:10.1177/1046878114565058 - Siehe auch: Fischer, H., & Gonzalez, C. (2015). Making sense of dynamic systems: How our understanding of stocks and flows depends on a global perspective. Cognitive Science. doi:10.1111/cogs.12239