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Abschied von Frau Hohneder

Alexandra Hohneder in ihrem Büro (Anklicken zum Vergrößern)

Zum 1.5.2015 verläßt uns Alexandra Hohneder und wechselt vom Prüfungsamt in den Ruhestand - ein Wechsel an einer zentralen Stelle des Psychologischen Instituts, der sicher nicht leicht zu verkraften ist! Über lange Jahre hinweg hat Frau Hohneder unsere Studierenden (früher die Diplomer, heute die Bachelor- und Master-Studis) zugleich streng wie auch verständnisvoll begleitet. Am 21.4. fand ein Abschiedsfest im Institut statt - es waren viele Personen (auch Ehemalige) anwesend und haben Frau Hohneder nochmals hoch leben lassen, ein Ständchen gebracht, Geschenke überreicht, für die Arbeit in den vergangenen 25 Jahren gedankt und Ihr alles Gute für die Zukunft gewünscht.

Ein Prüfungsamt hat darauf zu achten, dass fair geprüft wird, dass erbrachte Leistungen anerkannt und registriert werden, sowie dass die Prüfungsresultate ordnungsgemäß zu einem Zeugnis (heute “transcript of records”, Notenliste mit ECTS-Punkten) zusammengestellt werden. Frau Hohneder hat dies in optimaler Weise (reibungslos und ruhig) über die Bühne gebracht und uns Pluspunkte verschafft an einer für die Zufriedenheit der Studis wichtigen Stelle. Dass die Arbeit in den letzten Jahren zugenommen hat, steht ausser Frage.

Ein legendärer Ausspruch von Frau Hohneder nach der Umstellung auf ECTS-Punkte 2007: “Mit dieser Umstellung werden ganze Völkerstämme beschäftigt!” Zu diesen Völkerstämmen zählen übrigens nicht nur die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Prüfungsämter, sondern auch alle Dozierenden incl. der Professoren-Ebene: Soviel Verwaltungsarbeit wie heute hatte ich noch nie! Und das ist langweilig! Dagegen waren die mündlichen Prüfungen, die es früher gab, richtig unterhaltsam (und ich habe viele Stunden damit verbracht: an der Uni Bonn habe ich in den 12 Jahren, die ich dort verbracht habe, rund 1000 mündliche Prüfungen in Allgemeiner Psychologie [im Grundstudium] sowie Kognitiver Psychologie [im Hauptstudium] abgehalten). In gewisser Weise war das noch im weitesten Sinn Wissenschaft, heute ist es pure Administration. Das semesterweise Ausfüllen von Excel-Sheets (für jede Veranstaltung eines) mit Kreditpunkten und sonstigen Details: Wenn ich die Stunden dafür zusammenzähle, hätte ich bestimmt eine weitere Veröffentlichung schreiben können.

Als Nachfolger von Frau Hohneder ist Michael Brünnich bestellt, der aus der Ethnologie kommt, sich schon seit März 2015 einarbeitet und dem wir natürlich alles Gute zum Start wünschen!

Frau Hohneder: wir beide hatten trotz aller Belastungen durch Prüfungen (und durch Prüflinge) immer wieder Spass miteinander - das werde ich vermissen! Und natürlich wünsche ich Ihnen von Herzen alles Gute für den Ruhestand!

Neues von Jens Förster (Teil 3)

Vor einiger Zeit habe ich in meinem Blog über den Sozialpsychologen Jens Förster und seine problematischen Paper geschrieben. Gleich 2x stand er im Fokus meines Blogs:

* 09.05.2014: http://f20.blog.uni-heidelberg.de/2014/05/09/integre-wissenschaft/

* 19.09.2014: http://f20.blog.uni-heidelberg.de/2014/09/19/neuigkeiten-im-fall-jens-forster/

Nun gibt es in der Angelegenheit “Alexander-von-Humboldt-Professur” aktuelle Neuigkeiten: Jens Förster teilt mit, dass er auf diese hochdotierte Professur verzichtet (siehe den Bericht auf Retraction Watch) und zukünftig das massenhafte Produzieren von Daten zugunsten des “digging deeper” aufgeben will; er schreibt (nachzulesen in seinem eigenen Blog): “I will spend the rest of my life on BEING rather than on HAVING. Thus, I will leave the materialistic and soulless production approach in science. And I want to say  ‘Adieu’ to 10 cruel years, in which my life was almost completely determined by others. I am going my own way now.”

Ein Fall von Läuterung? Hört sich (jedenfalls auf den ersten Blick) mal ganz gut an und scheint anzudeuten, dass er bestimmte Praktiken seiner Vergangenheit offensichtlich als Fehler sehen könnte! Das war in früheren Statements ja eher anders, wo ich den Eindruck gewann, dass er sich zu Unrecht angegriffen sah und eher zum Gegenangriff auf die Statistiker überging. Eine gewisse unterschwellige Schuldzuweisung bleibt feststellbar und lässt unklar, ob die Läuterung so echt ist (Zitat JeFö: “I would urge those who still have doubts to read the recent excellent alternative explanations for my results under discussion, proving that such results patterns can be obtained by methods that are not problematic”).

Last but not least: er erspart dem Auswahlausschuss und dem Stiftungsrat der AvH-Stiftung damit eine für beide Seiten schwierige Entscheidung (face saving). Natürlich frage ich mich, wenn JeFö jetzt schreibt, dass er ab sofort “sein eigenes Ding macht”: Wer hat früher sein Ding gemacht? Kommt nach der Fremd- nun die Selbstbestimmung? Und wie anders wird das wohl sein? Woran kann man diesen Wechsel erkennen? Wie wird Forschung im Modus “BEING” im Vergleich zu Forschung im Modus “HAVING” aussehen? Wir dürfen gespannt sein!

Der “Fall” von JeFö ist vorläufig zu einem Ende gekommen - frei nach Bertolt Brecht (abgwandelt von Reich-Ranicki): „Und so sehen wir betroffen / Den Vorhang zu und alle Fragen offen.“

Semesterstart

Das Sommersemester 2015 hat begonnen -  die Welle an Emails, Anrufen, Besuchen und sonstigen Aktivitäten rollt gerade wieder an und es heisst wieder Geduld aufzubringen, bis die anfängliche Unruhe abebbt. Dabei scheint mir der Zeitdruck zuzunehmen: Gutachten-Zyklen (für Journals, für Stiftungen, für Berufungskommissionen, für Stipendien, für Buchverlage) werden immer kürzer, zugleich steigt die Menge an Information an, die dabei nachgefragt wird. Terminabsprachen und Sitzungsplanungen stehen in großer Zahl an. Journalisten rufen an und wollen Statements. Geldgeber verlangen Berichte und Abrechnungen. Neue Projekte (wie z.B. “problem solving assessment in Japan”) müssen vorbereitet werden. Daneben wollen Artikel geschrieben und Druckfahnen korrigiert werden.

Was auch immer wieder zu Semesterbeginn ansteht: Vorbereitung der Lehre! Und das bedeutet sowohl inhaltliche als auch formale Vorbereitungen wie z.B. Durchsicht der EDV-Anmeldelisten, in die z.B. erworbene ECTS-Punkte einzutragen sind. Das bedeutet auch Wiedersehen mit Studierenden, die über ihre Fortschritte oder auch Probleme berichten; das bedeutet auch Prüfungen und Nach-Prüfungen. Die anstehende Auswahl der Master-Bewerbungen (159 für OBAC, 433 für DCP), organisiert von Benjamin Tauber unter Leitung von Monika Sieverding, kommt dazu. Aus allen Arbeitseinheiten werden Mitwirkende gebraucht, um die Besten herauszufischen, mit denen wir demnächst arbeiten werden. Spannend, aber auch mühsam!

Als internationale Gäste, die uns diesen Sommer begleiten, sind gleich mehrere Personen zu nennen, nämlich unsere beiden neuen Honorarprofessoren Robert Kail (Entwicklung) und Allan Wigfield (Pädagogische) sowie die Gastprofessoren Manfred Diehl (Altern), Kathleen Vohs (Sozial) und Gerdi Weidner (Gesundheit). Im Winter kommen dann auch unsere Honorarprofessoren Andreas Schleicher (Pädagogische) und Robert Sternberg (Allgemeine). Wir freuen uns auf viele Anregungen.

Im Institut haben wir seit 1.4.15 einen neuen Geschäftsführenden Direktor (GD genannt): nach Sven Barnow, der uns gut durch die letzte Periode geführt hat, folgt nun Hans-Werner Wahl in diesem Amt, das für 2 Jahre übernommen wird. Wir wünschen ihm viel Erfolg dabei (und das nicht nur aus eigenem Interesse)! Das erste Professorium unter neuer Leitung wie auch die erste große Mitarbeiterbesprechung (siehe Panorama-Foto von Florian Kutzner) haben am Montag einen guten Auftakt gebracht.

Wie jedes Semester ist auch diesmal wieder ein Anstieg der Unruhe unvermeidlich und zugleich gibt es doch die Gewissheit, dass in ein paar Tagen wieder “business as usual” stattfindet. Mit Blick auf meinen Blutdruck eine beruhigende Erwartung! An uns alle: Guten Start! Keep calm and carry on!

Stock-Flow Failure zum Verschwinden gebracht?

In der Debatte um das Verständnis des Klimawandels gibt es das Phänomen des “stock-flow failure” (SF-Fehler; siehe z.B. Cronin, Gonzalez & Sterman, 2009: “Why don’t well-educated adults understand accumulation? A challenge to researchers, educators, and citizens”, Link), wonach selbst gut gebildete Personen Schwierigkeiten damit haben, Zuflüsse und Abflüsse von Beständen richtig einzuschätzen. Typisches Beispiel wäre die Vermutung: Wenn wir morgen mit der CO2-Emission aufhören würden, ist dem Klimawandel Einhalt geboten, weil dann keine Emissionen mehr das Klima verschmutzen. Falsch! Der SF-Fehler besteht darin, den Bestand zu ignorieren. Wenn man bei seiner Badewanne den Hahn schliesst, hört der Wasserzufluss auf. Gut! Aber das in der Wanne befindliche Wasser wird dadurch erst mal nicht weniger. Dafür müsste man den Abfluss öffnen.

Selbst wenn wir morgen am Tag also alle Emissionen komplett einstellen würden, hätten wir über Jahrzehnte mit dem bereits akkumulierten Bestand und dessen schädlichen Auswirkungen zu kämpfen. Die Arbeitsgruppe um John Sterman (MIT System Dynamics Group) hat diesen Fehler vielfach nachgewiesen und damit eine Erklärung angeboten, warum Menschen mit dem Klimawandel nicht verantwortlich umgehen: sie können es nicht! Sie verstehen die Logik von Zuflüssen, Beständen und Abflüssen nicht richtig und handeln daher nicht adäquat.

In einer neuen Arbeit mit dem Titel “Improving Stock-Flow Reasoning With Verbal Formats” argumentieren Helen Fischer, Christina Degen und ich, dass das Format der Befragung diesen SF-Fehler provozieren könnte und der SF-Fehler daher ein Artefakt der Erhebungsbedingungen ist. Wir können in unseren Experimenten nämlich einerseits die Befunde zum SF-Fehler reproduzieren, wenn wir unsere Testpersonen im Sterman-Stil befragen; andererseits können wir den Fehler zum Verschwinden bringen, wenn wir in einem leicht verändeten Stil (verbal) fragen. Ein sogenannter Format-Effekt: Die Art der Befragung legt das Ergebnis fest. Wir ziehen daraus den Schluss: Menschen verstehen stock-flow besser als gedacht, man muss nur die richtigen Fragen stellen :-) Das heisst aber auch: es gibt keine Entschuldigung dafür, in Sachen Klimawandel mit der Schulter zu zucken und auf das Unvermögen der Menschheit zu plädieren; es liegt nicht an mangelndem Verstehen, sondern an mangelndem Willen. Villeicht doch keine so gute Botschaft?

Hier sind unsere Überlegungen dazu nachzulesen: Fischer, H., Degen, C., & Funke, J. (2015). Improving stock-flow reasoning with verbal formats. Simulation & Gaming. doi:10.1177/1046878114565058 - Siehe auch: Fischer, H., & Gonzalez, C. (2015). Making sense of dynamic systems: How our understanding of stocks and flows depends on a global perspective. Cognitive Science. doi:10.1111/cogs.12239

57. TeaP in Hildesheim

Vom 8.-11.3.15 fand an der Uni Hildesheim die 57. Tagung experimentell arbeitender Psychologen (TeaP) statt. Gut 600 Teilnehmende aus 15 Ländern konnten mehr als 370 Vorträge hören und knapp 160 Poster anschauen. Dazu kamen 1 Begrüssungsabend im Ratskeller, 3 Mittagsvorlesungen, 1 Gesellschaftsabend auf der Domäne Marienburg und 1 Fachgruppen-Treffen. Organisiert wurde das Ganze von einem Dreier-Team bestehend aus Christina Bermeitinger (federführend; sie löst auch Arndt Bröder im Vorsitz der Fachgruppe ab), Werner Greve und Andreas Mojzisch.

Ein volles (und tolles!) Programm, das die ganze Bandbreite der Allgemeinen und Experimentellen Psychologie zeigt! Es wird verständlich, warum wir als Fachgruppe so erfolgreich sind (in Termini von Drittmitteln, internationalen Publikationen etc.): wir haben tollen Nachwuchs! Die TeaP ist eine Tagung junger Leute; als Ü60 merke ich das an meiner sinkenden Bereitschaft, auf Miiternachtsparties zu gehen. Das war vor 30 Jahren anders… Die jungen Wissenschaftler sind hoch motiviert, gut ausgebildet und viele können auch auf Englisch gut präsentieren! Tagungssprache ist seit der Mannheimer TeaP englisch.

Was mir auffiel: die Atmosphäre ist freundlicher geworden. Zu meiner Zeit gab es einige ältere Herren, die als “scharfe Hunde” bekannt waren und deren bissige Kommentare gefürchtet waren. Das sieht heute anders aus - und das liegt nicht daran, dass ich meine Zähne verloren hätte…Der Umgang miteinander ist friedlicher geworden. Dafür fehlt es ein wenig an kontroversen Diskussionen.

Die Präsentationen folgen einem 15-Minuten-Rhythmus (12 Minuten Präsentation, 3 Minuten Diskussion ist der Plan; faktisch sind es 14:30 für Präsentation und 0:30 für Fragen), das ist stressig und führt dazu, dass manche gleich ihre Introduction überspringen und mitten drin einsteigen, um ihr Untersuchungsparadigma oder das Design zu berichten, ohne das die Daten kaum verständlich wären. Das wollen wir im nächsten Jahr ändern.

Drei Mittagsvorlesungen waren aufschlussreich: John-Dylan Haynes (Berlin) über “Decoding thougths from brain imaging signals”, Ernst Fehr (Zürich) über “Understanding the mind by examining the brain” und Hannes Rakoczy (Göttingen) über “The (dis-)unity of implicit and explicit theory of mind” brachten interessante Themen auf und haben ihre Standpunkte verdeutlicht. Der etwas breitere Blick tut angesichts vieler spezifischer Beiträge gut und ist ein wichtiger Bestandteil der Tagung.

Ein neues Format bestand in “No-Data Sessions”: Andreas Mojzisch hat in Anlehnung an Heinrich Dükers ursprüngliche Pläne den Beratungscharakter stark gemacht. Doktorandinnen und Doktoranden in der Planungsphase tragen ihre Ideen vor und bekommen Anregungen und Kritik von dazu eingeladenen Expertinnen und Experten.

Ein Highlight für mich war das Symposium “The Reproducibility Project“: Susann Fiedler (MPI Bonn), Georg Jahn (Lübeck), Frank Renkewitz (Erfurt) und Hedderik van Rijn (Groningen) berichteten über das 2011 gestartete Projekt, die in unseren Top-Journalen publizierten Experimente systematisch zu replizieren. 93 solcher “direct replcations” sind inzwischen abgeschlossen, viele weitere noch in der Pipeline. Aktueller Zwischenstand: nur 40% der Experimente liessen sich replizieren, die Effektstärke sank bei den unabhängigen Replikationen erheblich ab (von durchschnittlich r=.33 auf r=.10). Die gute Nachricht: “We are changing” - so die selbstbewusste Botschaft der Replikationsgruppe!

Auch die Veranstaltungen zur freien Statistik-Software R haben sich großer Beliebtheit erfreut und viele Zuhörende gefunden. BDie Poster-Sessions waren gut besucht und an den Ständen wurde lebhaft diskutiert (mehr als bei den Vorträgen). Bestimmt gab es noch andere Highlights, die mir entgangen sind, weill man nicht an allen Orten gleichzeitig sein konnte.

Noch etwas ganz Unwissenschaftliches aus dem Nähkästchen der Veranstalter: “Our participants ate 1300 pretzel sticks, 1300 cheeserolls, 14 baking sheets of cake (2x Butterkuchen, 2x Puddingkuchen, 2x Kirschbutterkuchen, 3x Streuselkuchen, 2x Bienenstich, 3x Apfelkuchen), 60 kg of apples, 45kg of bananas, 40 kg of tangerines, 20 kg of grapes. They drank 480 small bottles of orange juice, 480 small bottles of apple juice, 1320 small bottles of water, 70 liters of milk, 14 liters of soya-milk, and 19 packages of coffee using 2000 coffee cups. 449 people had lunch at the mensa.” Das ist der Treibstoff der Konferenz gewesen :-)

Alles in allem eine lohnende Reise! Viele Gespräche mit alten Bekannten, neue Bekanntschaften und ein paar neue Ideen, die unsere eigene Forschung voran bringen könnten. Dank an die Organisatoren für eine schöne Tagung! Und im nächsten Jahr wird Heidelberg vom 21.-23.3.16 Gastgeber der 58. TeaP sein (hier mein früherer Blog-Eintrag dazu). Wir freuen uns schon!

Signifikanztest ade?

Normalverteilung mit 5% Rändern

Normalverteilung mit 5% Rändern

Nun ist es soweit: Die erste psychologische Fachzeitschrift hat einen vollständigen Bann des in der Psychologie seit vielen Jahrzehnten fest etablierten Signifikanztests verhängt! Die uns Psychologen heilige Kuh der Inferenzstatistik wird geschlachtet!

Im jüngsten Editorial der Zeitschrift “Basic and Applied Social Psychology” (BASP) schreiben die Herausgeber David Trafimow und Michael Marks, dass die 2014 bereits angedrohte Massnahme nun ab 2015 in die Tat umgesetzt wird:

“The Basic and Applied Social Psychology (BASP) 2014 Editorial emphasized that the null hypothesis significance testing procedure (NHSTP) is invalid, and thus authors would be not required to perform it (Trafimow, 2014). However, to allow authors a grace period, the Editorial stopped short of actually banning the NHSTP. The purpose of the present Editorial is to announce that the grace period is over. From now on, BASP is banning the NHSTP.”

Wow! Das ist ein mutiger Schritt! Aber wie sollen wir bloss ohne den Signifikanztest zu neuen Erkenntnissen kommen? Wir wissen doch spätestens seit Jacob Cohen berühmtem Aufsatz von 1994 “The earth is round (p<.05)“! Ist ein Leben als Psychologe ohne den Zusatz “p<.05″ überhaupt vorstellbar? Was kommt an die Stelle der verbannten Inferenzstatistik?

Was kommt, ist eine Konzentration auf das Wesentliche: Vor allem Indikatoren der Effektstärke, die in Verbindung mit deutlich größeren Stichproben als bisher (endlich!) an Aussagekraft gewinnen! Praktische Signifikanz schlägt statistische Signifikanz! Und natürlich Häufigkeiten und Verteilungsinformationen, die in NHSTP häufig ignoriert wurden. Das hätte John Tukey, den Autor des legendären Buchs “Exploratory data analysis” (1977), sicherlich gefreut.

Wird ein völliger Verzicht auf den Signifikanztest nicht die Qualität der Beiträge schmälern? Die Herausgeber sind vom Gegenteil überzeugt: “We hope and anticipate that banning the NHSTP will have the effect of increasing the quality of submitted manuscripts by liberating authors from the stultified structure of NHSTP thinking thereby eliminating an important obstacle to creative thinking. The NHSTP has dominated psychology for decades; we hope that by instituting the first NHSTP ban, we demonstrate that psychology does not need the crutch of the NHSTP, and that other journals follow suit.”

Eine spannende Entwicklung! Auch wenn es sicher nicht das Flaggschiff unserer Fachzeitschriften ist: Hier findet gerade eine Revolution statt! Einer macht den ersten Schritt, andere werden folgen! Und klasse, dass es aus der Sozialpsychologie kommt! In der gegenwärtigen Krise unseres Faches ein demonstrativer Akt des Willens zur Veränderung!

see also blog entry from John Kruschke: http://doingbayesiandataanalysis.blogspot.de/2015/02/journal-bans-null-hypothesis.html

DEMADYN’15: (Non-)Optimal Decision making

Unter dem Kürzel DEMADYN’15 verbirgt sich eine internationale und interdisziplinäre Tagung, deren vollständiger Titel lautet “Hengstberger Symposium on (Non-)Optimal human decision making in dynamic environments” und die vom 2.-4.3.2015 am Internationalen Wissenschaftsforum (IWH) in Heidelberg stattfand. Eingeladen hatten die drei Hengstberger-Preisträger 2015: Peter Duersch (Alfred-Weber-Institut), Daniel Holt (Psychologisches Institut) und Christian Kirches (Institut für Wissenschaftliches Rechnen).

(click to enlarge)

Etwa 40 Junior- und Senior-Wissenschaftler aus dem In- und Ausland waren zu Gast in Heidelberg. In multidisziplinärer Perspektive ging es dabei unter anderem um die Frage, was „optimale“ Entscheidungen in sich verändernden Situationen sind und unter welchen Bedingungen sie getroffen werden. Als Keynote-Speakers konnten exzellente Kolleginnen und Kollegen gewonnen werden: Ido Erev (Technion, Haifa, Israel), John Hey (Centre for Experimental Economics, University of York, United Kingdom), Magda Osman (Queen Mary College, University of London, United Kingdom) und Sebastian Sager (Otto von Guericke Universität, Magdeburg, Germany) trugen die Sicht ihrer jeweiligen Disziplin (Mathematik, Ökonomie, Psychologie) vor und diskutierten theoretische und methodische Probleme in der Erforschung dynamischen Entscheidungsverhaltens.

Unter dem Stichwort “dynamic decision making” verbergen sich verschiedene Entwicklungslinien in der aktuellen Forschung; eine davon ist der von meiner Heidelberger Gruppe verfolgte Weg des Umgangs mit dynamischen computersimulierten Szenarien (”complex problem solving“). Die Rolle exekutiver Funktionen als Steerungsinstanzen wurde auf der Tagung ebenso diskutiert wie die Rolle bewusster und unbewusster Anteile beim Entscheiden; aber auch zur Formalisierung und Optimalitätsbestimmung bei komplexen Systemen wie z.B. dem Szenario “Tailorshop” (siehe meinen älteren Blogeintrag), das von den Mathematikern gründlich durchleuchtet und vor allem von Michael Engelhart optimiert wurde (siehe hier).

Alles in allem eine sehr schöne Tagung, die Interdisziplinarität erfahrbar gemacht hat durch rege Diskussionen und zu neuen Aktivitäten angeregt hat. Es war eine gute Mischung von Teilnehmern: solche, die gerade ihre Masterarbeit fertig gestellt haben, und solche, die ihren Kaffee mit Nobelpreisträgern trinken. Interessant auch, wie sehr die klassischen Ökonomen (im Unterschied zu den Vertretrern von behavioral economics) am Konzept “expected utility” hängen und Verhalten ausschliesslich unter Bezugnahme auf die “utility function” erklären wollen. Ich hatte den Eindruck, dass die Disziplinen Psychologie und Ökonomie nur sehr langsam konvergieren und immer noch erhebliche Unterschiede in den zentralen Axiomen bestehen. Wir hoffen, einige der besten Beiträge demnächst in unserem neuen “Journal of Dynamic Decision Making” (JDDM) vorstellen zu können, das sich gerade in der Startphase befindet.

Das Ambiente am IWH ist einfach sehr schön (direkt unterhalb des Schlosses) und für solche kleine Gruppen optimal geeignet. Dank an die drei Organisatoren dieser Tagung! Und Dank an den Stifter, die Klaus-Georg und Sigrid Hengstberger-Stiftung, die diese Konferenz finanziert hat! Toll, dass wir solche Möglichkeiten haben! Die Uni Heidelberg erweist sich wieder mal als ein Ort, der hervorragende internationale Gäste anzieht und spannende interdisziplinäre Diskurse ermöglicht. Das ist Voll-Universität in bester Form! Kreative Ideen: Wo, wenn nicht hier?!

Abschied von Hausmeister Kreft

Peter Kreft in seinem Büro

Peter Kreft in seinem Büro (anklicken zum Vergrößern)

Als ich 1997 nach Heidelberg berufen wurde, habe ich zwei Dinge schnell gelernt: wie wertvoll die Parkerlaubnis auf dem Innenhof unseres Instituts ist (mitten in der Fussgängerzone) und dass nur 1 Person auf dem Institutsgelände das Sagen haben kann - und das ist der Hausmeister!

Peter Kreft hat über viele Jahre hinweg (seit Ende 1983) dem Institut gedient und sich um das Gebäude und das Gelände hervorragend gekümmert (bis Januar hat er in der Villa auf dem Institutsgelände gewohnt). Mit den Menschen in den Gebäuden ging es nicht immer so reibungslos; immer wieder gab es kleinere oder größere Konflikte, was daran lag, dass Herr Kreft kompromisslos war. Fahrräder dürfen nur an den dafür vorgesehenen Abstellplätzen abgestellt werden; diese Vorschrift gilt für alle, auch für den Geschäftsführenden Direktor, mag er es noch so eilig gehabt haben und “nur mal eben” das Rad an einer unerlaubt praktischen Stelle geparkt haben. Entweder bekam man einen Anschiss oder das Rad wurde stillschweigend versetzt.

Ich zitiere aus einer Rundmail unseres Kustos Dr. Joachim Schahn, der aus Anlass des Ausscheidens von Herrn Kreft ein wenig zur Geschichte des Hausmeisterdienstes in den letzten 30 Jahren schreibt:

“Die Hausmeister übernahmen damals nicht nur die Aufgaben, die wir heute zum Hausmeisterdienst rechnen, wie die Hauspost, kleinere Reparaturen, die Überwachung des Gebäudes auf Schäden, das Auswechseln der Handtücher auf den Toiletten oder von defekten Leuchten, usw. Sie waren im Wesentlichen für alles das zuständig, was heute „outgesourced“ ist: Schließdienst, Anleitung des Reinigungsdienstes, Winterdienst und anderes mehr. In den Anfangszeiten wurden sogar die Büromöbel selbst hergestellt (einige alte Exemplare tun heute noch ihren Dienst); auch unsere Postfachanlage wurde in den 70er Jahren vom damaligen Hausmeister Theo Ellwanger gebaut.

Gegen Mitte/Ende der 70er Jahre arbeiteten am Institut unglaubliche drei (!) Hausmeister gleichzeitig, die manchmal etwas unterbeschäftigt waren und daher auch die Bibliotheksaufsicht zeitweise übernommen haben. Doch diese Zeit war gegen Anfang der 80er Jahre dann bald vorbei, und es begann die eigentlich sinnvollste Phase mit zwei Hausmeistern (Herrn Ellwanger und Herrn Kreft), die zusammen die komplette Öffnungszeit des Instituts abdeckten und über Mittag gemeinsam Dienst hatten; in dieser Zeit konnten Dinge erledigt werden, die nur zu zweit möglich sind (z.B. Möbeltransporte). Im Zuge des „Solidarpakts I“ Ende der 90er Jahre verloren wir dann nach seiner Pensionierung einige Jahre später Herrn Ellwanger. Zahlreiche seitherige Hausmeisteraufgaben wurden an externe Firmen vergeben, landeten beim Verwaltungssekretariat (z.B. die Post zu frankieren und die Schlüssel zu verwalten) oder bei anderen Mitgliedern des Hauses. Eine Urlaubs- oder Krankheitsvertretung gab es zunächst nur noch lückenhaft, später gar nicht mehr, so dass das Institut seither auf eigene Kosten eine Firma mit der Vertretung beauftragen muss. Und nun werden wir nach Herrn Krefts Pensionierung gar keinen Hausmeister mehr haben. Die Universität darf nach einer Vorgabe der früheren Landesregierung, die sich auf ein Gutachten beruft, nach dem zahlreiche Hausmeisterstellen überflüssig sind, keine frei werdenden Hausmeisterstellen mehr neu besetzen, bis der Sollwert erreicht ist. Vorerst wird für uns ein Dienstleister zuständig sein; allerdings nur in Teilzeit.”

Ich werde Herrn Kreft vermissen! Seine Art des “sich kümmerns” um “sein” Institut werden wir wohl alle vermissen, da bin ich ziemlich sicher. Hausmeisterdienste, die uns jetzt versorgen, haken professionell Checklisten ab und halten (hoffentlich!) Minimalstandards ein. Aber was dort nicht auf der Liste vorkommt, spielt eben auch keine Rolle. “Sich kümmern” sieht anders aus; schon der Kleine Prinz von Saint-Exupéry hat gewusst, dass die Pflege eines kleinen Planeten mehr als nur Abhaken von Checklisten ist.

Lieber Herr Kreft: Ihnen und Ihrer Frau eine gute Zeit des Ruhestands! Schauen Sie doch ab und zu mal nach dem Rechten :-)

Preis der Freunde 2015: FiS

FiS-Gruppe mit GdF-Preis

FiS-Gruppe mit GdF-Preis

Alljährlich vergibt die “Gesellschaft der Freunde der Universität Heidelberg” (GdF) seit 1995 einen mit 2.500 Euro dotierten Preis für studentische Gruppen, die sich in hervorragender Weise für die Universität Heidelberg und deren Studierende engagieren. In früheren Jahren wurde z.B. die Psychologen-Initiative “Nightline” ausgezeichnet, die eine telefonische anonyme Anlaufstelle für Studierende ist, die mit ihren Problemen nicht weiterwissen.

In diesem Jahr wurde aus dem Bewerberpool das “Forum für internationale Sicherheit” (FiS) ausgewählt. Dem Forum geht es um einen Dialog zwischen Wissenschaftlern und Praktikern im Bereich der Aussen- und Sicherheitspolitik, der Konflikt- und Friedensforschung und des Völkerrechts. Themen, die nicht nur im Lichte unserer momentanen Weltpolitik von großer Bedeutung sind!

Dazu werden Vorträge organisiert, Workshops durchgeführt und vor allem jährlich die mehrtägige Konferenz “Heidelberger Dialog zur internationalen Sicherheit” organisiert, zu der prominente Gäste erscheinen. Unterstützt wird die Gruppe von der Deutschen Atlantischen Gesellschaft, die eine Aussenstelle in Heidelberg betreibt.

Auch wenn es überwiegend Studierende der Politikwissenschaft sind, die die operative Arbeit erledigen: Studierende anderer Disziplinen sind herzlich eingeladen mitzumachen! Für Psychologie-Studierende mit einem Hang zum komplexen Problemlösen ein optimaler Platz zur Mitarbeit! Es würde mich freuen, wenn auch unsere Psychologie-Studierenden sich hier einbringen würden!

Im Rahmen der Preisverleihung haben Andreas Epple und ich als Vorstandsmitglieder unserer GdF am 13.2.2015 im Senatssaal der Alten Universität die Leistungen dieser studentischen Initiative hervorgehoben, die gerade in heutiger Zeit so wichtig wie nie zuvor erscheint. Toll, dass wir solche Studierenden haben! Gratulation!

zur Pressemitteilung: http://www.uni-heidelberg.de/presse/news2015/pm20150206_forum-fuer-internationale-sicherheit-heidelberg-erhaelt-preis-der-freunde.html

Direktstudium Psychotherapie

Die Umwandlung des Diplomstudiengangs Psychologie in eine zweiteilige Bachelor-/Master-Struktur liegt noch keine 10 Jahre zurück - schon wird die nächste Änderung der Studienstruktur geplant: Diesmal geht es um das sog. Direktstudium Psychotherapie, bei dem nach 3+2-jährigem Studium mit klinischem Schwerpunkt der Abschluss nicht nur im Master besteht, sondern auch die Approbation (=die staatlich kontrollierte Zulassung zur Berufsausübung) enthält. Diese wird heutzutage erst nach einer an den Masterabschluss anschliessenden Weiterbildung erteilt, die zusätzliche 3-5 Jahre dauert und meist mit erheblichen Kosten im fünfstelligen Bereich verbunden ist.

Am 24. November 2014 hat die Bundespsychotherapeutenkammer auf ihrem 25. Psychotherapeutentag die Reform mehrheitlich bejaht, am 5.2.15 hat im Bundesgesundheitsministerium eine erste Gesprächsrunde zur Reform der Psychotherapeutenausbildung stattgefunden. Die DGPs als Interessenvertretung der akademischen Hochschulpsychologie hat über ihre zwei Kommissionen “Studium und Lehre” (unsere Kollegin Birgit Spinath ist darin Mitglied) sowie “Psychologie und Psychotherapie” (Vorsitz: Winfried Rief)  ebenfalls Empfehlungen zur Reform des Bachelor- und Masterstudiums ausgesprochen, die eine Reform in greifbare Nähe (dh. in den nächsten 2-3 Jahren) rücken.

Wesentliches Merkmal dieser Vorschläge: von den 120 LP für das Masterstudium (=4 Semester mit je 30 LP) werden 60 LP für klinische Inhalte (inkl. Praxisanteilen) vorgesehen. Im Bachelor kommen neben den polyvalenten Grundlagenfächern auch 18-24 LP Klinische Psychologie über die dortigen Anwendungsfächer hinzu.

Was wird also anders beim „Direktstudium“ im Vergleich zur bisherigen Struktur? Im Bachelor wenig (alle Institute haben bisher schon die Klinische Psychologie als Anwendungsfach), im Master geht es um mindestens 60 LP Klinische Psychologie und Psychotherapie! Die Vermittlung verschiedener wissenschaftlich anerkannter psychotherapeutischer Verfahren und Methoden, für Erwachsene sowie für Kinder und Jugendliche gehört dazu. Vertiefte praktische Kenntnisse und Kompetenzen sind in mindestens dreiTherapiemethoden/-verfahren zu erwerben. Und: Die Universität, die ein Direktstudium anbietet, muss über eine Forschungs- und Lehrambulanz verfügen (tun wir: siehe ZPP).

Ziel der gemeinsamen Bemühungen ist es, einerseits die Einheit unseres Faches zu wahren (also eine Abspaltung der Klinischen Psychologie vom Rest des Faches zu verhindern), andererseits einen akademisch fundierten Heilberuf analog zu Medizin, Zahnmedizin, Tiermedizin oder Pharmazie mit staatlichem Abschluss (”Staatsexamen”) möglich zu machen.

Beim Treffen aller baden-württembergischen Psychologie-Institute aus den Universitäten Freiburg, Heidelberg, Konstanz, Mannheim, Tübingen und Ulm, das am 12.2.15 unter Leitung von Winfried Rief und Birgit Spinath bei uns in Heidelberg stattfand, bestand Konsens darüber, bei allen lokalen Unterschiedlichkeiten die Planungen in Richtung auf ein Direktstudium zu verstärken und auch beim Landesministerium vorstellig zu werden, um dort über die Erstattung möglicher Mehrkosten zu verhandeln, die aus einem stärker praxisorientierten Studium resultieren würden.