Skip to content

ZPID sucht ab 2016 neuen Direktor

Das Leibniz-Zentrum für Psychologische Information und Dokumentation (ZPID) ist eine für die deutschsprachige Psychologie einmalige Einrichtung zur Unterstützung unserer Forschung und Lehre. Als Service-Einrichtung sammelt das ZPID alle Dokumente der deutschsprachigen Psychologie, erfasst sie sorgfälig und macht die Dinge zugänglich - seien es Publikationen, Testverfahren oder sogar Datensätze. Mit einer schnellen und effizienten Suchmaschine namens PsychSpider kann der gesamte Bestand rasch durchsucht werden. Fast noch interessanter: PubPsych, das Psychologie-Suchportal mit europäischem Schwerpunkt, steht unter www.pubpsych.eu weltweit für Wissenschaft, Praxis und Öffentlichkeit zur Verfügung. - Viele andere Aufgaben werden in dieser Einrichtung, die an der Universität Trier als selbständiges Leibniz-Institut angedockt ist, ebenfalls erledigt. Für die Psychologie ein unschätzbares Kleinod!

Der jetzige ZPID-Direktor Günter Krampen, nach dem Gründer Günther Reinert und dessen Nachfolger Leo Montada der dritte Direktor des Hauses, geht im Jahr 2016 in den Ruhestand - nun wird eine kompetente Person für die Nachfolge gesucht (hier geht es zur Stellenausschreibung, die bis 8.12.14 offen ist). Hier ein Auszug aus der Ausschreibung:

Für die Leitung des ZPID sind neben einem guten Überblick über die Psychologie Erfahrungen und Engagement im Schnittfeld von Psychologie und Informationswissenschaften erforderlich; Leitungskompetenz wird erwartet. Die Konzeption und Leitung der wissenschaftlichen Studien des ZPID gehört zu den Aufgaben der Position. Das Land-Rheinland-Pfalz und die Universität Trier vertreten ein Betreuungskonzept, bei dem eine hohe Präsenz der Lehrenden am Hochschulort erwartet wird. Einstellungsvoraussetzungen sind ein Studienabschluss im Fachgebiet Psychologie, Promotion, Habilitation oder gleichwertige wissenschaftliche Leistungen, pädagogische Eignung und Erfahrungen in universitärer Lehre.

Als Nutzer der Serviceleistungen, aber auch als langjähriger Beiratsvorsitzender und nunmehr Mitglied des Verwaltungsrates der ZPID hoffe ich auf zahlreiche interessante Bewerbungen aus der Community!

Merkel sucht Psychologen

In der Zeitung war kürzlich zu lesen, dass im Bundeskanzleramt Psychologinnen und Psychologen gesucht werden für die Projektgruppe “Politische Planung” (Link zum RNZ-Beitrag vom 26.8.14). Klasse! Das ist eine exzellente Entscheidung und bringt die Psychologie in eine gute Position zu zeigen, was man mit unseren Erkenntnissen auf dem politischen Feld anfangen kann!

Entscheidungsarchitekturen, komplexes Problemlösen, dynamisches Entscheiden: Da schlummert einiges und wartet auf Anwendung! Viele Themen der Tagespolitik kann man unter psychologischer Perspektive betrachten. Gerade die Komplexität politischer Entscheidungsprozesse lädt dazu ein, Erkenntnisse aus den Bereichen “dynamic decision making” und “complex problem solving” fruchtbar zu machen. Ein gutes “nudging” (sensu Thaler & Sunstein) wäre auch beim Organspenden wirklich hilfreich!

Waffenlieferungen an die kurdischen Peschmerga erscheinen als die einfachste Problemlösung in einer ethisch schwierigen Situation - warum wird nicht auf politischer Ebene daran gearbeitet, dass die IS-Truppen keine Finanzmittel mehr aus dem Verkauf besetzter Ölförderanlagen erzielen können? Oder keine Waffen mehr aus Drittländern erhalten? Systemische Analysen findet man in der politischen Diskussion selten - häufiger sind einfache Haupteffekt-Modelle (”wenn die Peschmerga die richtigen Waffen in die Hand bekommen, halten sie damit den Vormarsch der IS-Truppen auf”). Frieden schaffen mit Waffen: Ich kenne zahlreiche Beispiele dafür, wo dieses Konzept gescheitert ist.

Dass die nun eingesetzte Projektgruppe sofort Wirkung zeigt, wage ich allerdings zu bezweifeln - immerhin ist ein Anfang gemacht. Und wie das Beispiel des Harding Center for Risk Literacy zeigt, kann man bereits mit einer kleinen Truppe schlagkräftig die Öffentlichkeit informieren und aufklären. Mal sehen, was da aus dem Bundeskanzleramt an die Öffentlichkeit kommt.

Mitglied im Erweiterten Direktorium des IWR

Auf Vorschlag des IWR (Institut für Wissenschaftliches Rechnen) bin ich vom Rektor in das Erweiterte Direktorium des IWR berufen worden. Das ist sehr erfreulich! Die Bande zwischen Psychologie und Mathematik werden dadurch nochmals gestärkt! Momentan bin ich dort an drei Doktorarbeiten beteiligt (Michael Engelhart, Nadia Said, Alexander Schubert). Mein Mitarbeiter Dr. Daniel Holt ist an einem dort laufenden Projekt ganz aktiv beteiligt und das Hengstberger-Symposium vom 2.-4.3.2015 ist dem Thema “(Non-)Optimal decision making in dynamic environments” gewidmet.

Als Mitglied des Erweiterten Direktoriums wirke ich an strategischen Entscheidungen mit und kann bei der Verwendung des Haushalts mitbestimmen. Die administrativen Strukturen bestehen aus dem Managing Director (Hans Georg Bock), dem 5köpfigen Managing Board of Directors und dem 47köpfigen Extended Board of Directors:

  • “A Managing Director (presently Hans Georg Bock) is responsible for the management and official representation of the IWR. The managing director reports directly to the rector of the Ruprecht-Karls University.
  • The managing director is a member of the Managing Board of Directors which is responsible for all ongoing decisions and meets approximately every month. It has presently five members: Peter Bastian, Hans Georg Bock, Peter Comba, Andreas Dreuw and Bernd Jähne. The managing director and the members of the board are appointed by the rector of the university for a term of three years, based on a proposal by the extended board of directors of the IWR.
  • The Extended Board of Directors consists of all 47 professors, who are members of the IWR also appointed by the rector. The extended board of directors is responsible for all strategic decisions. Their vote overrules decisions of the two other levels.”

Wer mehr wissen will, was da alles geforscht wird, schaue in den Arbeitsbericht 2009-2014, in dem auch Hinweise auf Beiträge aus meiner Arbeitseinheit enthalten sind: http://www.iwr.uni-heidelberg.de/fileadmin/IWR/PDF/IWR_Report_2014.pdf

Eine der “Main Research Groups” zum Thema “Mind in Action” wird von mir angeleitet. Ich freue mich, bei dieser interdisziplinären wissenschaftlichen Einrichtung beteiligt zu sein!

“Run simple”: Von Blau zu Orange

“Run simple” ist das Motto des SAP-Vorstandsvorsitzenden Bill McDermott. Als Komplexitätsforscher interessiere ich mich natürlich immer für gute Vorschläge, wie man (unnötige) Komplexität reduzieren kann (mancherlei Komplexität ist ja durchaus erwünscht, z.B. beim begrifflichen Differenzieren).

In der Tageszeitung lese ich nun, dass im Zuge der Vereinfachungsbestrebungen (Leitlinie: “We are simplifying everything, so our customers can do anything”; RNZ: “Der Amerikaner hat der Komplexität … den Kampf angesagt.”) das SAP-Logo ab Januar 2015 vereinfacht wird: “Der blaue Hintergrund mit Farbverlauf weicht dann einem einfachen Orange [...]” (RNZ, 29.10.14).

Wir haben uns in meiner Arbeitsgruppe ein paar Gedanken gemacht, wie Komplexität und Unsicherheit auf Menschen wirkt und was man zur Bewältigung alles tun könnte. An das Thema Farbe haben wir nicht gedacht. So einfach ist das also: das (wg Farbverlauf?) komplexe Blau weicht dem simplen Orange.

PS: Vielleicht ist diese Darstellung etwas einfach ausgefallen - ich wollte einfach mal das Motto “run simple” befolgen… Und keine Sorge: ich werde nicht vom Komplexitätsforscher zum Farbforscher mutieren! Und: Yeah, sagen wir der Komplexität den Kampf an! Hoffentlich hört sie uns!

Nachtrag 14.11.14: In einem RNZ-Bericht von heute zu lesen, dass aufgrund der zahlreichen Kritik an der geplanten Umstellung die Unternehmensspitze zurückrudert. Es wird nun von einem “Test” gesprochen :-) So simpel ist das also! Mit Marken und ihren Logos zu spielen juckt ja immer wieder (auch Springer hat das “alte” Pferd gegen ein neues getauscht und damit viele Freunde verloren). Da bin ich froh über meine Einrichtung, die seit 628 Jahren an ihrem Erkennungszeichen (dem Großen Siegel) festhält!l

Nachtrag 23.11.14: In der RNZ heutigen Datums lese ich, dass die geplante Umstellung zurückgenommen wird! Was sagt uns das über das Management?

Erneute Wahl zum Senatssprecher

In der 420. Sitzung unseres Akademischen Senats am 21.10.2014 bin ich von den Senatorinnen und Senatoren der Universität Heidelberg erneut für weitere vier Jahre (von Oktober 2014 bis September 2018) zum Sprecher des Senats gewählt worden, zusammen mit dem Kollegen Wolfgang Herzog (dem neuen Dekan der Medizinischen Fakultät, in Nachfolge von Claus Bartram, der nach 10jähriger Dekanstätigkeit wieder zurück in sein Institut gekehrt ist).

Als Senatssprecher sollen wir ja vor allem klare Positionen des Senats vor dem Rektorat und dem Universitätsrat vertreten. Ausserdem wirken wir mit bei der personellen Besetzung von Spitzenämtern (Universitätsrat, Rektor, Kanzler) und halten Kontakt zu den zentralen Diensten (Bibliothek und Rechenzentrum).

Die beiden Sprecher sind so gewählt, dass sie verschiedene Aspekte repräsentieren (Fächer links und rechts des Neckars; Amtsmitglied und Wahlmitglied) und nicht zu einseitig pro domo (=für das eigene Haus, im eigenen Interesse also) agieren. Letzteres ist momentan besonders wichtig, weil zum ersten Mal in der Geschichte 3 (!) Senatsmitglieder aus der Psychologie vertreten sind (mehr geht nicht nach der Grundordnung): Klaus Fiedler als Dekan unserer Fakultät, Birgit Spinath als Wahlsenatorin und ich als Wahlsenator. Da werde ich mich vornehm zurückhalten, wenn es um Angelegenheiten unseres Fachs geht.

Dank an meine Mitsenatorinnen und Mitsenatoren für die erneute Wahl - und zwar mit den Stimmen aller im Senat vertretenen Gruppen (Professoren, Mittelbau, Studierende, Nicht-Wissenschaftler)! Ich freue mich zunächst einmal über das in mich gesetzte Vertrauen und die daraus ableitbare Annahme, dass meine Sprechertätigkeit in den vergangenen vier Jahren (2010-2014) nicht ganz schlecht gewesen sein kann. Die von Claus Bartram und mir mitausgewählten Führungskräfte unserer Universitätsspitze erweisen sich ja nach mehrheitlicher Einschätzung als sehr gute Wahlen. Und die Kurskorrektur von einer unternehmerisch ausgerichteten Universität zur akademischen Kultur der Volluniversität hat sich in meinen Augen gelohnt. Ich freue mich aber auch auf die Zusammenarbeit mit dem Kollegen Wolfgang Herzog, der die größte Fakultät in Heidelberg vertritt.

Hengstberger-Preisträger 2014

Wie in früheren Jahren konnten auch in 2014 wieder drei mit je 12.500 Euro dotierte Hengstberger-Preise zur Durchführung eines internationalen wissenschaftlichen Kolloquiums am IWH (der alten “Psychologen-Villa” am Ende der Hauptstrasse - dort war das PI für viele Jahre untergebracht, vor dem Umzug in die Hauptstrasse 47) vergeben werden. Aus den knapp 20 Antragstellern wurde vom Kuratorium des IWH und unter Mitwirkung des Sponsors die drei folgenden Preisträger 2014 ausgewählt (die Bekanntgabe erfolgte auf der Jahresfeier 2014 der Universität am 18. Oktober):

  • Dr. Christian Kirches (Interdisziplinäres Zentrum für Wissenschaftliches Rechnen, IWR), Dr. Peter Dürsch (Alfred-Weber-Institut, AWI), Dr. Daniel Holt (Allgemeine und Theoretische Psychologie, ATP): (Non-)Optimal decision making in dynamic environments
  • Dr. Guido Grossmann, Dr. Sebastian Wolf (beide vom Centre for Organismal Studies, COS): Plant-Environment Interactions
  • Dr. Danielle Allesandrini, Dr. Lee Gye-Son, Dr. Ana Peon-Nieto (alle 3 vom Mathematischen Institut): Higher Teichmüller theory and Higgs bundles: interactions and new trends

Ich freue mich, dass nach Dr. Matthias Blümke (2008: International small group meeting on the transformation of reaction-time based measurement approaches) und Dr. Stefanie Höhl (2011: Individual Differences and Universals of Human Social Cognitive Development) mit Dr. Daniel Holt erneut ein Mitglied unseres Instituts ausgezeichnet wurde. Herzlichen Glückwunsch, lieber Daniel!

Für mich war es meine letzte Runde als IWH-Kurator (und natürlich habe ich mich nicht an der Abstimmung über meinen eigenen Kandidaten beteiligt!) - für viele Jahre war ich hier beteiligt und habe viele tolle Bewertungen gesichtet. Schade, dass am Schluß nur wenige gefördert werden können!

Hier ein Auszug aus den Bewerbungsunterlagen unseres Instituts-Preisträgers mit dem Programm des Symposiums:

Entscheidungen zu fällen ist ein wesentlicher Bestandteil des Alltagslebens. Unsere Umwelt verhält sich jedoch nicht statisch, sondern reagiert auf Entscheidungen oder verändert sich auch ohne unser Zutun weiter, was Anpassungen und weitere Entscheidungen erfordert. Kernthema des vorgeschlagenen Symposions ist es, dynamische Entscheidungsprozesse dieser Art aus den komplementären Perspektiven der Ökonomie, Psychologie und Mathematik zu betrachten und zu verstehen. Insbesondere soll die Frage im Mittelpunkt stehen, inwieweit rational optimales Handeln mit Hilfe mathematischer und ökonomischer Modelle in dynamischen Situationen überhaupt bestimmbar ist. Des Weiteren wollen wir hinterfragen, ob dieses theoretische Optimum aus Sicht der kognitiven Psychologie für das oftmals nicht optimale Entscheidungsverhalten des Menschen als Maßstab dienen kann und sollte. Das Symposion wird von drei Nachwuchswissenschaftlern veranstaltet werden, die den Fachrichtungen Mathematik, Psychologie, und Ökonomie an den Instituten IWR, ATP, und AWI der Universität Heidelberg angehören.

Herr Dr. Peter Dürsch arbeitet als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl von Prof. Jörg Oechssler am Alfred-Weber-Institut, bei dem er auch im Jahr 2011 promoviert hat. Seine Forschung ist sowohl theoretisch, wie auch experimentell ausgerichtet und umfasst unter anderem Imitationsverhalten, Entscheidungen unter Unsicherheit, sowie Spieltheorie.

Herr Dr. Daniel Holt ist akademischer Rat auf Zeit in der Abteilung Allgemeine und Theoretische Psychologie am Psychologischen Institut. Er hat 2012 bei Prof. Dr. Joachim Funke promoviert und forscht zu den Themen Planen, Problemlösen und Modellierung kognitiver Prozesse.

Herr Dr. Christian Kirches ist seit 2013 Leiter einer Forschungsgruppe am Interdisziplinären Zentrum für Wissenschaftliches Rechnen (IWR). Er hat 2010 bei Prof. Dr. Dres. h.c. Hans Georg Bock und Prof. Dr. Gerhard Reinelt am IWR in Mathematik promoviert. Gemeinsam mit seiner Arbeitsgruppe erforscht er die Entwicklung und Umsetzung von mathematischen und computergestützten Verfahren zur effizienten Optimierung komplexer dynamischer Prozesse.

Christian Kirches und Daniel Holt haben bereits in einem von der Exzellenzinitiative geförderten Projekt zur mathematischen Modellierung kognitiver Prozesse (Zukunftskonzept Fördermaßnahme 5.4, Projekt „CoMoKoS“) erfolgreich zusammengearbeitet. Peter Dürsch und Daniel Holt haben in der Vergangenheit ebenfalls bei der Erforschung der Rolle kognitiver Fähigkeiten beim rational-ökonomischen Entscheiden kollaboriert (Projekt im Field of Focus 4 „Regulation and Self-Regulation“). Die konstruktiven interdisziplinären Schnittstellen, die sich in diesen Projekten gezeigt haben, sind eine wesentliche Motivation für das vorgeschlagene gemeinsame Symposion, um eine derartige Vernetzung auch auf nationaler und internationaler Ebene zu stärken.

Das Symposion verbindet mit den Fachbereichen Mathematik, Psychologie und Ökonomie die Wissenschaftsbereiche Naturwissenschaften, Geistes- und Gesellschaftswissenschaften und fördert den gegenseitigen Austausch anhand der zentralen Forschungsgegenstände „menschliche Entscheidungen“ und „dynamische Umgebungen“ zu denen alle drei Fachbereiche Beiträge in Theorie und Experiment einbringen. Dabei bieten sowohl die Wirtschaftswissenschaften als auch die Psychologie relevante Anwendungsfelder für die Analysewerkzeuge der Mathematik. Das Augenmerk der Wirtschaftswissenschaftler liegt hauptsächlich auf der praktischen Anwendbarkeit der Ergebnisse, während die Psychologie sich stärker auf den eigentlichen Entscheidungsprozess konzentriert. Da beide Disziplinen ähnliche Themen bearbeiten, ist ein Kontakt über die Grenzen der Disziplinen hinweg besonders wünschenswert um Duplikationen in der Forschung zu vermeiden und Erkenntnisse des anderen Fachs zu nutzen. Bereits jetzt wird z.B. psychologische Grundlagenforschung genutzt, um die Annahmen wirtschaftswissenschaftlicher Lerntheorien zu stützen. Die Mathematik liefert hier eine geeignete Methodik, um anspruchsvolle Modelle zu lösen. Hierdurch wird es den anderen beiden Disziplinen ermöglicht, theoretische Fragen zu beantworten, deren Bearbeitung erst mit fortschrittlichen Optimierungsverfahren möglich wird.

Das Symposion trägt über die Forschungsinteressen der beteiligten Partner hinaus dazu bei, den fächerübergreifende Dialog als ein besonderes Anliegen des Zukunftskonzepts der Universität Heidelberg in der Exzellenzinitiative des Bundes zu stärken. Als drittem methodischem Ansatz neben Theorie und Experiment und als Schlüsseltechnologie zur Vernetzung der „Fields of Focus“ der Universität kommt dem Wissenschaftliche Rechnen dabei besondere Bedeutung zu.

Mit einem Tagungsband wird das geplante Symposion auch selbst zum Stand der Literatur beitragen. Dieser wird eine aktuelle Übersicht über die neusten Forschungsergebnisse zum Thema Entscheidungsfindung in dynamischen Systemen zusammenstellen und diese Entwicklungen zueinander in Kontext setzen.

Semesteranfang

Funkelnder Spinath

Funkelnder Spinath

Das Wintersemester hat begonnen, die “Erstis” sind zahlreich erschienen und machen sich mit dem Institut vertraut. Bei der Aufteilung in die Kleingruppen gibt es immer einen Wettbewerb um witzige Gruppennamen - diesmal gab es einen, den ich nicht zuletzt wegen des Gummibären als Anspielung auf meinen Namen und den meiner Kollegin verstanden habe (siehe das eingefügte Bild).

Bei den Abteilungsbesuchen und beim Kaffee (diesmal mit Quiz! Sehr gute Idee!) gab es erste Gelegenheiten zum Kennenlernen. Kritische Neugier: hoffentlich bleibt sie erhalten! Wissenschaft lebt davon!

Semesteranfang: Wir haben nicht nur 102 neue BSc-Studierende, sondern auch neue Master! Am Montag haben wir die 20 Neulinge aus dem MSc OBAC-Zweig begrüßt. Wir haben eine interessante Gruppe! Bin gespannt, was sich da entwickelt!

Der Semesteranfang fordert auch administrativen Tribut: Treffen der Professoren, Treffen aller Mitarbeitenden, Sitzung des Fachrats; die ersten Sitzungen der Fakultät und des Senats in diesem Semester kommen noch. Dass alles mit einem deutlich erhöhten Mailaufkommen verbunden ist, brauche ich wohl nicht zu erwähnen - auch nicht, wieviel Zeit nun zur Vorbereitung und Durchführung der Lehre benötigt wird. Drei große Vorlesungen wollen aktualisiert und vorbereitet werden.

Und natürlich gab es zum Abschluss der Einführungswoche mal wieder eine Ersti-Party (”PsychoPathie”) - diesmal sogar mit drei professoralen DJs (welches Institut kann da mithalten?): DJane BiSpi, DJ Dirk und DJ Funk natürlich :-) Hat Spass gemacht!

Kleine Welt: Erdös-Zahl und Wundt-Abstand

Vor einiger Zeit hatte ich bereits in einem Blog über meine Begeisterung für das “Small-World“-Phänomen geschrieben (siehe meinen damaligen Blog-Eintrag). Nun bin ich von ganz anderer Seite erneut auf dieses Thema gestoßen.

Mathematiker machen sich einen Spass daraus, ihre Nähe zu Paul Erdös (1913-1996), einem ungarischen Mathematiker und Viel-Publizierer, zu bestimmen (hier mehr zum Erdös-Projekt). Gemäß der Kleine-Welt-Logik bestimmt man den Abstand zwischen sich und Paul Erdös über die Zahl an Personen (=Knoten im Netzwerk), die zur Verbindung benötigt werden. Paul Erdös selbst hat trivialerweise die Erdös-Zahl 0; die Personen, die ein Paper mit Paul Erdös geschrieben haben, besitzen die die Erdös-Zahl 1; hat man ein Paper mit jemandem geschrieben, der seinerseits ein Paper mit Erdös geschrieben hat, hat man die Erdös-Zahl 2 usw. (hier kann man seine Zahl bestimmen, wenn man etwas in der Mathematik publiziert hat - andernfalls ist die Zahl natürlich unendlich, was für die meisten Kollegen anzunehmen ist).

Zu meiner großen Freude besitze ich selbst dank meiner Kooperation mit Sebastian Sager (früher Heidelberg, heute Magdeburg) die Erdös-Zahl 5, bin also über 4 Zwischenstationen mit dem berühmten Mathematiker verbunden (wie z.B. auch die Kollegen Dietrich Albert und Hans Colonius). In der Psychologie ist wohl unschlagbar nah dran Kollege Jürgen Heller (Uni Tübingen, Mathematische Psychologie) mit einer Erdös-Zahl von 2! Näher geht es fast nicht!

Für unser Fach haben Jochen Musch und Dennis Winter die kleine Welt der Psychologie untersuchbar gemacht mit einer Schnittstelle zur Datenbank Psyndex, die die Veröffentlichungen deutschsprachiger Autorinnen und Autoren versammelt. Hier kann man seinen Abstand zu berühmten Kolleginnen und Kollegen bestimmen (Stand: 06/2008).

Anklicken zur Vergrößerung

Ein interessanter Abstand ist sicher derjenige zu Gründungsvater Wilhelm Wundt - zumindest in Bezug auf Promotionsbeziehungen zeigt die Abbildung (zum Vergrößern bitte anklicken), dass eine direkte Verbindung über Külpe - Bühler - Hofstätter - Bredenkamp besteht. Das ist doch ganz erfreulich! Wundt ist mir offensichtlich näher als vermutet: auch hier sind 5 Links zur Verbindung ausreichend!

Die akademische Genealogie haben mein Kollege Edgar Erdfelder und ich bei unserer gemeinsamen 120-Jahr-Feier in Anwesenheit von Jürgen Bredenkamp gezeigt, dem wir die Wundt-Verbindung ja verdanken. Dass zudem mit Oswalt Külpe und Karl Bühler zwei für die Denkpsychologie wichtige Namen in meiner Genealogie auftauchen, hat mich sehr gefreut! Zufall? Zufall! Trotzdem nett!

Honorarprofessur für Robert Kail

In seiner 418. Sitzung hat der Akademische Senat unserer Universität am 15.7.2014 beschlossen, dem Antrag unserer Fakultät auf Bestellung von Prof. Dr. Robert Kail (Purdue University, USA) zum Honorarprofessor stattzugeben. Damit ist unsere internationale Vernetzung erneut gestärkt worden - neben Lenelis Kruse (UNESCO-Kommission),  Andreas Schleicher (OECD, Paris) und Robert Sternberg (Cornell University, USA) eine weitere international leuchtende Person, die das Lehrangebot unseres Psychologischen Instituts bereichert und internationale Kontakte herstellt. Übrigens: Honorarprofessoren erhalten kein Honorar, sondern arbeiten umsonst, der Ehre zu Liebe (wir erstatten natürlich Fahrtkosten und sorgen für Unterbringung).

Auf Einladung von Kollegin Sabina Pauen war Robert Kail vor 2 Jahren schon einmal an unserem Institut lehrend tätig und hat unsere Studierenden mit seiner klaren und unterstützenden Art begeistert. Ich zitiere aus der Laudatio von Sabina Pauen, die seine Bestellung der Fakultät vorgeschlagen hat:

Schon während meiner Studienzeit war Robert Kail unter Entwicklungspsychologen berühmt. Seine Forschungsarbeiten zur Informationsverarbeitung wurden bereits damals als Klassiker zitiert und gehören bis heute zum festen Kanon jeder guten Einführungsvorlesung in die Entwicklungspsychologie. So hat er mit methodisch überzeugenden Studien belegt, dass die Geschwindigkeit der basalen Informationsverarbeitung im Verlauf der Kindheit stetig zunimmt und dass dieser Prozess wichtige Fortschritte im Denken auf höheren Ebenen überhaupt erst möglich macht. Die von ihm generierten Erkenntnisse haben die moderne kognitive Entwicklungspsychologie nachhaltig geprägt und bis heute nicht an Aktualität verloren.

Robert Kail ist nicht nur ein weltweit hoch geschätzter Forscher, sondern darüber hinaus seit Jahrzehnten (Mit)-Herausgeber zahlreicher internationaler Journals, darunter Advances in Child Development and Behavior, Child Development (das Flaggschiff der international organisierten Entwicklungspsychologie), Developmental Psychology, Memory, Journal of Experimental Child Psychology, Psychological Science, und Child Development Perspectives. Dies spricht für sein Ansehen als Gutachter und dokumentiert gleichzeitig seine großen Einflussmöglichkeiten auf die Fachwelt. [...]

Wie dieser Laudatio zu entnehmen ist, spricht aus meiner Sicht sehr vieles dafür, Robert Kail zum Honorarprofessor unserer Universität zu ernennen: Es handelt sich um einen hoch renommierten, in Fachkreisen bestens vernetzten und international einflussreichen Kollegen mit hohen wissenschaftlichen, didaktischen und menschlichen Qualitäten. Die Ehre wäre ganz auf unserer Seite, wenn wir ihn demnächst als Honorarprofessor in Heidelberg begrüßen könnten!

Nun ist er also bestellt und wird ab dem nächsten Jahr Lehre an unserem Institut anbieten und unseren Studierenden, aber auch den Mitarbeitenden im Hause für Gespräche und Ratschläge zur Verfügung stehen - wir freuen uns darauf!

Neuigkeiten im Fall Jens Förster

Vor einiger Zeit (in meinem Beitrag vom 9.5.14 “Integre Wissenschaft?”) habe ich hier über die seit 2012 vorgetragenen Vorwürfe geschrieben, die gegenüber einzelnen Publikationen des Kollegen Jens Förster geäußert wurden (perfekte Linearität im Datenmuster mehrerer Experimente). Nachdem im Juli 2014 bekannt wurde, dass die Universität Bochum ihm “übergangsweise” eine Vertretungsprofessur anvertraut hat (hier der Link zum Beitrag von Ralf Degen), sind nun neue Informationen publik geworden.

1) Die Entscheidung der Humboldt-Stiftung über die ihm angetragene Humboldt-Professur wird erst im April 2015 (und nicht wie geplant im Oktober 2014) bekannt gegeben (Link zur Pressemeldung). Interessant ist die Mitteilung, dass die Entscheidungsträger der AvH-Stiftung “… unter anderem den Ausgang von Validierungsuntersuchungen abwarten, die derzeit in mehreren Ländern durchgeführt werden, und deren Ergebnisse bis zum Jahresende vorliegen sollen”. Was ändert dies eigentlich an den Vorwürfen der Vergangenheit?

2) Jens Förster äußerste sich selbst nochmals ausführlich zum Fall (Link zu seiner Webseite, Brief vom 10.9.14). Hier schreibt er u.a.: “Eine internationale „Replication Group“ wurde gegründet. Ich bin sehr gerührt von diesem Zeichen der Wertschätzung und bin sehr dankbar. Ergebnisse dieser Gruppe, der Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen aus mehreren Teilen der Welt angehören, werden für Herbst erwartet. Ich werde auch selbst Experimente unter kontrollierten Bedingungen replizieren, wenn mein neues Labor im Herbst die Arbeit aufnehmen kann.” Sind befreundete Labors eigentlich der richtige (bias-freie) Ort zur Überprüfung? Bedenken dazu findet man bei Makel, Plucker, und Hegarty (2012, Persp. on Psyc. Sci. 7, 537-542), wonach Replikationen im eigenen Labor deutlich erfolgreicher sind als bei unabhängiger Prüfung.

3) Ausserdem hat es gerade kürzlich einen interessanten Kommentar zu meinem Blog gegeben, den ich hier noch einmal hervorheben möchte:

Raphael Diepgen | September 13, 2014 at 10:47 | Permalink | Edit

Ich habe - als Studiendirektor im Hochschuldienst - in der Fakultät für Psychologie der Ruhr-Universität Bochum seit mehr als 20 Jahren die einführende Statistikvorlesung gehalten - in ziemlich kritischer Weise. Natürlich habe ich meine Studenten ausführlich auf die statistischen Aspekte des Falles Jens Förster hingewiesen - und ich habe gegenüber der Fakultät deutlich gemacht, dass ich dies weiterhin zu tun gedenke auch dann, wenn Jens Förster Professor an dieser Fakultät werden sollte. Der Dekan teilte mir nun jüngst - ohne jedes vorherige Gespräch mit mir - mit, mir diese Vorlesung zu nehmen und einem Juniorprofessor zu übertragen. So läuft das in der heutigen akademischen Psychologie.

Wir wollen einfach mal annehmen, dass dass die Gründe für diesen Vorgang nichts mit dem hier diskutierten Fall zu tun haben - oder?

Nachtrag 13.10.14: In einem gerade veröffentlichten Interview in “Psychologie Heute” (Heft 11/2014) mit Jens Förster (nun ja Professor für Sozialpsychologie an der Uni Bochum) findet sich folgende Passage, die die Verhältnisse zwischen Sozialpsychologie und Methodenlehre aus seiner Sicht klarstellt: “Vielleicht ist es so, dass die Kollegen aus dem Fach Methodenlehre nicht so viel Aufmerksamkeit bekommen. Sie fühlen sich ein bisschen wie Hilfswissenschaftler, werden von uns bisweilen auch so behandelt – sie sind eben für die Statistik da. Veröffentlichen auch eher wenig, weil sich in dem Bereich nicht viel Neues ergibt.” Schade für die Methodenlehre, dass sie nicht so sexy ist :-)  Ich hoffe, in anderen Instituten kommt man zu anderen Bewertungen! Die Degradierung der Methodenlehre zur Statistik ist das eine, das Nicht-Erkennen, dass Methodenlehre mehr ist als Statistik, das andere!

siehe auch den Beitrag von Ralf Degen (2.10.2014): Jens Förster lashes out at his critics