Skip to content

Erneute Wahl zum Senatssprecher

In der 420. Sitzung unseres Akademischen Senats am 21.10.2014 bin ich von den Senatorinnen und Senatoren der Universität erneut für weitere vier Jahre (von Oktober 2014 bis September 2018) zum Sprecher des Senats gewählt worden, zusammen mit dem Kollegen Wolfgang Herzog (dem neuen Dekan der Medizinischen Fakultät, in Nachfolge von Claus Bartram, der nach 10jähriger Dekanstätigkeit wieder zurück in sein Institut gekehrt ist).

Als Senatssprecher sollen wir ja vor allem klare Positionen des Senats vor dem Rektorat und dem Universitätsrat vertreten. Ausserdem wirken wir mit bei der personellen Besetzung von Spitzenämtern (Universitätsrat, Rektor, Kanzler) und halten Kontakt zu den zentralen Diensten (Bibliothek und Rechenzentrum).

Die beiden Sprecher sind so gewählt, dass sie verschiedene Aspekte repräsentieren (Fächer links und rechts des Neckars; Amtsmitglied und Wahlmitglied) und nicht zu einseitig pro domo (=für das eigene Haus, im eigenen Interesse also) agieren. Letzteres ist momentan besonders wichtig, weil zum ersten Mal in der Geschichte 3 (!) Senatsmitglieder aus der Psychologie vertreten sind (mehr geht nicht nach der Grundordnung): Klaus Fiedler als Dekan unserer Fakultät, Birgit Spinath als Wahlsenatorin und ich als Wahlsenator. Da werde ich mich vornehm zurückhalten, wenn es um Angelegenheiten unseres Fachs geht.

Dank an meine Mitsenatorinnen und Mitsenatoren für die erneute Wahl - und zwar mit den Stimmen aller im Senat vertretenen Gruppen (Professoren, Mittelbau, Studierende, Nicht-Wissenschaftler)! Ich freue mich zunächst einmal über das in mich gesetzte Vertrauen und die daraus ableitbare Annahme, dass meine Sprechertätigkeit in den vergangenen vier Jahren (2010-2014) nicht ganz schlecht gewesen sein kann. Die von Claus Bartram und mir mitausgewählten Führungskräfte unserer Universitätsspitze erweisen sich ja nach mehrheitlicher Einschätzung als sehr gute Wahlen. Und die Kurskorrektur von einer unternehmerisch ausgerichteten Universität zur akademischen Kultur der Volluniversität hat sich in meinen Augen gelohnt. Ich freue mich aber auch auf die Zusammenarbeit mit dem Kollegen Wolfgang Herzog, der die größte Fakultät in Heidelberg vertritt.

Hengstberger-Preisträger 2014

Wie in früheren Jahren konnten auch in 2014 wieder drei mit je 12.500 Euro dotierte Hengstberger-Preise zur Durchführung eines internationalen wissenschaftlichen Kolloquiums am IWH (der alten “Psychologen-Villa” am Ende der Hauptstrasse - dort war das PI für viele Jahre untergebracht, vor dem Umzug in die Hauptstrasse 47) vergeben werden. Aus den knapp 20 Antragstellern wurde vom Kuratorium des IWH und unter Mitwirkung des Sponsors die drei folgenden Preisträger 2014 ausgewählt (die Bekanntgabe erfolgte auf der Jahresfeier 2014 der Universität am 18. Oktober):

  • Dr. Christian Kirches (Interdisziplinäres Zentrum für Wissenschaftliches Rechnen, IWR), Dr. Peter Dürsch (Alfred-Weber-Institut, AWI), Dr. Daniel Holt (Allgemeine und Theoretische Psychologie, ATP): (Non-)Optimal decision making in dynamic environments
  • Dr. Guido Grossmann, Dr. Sebastian Wolf (beide vom Centre for Organismal Studies, COS): Plant-Environment Interactions
  • Dr. Danielle Allesandrini, Dr. Lee Gye-Son, Dr. Ana Peon-Nieto (alle 3 vom Mathematischen Institut): Higher Teichmüller theory and Higgs bundles: interactions and new trends

Ich freue mich, dass nach Dr. Matthias Blümke (2008: International small group meeting on the transformation of reaction-time based measurement approaches) und Dr. Stefanie Höhl (2011: Individual Differences and Universals of Human Social Cognitive Development) mit Dr. Daniel Holt erneut ein Mitglied unseres Instituts ausgezeichnet wurde. Herzlichen Glückwunsch, lieber Daniel!

Für mich war es meine letzte Runde als IWH-Kurator (und natürlich habe ich mich nicht an der Abstimmung über meinen eigenen Kandidaten beteiligt!) - für viele Jahre war ich hier beteiligt und habe viele tolle Bewertungen gesichtet. Schade, dass am Schluß nur wenige gefördert werden können!

Hier ein Auszug aus den Bewerbungsunterlagen unseres Instituts-Preisträgers mit dem Programm des Symposiums:

Entscheidungen zu fällen ist ein wesentlicher Bestandteil des Alltagslebens. Unsere Umwelt verhält sich jedoch nicht statisch, sondern reagiert auf Entscheidungen oder verändert sich auch ohne unser Zutun weiter, was Anpassungen und weitere Entscheidungen erfordert. Kernthema des vorgeschlagenen Symposions ist es, dynamische Entscheidungsprozesse dieser Art aus den komplementären Perspektiven der Ökonomie, Psychologie und Mathematik zu betrachten und zu verstehen. Insbesondere soll die Frage im Mittelpunkt stehen, inwieweit rational optimales Handeln mit Hilfe mathematischer und ökonomischer Modelle in dynamischen Situationen überhaupt bestimmbar ist. Des Weiteren wollen wir hinterfragen, ob dieses theoretische Optimum aus Sicht der kognitiven Psychologie für das oftmals nicht optimale Entscheidungsverhalten des Menschen als Maßstab dienen kann und sollte. Das Symposion wird von drei Nachwuchswissenschaftlern veranstaltet werden, die den Fachrichtungen Mathematik, Psychologie, und Ökonomie an den Instituten IWR, ATP, und AWI der Universität Heidelberg angehören.

Herr Dr. Peter Dürsch arbeitet als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl von Prof. Jörg Oechssler am Alfred-Weber-Institut, bei dem er auch im Jahr 2011 promoviert hat. Seine Forschung ist sowohl theoretisch, wie auch experimentell ausgerichtet und umfasst unter anderem Imitationsverhalten, Entscheidungen unter Unsicherheit, sowie Spieltheorie.

Herr Dr. Daniel Holt ist akademischer Rat auf Zeit in der Abteilung Allgemeine und Theoretische Psychologie am Psychologischen Institut. Er hat 2012 bei Prof. Dr. Joachim Funke promoviert und forscht zu den Themen Planen, Problemlösen und Modellierung kognitiver Prozesse.

Herr Dr. Christian Kirches ist seit 2013 Leiter einer Forschungsgruppe am Interdisziplinären Zentrum für Wissenschaftliches Rechnen (IWR). Er hat 2010 bei Prof. Dr. Dres. h.c. Hans Georg Bock und Prof. Dr. Gerhard Reinelt am IWR in Mathematik promoviert. Gemeinsam mit seiner Arbeitsgruppe erforscht er die Entwicklung und Umsetzung von mathematischen und computergestützten Verfahren zur effizienten Optimierung komplexer dynamischer Prozesse.

Christian Kirches und Daniel Holt haben bereits in einem von der Exzellenzinitiative geförderten Projekt zur mathematischen Modellierung kognitiver Prozesse (Zukunftskonzept Fördermaßnahme 5.4, Projekt „CoMoKoS“) erfolgreich zusammengearbeitet. Peter Dürsch und Daniel Holt haben in der Vergangenheit ebenfalls bei der Erforschung der Rolle kognitiver Fähigkeiten beim rational-ökonomischen Entscheiden kollaboriert (Projekt im Field of Focus 4 „Regulation and Self-Regulation“). Die konstruktiven interdisziplinären Schnittstellen, die sich in diesen Projekten gezeigt haben, sind eine wesentliche Motivation für das vorgeschlagene gemeinsame Symposion, um eine derartige Vernetzung auch auf nationaler und internationaler Ebene zu stärken.

Das Symposion verbindet mit den Fachbereichen Mathematik, Psychologie und Ökonomie die Wissenschaftsbereiche Naturwissenschaften, Geistes- und Gesellschaftswissenschaften und fördert den gegenseitigen Austausch anhand der zentralen Forschungsgegenstände „menschliche Entscheidungen“ und „dynamische Umgebungen“ zu denen alle drei Fachbereiche Beiträge in Theorie und Experiment einbringen. Dabei bieten sowohl die Wirtschaftswissenschaften als auch die Psychologie relevante Anwendungsfelder für die Analysewerkzeuge der Mathematik. Das Augenmerk der Wirtschaftswissenschaftler liegt hauptsächlich auf der praktischen Anwendbarkeit der Ergebnisse, während die Psychologie sich stärker auf den eigentlichen Entscheidungsprozess konzentriert. Da beide Disziplinen ähnliche Themen bearbeiten, ist ein Kontakt über die Grenzen der Disziplinen hinweg besonders wünschenswert um Duplikationen in der Forschung zu vermeiden und Erkenntnisse des anderen Fachs zu nutzen. Bereits jetzt wird z.B. psychologische Grundlagenforschung genutzt, um die Annahmen wirtschaftswissenschaftlicher Lerntheorien zu stützen. Die Mathematik liefert hier eine geeignete Methodik, um anspruchsvolle Modelle zu lösen. Hierdurch wird es den anderen beiden Disziplinen ermöglicht, theoretische Fragen zu beantworten, deren Bearbeitung erst mit fortschrittlichen Optimierungsverfahren möglich wird.

Das Symposion trägt über die Forschungsinteressen der beteiligten Partner hinaus dazu bei, den fächerübergreifende Dialog als ein besonderes Anliegen des Zukunftskonzepts der Universität Heidelberg in der Exzellenzinitiative des Bundes zu stärken. Als drittem methodischem Ansatz neben Theorie und Experiment und als Schlüsseltechnologie zur Vernetzung der „Fields of Focus“ der Universität kommt dem Wissenschaftliche Rechnen dabei besondere Bedeutung zu.

Mit einem Tagungsband wird das geplante Symposion auch selbst zum Stand der Literatur beitragen. Dieser wird eine aktuelle Übersicht über die neusten Forschungsergebnisse zum Thema Entscheidungsfindung in dynamischen Systemen zusammenstellen und diese Entwicklungen zueinander in Kontext setzen.

Semesteranfang

Funkelnder Spinath

Funkelnder Spinath

Das Wintersemester hat begonnen, die “Erstis” sind zahlreich erschienen und machen sich mit dem Institut vertraut. Bei der Aufteilung in die Kleingruppen gibt es immer einen Wettbewerb um witzige Gruppennamen - diesmal gab es einen, den ich nicht zuletzt wegen des Gummibären als Anspielung auf meinen Namen und den meiner Kollegin verstanden habe (siehe das eingefügte Bild).

Bei den Abteilungsbesuchen und beim Kaffee (diesmal mit Quiz! Sehr gute Idee!) gab es erste Gelegenheiten zum Kennenlernen. Kritische Neugier: hoffentlich bleibt sie erhalten! Wissenschaft lebt davon!

Semesteranfang: Wir haben nicht nur 102 neue BSc-Studierende, sondern auch neue Master! Am Montag haben wir die 20 Neulinge aus dem MSc OBAC-Zweig begrüßt. Wir haben eine interessante Gruppe! Bin gespannt, was sich da entwickelt!

Der Semesteranfang fordert auch administrativen Tribut: Treffen der Professoren, Treffen aller Mitarbeitenden, Sitzung des Fachrats; die ersten Sitzungen der Fakultät und des Senats in diesem Semester kommen noch. Dass alles mit einem deutlich erhöhten Mailaufkommen verbunden ist, brauche ich wohl nicht zu erwähnen - auch nicht, wieviel Zeit nun zur Vorbereitung und Durchführung der Lehre benötigt wird. Drei große Vorlesungen wollen aktualisiert und vorbereitet werden.

Und natürlich gab es zum Abschluss der Einführungswoche mal wieder eine Ersti-Party (”PsychoPathie”) - diesmal sogar mit drei professoralen DJs (welches Institut kann da mithalten?): DJane BiSpi, DJ Dirk und DJ Funk natürlich :-) Hat Spass gemacht!

Kleine Welt: Erdös-Zahl und Wundt-Abstand

Vor einiger Zeit hatte ich bereits in einem Blog über meine Begeisterung für das “Small-World“-Phänomen geschrieben (siehe meinen damaligen Blog-Eintrag). Nun bin ich von ganz anderer Seite erneut auf dieses Thema gestoßen.

Mathematiker machen sich einen Spass daraus, ihre Nähe zu Paul Erdös (1913-1996), einem ungarischen Mathematiker und Viel-Publizierer, zu bestimmen (hier mehr zum Erdös-Projekt). Gemäß der Kleine-Welt-Logik bestimmt man den Abstand zwischen sich und Paul Erdös über die Zahl an Personen (=Knoten im Netzwerk), die zur Verbindung benötigt werden. Paul Erdös selbst hat trivialerweise die Erdös-Zahl 0; die Personen, die ein Paper mit Paul Erdös geschrieben haben, besitzen die die Erdös-Zahl 1; hat man ein Paper mit jemandem geschrieben, der seinerseits ein Paper mit Erdös geschrieben hat, hat man die Erdös-Zahl 2 usw. (hier kann man seine Zahl bestimmen, wenn man etwas in der Mathematik publiziert hat - andernfalls ist die Zahl natürlich unendlich, was für die meisten Kollegen anzunehmen ist).

Zu meiner großen Freude besitze ich selbst dank meiner Kooperation mit Sebastian Sager (früher Heidelberg, heute Magdeburg) die Erdös-Zahl 5, bin also über 4 Zwischenstationen mit dem berühmten Mathematiker verbunden (wie z.B. auch die Kollegen Dietrich Albert und Hans Colonius). In der Psychologie ist wohl unschlagbar nah dran Kollege Jürgen Heller (Uni Tübingen, Mathematische Psychologie) mit einer Erdös-Zahl von 2! Näher geht es fast nicht!

Für unser Fach haben Jochen Musch und Dennis Winter die kleine Welt der Psychologie untersuchbar gemacht mit einer Schnittstelle zur Datenbank Psyndex, die die Veröffentlichungen deutschsprachiger Autorinnen und Autoren versammelt. Hier kann man seinen Abstand zu berühmten Kolleginnen und Kollegen bestimmen (Stand: 06/2008).

Anklicken zur Vergrößerung

Ein interessanter Abstand ist sicher derjenige zu Gründungsvater Wilhelm Wundt - zumindest in Bezug auf Promotionsbeziehungen zeigt die Abbildung (zum Vergrößern bitte anklicken), dass eine direkte Verbindung über Külpe - Bühler - Hofstätter - Bredenkamp besteht. Das ist doch ganz erfreulich! Wundt ist mir offensichtlich näher als vermutet: auch hier sind 5 Links zur Verbindung ausreichend!

Die akademische Genealogie haben mein Kollege Edgar Erdfelder und ich bei unserer gemeinsamen 120-Jahr-Feier in Anwesenheit von Jürgen Bredenkamp gezeigt, dem wir die Wundt-Verbindung ja verdanken. Dass zudem mit Oswalt Külpe und Karl Bühler zwei für die Denkpsychologie wichtige Namen in meiner Genealogie auftauchen, hat mich sehr gefreut! Zufall? Zufall! Trotzdem nett!

Honorarprofessur für Robert Kail

In seiner 418. Sitzung hat der Akademische Senat unserer Universität am 15.7.2014 beschlossen, dem Antrag unserer Fakultät auf Bestellung von Prof. Dr. Robert Kail (Purdue University, USA) zum Honorarprofessor stattzugeben. Damit ist unsere internationale Vernetzung erneut gestärkt worden - neben Lenelis Kruse (UNESCO-Kommission),  Andreas Schleicher (OECD, Paris) und Robert Sternberg (Cornell University, USA) eine weitere international leuchtende Person, die das Lehrangebot unseres Psychologischen Instituts bereichert und internationale Kontakte herstellt. Übrigens: Honorarprofessoren erhalten kein Honorar, sondern arbeiten umsonst, der Ehre zu Liebe (wir erstatten natürlich Fahrtkosten und sorgen für Unterbringung).

Auf Einladung von Kollegin Sabina Pauen war Robert Kail vor 2 Jahren schon einmal an unserem Institut lehrend tätig und hat unsere Studierenden mit seiner klaren und unterstützenden Art begeistert. Ich zitiere aus der Laudatio von Sabina Pauen, die seine Bestellung der Fakultät vorgeschlagen hat:

Schon während meiner Studienzeit war Robert Kail unter Entwicklungspsychologen berühmt. Seine Forschungsarbeiten zur Informationsverarbeitung wurden bereits damals als Klassiker zitiert und gehören bis heute zum festen Kanon jeder guten Einführungsvorlesung in die Entwicklungspsychologie. So hat er mit methodisch überzeugenden Studien belegt, dass die Geschwindigkeit der basalen Informationsverarbeitung im Verlauf der Kindheit stetig zunimmt und dass dieser Prozess wichtige Fortschritte im Denken auf höheren Ebenen überhaupt erst möglich macht. Die von ihm generierten Erkenntnisse haben die moderne kognitive Entwicklungspsychologie nachhaltig geprägt und bis heute nicht an Aktualität verloren.

Robert Kail ist nicht nur ein weltweit hoch geschätzter Forscher, sondern darüber hinaus seit Jahrzehnten (Mit)-Herausgeber zahlreicher internationaler Journals, darunter Advances in Child Development and Behavior, Child Development (das Flaggschiff der international organisierten Entwicklungspsychologie), Developmental Psychology, Memory, Journal of Experimental Child Psychology, Psychological Science, und Child Development Perspectives. Dies spricht für sein Ansehen als Gutachter und dokumentiert gleichzeitig seine großen Einflussmöglichkeiten auf die Fachwelt. [...]

Wie dieser Laudatio zu entnehmen ist, spricht aus meiner Sicht sehr vieles dafür, Robert Kail zum Honorarprofessor unserer Universität zu ernennen: Es handelt sich um einen hoch renommierten, in Fachkreisen bestens vernetzten und international einflussreichen Kollegen mit hohen wissenschaftlichen, didaktischen und menschlichen Qualitäten. Die Ehre wäre ganz auf unserer Seite, wenn wir ihn demnächst als Honorarprofessor in Heidelberg begrüßen könnten!

Nun ist er also bestellt und wird ab dem nächsten Jahr Lehre an unserem Institut anbieten und unseren Studierenden, aber auch den Mitarbeitenden im Hause für Gespräche und Ratschläge zur Verfügung stehen - wir freuen uns darauf!

Neuigkeiten im Fall Jens Förster

Vor einiger Zeit (in meinem Beitrag vom 9.5.14 “Integre Wissenschaft?”) habe ich hier über die seit 2012 vorgetragenen Vorwürfe geschrieben, die gegenüber einzelnen Publikationen des Kollegen Jens Förster geäußert wurden (perfekte Linearität im Datenmuster mehrerer Experimente). Nachdem im Juli 2014 bekannt wurde, dass die Universität Bochum ihm “übergangsweise” eine Vertretungsprofessur anvertraut hat (hier der Link zum Beitrag von Ralf Degen), sind nun neue Informationen publik geworden.

1) Die Entscheidung der Humboldt-Stiftung über die ihm angetragene Humboldt-Professur wird erst im April 2015 (und nicht wie geplant im Oktober 2014) bekannt gegeben (Link zur Pressemeldung). Interessant ist die Mitteilung, dass die Entscheidungsträger der AvH-Stiftung “… unter anderem den Ausgang von Validierungsuntersuchungen abwarten, die derzeit in mehreren Ländern durchgeführt werden, und deren Ergebnisse bis zum Jahresende vorliegen sollen”. Was ändert dies eigentlich an den Vorwürfen der Vergangenheit?

2) Jens Förster äußerste sich selbst nochmals ausführlich zum Fall (Link zu seiner Webseite, Brief vom 10.9.14). Hier schreibt er u.a.: “Eine internationale „Replication Group“ wurde gegründet. Ich bin sehr gerührt von diesem Zeichen der Wertschätzung und bin sehr dankbar. Ergebnisse dieser Gruppe, der Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen aus mehreren Teilen der Welt angehören, werden für Herbst erwartet. Ich werde auch selbst Experimente unter kontrollierten Bedingungen replizieren, wenn mein neues Labor im Herbst die Arbeit aufnehmen kann.” Sind befreundete Labors eigentlich der richtige (bias-freie) Ort zur Überprüfung? Bedenken dazu findet man bei Makel, Plucker, und Hegarty (2012, Persp. on Psyc. Sci. 7, 537-542), wonach Replikationen im eigenen Labor deutlich erfolgreicher sind als bei unabhängiger Prüfung.

3) Ausserdem hat es gerade kürzlich einen interessanten Kommentar zu meinem Blog gegeben, den ich hier noch einmal hervorheben möchte:

Raphael Diepgen | September 13, 2014 at 10:47 | Permalink | Edit

Ich habe - als Studiendirektor im Hochschuldienst - in der Fakultät für Psychologie der Ruhr-Universität Bochum seit mehr als 20 Jahren die einführende Statistikvorlesung gehalten - in ziemlich kritischer Weise. Natürlich habe ich meine Studenten ausführlich auf die statistischen Aspekte des Falles Jens Förster hingewiesen - und ich habe gegenüber der Fakultät deutlich gemacht, dass ich dies weiterhin zu tun gedenke auch dann, wenn Jens Förster Professor an dieser Fakultät werden sollte. Der Dekan teilte mir nun jüngst - ohne jedes vorherige Gespräch mit mir - mit, mir diese Vorlesung zu nehmen und einem Juniorprofessor zu übertragen. So läuft das in der heutigen akademischen Psychologie.

Wir wollen einfach mal annehmen, dass dass die Gründe für diesen Vorgang nichts mit dem hier diskutierten Fall zu tun haben - oder?

Nachtrag 13.10.14: In einem gerade veröffentlichten Interview in “Psychologie Heute” (Heft 11/2014) mit Jens Förster (nun ja Professor für Sozialpsychologie an der Uni Bochum) findet sich folgende Passage, die die Verhältnisse zwischen Sozialpsychologie und Methodenlehre aus seiner Sicht klarstellt: “Vielleicht ist es so, dass die Kollegen aus dem Fach Methodenlehre nicht so viel Aufmerksamkeit bekommen. Sie fühlen sich ein bisschen wie Hilfswissenschaftler, werden von uns bisweilen auch so behandelt – sie sind eben für die Statistik da. Veröffentlichen auch eher wenig, weil sich in dem Bereich nicht viel Neues ergibt.” Schade für die Methodenlehre, dass sie nicht so sexy ist :-)  Ich hoffe, in anderen Instituten kommt man zu anderen Bewertungen! Die Degradierung der Methodenlehre zur Statistik ist das eine, das Nicht-Erkennen, dass Methodenlehre mehr ist als Statistik, das andere!

siehe auch den Beitrag von Ralf Degen (2.10.2014): Jens Förster lashes out at his critics

“Minimal complex systems” und komplexes Problemlösen

In den letzten Jahren ist durch Arbeiten unserer Heidelberger Forschergruppe ein Ansatz zur Erfassung des Problemlösens stark gemacht worden, der unter dem Stichwort “minimal complex systems” (Greiff & Funke, 2009) zur Entwicklung von Testaufgaben geführt hat, die mit dem Namen “MicroDYN” und “MicroFIN” verknüpft sind: Aufgaben, die nach dem Konstruktionsprinzip linearer Strukturgleichungen oder dem Formalismus finiter Automaten in der Tradition von Funke (2001) konstruiert wurden und ihrer Komplexität nach am unteren Rand des Spektrums komplexer Probleme rangieren. Solche Aufgaben wurden in der weltweiten Untersuchung PISA 2012 zur Erfassung von Problem Solving Competence eingesetzt (siehe früheren Post).

In einer gerade erschienenen Arbeit habe ich versucht, das Verhältnis solcher minimal komplexen Systemen (minimal complex systems, MCS) zum großen Bereich des Umgangs mit komplexen Systemen (complex problem solving, CPS) näher zu bestimmen. Nach fünf Jahren Forschung mit diesen Instrumenten ist eine Einordnung der neuen Werkzeuge in die große Werkzeugkiste der Problemlöseforschung sicher noch verfrüht, dennoch lassen sich Tendenzen und Schwerpunkte schon jetzt erkennen.

Anlass zu dieser Einordnung der Instrumente war die Frage nach kulturellen Unterschieden: Bei den “kleinen” MCS-Aufgaben wird argumentiert, dass die semantische Einkleidung unbedeutend sei, während komplexe Szenarien wie “Tailorshop” in großem (und unbekanntem) Ausmass auch auf Weltwissen zurückgreifen. Kulturelle Unterschiede im kausalen Danken, das zur Problembestimmung und -lösung nötig ist, werden nur mit CPS explizit erfassbar, bei MCS sind sie dagegen ausgeblendet.

Während die reduzierten MCS-Systeme ideal zur Erfassung der Strategie isolierter Bedingungsvariation sind und dabei exzellente psychometrische Eigenschaften aufweisen, greifen CPS-Systeme weiter aus (insbesondere bei der simultanen Erfassung der fünf Facetten operativer Intelligenz sensu Dörner) und ermöglichen dadurch - zumindest prinzipiell - die Diagnose weiterer Strategien (faktisch kommt es nur selten dazu, weil die Auswertung anhand einfacher Performanz-Kriterien verlockender ist).

Die Einordnung neuer diagnostischer Instrumente wie MCS in den großen Werkzeugkasten der Problemlöseforschung ist ein andauernder Prozeß der Rückversicherung zwischen Testentwicklung einerseits mit ihren ganz spezifischen psychometrisch begründeten Anforderungen und intendierter Konstruktvalidität andererseits. Das klassische Reliabilitäts-Validitäts-Dilemma tritt auch in dieser Debatte in ähnlicher Form zu Tage: Homogene MicroDYN-Items zeigen z.B. bessere Reliabilitäten als die heterogeneren MicroFIN-Items. Heterogenität der Anforderungen: Die Idee einer “Anforderungssymphonie” zum Zweck des Trainings, wie bei Dörner (1998) angesprochen, gilt natürlich auch für die Assessment-Situation. Neben “more of the same” brauchen wir zusätzlich Diversität und Mix in den Anforderungen.

Hier sind meine Überlegungen dazu nachzulesen: Funke, J. (2014). Analysis of minimal complex systems and complex problem solving require different forms of causal cognition. Frontiers in Psychology, 5 (739), 1-3. doi: 10.3389/fpsyg.2014. (Open Access)

Psychologie: eine Buchwissenschaft?

Psychologie eine Buchwissenschaft? Nie und nimmer! Trotzdem ist das Thema virulent und hat vor allem finanzielle Folgen, weil die Einstufung eines Faches in die eine oder andere Kategorie erhebliche Unterschiede bei den finanziellen Zuwendungen von Land und Bund ausmacht (die Naturwissenschaften bekommen sehr viel höhere Pro-Kopf-Beträge als die Buchwissenschaften).

In einem Statement der Psychologischen Institute an den Universitäten in Baden-Württemberg (Freiburg, Heidelberg, Konstanz, Mannheim, Tübingen, Ulm) an das baden-württembergische Wissenschaftsministerium (MWK) zu deren Ausbauprogramm “Master 2016″ zur Einstufung der Psychologie als Buchwissenschaft heisst es:

Die Psychologischen Institute der Universitäten in Baden-Württemberg, vertreten durch ihre Geschäftsführenden Direktoren/innen bzw. Fachbereichsleiter/innen, begrüßen ausdrücklich das vom MWK aufgelegte Ausbauprogramm Master 2016. Wie u.a. aus dem aktuellen Bericht zur „Lage der Psychologie“ des Präsidenten der „Deutschen Gesellschaft für Psychologie“ (Frensch, 2013) hervorgeht, ist für Studierende der Psychologie der Master-Abschluss der berufsqualifizierende Studienabschluss. Psychologie-Studierende mit einem Bachelor-Abschluss haben keine adäquate berufliche Perspektive. Auch für die Zulassung zur Prüfung zur/m Psychologischen Psychotherapeutin/en ist ein konsekutiver Bachelor- und Masterstudiengang in Psychologie Voraussetzung. Dementsprechend streben mehr als 90 % der Bachelor-Absolventen/innen der Psychologie ein weiterführendes Masterstudium an. Die Anpassung der Anzahl der Masterstudienplätze an die Anzahl der Bachelorstudienplätze ist somit eine sehr wichtige Maßnahme.

Wir sind überrascht und können nicht verstehen, dass das MWK die Psychologie in Baden-Württemberg als „Buchwissenschaft“ einstuft.  Um den entsprechenden Ausbau an den Psychologischen Instituten gewährleisten zu können, ist eine finanzielle Förderung notwendig, die der naturwissenschaftlichen Ausrichtung des Psychologiestudiums angemessen ist. Eine Einstufung der Psychologie als „Buchwissenschaft“ ist aus mehreren Gründen nicht angemessen.

1.    Die Forschung an den Psychologischen Instituten in B.-W. ist quantitativ-empirisch bzw. experimentell ausgerichtet.  Sowohl international als auch national ist dies die typische wissenschaftliche Ausrichtung der Psychologie. Auf internationaler Ebene ist die Psychologie fast immer naturwissenschaftlichen  (Sciences, Natural Sciences, Neurosciences) oder sozialwissenschaftlichen (Social Sciences)  Fakultäten zugeordnet und nicht geisteswissenschaftlichen oder philosophischen Fakultäten (Humanities,  Arts oder Literature Sciences). Eine entsprechende Einordung der Psychologie ist auch im asiatischen Raum zu beobachten, wo derzeit moderne Departments für Psychologie eingerichtet werden (z.B. University of Peking).

2.    Entsprechend sind die Psychologischen Institute in B.-W. auch entweder den Naturwissenschaften zugeordnet (Tübingen, Konstanz) oder aber den Sozialwissenschaften (Heidelberg, Mannheim, Ulm), nicht jedoch den Fakultäten, die als Buchwissenschaften gelten. Auch außerhalb von B.-W. sind führende psychologische Institute in naturwissenschaftlichen Fakultäten verankert (z.B. HU Berlin, TU Dresden, Uni Düsseldorf, Braunschweig, Leipzig, Göttingen). Der typische Abschluss in Psychologie ist daher auch ein Bachelor oder Master of Science.

3.    Zudem zeigt eine aktuelle Analyse der psychologischen Forschung anhand von laufenden DFG-Projekten: „Für die Psychologie ist eine große Homogenität in der methodologischen Ausrichtung erkennbar: Sie prüft quantitativ Kausalzusammenhänge anhand empirischer Daten und ihr Fokus liegt auf der Theorienprüfung“ (Witte & Strohmeier, 2013, S. 23).

4.    Die Durchführung der Forschung an den Psychologischen Instituten ist nur mit einer adäquaten Ausstattung mit Labor- und Experimentalräumen (u.a. EEG-Labore, Blickbewegungslabore, Videolabore, Psychophysiklabore, psychophysiologische Labore) möglich. In allen Instituten werden entsprechende Flächen vorgehalten, die den Bedarf kaum decken.

5.    Die Ausbildung der Studierenden im Psychologiestudium hat ebenfalls einen deutlichen Schwerpunkt in naturwissenschaftlicher Forschungsmethodik (Experimentalpraktika, empirische bzw. experimentelle Master-Arbeiten und einen großen Anteil an mathematischer Statistik). Pflichtstunden für Psychologie-Studierende zur Teilnahme an Experimenten sind in allen Prüfungsordnungen verbindlich vorgeschrieben.

Aus den genannten Gründen beantragen die Psychologischen Institute in B.-W. bei der finanziellen Förderung im Rahmen des Ausbauprogramms Master 2016 entweder eine Einstufung als Naturwissenschaft (d.h. eine Förderung von € 12.000 pro zusätzlichem Master-Studienplatz) oder aber zumindest die Einstufung als Lebens-/Sozialwissenschaft mit einer Förderung von € 10.000 pro zusätzlichem Master-Studienplatz. Eine Einstufung der Psychologie als Buchwissenschaft mit einer Förderung von lediglich € 7.000 pro Master-Studienplatz ist für die Psychologischen Institute in B.-W. nicht ausreichend. Der Ausbildungsstandard wird sonst hinter den internationalen und derzeit national üblichen Standard zurückfallen. Alle Psychologischen Institute in Baden-Württemberg werden sich an der Ausbauplanung 2016 nur dann beteiligen, wenn pro Masterstudienplatz jährlich mindestens € 10.000 zur Verfügung gestellt werden.

Literatur:

Frensch, P. A. (2013). Zur Lage der Psychologie als Fach, Wissenschaft und Beruf. Psychologische Rundschau, 64, 1-15.

Witte, E. H., & Strohmeier, C. E. (2013). Forschung in der Psychologie. Psychologische Rundschau, 64, 16-24.

Dieses Statement hat erfreulicherweise dazu geführt, dass das MWK sich einsichtig gezeigt und für die Psychologie eine Zwischenkategorie bei den Zuschüssen eingeführt hat (nicht ganz so viel wie die Naturwissenschaften, aber deutlich mehr als die Buchwissenschaften). Toll! Danke dafür!

Nun habe ich im Sommerrundschreiben unserer Fachgesellschaft DGPs gelesen, dass der Vorstand der DGPs sich in Folge der oben beschriebenen Ba-Wü-Aktion an das bundesweit massgebliche Statistische Bundesamt gewandt hat und darum bittet, die bisherig dort praktizierte Einordnung der Psychologie als „Sprach- und Kulturwissenschaft“ aufzugeben und sie statt dessen in die Kategorie der „Naturwissenschaften“ einzuordnen. Mal sehen, ob es eine Änderung geben wird! Interessant auch zu sehen, was Klassifikationen so bedeuten!

Gute Stimmung bei Lehrevaluation

Wir alle wissen: Lehrveranstaltungen müssen regelmässig evaluiert werden, um die Qualität der Lehre zu verbessern und erkannte Schwachpunkte abzustellen (z.B. als Teil unseres Heidelberger Systems des Qualitätsmanagements HeiQUALITY).  Studierende sind daher häufig genötigt, in ihren Veranstaltungen entsprechende Bewertungen abzugeben. Ist es dabei eigentlich egal, in welcher Stimmung sich die Befragten befinden?

Jörg Zumbach (Uni Salzburg) und ich sind in einer gerade erschienenen Arbeit dieser Frage mit empirischen Methoden nachgegangen. Unsere Idee war, dass in guter Stimmung bessere Bewertungen abgegeben werden als in schlechter Stimmung. Wir haben diese Stimmung unter Hörsaalbedingungen während der Bewertungstätigkeit experimentell manipuliert (Emotionsinduktion nach der Facial Feedback-Hypothese) und tatsächlich entsprechende signifikante (kleine) Effekte auf die Kursbewertung zeigen können: Studierende in guter Stimmung geben bessere Urteile zur gleichen Veranstaltung an als solche mit schlechterer Stimmung.

Unsere abschließende Empfehlung für die Durchführung von Lehrevaluationen, in denen man als Dozent möglichst gut abschneidet: an einem sonnigen Tag, in kleinen Gruppen, kurz vor den Ferien und vor allem: mit einem Stift zwischen den Zähnen, wenn es sonst nichts zu lachen gibt.

Hier sind unsere Überlegungen dazu nachzulesen: Zumbach, J., & Funke, J. (2014). Mood influences on academic course evaluation. Practical Assessment, Research & Evaluation, 19(4). Available online: http://pareonline.net/getvn.asp?v=19&n=4. (Open Access)

Angelockt und abgeschreckt: Bildungspolitik in der Zwickmühle

In der Ausgabe 27/2014 der “Zeit” schreibt die Redakteurin Marion Schmidt unter dem Titel “Angeworben und abgewiesen” über die Paradoxie deutscher Bildungspolitik, wonach erst einmal junge Menschen zum Studium ermuntert werden, und dann, wenn die Abiturienten studieren wollen, plötzlich kein Geld mehr für zusätzliche Studienplätze bereitsteht.

Mehr als die Hälfte aller Studienplätze ist nach diesem Bericht inzwischen zulassungsbeschränkt, in der Psychologie liegt der NC um 1,5, an einzelnen Unis wie bei uns noch höher; um unsere 90 Heidelberger BSc-Plätze bewerben sich >5000 Studienplatz-Interessierte. 118 unserer Bewerbungen haben die Abi-Durchschnittsnote 1.0, die nächsten 111 die Note 1.1, 128 die Note 1.2 und weitere 199 Bewerbungen die Note 1.3. Allein mit diesen 600 notenstärksten Bewerbungen zwischen 1.0 und 1.3 könnten wir unsere 90 Plätze 6fach besetzen. An anderen Unis sieht es ähnlich aus.

Noch nie waren so viele Studierende an den Hochschulen eingeschrieben, einer Flutkatastrophe gleich - und was passiert auf Seiten der Politik? Geplant sind weitere Kürzungen in diesem Bereich, der schon lange notorisch kurz gehalten wurde! Die Finanzierung baden-württembergischer Hochschulen ist durch den Solidarpakt zwischen Land und Unis auf den Budget-Stand von 1997 eingefroren (lediglich die gesetzlich vereinbarten Tarifsteigerungen für das Personal sind hinzugekommen) - wir sind inzwischen Weltmeister im Einsparen. Dass wir daneben höchst erfolgreich im Weltmassstab konkurrieren, ist nur der schier grenzenlosen Selbstausbeutung der akademischen und (teilweise) nicht-akademischen Mitarbeitenden zu verdanken. Und für die Unabhängigkeit der Forschung ist es vielleicht gar nicht so wünschenswert, dass inzwischen mehr als die Hälfte des Universitätsbudgets aus der Hand Dritter kommt, weniger als die Hälfte unseres Budgets kommt vom Land.

Und jetzt werden aufgrund von Sparzwängen in vielen Bundesländern auch noch Studiengänge geschlossen - sogar in der Psychologie mit ihrer gigantischen Nachfrage! Aktuell sollen das Bremer Institut und das in Halle geschlossen werden! Wir haben inzwischen mehr Studierende als Auszubildende - das mag nicht jeden erfreuen, aber man kann doch die Hochschulen damit nicht allein lassen.

Gibt es einen Ausweg aus diesem Dilemma? Von staatlicher Seite ist offensichtlich nicht viel Hilfe zu erwarten - die privaten Bildungsanbieter haben das schnell erkannt! An der Medical School Hamburg - so der Bericht in der “Zeit” - ist ein dreijähriges Bachelorstudium möglich: zulassungsfrei, ohne NC - aber für 25.000 Euro! An der SRH Heidelberg betragen die Kosten eines Bachelorstudiums 36 Monate lang jeweils 670€ plus 620€ Immatrikulationsgebühr - gute Noten sind natürlich gewünscht, aber nicht ausschlaggebend!

Wo Bund und Land sich aus der Verantwortung schleichen, sehen private Anbieter ihre Chance. Ist das unser Zukunftsmodell?