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Neue DGPs Präsidentin-elect: Birgit Spinath

Prof. Dr. Birgit SpinathDie von mir sehr geschätzte Kollegin Birgit Spinath ist auf dem diesjährigen Jubiläumskongreß (dem 50. in seiner Geschichte) der Deutschen Gesellschaft für Psychologie (DGPs) in Leipzig zur “Präsidentin-elect” (das ist ein inoffizieller Titel! Offiziell heisst Birgit 1. Vize-Präsidentin) gewählt worden! Sie erzielte etwa die doppelte Stimmenanzahl im Vergleich zu ihrem Gegenkandidaten, dem ich an dieser Stelle ebenfalls danke für seine Kandidatur - das macht demokratische Wahlen überhaupt erst möglich (”Wahl” heißt ja eigentlich: Auswahl zwischen mindestens 2 Alternativen).

Präsidentin-elect bedeutet: Sie ist ab sofort für die nächsten 2 Jahre bereits als Mitglied im Vorstand der DGPs unter dem neuen Präsidenten Conny Antoni (Trier) tätig, bevor sie dann im Jahr 2018 mit erneuter Wahl (dann ohne Gegenkandidat) zur Präsidentin von 2018-2020 wird. Birgit Spinath wird damit nach Hannelore Weber (2004-2006), Ursula Staudinger (2008-2010) und Andrea Abele-Brehm (2014-2016) die vierte Frau an der Spitze der DGPs werden.

Es wird eine spannende Zeit: Die Umstellung des BSc-MSc-Studiengangs zählt sicher zu den schwierigen Themen, aber auch die Frage, ob der MSc Psychologie nicht zu einem grundständigen 5jährigen Studium werden sollte (mit relativ sicherem Übergang vom BSc zum MSc), europäische Qualitätsstandards, das Verhältnis zu privaten Hochschulen usw. Für die nächsten zwei Jahre wird die Arbeitswelt etwas stärker in den Fokus rücken (der neue Präsident hat dies in seiner Antrittsrede erklärt), dann kommen Schule und Hochschule dran.

Was mich als Heidelberger Institutsmitglied freut: Nach Carl-Friedrich Graumann (1968-1970) und Manfred Amelang (1996-1998) stellt unser Institut damit zum dritten Mal die Spitzenperson der DGPs. Heidelberger Kolleginnen und Kollegen machen eben nicht nur gute Forschung und Lehre, sondern übernehmen auch Verantwortung in der ehrenamtlichen akademischen Selbstverwaltung!

Liebe Birgit: unser ganzes Institut freut sich mit Dir, da bin ich überzeugt! Herzlichen Glückwunsch zu diesem tollen Amt, das Dir hoffentlich noch ein bisschen Zeit übrig läßt für unsere gute Tradition des gemeinsamen Mittagessens!

Über Motto-, Leistungs- und Lern-Ziele

JDDM Volume 2 (2016), Article 3

Ziele sind ein non-plus-ultra im menschlichen Leben: Sie treiben uns zu allem Möglichen an, und ohne Ziele hätten wir keine Probleme. Ha! Probleme hat man nur, wenn man etwas erreichen will und dieses Ziel nicht direkt erreichbar ist, weil Hindernisse zwischen dem Akteur und seinem gewünschten Zielzustand bestehen. Problemlösen heisst daher Hindernisse auf dem Weg zu einem Ziel beiseite zu räumen. Manche Probleme werden kleiner, wenn die Ziele weniger anspruchsvoll formuliert werden (beim Klimawandel ist das heruntergeschraubte Zwei-Grad-Ziel immer noch ein schwierig zu erreichendes) oder hören ganz auf zu existieren, wenn man das Ziel aufgibt.

Vor einiger Zeit habe ich bei einem Besuch in Zürich eine interessante Variation der Zielthematik kennengelernt, die unter dem Namen “Motto-Ziele” eine besondere Art von Zielen propagiert. Im Rahmen des nicht nur von Praktikern sehr geschätzten Zürcher Ressourcenmodells (ZRM) spielen nämlich Ziele eine wichtige Rolle beim Training des Selbstmanagements: Ziele sind dann besonders hilfreich, wenn sie handlungswirksam werden und nicht bloss abstrakt über dem Akteur schweben. Dass abstrakte Ziele nicht handlungswirksam, kennt wohl jeder von Neujahrsvorsätzen, die schnell verpuffen können. Intentionsimplementationen (ein Konzept des Kollegen Peter Gollwitzer) sind ein Weg zur Umsetzung, die Zürcher Motto-Ziele ein anderer.

Bei Motto-Zielen geht es darum, eine bestimmte Haltung bei der Bearbeitung eines Problems einzunehmen, die selbstsuggestive Wirkung entfalten soll. Dies geschieht durch ein Bild oder einen Satz, der diese Haltung veranschaulicht, z.B. “Ich atme Glück”, “Ich erlaube mir Macht” oder “Mutig schreite ich in meine Freiheit”. Im Rahmen des Rubikon-Modells von Heckhausen (1989) und Gollwitzer (1991) kann ein Motto-Ziel als Phasenübergang zwischen einer abwägenden und einer volitionalen Bewusstseinslage beschrieben werden (vgl. Storch, 2014). Gute Ziele im ZRM-Verständnis sind Annäherungsziele (keine Vermeidungsziele), stehen vollständig unter eigener Kontrolle und sind von guten Gefühlen begleitet. Motto-Ziele sollten natürlich eher bei komplexen als bei simplen Problemstellungen greifen.

Zusammen mit der Zürcher Arbeitsgruppe um Maja Storch und Julia Weber haben Miriam Rohe und ich ein Experiment mit dem computersimulierten Szenario “Tailorshop” geplant und durchgeführt, bei dem wir die Auswirkungen verschiedener Zielarten auf das Bearbeiten einer komplexen Problemsituation überprüfen wollten. Unsere 123 studentischen Testpersonen wählten in unserem Experiment nach einer kurzen Einführung in das Problem entweder Motto-Ziele (z.B. “Ich bleibe gelassen wie Bär”), Leistungsziele (z.B. “Ich gebe mein Bestes”) oder Lernziele (z.B. “Ich möchte mind. 15 Zusammenhänge durch Üben bis zum Ende der Übungsphase erkannt haben”), bevor sie sich an die Problembearbeitung machten. Zugleichen maßen wir die empfundene Stimmung zu verschiedenen Zeitpunkten der Bearbeitung.

Die von uns erwartete Leistungssteigerung durch Motto-Ziele ließ sich nicht nachweisen. Allerdings empfanden die Personen mit Motto-Zielen mehr positiven und weniger negativen Affekt als die beiden anderen Ziel-Bedingungen. Warum die erwarteten Vorteile von Motto-Zielen ausblieben, bleibt offen. Da warte ich auf einen Tag, wo mein Motto-Ziel einmal “Wühlmaus” lautet :-) Hier das (englische) Abstract unserer Arbeit:

“In this paper, we bring together research on complex problem solving with that on motivational psychology about goal setting. Complex problems require motivational effort because of their inherent difficulties. Goal Setting Theory has shown with simple tasks that high, specific performance goals lead to better performance outcome than do-your-best goals. However, in complex tasks, learning goals have proven more effective than performance goals. Based on the Zurich Resource Model (Storch & Krause, 2014), so-called motto-goals (e.g., “I breathe happiness”) should activate a person’s resources through positive affect. It was found that motto-goals are effective with unpleasant duties. Therefore, we tested the hypothesis that motto-goals outperform learning and performance goals in the case of complex problems. A total of N = 123 subjects participated in the experiment. In dependence of their goal condition, subjects developed a personal motto, learning, or performance goal. This goal was adapted for the computer-simulated complex scenario Tailorshop, where subjects worked as managers in a small fictional company. Other than expected, there was no main effect of goal condition for the management performance. As hypothesized, motto goals led to higher positive and lower negative affect than the other two goal types. Even though positive affect decreased and negative affect increased in all three groups during Tailorshop completion, participants with motto goals reported the lowest rates of negative affect over time. Exploratory analyses investigated the role of affect in complex problem solving via mediational analyses and the influence of goal type on perceived goal attainment.”

Da es sich bei unserem  Publikationsorgan JDDM um ein “Open access“-Journal (”Goldener Weg”) handelt, kann jede Person ab sofort einen Blick in die Arbeit werfen und muss kein Abonnement des Journals besitzen - einfach auf die “doi” (was ist das?) am Ende der Referenz klicken:

Quelle: Rohe, M.S., Funke, J., Storch, M. & Weber, J. (2016). Can motto-goals outperform learning and performance goals? Influence of goal setting on performance and affect in a complex problem solving task. Journal of Dynamic Decision Making, 2. doi: 10.11588/jddm.2016.1.28510 [oder, falls der Link nicht funktioniert, weil die doi-Registry noch nicht fertig ist:  https://journals.ub.uni-heidelberg.de/index.php/jddm/article/view/28510 und dann weiter unten "PDF" anklicken]

Künstliche Intelligenz: Droht uns Gefahr?

Im März 2016 geschah etwas Erstaunliches: Ein Programm namens „AlphaGo“ (entwickelt von Google DeepMind) schlug in vier von fünf Runden den Koreaner Lee Sedol, einen der weltbesten Go-Spieler. Nach dem bereits 1996 erfolgten Sieg des Schachprogramms „Deep Blue“ (entwickelt von IBM) über Garry Kasparov, einen der weltbesten Schachspieler, scheint eine der letzten Bastionen menschlicher intellektueller Höchstleistungen gefallen und es taucht die Frage auf, ob Maschinen nun die Führung auf dem Gebiet des Planens und Problemlösens übernehmen könnten. Erweist sich die künstliche Intelligenz endgültig der menschlichen als überlegen?

Das Konzept einer künstlichen Intelligenz verlangt nach einer Gegenüberstellung zu demjenigen menschlicher Intelligenz. Was bedeutet eigentlich menschliche Intelligenz? Was macht die menschliche Intelligenz im Vergleich zur künstlichen Intelligenz aus? Wird durch die künstliche Intelligenz die menschliche Intelligenz neu definiert? Diesen Fragen soll sich dieser Beitrag widmen.

Lesen, Rechnen und Schreiben zählen heute zu den grundlegenden Kulturtechniken; sie zu beherrschen, wird nicht mehr als „Beweis“ für Intelligenz betrachtet. Aber was ist Intelligenz dann? Diese Frage ist nicht einfach zu beantworten. Eine Expertenkommission aus dem Jahr 1996 unter Vorsitz von Ulric Neisser (Emory University, USA) beginnt ihren Überblick zum Thema „Intelligenz“ mit dem Satz „Menschen unterscheiden sich voneinander in ihrer Fähigkeit, komplexe Ideen zu verstehen, sich effektiv an die Umwelt anzupassen, aus Erfahrung zu lernen, in verschiedenen Formen zu denken und Hindernisse durch Nachdenken zu überwinden.“ Schon diese Aufzählung vielfältiger Aspekte zeigt, dass menschliche Intelligenz ein summarisches Konstrukt darstellt, dem nicht leicht beizukommen ist. Allzu schnell reduziert man Intelligenz auf das, was ein Intelligenztest misst.

Menschliche Intelligenz ist die Fähigkeit, im Lichte herausfordernder Umweltanforderungen zu bestehen (zu überleben). Sie zieht aus Beobachtungen vernünftige Schlüsse, plant Handlungsschritte und formuliert Ziele, koordiniert und reguliert aufkommende Gefühle und verschiedenste Antriebe im Dienst der Handlungsregulation.

Dass sich Menschen in ihren Fähigkeiten unterscheiden, war bereits in der Antike bekannt. Die ersten antiken Messversuche von Fähigkeitsunterschieden bezogen sich allerdings zunächst auf körperliche Leistungen, wie sie heute bei den olympischen Spielen tradiert werden. Geistige Unterschiede waren ebenfalls bekannt, doch wurde erst 1905, also vor gut 110 Jahren, der erste Test für menschliche Intelligenz von Binet und Simon in Paris vorgestellt.

Die psychometrische Intelligenzforschung hat seither viele Verbesserungsvorschläge erfahren und bis heute ist die Messung von kognitiven Leistungen vor allem im Bereich des logischen Denkens (induktives und deduktives Schließen) weit entwickelt. Kreatives Denken ist weit schwerer zu erfassen. In der Stärke bisheriger Intelligenztests liegt zugleich deren Schwäche: Sie sind kein wirklich umfassendes Instrument zur Bewertungen menschlicher Leistung. Die Begrenzung auf den Bereich „reasoning“ verengt den Blick auf eine (wichtige) Teilfacette gelungener Anpassungsprozesse.

Dass Intelligenz im klassischen Verständnis von rein analytischen und kreativen Fähigkeiten nicht uneingeschränkt wünschenswert ist, zeigen die vielen Betrügereien, die gerade von cleveren, hochintelligenten Personen ohne jeden Skrupel ausgeführt werden. Menschliche Intelligenz im Sinne einer Überlebenskunst zu verstehen heißt daher für eine Reihe von Forschenden, zusätzlich Empathie und Rücksichtnahme auf Mitmenschen einzubeziehen. Diese Erweiterung des Konzepts im Sinn einer sozialen Intelligenz messen unsere heutigen Testverfahren der Intelligenz nicht, aber auch maschinelle Intelligenz kann dies nicht leisten.

Eine der wichtigsten Teilfähigkeiten intelligenter Organismen betrifft die Überwachung des eigenen Denkens. Diese Fähigkeit zur Selbstreflexion, in der Psychologie gelegentlich als Metakognition bezeichnet, besitzt nur der Mensch. Die bewusste Kontrolle und Steuerung intelligenten Handelns ist Bestandteil menschlicher Existenz. Keine künstliche Intelligenz kann (im Unterschied zum Menschen) „den Stecker ziehen“ – was eine intelligente Handlung sein kann, wenn man sich festgefahren hat.

Es gab Zeiten in der Geschichte der Psychologie, da dachte man, der menschliche Geist funktioniere wie ein Computer (sog. Computer-Metapher): Die Sinnessysteme nehmen den Input auf, das Gehirn verarbeitet und nutzt unser Gedächtnis als Speicher und produziert schlussendlich sprachlichen und motorischen Output. Die Idee lag nicht fern, menschliche Informationsverarbeitung auf Rechnern mittels Computerprogrammen nachzubilden.

Doch dieses vorgestellte Programm der Mechanisierung des Geistes stieß schnell an seine Grenzen: Bei genauerer Betrachtung erwies sich die Computer-Metapher schlicht als zu einfach. Statt der Silizium-Hardware von Rechenmaschinen ist die „Wetware“ des Gehirns doch völlig anders aufgebaut (schon die zwei Hirnhälften machen stutzig), und auch die Verarbeitungsprozesse funktionieren grundsätzlich anders (neuronale Netze kommunizieren auf multiplen Ebenen: elektrisch, chemisch). Und ganz wesentlich fehlen Emotionen, die nach heutigem Verständnis entscheidungsrelevante Informationen liefern. Künstliche Intelligenz schämt sich nicht nach einem Fehler und freut sich nicht über einen Erfolg – KI ist eben auch „kalte“ Intelligenz.

Aber viel wichtiger: Menschliche Intelligenz stiftet Sinn, kann allen Arten von Symbolen Bedeutung geben und die Welt sprachlich in beliebige Kategorien ordnen. In einer von Jorge Luis Borges beschriebenen (fiktiven) chinesischen Enzyklopädie kann man Tiere wie folgt klassifizieren: „a) Tiere, die dem Kaiser gehören, b) einbalsamierte Tiere, c) gezähmte, d) Milchschweine, e) Sirenen, f) Fabeltiere, g) herrenlose Hunde, h) in diese Gruppierung gehörige, i) die sich wie Tolle gebärden, k) die mit einem ganz feinen Pinsel aus Kamelhaar gezeichnet sind, l) und so weiter, m) die den Wasserkrug zerbrochen haben, n) die von weitem wie Fliegen aussehen“. Diese abstrusen Kategorien zeigen die Freiheit menschlichen Denkens; maschinelle Klassifikatoren würden Tiere anders ordnen.

Fassen wir zusammen: Menschliche Intelligenz ist ein unscharfes und allgemein gehaltenes Bündel an geistigen Fähigkeiten, hinsichtlich derer sich Menschen unterscheiden und das für den Erfolg im Leben einen wichtigen Faktor darstellt. Erschüttern uns die Erfolge der künstlichen Intelligenz und müssen uns Angst machen? Ich denke nicht – auch wenn beeindruckende Spezial-Leistungen von Maschinen besser als von Menschen geleistet werden, bleibt unsere Bastion unangefochten: Kreativität, Phantasie und Sinngebung.

Literatur: Enzensberger, H. M. (2007). Im Irrgarten der Intelligenz. Ein Idiotenführer. Frankfurt: Suhrkamp. — Fischbach, K.-F., & Niggeschmidt, M. (2015). Erblichkeit der Intelligenz. Wiesbaden: Springer Fachmedien. doi:10.1007/978-3-658-11239-4 — Funke, J. (2006). Alfred Binet (1857 bis 1911) und der erste Intelligenztest der Welt. In G. Lamberti (Ed.), Intelligenz auf dem Prüfstand - 100 Jahre Psychometrie (pp. 23–40). Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht. — Funke, J., & Vaterrodt, B. (2009). Was ist Intelligenz? 3., aktualisierte Auflage. München: Beck. — Hernández-Orallo, J., Dowe, D. L., & Hernández-Lloreda, M. V. (2014). Universal psychometrics: Measuring cognitive abilities in the machine kingdom. Cognitive Systems Research, 27, 50–74. doi:10.1016/j.cogsys.2013.06.001 — Neisser, U., Boodoo, G., Bouchard, T. J., Boykin, A. W., Ceci, S. J., Loehlin, J. C., & Sternberg, R. J. (1996). Intelligence: Knowns and unknowns. American Psychologist, 51(2), 77–101. doi:10.1037/0003-066X.51.2.77 — Stern, E., & Neubauer, A. C. (2016). Intelligenz: Kein Mythos, sondern Realität. Psychologische Rundschau, 67(1), 15–27. doi:10.1026/0033-3042/a000290 — Sternberg, R. J. (2015). Successful intelligence: A model for testing intelligence beyond IQ tests. European Journal of Education and Psychology. doi:10.1016/j.ejeps.2015.09.004

[Quelle: Dieser Beitrag ist erstmals in der Zeitschrift "Forschung & Lehre" 2016, Band 23, S. 478-479, unter dem Titel "Intelligenz als Überlebenshelfer. Von der Freiheit des menschlichen Denkens" erschienen. Zum Download: funke-2016-ful-intelligenz]

“Endstation Heidelberg”

Wieder einmal hat die mir bestens bekannte Krimi-Autorin Marlene Bach zugeschlagen: mit “Endstation Heidelberg” liegt ihr nunmehr sechster Roman auf dem Tisch! Diesmal taucht Maria Mooser, Hauptakteurin der 5 früheren Bände, nur in einer Nebenrolle auf. Ich zitiere aus der Verlagsankündigung des Emons-Verlags:

An einem rabenschwarzen Tag verliert Mila Böckle nicht nur ihren Job, sondern ihren Freund gleich mit dazu. In Heidelberg soll sie für eine Weile die Pension einer Bekannten übernehmen – und sich wieder neu verlieben. Doch dann fällt ihr am Bahnhof eine tote Frau vor die Füße. Wie es der Teufel will, gelangt deren Handtasche in Milas Besitz. Und schon steckt Mila mitten in der mörderischen Jagd nach dem Geheimnis der Toten.

Marlene Bach präsentiert mit »Endstation Heidelberg« einen Krimi, der sich mit einem aktuellen Thema beschäftigt: den Schattenseiten der Pharmaindustrie. Dabei gelingt es der Autorin, die Leser auf humorvolle Weise und mit großer Leichtigkeit rasch in das Geschehen hineinzuziehen, um sie letztlich mit allgemein menschlichen Themen wie Verführbarkeit, Schuld und Sühne zu konfrontieren.

Ihre sympathische, junge Protagonistin, die unfreiwillig in die Ermittlungen stolpert, ist neu in Heidelberg und gibt dem Leser so die Möglichkeit, den Charme der badischen Stadt gemeinsam mit ihr zu erkunden. Dies geschieht in atmosphärisch dichter Weise und zeigt die Liebe der Autorin zu ihrer Wahlheimat. Raffiniert werden feine Handlungsfäden gesponnen, die am Ende geschickt zusammengeführt werden und den Leser so bis zum Schluss fesseln und miträtseln lassen. Ein Regionalkrimi mit viel hintersinnigem Humor, der unterhaltsame Lesestunden verspricht.”

Wieder einmal durfte ich den Schaffensprozeß begleiten und hatte so schon immer wieder das Vergnügen, einzelne Passagen vorab zu hören und zu lesen. Lachen war unvermeidlich (wie es sich für einen unterhaltsamen Roman gehört). Und natürlich war ich wieder als Korrekturleser aktiv, meine Schwester war als Lektorin tätig.

Die Premierenlesung findet übrigens am 16. September 2016 um 20 Uhr auf dem 1. Handschuhsheimer Krimifestival statt, veranstaltet von der Bücherstube Tiefburg im Rahmen des Literaturherbsts 2016 - ich werde da sein! “City of Literature“: ich komme!

Rezension in der Lokalzeitung RNZ: rnz-20168820-rezension-endstation

Über Handlungsoptionen

Ein Grundproblem moderner Entscheidungsforschung ist die Vernachlässigung desjenigen Prozesses, der die Entscheidungsoptionen hervorbringt. In den meisten Experimenten werden Testpersonen vor vorgefertigte Entscheidungsalternativen gesetzt, die sich Experimentatoren ausgedacht haben. Woher kommen aber im realen Leben die Handlungsoptionen? Diesen (schöpferischen) Prozeß setzen Entscheidungsmodelle einfach voraus - dabei ist das gar nicht so selbstverständlich, wie man an den Störungsbildern der Hyperaktivität (Über-Generation von Handlungsalternativen) und dessen Gegenspieler, der Willensschwäche (Abulie; Unter-Generation), leicht erkennt.

Mit dem Prozeß der “option generation” haben wir uns gerade in einer neuen Arbeit auseinandergesetzt (Schweizer et al, 2016). Unter dem Titel “Cognitive and affective aspects of creative option generation in every day life situations” sind wir dem Prozeß der Optionsgenerierung nachgegangen. Die Ergebnisse stammen aus einem Projekt der VW-Stiftung, aus dem wir 3 Jahre lang die Gastprofessur von Sophie Schweizer finanzieren konnten. Nun ist diese Arbeit abgeschlossen. Hier die (englische) Zusammenfassung unseres Beitrags:

  • Which factors influence a human being’s ability to develop new perspectives and be creative? This ability is pivotal for any context in which new cognitions are required, such as innovative endeavors in science and art, or psychotherapeutic settings. In this article we seek to bring together two research programs investigating the generation of creative options: On the one hand, research on option generation in the decision-making literature and, on the other hand, cognitive and clinical creativity research. Previous decision-making research has largely neglected the topic of generating creative options. Experiments typically provided participants with a clear set of options to choose from, but everyday life situations are less structured and allow countless ways to react. Before choosing an option, agents have to self-generate a set of options to choose from. Such option generation processes have only recently moved to the center of attention.
  • The present study examines the creative quality of self-generated options in daily life situations. A student sample (N = 48) generated options for action in 70 shortly described everyday life scenarios. We rated the quality of the options on three dimensions of creativity- originality, feasibility, and divergence - and linked these qualities to option generation fluency (speed and number of generated options), situational features like the familiarity and the affective valence of the situation in which the options were generated, and trait measures of cognitive performance. We found that when situations were familiar to the participant, greater negative affective valence of the situation was associated with more originality and divergence of generated options. We also found that a higher option generation fluency was associated with a greater maximal originality of options. We complete our article with a joint research agenda for researchers in the decision-making field focusing on option generation and on the other hand researchers working on the cognitive and clinical aspects of creativity.

Die Zusammenführung von Entscheidungsforschung und klinischer Forschung hat sich in unseren Augen bewährt. Handlungsmodelle können sich zukünftig auf diese Überlegungen beziehen. Da es sich bei dem von uns gewählten Publikationsorgan um ein “Open access“-Journal (”Goldener Weg”) handelt, kann jede Person ab sofort einen Blick in die Arbeit werfen und muss kein Abonnement des Journals besitzen - einfach auf die “doi” (was ist das?) am Ende der Referenz klicken:

Quelle: Schweizer, T.S., Schmalenberger, K.M., Eisenlohr-Moul, T.A., Mojzisch, A., Kaiser, S. & Funke, J. (2016). Cognitive and affective aspects of creative option generation in everyday life situations. Frontiers in Psychology, 7 (1132). doi: 10.3389/fpsyg.2016.01132

Kommt die Hogrefe-Universität?

Wie einer Pressemitteilung zu entnehmen ist (Danke an meine Informanten!), hat der für die Psychologie wichtige Fachverlag Hogrefe aus Göttingen eine strategische Partnerschaft mit der Privaten Hochschule Göttingen gestartet. Das ist natürlich eine interessante Entwicklung, die wir beobachten müssen.

Der privatwirtschaftlich betriebene Studiengang kostet Studiengebühren (700,- Euro monatlich, dazu kommen einmalig 420,- Euro Immatrikulationsgebühr und 1.000,- Euro Prüfungsgebühren pro Studiengang). Die neuen Studienangebote im Überblick:

  • Psychologie, Bachelor of Science, 8 Semester, 180 ECTS; Zugangsvoraussetzung: Hochschulzugangsberechtigung;
  • Psychologie, Master of Science, 6 Semester, 120 ECTS; Zugangsvoraussetzung: Bachelor-Abschluss (180  ECTS) in einem psychologischen Studienfach;
  • Wirtschaftspsychologie, Bachelor of Arts, 8 Semester, 180 ECTS; Zugangsvoraussetzung: Hochschulzugangsberechtigung;
  • Wirtschaftspsychologie, Master of Arts, 6. Semester, 120 ECTS; Zugangsvoraussetzung: Bachelor-Abschluss (180 ECTS) einer fachlich eng verwandten Studienrichtung
  • Angewandte Wirtschaftspsychologie, Master of Arts, 3 Semester, 60 ECTS; Zugangsvoraussetzung: erster Studienabschluss eines nicht-psychologischen Studienfachs

Alle Studiengänge befinden sich gegenwärtig im Akkreditierungsverfahren bei der ZEvA (Zentrale Evaluations- und Akkreditierungsagentur, Hannover); zwischenzeitlich scheint die Akkreditierung erfolgt zu sein: siehe den interessanten Bericht über das Verfahren hier. Die Studiengänge in Psychologie bzw. Wirtschaftspsychologie werden als Campusstudium und als Fernstudium angeboten. Für die Fernstudierenden werden an verschiedenen Orten sog. Fernstudienzentren angeboten, darunter auch in Heidelberg.

Natürlich sieht die privatwirtschaftlich betriebene Hochschule den lukrativen Markt vor sich: viele Studieninteressierte treffen auf NC-verschlossene Türen (in Heidelberg kommen jährlich >6000 Bewerbungen auf die 90 BSc-Plätze, bei den meisten anderen Unis ist es ähnlich) und suchen nach Alternativen. Schweiz, Niederlande, Luxemburg und Österreich sind potentielle Ausweichorte im Ausland. Die privaten Hochschulen im Inland sind da ebenfalls potentielle Adressen.

Für uns in Heidelberg bedeutet es: wir müssen unser Auswahlverfahren für den Masterstudiengang umstellen! War bislang überwiegend eine gute BSc-Note für die Zulassung entscheidend, muss es zukünftig vermehrt um Psychologie-nahe Kompetenzen gehen. Ein entsprechender Kompetenz-Test wird zeigen müssen, was Bewerberinnen und Bewerber inhaltlich und methodisch können. Wir merken schon länger an den Master-Bewerbungen die steigende Zahl privatwirtschaftlicher BSc-Abschlüsse.

Übrigens hat auch die in Heidelberg ansässige SRH ihren Spielraum vergrößert: Sie hat sich mit einer Investition von 18 Mio Euro eine (kleine) Universität gekauft (siehe hier), die wohl infolge der Machenschaften ihres früheren Präsidenten (Verdacht auf Untreue) Schiffbruch erlitten hat: die European Business School (EBS) in Oestrich-Winkel bei Wiesbaden (ich musste erst mal auf die Landkarte schauen…). Für den Neuanfang hat die SRH laut einem Bericht im Handelsblatt vom 29.7.16 auch die Psychologie auf dem Schirm: “Der neue Eigentümer kann sich durchaus vorstellen, dass die Uni einmal nicht mehr nur zwei, sondern drei Fakultäten hat. ‘Da sind wir in allerersten Gesprächen’, ordnet Jörg Winterberg ein. Er ist Chef der SRH Higher Education, in der die rechtlich eigenständigen Hochschulen der Gruppe gebündelt sind. Die SRH mache viel in den Bereichen Gesundheit und Psychologie, das Interesse, in diesen Feldern etwas anzugehen, sei da.”

Dass die privaten Studiengänge und deren Abschlüsse auch vor Gericht landen können, zeigt eine Meldung mit dem erstaunlichen Titel “Psychologe muss Psychologie studiert haben” - dass dies überhaupt in Frage gestellt wird, überrascht mich doch ein wenig. Aber die privaten Anbieter lassen nichts auf ihre Ausbildung kommen: Die Campus Akademie GmbH hat dem Berufsverband Deutscher Psychologinnen und Psychologen (BDP) per Gerichtsbeschluss untersagen lassen, wettbewerbswidrige Darstellungen über sie zu verbreiten - also Vorsicht! Der BDP hatte ja schon vor einiger Zeit seine eigene Psychologische Hochschule Berlin gegründet - damit hat man beim BDP die Unschuld verloren und die Türe zu Konkurrentenklagen geöffnet.

Und schließlich noch der Hinweis: Auch ein Doktorat kann privatwirtschaftlich organisiert werden: die University of Nicosia (siehe meinen frühren Blog-Beitrag vom Mai 2015) mit ihrer Außenstelle in Wien bietet da interessante Möglichkeiten

Die akademische Welt: Früher hatte sie ihre eigenen Spielregeln (zugegeben nicht immer vorbildlich; “Unter den Talaren Muff von 1000 Jahren”), doch inzwischen wird Bildung immer mehr zu einem (sehr lukrativen) Geschäft, bei dem traditionelle Hochschulen nur zusehen und staunen können. Die Kommerzialisierung der Forschung geht mit einer Kommerzialisierung der Lehre einher. Dass dabei auch Gerichte bemüht werden müssen, zeigt den Ernst der Lage. Wie gut die Ausbildung wirklich ist, kann man nicht genau sagen - bei der PFH Göttingen ist der Lehrkörper nicht sofort zu erkennen (siehe aber hier). Die Einheit von Lehre und Forschung wird wohl bis auf einzelne Ausnahmen nicht mehr gegeben sein. Reine Lehranstalten stehen damit Lehr- und Forschungseinrichtungen gegenüber, ein Kulturunterschied, den wir schon aus der Debatte um Fachhochschulen und Universitäten kennen und der sich ja auch in der höheren Lehrverpflichtung von FH-Professoren äußert (in der Regel doppelt so hohe Lehrdeputate). Immerhin werden neue Stellen geschafffen (siehe hier und hier).

In den USA haben sich interessanterweise die privaten Hochschulen infolge großzügiger Stifter zu Orten der Spitzenforschung entwickelt (”Ivy League“) und sind vielfach staatlichen Hochschulen überlegen. In Europa ist das nicht zu erkennen. Die hiesigen Investoren sind auch nicht die typischen selbstlosen Mäzene, sondern in den meisten Fällen Geldanleger mit Gewinnabsicht.

Die Hogrefe-Partnerschaft ist  nur ein kleines Detail in einem großen Spiel, bei dem mit Bildung als Ware gehandelt wird. Ich bin sehr froh, dass in der “Grundordnung der Universität Heidelberg” (hier zum Download) nicht nur die Wappenfarbe festgelegt wird, sondern viel wichtiger in der Präambel gesprochen wird von der “Verpflichtung [der Uni Heidelberg, J.F.], der Wahrheit, der Freiheit und der Menschlichkeit zu dienen”.  Das sind doch - zusammen mit unseren beiden Wahlsprüchen “semper apertus” und “Dem lebendigen Geist” - klare Worte und klare Werte im Zeitalter von Mammon!

Neues von Jens Förster (Teil 6)

Ich habe in den vergangenen Jahren mehrfach über den Sozialpsychologen Jens Förster berichtet (siehe hier), dessen stark beachtete Arbeiten unter Manipulationsverdacht gerieten. Jetzt ist unter dem Datum 21.7.16 ein aktueller Beitrag im ScienceMag (dem Online-Dienst der renommierten Zeitschrift “Science”) erschienen, der den Fall noch einmal zusammenfassend berichtet und zugleich Neuigkeiten über die Bochumer Situation enthält. Der Titel heisst “No tenure for German social psychologist accused of data manipulation” und kann hier nachgelesen werden.

PS: Wie Jens Förster sein Leben entrümpelt hat und sich auf die wichtigen “Seins-Ziele” konzentriert (”Leben wie die Mönche”), kann man in “BR Nightline” (Sendung vom 21.3.16) ansehen (hier der Link zur Mediathek). Ich musste ein paar mal schmunzeln (ich sage jetzt nicht worüber).

Skandalöser Umgang der Türkei mit Wissenschaftlern

Unglaublich, was da gerade in der Türkei passiert - und es betrifft auch die Wissenschaft! Am Dienstag hatte die Verwaltung etwa 50.000 Soldaten, Polizisten, Richter und Lehrer festgenommen oder suspendiert, an den Hochschulen wurde die Demission von 1577 Dekanen an allen Universitäten des Landes angeordnet, jetzt ist etwas passiert, was mich regelrecht schockiert hat: in der Türkei befindliche Wissenschaftler dürfen nicht mehr ausreisen, im Ausland arbeitende türkische Wissenschaftler werden in ihr Heimatland zurückbeordert! Wie unser Rektor Eitel auf einem Treffen anläßlich des 30jährigen Bestehens des Iinternationalen Wissenschaftsforiums Heidelberg (IWH) erklärte, sind von diesem türkischen Erlaß an unserer Universität 18 türkische Festangestellte und 4 Gastwissenschaftler betroffen.

“Semper apertus” (immer offen) heißt der Wahlspruch unserer Universität. Das Motto ist wichtiger denn je, wenn man sieht, wie Freiheit und Toleranz heruntergefahren und Menschen unter Druck gesetzt werden. Das ist für Wissenschaft und Bildung tödlich und kann nicht hingenommen werden! Unsere Solidarität gilt den Kolleginnen und Kollegen im Wissenschafts- und Bildungsbereich, aber auch dem verfolgten Teil der Bevölkerung. Demokratie ist anders: Die Toleranz gegenüber Andersdenken und Andersglaubenden ist zentraler Bestandteil davon! Wissenschaft ist gegen Dogmatismus und für Offenheit und Freiheit! Wie schade, dass dies in der Türkei nicht mehr gilt!

Quellen:

Bericht in Nature: http://www.nature.com/news/turkey-purges-universities-after-failed-coup-1.20283

The Telegraph: http://www.telegraph.co.uk/news/2016/07/20/turkey-bans-academics-from-leaving-country-in-unprecedented-crac/

Deutsche Welle: http://www.dw.com/de/dienstreiseverbot-f%C3%BCr-t%C3%BCrkische-wissenschaftler/a-19414056?maca=de-PMG-%201985-xml-pmg

UniSPIEGEL: http://www.spiegel.de/unispiegel/jobundberuf/lehrer-und-wissenschaftler-in-der-tuerkei-entlassungen-und-a-1103942.html

ZEIT Online: http://www.zeit.de/politik/2016-07/tuerkei-recep-tayyip-erdogan-akademiker-ausland-protest

Protest der Hochschulrektoren: https://www.hrk.de/presse/pressemitteilungen/pressemitteilung/meldung/hrk-praesident-protestiert-gegen-umgang-mit-hochschulangehoerigen-in-der-tuerkei-3999/

Stellungnahme der Humboldt-Stiftung: https://www.humboldt-foundation.de/web/Pressemitteilung-2016-13.html

Tag der Freunde und Sommerball 2016

Einmal im Jahr findet der “Tag der Freunde” statt: ein Tag, an dem sich die Ehemaligen und Freunde der Universität wieder im Tempel des Wissens treffen, um sich auszutauschen, Neues zu lernen und Freude zu haben. Dieses Jahr wurde das 20jährige Bestehen von “Heidelberg Alumni International” zum Anlass genommen, etwas größer als üblich zu feiern. Die Liste der Veranstaltungen ist gross gewesen, ich kann nur über einige Ereignisse berichten, an denen ich beteiligt war.

Festvortrag Prof. Gade über Chiralität

Festvortrag Prof. Gade über Chiralität (zum Vergrößern anklicken)

Am Fr 15.7.16 fand zunächst die Mitgliederversammlung (MV) der “Gesellschaft der Freunde Universität Heidelberg e.V.” (kurz: GdF)  statt, deren Vorsitzender ich bin. Der GdF gehören 1346 zahlende Mitglieder an, etwa 60 davon kamen zur MV und hörten sich den Bericht des Vorstands an. Wir haben im Berichtsjahr 2015 etwa 100.000 Euro in Projekte zur Förderung von Studierenden, Forschenden und Lehrenden der Uni gesteckt, worauf wir sehr stolz sind. Ich habe nochmals betont: Wir sind kein Verein, bei dem es um Gegenleistungen geht wie beim ADAC, wo man für seinen Mitgliedsbeitrag etwa einen Abschleppservice erwartet - unsere Mitglieder sind dabei, weil sie fördern und unterstützen wollen! Deswegen ist auch die Frage, was man für den Mitgliedsbeitrag bekommt, falsch gestellt. Was wir mit dem Beitrag machen, läßt sich auf den Begriff des “Gutes tun” reduzieren. Dafür helfen auch zahlreiche Mittel aus der Stiftung Universität Heidelberg, die wir gemeinsam führen und deren Vermögen wir zu mehren versuchen.

Im Anschluß an die MV fand der Festvortrag von Prof. Dr. Lutz Gade, Professor für Anorganische Chemie an der Uni Heidelberg, statt. Unter dem Titel “”Links und rechts: die Händigkeit der Welt und ihre Konsequenzen” sprach er sehr anschaulich über Symmetrie-Prinzipien in der Natur (Fachterminus: Chiralität). Eindrucksvoll: der “Schneckenkönig” (=das sehr seltene linksgewundene Schneckenhaus) und der Elefantenkuss (eine rechtsdrehende Verschränkung zweier Rüssel). Und ein trauriges Beispiel: Thalidomid (bekannter unter dem Namen “Contergan”), dessen rechtsdrehende Form nützlich zur Behandlung von Lepra ist, aber dessen linksdrehende Variante zu Fehlbildungen führt (hier ein einschlägiger Hintergrund-Bericht). Zwei wichtige Begriffe (Razemat als 1:1-Mischung zweier Molekülsorten, die wie Bild und Spiegelbild aussehen, und Enantiomer als das entsprechende Einzelmolekül, das entweder in der einen oder anderen Form vorliegt) habe ich gelernt. Anschaulich gemacht hat Lutz Gade diese Eigenschaft am Beispiel des Geruchsstoffs Limonen, den es in rechtsdrehender und linksdrehender Ausführung gibt. Obwohl physikalisch identisch, riecht er einmal nach Zitronen, die andere Variante nach Terpentin. Die Zuhörer konnten es im Hörsaal 14 ausprobieren!

Abendessen der GdF-Mitglieder im Haus Buhl

Abendessen der GdF-Mitglieder im Haus Buhl (zum Vergrößern anklicken)

Im Anschluss an den Festvortrag ging es weiter zum gemeinsamen Abendessen im Haus Buhl. Da das Wetter mitspielte, konnten wir im herrlichen Garten von Haus Buhl direkt unterhalb des Schlosses sitzen. Das “Trio Variety” (Allen Blairman am Schlagzeug, Olaf Schönborn am Saxophon, Götz Ommert am Kontrabass) spielte dazu gepflegten Jazz. Es gabe leckeres Essen, guten Wein und viel Gespräche. Auch von den über 50 neuen Mitgliedern unseres Vereins waren einige da, neben viel Universitätsprominenz.

Institutsführung

Alumni Psychologici: Institutsführung (zum Vergrößern anklicken)

Am Samstag morgen ging es dann im Institut weiter: die Sektion der “Alumni Psychologici” hatte eingeladen zu “Funkes Triathlon”, bestehend aus Vortrag, Institutsführung und Sprudelempfang im Innenhof. Etwa 20 Personen - illustre Gäste aus Deutschland (darunter ein ehemaliger DGPs-Präsident), Italien, Frankreich, Luxemburg und der Schweiz - folgten der Einladung und wurden Zeuge einer ungewöhnlichen Führung, die nicht nur in das Theatrum Anatomicum führte, sondern auch die anstehenden Kellerausbauten zeigte.

Sommerball des Rektors

Sommerball des Rektors (zum Vergrößern anklicken)

Samstag abend ging es mit dem Sommerball des Rektors im Innenhof der Neuen Universität weiter. Alle 5 Jahre, jeweils zum 5- bzw. 10jährigen Geburtstag der Uni, gibt es Ball, sonst in den Jahren dazwischen eine etwas weniger aufwändigere Party. Eine wunderbares Ambiente: weißgedeckte Tische und Stühlen in weißen Hussen, dazu farbige Beleuchtung des gesamten Ensembles rund um den Innenhof, im Hexenturm eine Kapelle, die in angenehmer Lautstärke wunderbare Charleston-Musik spielte (das Motto des Balls waren die 20er Jahre), ein herrliches Buffett vom Studierendenwerk (das Beste, was ich seit langem gesehen habe!) und vor allem: viele nette Gäste. Auch unsere Wissenschaftsministerin war anwesend und tanzte mit dem Rektor auf der Tanzfläche. Etwa 500 Gäste waren anwesend (darunter auch zahlreiche Studierende), die nicht ganz billigen Karten waren schnell ausverkauft - der Rektor erwähnte in seiner Eröffnungsansprache, dass noch weitere Nachfragen von über 1000 Interessierten enttäuscht werden mussten. Ein schöner Abend in mildem Klima!

siehe auch frühere Beiträge zum “Tag der Freunde”:

Uni-Wahlen 2016

Jedes Jahr gehen Studierende zur Wahl, um ihre Vertreterinnen und Vertreter in den Universitätsgremien zu wählen. Nicht nur als Sprecher des Akademischen Senats interessiere ich mich dafür, mit welchen Studierenden wir es in der kommenden Wahlperiode zu tun haben, sondern es ist für mich auch interessant, wie das Demokratieverständnis in der jungen Generation ausfällt. Nun liegen die Ergebnisse der Gremienwahlen 2016 vor. Hier zunächst ein paar Ausgangsdaten: Zahl der Wahlberechtigten: 26287; Zahl der Wähler: 4163; Zahl der ungültigen Stimmzettel: 357; Wahlbeteiligung: 15.8 % (zum Vergleich 2015: 13.2 %; 2014: 7.0 %). Also erfreulich, dass die Wahlbeteiligung steigt! Um die 4 Sitze im Akademischen Senat haben sich dieses Jahr 5 Gruppen beworben und dabei folgende Ergebnisse erzielt:

  • GHG - Grüne Hochschulgruppe: 4496 Stimmen, 2 Sitze (Anja Popp, Juristische Fakultät; Moritz Nöltner-Augustin, Fakultät für Physik und Astronomie)
  • Juso Hochschulgruppe: 3660 Stimmen, 1 Sitz (Paula Bröcker, Juristische Fakultät)
  • Liberale Hochschulgruppe (LHG): 2623 Stimmen, 1 Sitz (Anna Marie Maier, Medizinische Fakultät Heidelberg)
  • Unabhängige Medizinstudierende: 1923 Stimmen, 0 Sitze
  • RCDS: 1767 Stimmen, 0 Sitze

Gratulation zur Wahl! Dass der grün-schwarze Trend der Landesregierung auf die Ebene der Universität nicht durchschlägt und die GHG der Wahlsieger ist, überrascht wohl kaum - mal sehen, ob das den Weg zu einer “grünen” Universität vorzeichnet.

Neben dem Senat wurden auf der Ebene der Fakultäten auch die dortigen Fakultätsräte gewählt.  Die 8 Mitglieder für den Fakultätsrat unserer Fakultät für Verhaltens- und Empirische Kulturwissenschaften auf der Liste “VerKult” sind: Freier, Henrike; Gebhardt, Isabel; Hische, Amelie; Kunoff, Larissa; Sadus, Kathrin; Schepp, Sophie; Streib, Carmen Rebecca; Yadegar Yousefi, Sohil. Auch hier: Gratulation zur Wahl!

Leider sieht es mit der Wahlbeteiligung nicht mehr ganz so rosig aus: Zahl der Wahlberechtigten: 1950; Zahl der Wähler: 101; Zahl der ungültigen Stimmzettel: 4; Wahlbeteiligung: 5.1 % (zum Vergleich 2015: 5.4 %; 2014: 1.6 %). Es ist aus meiner Sicht nach wie vor enttäuschend, wie wenig sich die Studierenden unserer Fakultät für Hochschulpolitik interessieren. Dabei stehen mit der Reform des Psychologiestudiums wirklich wichtige Weichenänderungen vor der Tür. Wie so oft, sind verschiedene Interessengruppen beteiligt, denen es nicht allen um das Wohl der Studierenden geht. Vielleicht ein Grund, sich einzumischen?

Apropos Wahlen: Der Senat hat gestern die vier Prorektoren der Universität Heidelberg, Prof. Dr. Beatrix Busse (Studium und Lehre), Prof. Dr. A. Stephen K. Hashmi (Forschung und Struktur), Prof. Dr. Dieter W. Heermann (internationale Angelegenheiten) und Prof. Dr. Óscar Loureda (Qualitätsmanagement),  für eine zweite Amtszeit wiedergewählt. Für die Fortsetzung ihrer Arbeit in der Hochschulleitung haben sich die Senatsmitglieder mit großer Mehrheit ausgesprochen. Die jeweils dreijährigen Amtszeiten beginnen am 1. Oktober dieses Jahres.