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Funke (2021): It requires more than intelligence to solve consequential world problems

In einem neuen Aufsatz habe ich mich der Frage gewidmet, ob Intelligenz ausreicht, die anstehenden komplexen Probleme dieser Welt zu lösen. Die Antwort ist natürlich “nein”. Hier die Zusammenfassung des (kurzen) Einwurfs mit dem Titel “It requires more than intelligence to solve consequential world problems”:

What are consequential world problems? As “grand societal challenges”, one might define them as problems that affect a large number of people, perhaps even the entire planet, including problems such as climate change, distributive justice, world peace, world nutrition, clean air and clean water, access to education, and many more. The “Sustainable Development Goals”, compiled by the United Nations, represent a collection of such global problems. From my point of view, these problems can be seen as complex. Such complex problems are characterized by the complexity, connectivity, dynamics, intransparency, and polytely of their underlying systems. These attributes require special competencies for dealing with the uncertainties of the given domains, e.g., critical thinking. My position is that it is not IQ, but complex problem-solving competencies for dealing with complex and dynamic situations, that is important for handling consequential global problems. These problems require system competencies, i.e., competencies that go beyond analytical intelligence, and comprise systems understanding as well as systems control. Complex problem solving is more than analytic intelligence.

Was sind “consequential world problems”? Es sind die großen gesellschaftlichen Herausforderungen (siehe meine früheren Beitrag dazu), vor denen die Menschheit steht - Herausforderungen, die eine große Transformation erforderlich machen Eine gute Sammlung ist, wie ich finde, in den “Sustainable Development Goals” (SDG) der UN zu finden. Die vom Weltparlament verabschiedete Liste umfasst 17 Zielbereiche.

Brauchen wir zum Erreichen dieser Ziele Personen mit hoher Intelligenz? Ganz sicher! Aber das allein reicht nicht - Systemkompetenzen und kritisches Denken sind zusätzlich erforderlich. Unter dem Titel “Systemkompetenz für das 21. Jahrhundert” habe ich schon vor vier Jahren (damals zusammen mit Daniel Holt und Andreas Fischer) diesen Gedanken ausgeführt. Der neue Einwurf ist eine Erinnerung an diese Arbeit.

Quelle: Funke, J. (2021). It requires more than intelligence to solve consequential world problems. Journal of Intelligence 9, 3, 38 [download]

Entscheidung: Ein Begriff, viele Perspektiven

Ein wichtiges Merkmal von Wissenschaft ist Perspektivenvielfalt. Diese zeigt sich dann besonders deutlich, wenn aus Sicht verschiedener Disziplinen auf ein-und-dasselbe Konzept geblickt wird. Dies ist gerade geschehen mit dem Begriff der Entscheidung. Zehn verschiedene Perspektiven wurden zunächst in jeweiligen “Ausgangspositionierungen” vorgestellt, die dann nach wechselseitiger Kenntnisnahme in mehrmonatigen Runden zu “Erweiterten Positionierungen” und schließlich zu “Fortführenden Abschlüssen” führten. Der ganze Prozess wurde initiiert und vorangetrieben durch eine engagierte Herausgeberin, Bettina Blanck, die zur Redaktion der Zeitschrift itdb (”Inter- und transdisziplinäre Bildung”) gehört. Danke dafür!

In der Einleitung zu diesem umfangreichen Dokument heisst es: “Dieses Forschungsforum mit einer Expert*innendiskussion zur Begriffsklärung von «Entscheidung» ist der Auftakt einer Reihe, in der es um Begriffsklärungen in Wissenschaft und Bildung gehen soll. «Entscheidung» ist ein alltäglicher Ausdruck und Grundterminus verschiedener Wissenschaften (z. B. Geschichtswissenschaft, Ökonomie, Pädagogik, Philosophie, Psychologie, Rechtswissenschaften, Soziologie). Es gibt sowohl disziplinär als auch inter- und transdisziplinär unterschiedliche (kontroverse) Bestimmungen. In diesem Forum sollen 10 Wissenschaftler*innen verschiedener Disziplinen zunächst in einer Ausgangspositionierung Grundlagen und Fragen ihrer jeweiligen Verständnisse (disziplinär, inter- oder transdisziplinär) von «Entscheidung» möglichst an einem Beispiel kurz erläutern und ggf. von verwandten Termini abgrenzen. Außerdem sollen sie ggf. Stellung zur Relevanz von Entscheidungskompetenzen als einem Bildungsziel nehmen und Vorschläge für eine Begriffsarbeit in einem inter- und transdisziplinär orientierten Unterricht machen.”

Alena Bleicher (Soziologie), Sascha Benjamin Fink (Philosophie), Joachim Funke (Psychologie), Elisabeth Göbel (Betriebswirtschaft), André Johannes Krischer (Geschichte), Albert Martin (Betriebswirtschaft), Birger P. Priddat (Wirtschaft & Philosophie), Walter Reese-Schäfer (Politikwissenschaft), Viktoria Rieber (Pädagogik) und Thomas Saretzki (Politikwissenschaft) behandeln das Thema jeweils disziplinär. Damit wird eine interdisziplinäre Diskussion möglich, die den Begriffshorizont erweitert.

In Anlehnung an Poppers Diktum “All life is problem solving” beginnt mein eigener Beitrag so: “Leben heisst Entscheiden. Alle lebendigen Organismen (Menschen, Tiere, Pflanzen) müssen zwischen verschiedenen Möglichkeiten weiterer Entwicklung wählen.” Es folgen Ausführungen zur Bewusstheit, zum Unterschied von Entscheiden und Entscheidung, zur Komplexität zur Fehlerbehaftetheit, zur Rolle von Persönlichkeit, zur Unterscheidung von Individuellem und kollektivn Entscheiden sowie zu Entscheidungs-Pathologien.

Es hat Spass gemacht, an diesem fast einjährigen Prozess teilzunehmen! Ein interessantes Format!

Quelle: Bleicher , A., Fink, S. B., Funke, J., Göbel, E. ., Krischer, A. J., Martin, A. ., Priddat, B. P., Reese-Schäfer, W., Rieber , V., & Saretzki , T. (2021). Forschungsforum «Begriffsklärungen in Wissenschaft und Bildung: Entscheidung». Inter- und transdisziplinäre Bildung, 3(1), 1-85. Abgerufen von https://www.itdb.ch/index.php/itdb/article/view/44 (open access)

Meine Haustiere

In der neuen Online-Ausgabe der “Schwarzen Schachtel” (ähhm…. “Black Box“; siehe meinen alten Beitrag dazu) geht es u.a. um die Haustiere von Dozierenden. Ich selbst habe meine drei Haustiere (mit Bild) vorgestellt:

Natürlich lohnt sich ein Blick in die “BlackBox” vom Sommersemester 2021 (hier der Link zum PDF) aus vielerlei anderen Gründen :-) Ich freue mich, dass unsere Fachschaft Psychologie ihr Journal am Leben hält!

“Preis der Freunde” 2021 geht an “Chancen gestalten”

Die “Gesellschaft der Freunde Universität Heidelberg e.V.“ (GdF; Mutterverein unserer Sektion “Alumni Psychologici“) verleiht jedes Jahr einen Preis für ausgezeichnete studentische Initiativen. Dieses Jahr geht der Preis (dotiert mit 2.500 €) an “Chancen gestalten Heidelberg“, eine Initiative zur Hilfe bei der kulturellen und sozialen Integration von Geflüchteten durch Mentoren.

Zusätzlich verleihen wir in Zeiten von Corona einen Ehrenpreis, der an die Online-Plattform „match4healthcare“ (eine Art Tinder für Krankenhäuser auf der Suche nach freiwilligen Helfern) geht. Die open-source-Software entstand im Rahmen des #WirVsVirus-Hackathons 2020 der Bundesregierung.

Die Auswahl der Sieger erfolgt durch eine studentische Jury, die im Auftrag des Vorstands der GdF die eingegangenen Bewerbungen sichtet und hinsichtlich verschiedener Kriterien bewertet. Gratulation an beide Preisträger! - Ich zitiere aus der Pressemitteilung 66/2021 unserer Universität:

Der von Studierenden gegründete Verein „Chancen gestalten Heidelberg“ erhält den „Preis der Freunde“. Damit honoriert die Gesellschaft der Freunde Universität Heidelberg (GdF) das außergewöhnliche Engagement dieser Initiative, die junge Menschen aus Krisen- und Kriegsgebieten sowie Zugewanderte aus allen Teilen der Welt bei ihrer Integration in Heidelberg unterstützt. Mit einem erstmals vergebenen Ehrenpreis 2020 für besonderes Engagement während der Corona-Krise zeichnet die GdF außerdem das studentische Projekt „match4healthcare“ aus. Die jeweils mit 2.500 Euro dotierten Auszeichnungen werden am 9. Juli 2021 überreicht.

Der Verein „Chancen gestalten Heidelberg“ wendet sich vor allem an Jugendliche und junge Erwachsene im Alter zwischen 16 und 30 Jahren, die bereits Bildungseinrichtungen besuchen oder sich in einer beruflichen Ausbildung befinden. Die Mitglieder kümmern sich zum Beispiel um sogenannte Eins-zu-Eins-Mentoring-Beziehungen, bei denen geflüchtete oder zugewanderte jungen Menschen mit Gleichaltrigen vor Ort zusammengebracht werden. Darüber hinaus arbeitet die Initiative eng mit Schulen und sozialen Einrichtungen vor Ort zusammen und informiert über Fluchtursachen und Integration, etwa in Form von Unterrichtsbesuchen oder Info-Veranstaltungen.

Das Projekt „match4healthcare“ – eine Online-Plattform – wurde im Frühjahr 2020 von Medizin-Studierenden der Universität Heidelberg gegründet. Vor dem Hintergrund der Covid19-Krise stellten sich die Studierenden die Frage, wie bundesweit möglichst schnell und effizient die Hilfsangebote medizinisch geschulter Personen mit der Nachfrage hilfesuchender Institutionen der Gesundheitsbranche, zum Beispiel Kliniken, zusammengebracht werden können. Sie entwickelten eine Software-Lösung, die genau diesen Abgleich von ehrenamtlichen Hilfsangeboten und hilfesuchenden Einrichtungen vornimmt. Das Angebot ist kostenlos im Internet verfügbar.

Der „Preis der Freunde“ wird seit 1995 jährlich an studentische Gruppen vergeben, die sich durch herausragendes Engagement ausgewiesen haben. Neben der Preissumme nimmt die ausgezeichnete Initiative bei der Preisverleihung eine Art Wanderpokal in Empfang, der als abstraktes Kunstwerk ähnlich einer Flamme gestaltet ist und alle Preisträger symbolisch darstellt.

Im Rahmen der Preisverleihung am 9.7.2021 (Pandemie-bedingt in kleiner Runde im Europäischen Hof unter Einhaltung der 3G-Regeln „geimpft, getestet, genesen“, zusätzlich mit Online-Übertragung des Festakts) hielten zwei der studentischen Juroren, Tom Rix und Max Schäfer, schöne Laudationes auf die beiden Preisträger. Der Vorsitzende unserer Gesellschaft, PD Dr. Thorsten Helm, überreichte die Urkunden und die Preisgelder. Ausserdem wurden weitere Flammen in unsere Flammenskulptur gesteckt. Dieses “flammende” Kunstwerk ist im Eingangsbereich der Neuen Universität ausgestellt.

Preis der Freunde

Preis der Freunde: Flammen (Ausschnitt)

Nach kurzer Pause hielt der Soziologe Prof. Dr. Martin Schröder von der Universität Marburg einen unterhaltsamen Vortrag mit dem Titel „Wann sind wir wirklich zufrieden und welchen Effekt hatte Corona?“, angelehnt an sein 2020 erschienenes Buch zum Thema. Schröder hat die Zufriedenheitsfrage aus dem sozio-ökonomischen Panel SOEP ausgewertet, eine Umfrage, die seit 1984 jährlich durchgeführt wird und ca. 85.000 Deutsche befragt.

Seine zentralen Erkenntnisse lauten plakativ: Deutsche sind rundweg zufrieden; Kinder zu haben nimmt keinen Einfluss darauf; Heirat oder Scheidung sorgen kurzfristig für einen Anstieg bzw. Einbruch der Zufriedenheit, die sich aber rasch wieder auf den alten “set point” einpendelt; Geld ist nur dann massgeblich für Zufriedenheit, wenn man keines hat; wenig Schlaf und Krankheiten korrelieren mit niedriger Zufriedenheit. In Sachen Corona kam es zu einem “desaströsen” Einbruch der Zufriedenheitswerte, der aber mit Beginn der Lockerungen auch wieder schnell zurückgeht.

Auch wenn ich als Psychologe manches anders sehe: Es war ein unterhaltsamer, gut verständlicher Vortrag; wir haben viel gelacht und gestaunt! Wir sind hoffentlich alle zufrieden nach Hause gegangen. Auf jeden Fall waren wir uns allesamt einig: Schön, dass (seit Februar 2020) wieder eine Präsenzveranstaltung möglich war!

OWCPS wird nachhaltig

Good news: Das “One World Cognitive Psychology Seminar” (kurz OWCPS), das in Corona-Zeiten so erfolgreich von der Mannheiner Allgemeinen Psychologie (= Arndt Bröder, Edgar Erdfelder, Beatrice Kuhlmann & Meike Kroneisen) auf die Beine gestellt wurde (genauer: ins Internet gebracht wurde), wird ab sofort nachhaltig angeboten. Wie ich erfahren habe, übernimmt die angesehene “Psychonomic Society” (PS) nunmehr den Titel und vor allem die nicht ganz unaufwändige Organisation der Veranstaltung. In der Verlautbarung der PS heisst es aus der Feder von dem dafür zuständigen Stephan Lewandowsky:

The One World Cognitive Psychology Seminar Series runs online during the academic year and features a seminar approximately once every other month. Each session includes a talk by a stellar cognitive psychologist, following by audience discussion with participants from all over the world.

Das gute daran ist: man kann dort Vorschläge für Personen unterbreiten, von denen man immer schon mal etwas hören wollte :-) Ich habe schon Ideen für Nominierungen…

Ich habe in der OWCPS-Reihe viele interessante Vorträge gehört - und in den Diskussionen haben sich viele “big shots” eingeschaltet. Also: nicht nur die Vortragenden, auch das Publikum ist mit interessanten Persönlichkeiten besetzt. Ich hatte bereits im letzten Jahr in meinem Blog mehrfach über dieses Seminar geschrieben (z.B. hier), konnten wir Heidelberger doch mit der Einladung unseres Honorarprofessors Robert Sternberg einen Top-Talk zu dieser äußerst erfolgreichen Reihe beitragen (siehe meinen damaligen Blog).

Ich wünsche dem OWCPS nachhaltigen Fortbestand und weiterhin tolle Referentinnen und Referenten! Ich werde mich gerne zuschalten!

PS: Wer gehaltene Vorträge nochmal hören möchte, kann auf dem YouTube-Kanal hier fündig werden.

DHV Rektor-Ranking des Jahres 2021

Der “Deutsche Hochschulverband” (DHV) veröffentlicht seit 2008 jährlich Umfrageergebnisse über das Ranking der Rektorinnen und Rektoren, Präsidentinnen und Präsidenten bundesdeutscher Universitäten. 56 Personen sind diesmal dabei. Auch die 16 Wissenschaftsminister und -ministerinnen der Länder und die eine des Bundes sind beurteilt worden. “Unsere” Ministerin Theresia Bauer ist auf dem dritten Platz gelandet, nachdem sie schon zweimal auf Platz 1 gestanden hatte.

Rankings haben an unserer Universität einen hohen Stellenwert: Jedesmal, wenn wir auf einem tollen Platz landen, ist dies eine (meist hymnische) Verlautbarung wert! Wenn dagegen bei Fächer-Rankings Schwachstellen sichtbar werden, hat das meist (unangenehme) Folgen für die Betroffenen …

Die mit Spannung erwarteten Ergebnisse des Rektorenrankings 2021 (zusammengestellt von den beiden Bonner Psychologen Thomas Krüger und Georg Rudinger - ja, es ist “der” Thomas Krüger, mit dem ich vor fast 30 Jahren den Planungstest “Plan-A-Day” entwickelt habe - und nein, ich habe auf die Ergebnisse des Rankings keinen Einfluss genommen) sind gerade im jüngsten Heft 6/2021 “Forschung & Lehre” veröffentlich worden. Ich zitiere aus einer Rundmail des DHV vom 17.6.2021:

“Professor Michael Hoch, Rektor der Universität Bonn, erhält die Auszeichnung „Rektor/Präsident des Jahres“, die der Deutsche Hochschulverband (DHV) zum dreizehnten Mal vergibt. Der Biologe, dem die DHV-Mitglieder „Führungsstärke“ und „Innovationspotenzial“, zugleich aber auch „hervorragende Kommunikationsfähigkeit“ und „große Empathiefähigkeit“ bescheinigen, wiederholt damit seinen Erfolg aus dem Vorjahr. Mit dem von Santander Universitäten gestifteten Preis würdigt die Berufsvertretung der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler eine vorbildliche Amtsführung. Der Preisträger, der das Preisgeld in Höhe von 10.000 Euro für ein hochschulbezogenes Projekt verwenden wird, wurde in einer Online-Umfrage unter den 33.000 Mitgliedern des Verbandes ermittelt. An der Abstimmung vom 9. November bis 11. Dezember 2020 nahmen 4.448 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler teil.

Denkbar knapp hinter Hoch folgt als Neueinsteiger Professor Thomas Puhl, Rektor der Universität Mannheim. Auf Rang drei liegt der Rektor der Universität Hohenheim und Sieger des Jahres 2016, Professor Stephan Dabbert.

Für das Rektorenranking wurden die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler gefragt, inwieweit sie die jeweiligen Amtsinhaberinnen und Amtsinhaber als geeignet für die Leitung der Hochschule ansehen. Dabei konnten sie ihre an Schulnoten orientierte Bewertung auf sechs Stufen von „ideale Besetzung“ (Note 1) bis „denkbar schlechteste Besetzung“ (Note 6) angeben. Im Durchschnitt beurteilen knapp 73 Prozent der Befragten die eigene Hochschulleitung überwiegend positiv. Dabei sieht mehr als ein Viertel (28 Prozent) ihre jeweilige Führungspersönlichkeit als „ideale Besetzung“ an. Über alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer gemittelt, erhielten die deutschen Rektorinnen und Rektoren bzw. Präsidentinnen und Präsidenten von den Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern die Durchschnittsnote „Befriedigend plus“ (2,61).

In die Bewertung kamen nur Hochschulen mit Rektorinnen und Rektoren bzw. Präsidentinnen und Präsidenten, die zu Beginn der Abstimmung mindestens 100 Tage im Amt waren und für die mindestens 30 Bewertungen abgegeben wurden. Die wissenschaftliche Leitung und Durchführung des Rankings, das schließlich 56 Hochschulen erfasste, lag in den Händen des Zentrums für Evaluation und Methoden der Universität Bonn.”

Gratulation an die Ranking-Spitzen! Die vollständige Liste mit allen Bewertungen findet sich hier: https://www.hochschulverband.de/fileadmin/redaktion/download/pdf/presse/ranking-dhv_2021.pdf

Ernst-August Dölle Verdienstmedaille

Ernst-August-Doelle-Medaille

Ernst-August-Dölle-Medaille

Voller Stolz und mit großer Freude teile ich mit, dass mir die Ernst-August-Dölle-Verdienstmedaille verliehen wurde! Ich zitiere aus der Mitteilung vom 22.4.21 auf der Dölle-Homepage der Universität Düsseldorf (=meine Heimatstadt):

“Die im obigen Bild leider nur unscharf zu erkennende Ernst-August-Dölle-Verdienstmedaille wurde erstmals an Prof. Dr. Joachim Funke (Universität Heidelberg) und Prof. Dr. Werner Greve (Universität Göttingen) in Würdigung ihres ehrenamtlichen Einsatzes für die Zentralstelle für Psychologische Information und Dokumentation (ZPID; seit 2020: Leibniz-Institut für Psychologie) verliehen. Die Preisträger haben sich durch ihre langjährige Tätigkeit im Verwaltungs- und im wissenschaftlichen Beirat der ZPID um die deutschsprachige Psychologie verdient gemacht. Vom Publikum mit Lob und Erheiterung aufgenommene, launige Festreden hielten Prof. Dr. Dietrich Dörner (Universität Bamberg) und Prof. Dr. Dirk Wentura (Universität des Saarlandes). Hervorgehoben wurde in der von Prof. Dr. Michael Bosnjak (Direktor des Leibniz-Instituts für Psychologie, Trier) geleiteten Veranstaltung die besondere Bedeutung von Gummibären, James Bond und der Bhagavad Gita. Gestiftet wurde die Ernst-August-Dölle-Verdienstmedaille von der Ernst-August-Dölle-Gesellschaft anläßlich der Feierlichkeiten zum 120. Geburtstag des großen Gelehrten. Die Ernst-August-Dölle-Verdienstmedaille soll künftig zu besonderen Anlässen in unregelmäßigen Abständen an Persönlichkeiten verliehen werden, die sich durch Ihre Arbeit um das Fach Psychologie verdient gemacht haben und dabei auch im Sinne Ernst August Dölles segensreich tätig geworden sind.”

Ich freue mich riesig über diese Auszeichnung, war es für mich doch schon 2007 und 2008 zum Streit mit humorlosen Wikipedianern gekommen, als ich den Stichwort-Eintrag zu Ernst-August Dölle begonnen hatte und das etwas wunderbare Dölle-Bild aus dem Klassiker von Manfred Amelang, Dieter Bartussek, Gerhard Stemmler und Dirk Hagemann (”Differentielle Psychologie und Persönlichkeitsforschung”, 6. Auflage 2006) samt einem Text über ihn von der Webseite der Uni Düsseldorf in die WP-Welt bringen wollte:

Amelang et al., 2006)

Ernst-August Dölle (1898-1972; Quelle: Amelang et al., 2006)

Komisch, dass ich mich bei diesem Schnappschuss an Theo Herrmann Gesicht) und Gustav Lienert (Haare) erinnert fühle… Die Frisur passt übrigens nicht ganz zu dem Dölle-Bild, das auf der Dölle-Homepage der Uni Tübingen zu sehen ist - Dichotomie in Reinform?

Wie bei Dölle fast schon üblich, leidet das Foto der Dölle-Medaille ein wenig an mangelnder Schärfe - danke dafür, lieber Jochen! Die Medaille ist mir ein Ansporn, weiterhin im Sinne von Ernst-August segensreich (=duplizierend und dichotomierend) tätig zu sein! Ich freue mich ganz dölle!

siehe auch in meinem Blog:

und die originale Festschrift nicht zu vergessen:
  • Herrmann, T. (Hrsg.). (1974). Dichotomie und Duplizität. Grundfragen psychologischer Erkenntnis. Ernst August Dölle zum Gedächtnis. Bern: Hans Huber.

Klimawandel: “Think global, act local”

Gerade habe ich zufällig ein älteres Video vom September 2019 entdeckt, wo ich unter dem Titel  “Think global, act local: Große gesellschaftliche Herausforderungen und Ideen zu ihrer Bewältigung“ im Rahmen der Klimawoche vom 20.-27. September 2019 der Scientists4Future Heidelberg einen Vortrag gehalten habe (ich empfehle den Ausschnitt von Minute 14:40-35:00).

https://www.youtube.com/watch?v=xElbfVrFzMI

https://www.youtube.com/watch?v=xElbfVrFzMI

Bei dieser Gelegenheit will ich nicht versäumen, den tollen Vortrag von Sabine Gabrysch (Charité Berlin) beim Neujahrsempfang 2020 der Stadt Mannheim zum Thema “Wie steht es um die Erde und den Menschen?” (hier auf YouTube anzuschauen) zu empfehlen. Die medizinische Sicht auf den Klimawandel ergänzt die psychologische Sicht um weitere Aspekte. Act now!

Die Zukunft der (komplexen) Problemlöseforschung

Rechtzeitig zum Jahresschluss 2019 hatten die Herausgeber des “Journal of Dynamic Decision Making” (JDDM) auf den Anstoß hin, den der neue Geschäftsführende Herausgeber des Journals, Wolfgang Schoppek (Universität Bayreuth), gegeben hat, eine Artikelsammlung herausgegeben, in denen verschiedene Autorinnen und Autoren aus dem Forschungsfeld des “komplexen Problemlösens” um ihre Meinung zu folgenden sieben Fragen zur Zukunft der (komplexen) Problemlösepsychologie gebeten wurden:

  1. Warum sollte es weiterhin Problemlösungsforschung geben (neben der Forschung zu Gedächtnis, Entscheidungsfindung, Motivation usw.)?
  2. Was sind die Verbindungen zwischen der aktuellen CPS-Forschungspraxis und realen Problemen? Wo sehen Sie Entwicklungspotenzial hin zu stärkeren Zusammenhängen?
  3. Nehmen die Teilnehmer angesichts der Künstlichkeit der Laborsituation die vorgestellten Probleme wirklich an? Welche Erkenntnisse können trotz dieser Künstlichkeit gewonnen werden und welche nicht?
  4. Welche Hinweise gibt es auf den Einfluss anderer Wissensarten neben dem Strukturwissen auf die Ergebnisse von CPS? Welche dieser Wissensarten sollten in zukünftigen Forschungen untersucht werden?
  5. Welche Evidenz gibt es für den Einfluss von Strategien (außer VOTAT) auf die Ergebnisse von CPS? Welche dieser Strategien sollten näher untersucht werden?
  6. Gibt es intuitives CPS?
  7. Was unterscheidet Experten in CPS von Laien?

Hier sind der Aufruf zur Mitarbeit und die Fragensammlung (auf Englisch) zu finden:

Schoppek, W., Fischer, A., Holt, D., & Funke, J. (2019). On the future of complex problem solving: Seven questions, many answers? Journal of Dynamic Decision Making, 5(5). https://doi.org/10.11588/jddm.2019.1.69294

Das Ergebnis der Umfrage stellt eine kleine Standortbestimmung der Problemlösepsychologie dar und zeigt, wie die zehn Antwortenden in acht Beiträgen die Zukunft dieses Gegenstandsbereichs einschätzen. Ich möchte in diesem Blog-Beitrag die verschiedenen Statements meinerseits kurz kommentieren. Ich gehe dabei zunächst in alphabetischer Reihenfolge vor, bevor ich am Schluß die Antworten auf die sieben Fragen zusammenführen möchte.

Jens Beckmann (Durham University, UK) weist nachdrücklich auf die Notwendigkeit einer prägnanten Theorie hin: “Ich hoffe, dass ein überfälliger Spurwechsel in der CPS-Forschung, nämlich mit der Theorie und nicht mit den Daten zu beginnen, ihr neues Leben einhaucht.” (Beckmann, 2019, S. 4 - alle Zitate übersetzt von J.F.). Er möchte, dass wir unsere Bemühungen auf die “Entwicklung oder Verfeinerung von Problemlösungstheorien” richten.

Andreas Fischer (Forschungsinstitut Betriebliche Bildung, Nürnberg) kritisiert den Fokus der aktuellen CPS-Forschung auf interaktive Spielzeugprobleme und fordert “komplexere und/oder realistische Probleme im Labor auf immersive Weise”. Er macht sich stark für das KSAO-Modell (das aus folgenden Attributen besteht: Wissen, Fertigkeiten, Fähigkeiten, Sonstiges) mit domänenübergreifenden und domänenspezifischen Kompetenzen.

Joachim Funke (Uni Heidelberg) plädiert für die Bedeutung von “Systemkompetenz” und kritisiert, dass die aktuelle CPS-Forschung “die ursprüngliche Komplexität realer Probleme” verloren habe. Komplexe Probleme lassen sich nicht mit einfachen Strategien wie VOTAT (vary one thing at a time) bearbeiten.

Dominik Güss (University of North Florida, USA) sieht die hohe Relevanz der CPS-Forschung und nennt sie “ein Juwel zur Erforschung von Expertise, strategischer Flexibilität, Kultur und vielem mehr”. In Bezug auf Wissen macht er eine interessante Aussage: “Expertenwissen kann zu törichten Entscheidungen führen”.

Annette Kluge (RUB Bochum) interessiert sich für Handlungen von Personen, die in High Reliability Organizations (HRO) wie Kraftwerken oder Krankenhäusern arbeiten. Situationsbewusstsein (situation awareness) ist in diesen Kontexten ein wichtiges Konstrukt. Sie stellt fest, dass es viele Jahre dauert, ein Experte in diesen Bereichen zu werden.

Magda Osman und Denis Omar Verduga Palencia (beide von Queen Mary University of London, UK) verweisen auf die Notwendigkeit des “reflektierenden Denkens” und die Notwendigkeit des Zweifels (als eine Art von epistemischer Unsicherheit, d.h. ein Mangel an Wissen, im Gegensatz zur aleatorischen Unsicherheit, d.h. der inhärenten Verrauschtheit der Bedingungen). Ihr Titel macht eine klare Aussage: “Die Zukunft der Problemlösungsforschung ist nicht Komplexität, sondern dynamische Unsicherheit”.

Wolfgang Schoppek (Uni Bayreuth) verweist auf das integrative Potenzial der CPS-Forschung (”es geht um den ganzen Menschen”) und die “Relevanz von motivationalen, selbstregulatorischen und emotionalen Prozessen” für das Verständnis von CPS. Seiner Ansicht nach sind High-Fidelity-Simulationen nicht notwendig, aber die Forscher sollten ihre Forschungsinteressen klarer formulieren, wenn sie bestimmte Mikrowelten verwenden.

Matthias Stadler (LMU München) und Samuel Greiff (Uni Luxembourg) sehen die Fähigkeit, (komplexe) Probleme zu lösen, als “eine der quintessentiellen Fähigkeiten für das berufliche und persönliche Leben”. Sie wollen die Traditionen der CPS-Forschung in wissensreichen Situationen mit denen in wissensarmen Situationen verbinden.

Soviel zur kurzen Charakterisierung der acht eingereichten Statements. Nun zur inhaltlichen Zuammenschau geordnewt anhand der sieben Leitfragen.

Dass es weiterhin Problemlösungsforschung geben sollte (Frage 1), wird nicht bestritten, manche Beiträge betonen sogar die wachsende Notwendigkeit solcherart Forschung angesichts der Probleme im 21. Jahrhundert (”CPS as a 21st century skill“). Allerdings werden auch stärkere Brückenschläge zur Entscheidungsforschung gefordert - da kann ich nur zustimmen!

Die Verbindungen zwischen der aktuellen CPS-Forschungspraxis und realen Problemen (Frage 2) werden mehrfach problematisiert - einerseits wird bezweifelt, dass die Exploration unbekannter Kleinsysteme uns weiterbringt, dagegen steht die Meinung, dass die Rolle des allmächtigen Bürgermeisters (aka “Lohhausen“) auch nicht gerade dem Problemlöse-Alltag entspringt.

Ob die Untersuchungsteilnehmer angesichts der Künstlichkeit der Laborsituation die vorgestellten Probleme wirklich annehmen (Frage 3) und ob trotz dieser Künstlichkeit brauchbare Erkenntnisse gewonnen werden können, wird einerseits bezweifelt (es sind keine “existentiellen” Probleme dabei, “low stakes”), andererseits bejaht (z.B. mit Hinweis auf erfolgreiche Simulatoren-Trainings).

Welche anderen Wissensarten nehmen neben Strukturwissen Einfluss auf die Ergebnisse von CPS (Frage 4)? Welche Wissensarten sollten in zukünftigen Forschungen untersucht werden? Die Antworten sind klar: Strukturwissen (also Wissen über die Abhängigkeiten zwischen den Elementen eines Systems) ist sehr wichtig, daneben aber auch Strategiewissen und - speziell bei dynamischen Echtzeit-Systemen - “situational awareness“. Auch allgemeines “Domänenwissen” (Weltwissen?) scheint interessant.

Über den unbestritten bedeutenden Einfluss von Strategien (Frage 5) gibt es verschiedene Zugänge (bekannte Akronyme: VOTAT, NOTAT oder PULSE), die allerdings auf einfache Problemsituationen beschränkt sind. Für komplexe Situationen werden etwa die “36 Strategeme” und abstraktere Heuristiken empfohlen.

Hinsichtlich der Rolle von Intuition beim Lösen komplexer Probleme (Frage 6) besteht Konsens, dass es solche Prozesse (etwa im Kontext von Expertise oder Weisheit) gibt, diese aber in gewissen Widerspruch zur Definition von Problemlösen als dem Nicht-Routine-Handeln stehen, bei dem bewusste Aufmerksamkeit eine zentrale Rolle spielt.(explizite im Unterschied zu impliziten Prozessen).

Was unterscheidet Experten in CPS von Laien (Frage 7)? Vorausgesetzt es gibt Experten: Neben dem wichtigsten Unterscheidungsmerkmal “Wissen” werden die KSAO-Merkmale (Knowledge, Skills, Abilities, and Others) sowie Systemkompetenzen (”systems competencies“) und reflektives Denken genannt.

Alles in allem fühlen wir uns (die Herausgeber des JDDM) durch diese Antworten auf unsere sieben Fragen bei der Weiterführung des Journals ermutigt. Genauere Antworten auf unsere Fragen könnten in Zukunft durch kommende Forschungsarbeiten gegeben werden, die wir gerne dort veröffentlichen.

Quellenangaben:

Beckmann, J. F. (2019). Heigh-Ho: CPS and the seven questions – some thoughts on contemporary Complex Problem Solving research. Journal of Dynamic Decision Making, 5(12). https://doi.org/10.11588/jddm.2019.1.69301

Fischer, A. (2019). A new orientation for research on problem solving and competencies in any domain. Journal of Dynamic Decision Making, 5(9). https://doi.org/10.11588/jddm.2019.1.69298

Funke, J. (2019). Complex problem solving in search for complexity. Journal of Dynamic Decision Making, 5(10). https://doi.org/10.11588/jddm.2019.1.69299

Güss, C. D. (2019). Complex problem solving: A gem to study expertise, strategic flexibility, culture, and so much more; and especially to advance psychological theory. Journal of Dynamic Decision Making, 5(7). https://doi.org/10.11588/jddm.2019.1.69296

Kluge, A. (2019). Complex problem solving research and its contribution to improving work in High Reliabilty Organisations. Journal of Dynamic Decision Making, 5(6). https://doi.org/10.11588/jddm.2019.1.69295

Osman, M., & Palencia, D. O. V. (2019). The future of problem solving research is not complexity, but dynamic uncertainty. Journal of Dynamic Decision Making, 5(11). https://doi.org/10.11588/jddm.2019.1.69300

Schoppek, W. (2019). A flashlight on attainments and prospects of research into complex problem solving. Journal of Dynamic Decision Making, 5(8). https://doi.org/10.11588/jddm.2019.1.69297

Stadler, M., & Greiff, S. (2019). Quo Vadis CPS? Brief answers to big questions. Journal of Dynamic Decision Making, 5(13). https://doi.org/10.11588/jddm.2019.1.69299

PS: Warum es so lange gedauert hat mit diesem Blog-Beitrag zu den Artikeln von 2019? Ich hatte Ende 2019 damit angefangen, dann kam anderes dazwischen (u.a. Corona) und ich hatte schlicht vergessen, dass ich schon etwas geschrieben hatte (ich habe eine ganze Reihe “angefangener” Texte auf meinen Festplatten). Jetzt kam durch eine JDDM-Redaktionskonferenz das Thema “Seven questions” erneut zur Sprache und mein Gedächtnis (und eine Suche im Dateiendshungel) brachte die Erinnerung (und den begonnenen Text) zurück…

Bruno Klauk und die “Wirtschaftspsychologie”

Wieder einmal gibt es einen Eklat im Lager der Psychologie (Danke, lieber Bernd, für den Hinweis!): Es geht um einen Beitrag von Bruno Klauk (Hochschule Harz, Wernigerode) in der vom Pabst-Verlag herausgegebenen (Fach-)Zeitschrift “Wirtschaftspsychologie” zum Thema “Intelligenz von Migranten”.

Bärbel Schwertfeger von dem im Titel ähnlich lautenden Online-Magazin “Wirtschaftspsychologie heute” hat einen wunderbaren Beitrag zu Chronologie und Inhalt dieses Streits verfasst, so dass ich nicht mehr tun kann als darauf zu verweisen:

https://www.wirtschaftspsychologie-heute.de/ideologisch-gekapert-der-klauk-eklat-bei-der-zeitschrift-wirtschaftspsychologie/

Sehr lesenswert! Das Thema “Intelligenz” hat es einfach in sich….