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Abschied von Bärbel Maier-Schicht

Zum 31.10.2017 scheidet Dipl.-Math. Barbara Maier-Schicht aus dem aktiven Dienst an unserem Institut aus und begibt sich nach 28 Jahren bei uns in den Ruhestand! Wow! Das ist eine lange Zeit! Da verläßt uns nun ein “Urgestein”, das meiner Abteilung zugehörig war, aber im wesentlichen für das gesamte Institut gearbeitet hat. Da ist ein Wort des Dankes fällig!

Ein paar Worte zur Biografie stehen am Anfang. Bärbel Maier-Schicht ist 1950 in Karlsruhe geboren, ist dort zur Schule gegangen, hat ihr Abi dort gemacht und an der TU Karlsruhe ein Mathematikstudium absolviert, das sie mit einem Diplom 1974 abgeschlossen hat. Ihre mit “sehr gut” bewertete Diplomarbeit trug übrigens den etwas kryptischen Titel “Verfahren höherer Ordnung zur Einschließung der Inversen einer Matrix”. Als Karlsruherin ist sie übrigens neben fleißiger Arbeit auch das Feiern gewöhnt: dort gibt es nämlich jährlich nicht irgendein Fest, sondern DAS FEST!

Am Psychologischen Institut hat sie Ihren Dienst im Sommer 1989 aufgenommen. Sie war damals im Rahmen des von Manfred Hofer, Carl-Friedrich Graumann und Theo Herrmann eingeworbenen Sonderforschungsbereichs 245 “Sprache und Situation” für den Aufbau der EDV zuständig, später hat sie diese Aufgaben auch im Institut übernommen. Bis zum Schluß ihrer Tätigkeit war sie EDV-Beauftragte unseres Instituts und sorgte für gute Beziehungen zum Rechenzentrum.

Kennen tue ich BMS (so meine Abkürzung ihres Doppelnamens) seit April 1997, als ich nach Heidelberg berufen wurde. Damals haben wir gleich angefangen, ein Projekt zum Thema “Rough Set Theory“ (einer formalen Theorie unvollständigen Wissens) zu planen. Leider ist daraus nichts entstanden. Es lag u.a. daran, dass ich damals gleich nach meinem Dienstantritt die Geschäftsführung übernehmen sollte und froh war, ein paar erfahrene Personen an meiner Seite zu wissen, die sich mit den Verwaltungsvorgängen auskannten. Das Spitzenteam der beiden damaligen Kustoden Ernst R. & Jörg S. war allerdings selbst für mich manchmal nur schwer zu ertragen - ich war froh, in BMS eine Oase der Ruhe und einen Ort der Vernunft zu finden. Ich war froh, in BMS eine Oase der Ruhe und einen Ort der Vernunft zu finden. Vielleicht kein Wunder, dass im Lauf der Zeit wissenschaftliche Aktivitäten hinter den Verwaltungsaktivitäten zurücktraten.

Ob es das Lehrveranstaltungsverzeichnis LSF, die Datenbank des Prüfungsamts, die EDV-Probleme der Administration, die Gestaltung des Webauftritts oder die Mithilfe bei dringenden Geschäftsführungs-Angelegenheiten betraf: auf BMS war Verlass! Die Diplommathematikerin ist da anders gestrickt als manche Psychologenseele: Sie arbeitete ruhig und effizient in ihrer Dachstube und kam meist sehr schnell mit Ergebnissen.

Anlaß zur Freude war für mich die Entscheidung von BMS, über das offizielle Ende 29.2.2016 hinaus noch eine Ehrenrunde mit uns zu absolvieren: Die Verlängerung über das 65. Lebensjahr hinaus bis zum 31.10.2017! Das hat mich, das hat uns alle sehr gefreut, zeigt es doch die Verbundenheit, die in langen Jahren hier aufgebaut wurde. Wie sagt sie selbst so schön: Sie nimmt Abschied “nach 28 Jahren, etwa 5600 Arbeitstagen, etwa 4 Mio. Treppenstufen und 10 Geschäftsführenden Direktoren“. Nur wenige hier im Hause können wohl ähnlich eindrucksvolle Daten vermelden.

Ein ganz wichtiges Merkmal von BMS ist ihre Bescheidenheit. Sie bleibt lieber im Hintergrund und will nur ungern in der Öffentlichkeit gelobt werden - ich weiss das, weil ich sie damals beobachtet habe, als sie zusammen mit Bernd Reuschenbach den mit 10.000 Euro dotierten Landeslehrpreis im Jahr 2006 aus der Hand von Prorektorin Silke Leopold erhielt. Ich zitiere aus der Laudatio:

“Der Landeslehrpreis Baden-Württemberg geht in diesem Jahr an das Psychologische Institut der Universität Heidelberg. Mit ihrem Seminar “Erstellung psychologischer Lehrfilme” setzten sich die Dozenten Bärbel Maier-Schicht und Bernd Reuschenbach gegen zahlreiche Mitbewerber um die mit 10 000 Euro dotierte Auszeichnung durch. Denkbar einfach klingt das Seminarkonzept: psychologisches Wissen in einem Film ansprechend und allgemeinverständlich darzustellen. Doch dahinter steckt jede Menge Arbeit: Das reicht von der Themenfindung über das Schreiben eines Drehbuchs bis hin zur eigentlichen Produktion des Films. Unterstützt wurden die Teilnehmer der bisherigen zwei Seminare (2003 und 2005) von Profis, die ihnen den richtigen Umgang mit Kamera, Ton, Schnitt und Filmtechniken nahebrachten.“

Liebe Bärbel, im Namen aller Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter am PI sage ich DANKE für all das, was Sie für uns getan haben, auch für das, was Sie nicht getan haben (z.B. dem Institut den Rücken zuzuwenden). Bei Peter Alexander heisst es „Sag zum Abschied leise Servus“ - wir hier machen es anders: wir rufen alle lautstark „Danke, liebe Bärbel! Hab eine gute Zeit!” Und natürlich wünschen wir alles Gute für den aktiven Zustand, der jetzt folgt: möglichst viele Projekte zur Realisierung ungewöhnlicher sozialer und kultureller Ideen! Mögen die weissen Mäuse dabei helfen! Pruski! Zum Wohl!

Plagiat beim Bundesamt für Risikobewertung?

Kein Wunder, dass unser Vertrauen in öffentliche Institutionen sinkt: Der Verdacht, dass das Bundesamt für Risikobewertung (BfR) in Sachen Bewertung der Glyphosat-Gefahr (mögliche Krebsgefahr durch ein stark genutztes Herbizid) weite Teile seiner Stellungnahme direkt vom Hersteller Monsanto übernommen hat (siehe die oben gezeigte Abbildung vom unabhängigen Umweltinstitut München), erhärtet sich durch eine aktuelle Plagiatsprüfung, die das BfR allerdings zurückweist.

Das ebenfalls unabhängige psychologienahe Harding-Center für Risikokompetenz hat übrigens schon in seiner Unstatistik des Monats im Januar 2016 die Meldungen über Glyphosat im Urin relativiert: im Vergleich zum Rauchen sei das Glyphosat-Krebsrisiko deutlich geringer. Das mag stimmen - aber zu stimmen scheint auch, dass die BfR-Bewertungen von Monsanto übernommen wurden, und zwar anscheinend ohne saubere Quellenangabe! Systematisches Unterlassen von Quellenangaben und gezieltes Entfernen von Hinweisen auf die tatsächlichen Verfasser: Das wäre in der Tat schlechte wissenschaftliche Praxis!

Umso wichtiger ist Risikokompetenz: das ist ein gutes Konzept! Es ist Teil dessen, was als “kritisches Denken” (critical thinking) Eingang in den Unterricht an Schulen und Universitäten finden sollte. Es bezeichnet Ähnliches wie der Kantische Imperativ, sich seines eigenen Verstandes zu bedienen (”sapere aude“). Das setzt in einer komplexen Welt allerdings etwas mehr voraus als noch vor 200 Jahren vorstellbar war.

Welcome, Erstis 2017!

Wieder einmal startet eine Woche vor dem offiziellen Semesterstart (16.10.17) am Mo 9.10.17 das Erstsemester-Kompakt-Seminar (EKS), mit dem wir unsere Erstis in die Gepflogenheiten am Institut einweihen. Das machen längst nicht alle Fächer, aber wir haben nur gute Erfahrungen damit gemacht und praktizieren es daher regelmäßig (dafür gab es dann auch mal den Landes-Lehrpreis). Unsere Fachstudienberatung organisiert die Einführungswoche zusammen mit älteren Studierenden, die sich der verschiedenen Kleingruppen annehmen. Etwas mehr als 90 Bachelor-Anfänger sind es diesmal, die wir herzlich bei uns begrüßen und denen wir alle einen guten Start wünschen! Wir sind froh, dass unsere Zulassungsstelle die richtigen Zahlen eingegeben hat - was passiert, wenn man sich dabei vertippt, merkt die OTH Regensburg gerade, wo versehentlich 700 statt 100 Erstsemester zugelassen wurden…

Der Wechsel von Schule zu Hochschule ist schon großer Schritt in die Selbstverantwortung! Angefangen von der Auswahl der Veranstaltungen (wir machen Vorschläge, keine Sorge!) über die Bildung von Arbeitsgruppen (sehr zu empfehlen) bis hin zur ständigen Entscheidung, einer Veranstaltung fernbleiben zu können (prinzipiell geht das, aber in einigen Veranstaltungen wird man ohne regelmäßigen Besuch schnell den Faden verlieren und ist dann abgehängt, von der Gefährdung der erforderlichen Leistungsnachweise ganz zu schweigen). Selbstregulation und Selbstorganisation: das sind bei uns am Institut einerseits Forschungsthemen im Rahmen der Exzellenzinitiative, andererseits bietet das Studium ein ideales Übungsfeld dafür.

Es sind spannende Zeiten! Auf der Seite äußerer Ramenbedingungen sind zu nennen die geplante Umwandlung des Studiums (Reform des PsychTG), so dass (wer will) mit einer Approbation am Ende des (klinisch ausgerichteten) Masterstudiums abschließen kann. Unsere Heidelberger Kollegin Birgit Spinath (Pädagogische Psychologie) wird im nächsten Jahr ab Oktober 2018 als Präsidentin der DGPs diesen Prozeß weiterführen, der schon seit mehreren Jahren von den Vorgänger-Vorständen vorbereitet wurde. Am Institut wird es in den nächsten Jahren Wechsel in den Professuren Allgemeine und Theoretische Psychologie (Funke), Arbeits- und Organisationspsychologie (Sonntag) und Sozialpsychologie (Fiedler) geben. Die Zulassung zum Studium wird bei uns mit einem kompetenzorientierten Auswahlverfahren auf neue Füsse gestellt.

Auf der Seite innerer Ramenbedingungen gibt es lebhafte Diskussionen um die Neuausrichtung unseres Faches im Zuge der Replikationskrise, um eine in diesem Zusammenhang geforderte “new statistics” und um offene Wissenschaft (open science). Nicht allen hier gemachten Vorschlägen sollte man blindlings folgen. Mit der Ernüchterung über die Befunde der Neuropsychologie einher geht die Suche nach neuen tragfähigen Rahmentheorien, die die verschiedenen Mosaiksteine empirischer Forschung sortieren helfen. Wenn wir im gesellschaftlichen Diskurs wieder eine gestalterische Rolle spielen wollen und uns nicht mit der Behandlung kranker Seelen zufriedengeben wollen (wovor ich durchaus großen Respekt habe!), müssen wir zeigen, dass wir zu wichtigen gesellschaftlichen Herausforderungen einen wertvollen Beitrag leisten können.

Liebe Erstis 2017: Seien Sie herzlich willkommen in unserem Institut! Wir freuen uns auf Sie! Ich arbeite schon an meiner Playlist für die obligatorische Psychoparty, die diesmal am Dienstag 17.10.17 nach dem diesjährigen 21. Empra-Kongreß um 21:30 bei uns im Institut startet (hier schon mal der Link zum Text meines Abschlusstitels, den natürlich alle mitsingen müssen).

Exzellenzcluster: Uff!

Die Exzellenzinitiative des Bundes und der Länder (heisst neuerdings Exzellenzstrategie) hat eine komplexe Struktur. Seit 2006 sind drei Förderrunden realisiert worden. Nun geht es zum voraussichtlich letzten Mal um viel Geld. Um erneut den Titel “Exzellenzuniversität” ab dem Jahr 2019 zu erreichen, müssen verschiedene Bedingungen durch die hoffenden Unis erfüllt sein. Eine der Hürden besteht im erfolgreichen Realisieren sogenannter Cluster (Forschungsverbünde). Um den Status der Exzellenz zu erhalten, müssen mindestens zwei positiv evaluierte Clusteranträge vorliegen. Unsere Universität hat sieben Skizzen zu derartigen Clustern eingereicht - am 29.9.2017 ist das Ergebnis der internationalen Gutachtergruppe durch die DFG bekanntgegeben worden: drei der 7 Heidelberger Skizzen sind zur Ausarbeitung empfohlen worden, davon 2 solche, die in Zusammenarbeit mit KIT Karlsruhe gestellt wurden.

Eine exzellente Analyse des nun verkündeten Zwischenergebnisses liefert ein Blogeintrag von Jan-Martin Wiarda unter dem Titel “88 sind noch drin“. Über die Uni Heidelberg heisst es dort: “Konsterniert dürften sie in Heidelberg sein, dem nur drei Cluster im Rennen verbleiben, davon einer allein und zwei gemeinsam mit dem Karlsruher Institut für Technologie (KIT, das insgesamt vier Anträge stellen darf). Eine überraschend schwache Bilanz für Heidelberg, das sonst gemeinhin als eine der stärksten Wissenschaftsregionen in Deutschland gehandelt wird.”

Ja, stimmt: konsterniert habe ich mich gefühlt, als ich das Ergebnis der Evaluation hörte! Nur eine der eigenständigen Skizzen konnte überzeugen (im Kontext von FoF2, “Structure and Pattern Formation in the Material World”), zwei schon länger höchst erfolgreiche Cluster, im Kontext von FoF1 (”Molecular and Cellular Basis of Life”) und FoF3 („Cultural Dynamics in Globalised Worlds“), sind draußen. Auch die von der Psychologie massgeblich mitentwickelte Skizze “Self-Regulation and Regulation in Mental Health” im Kontext von FoF4 ist abgelehnt worden. Uff!

Die drei erfolgreichen Clusterskizzen müssen jetzt zu Vollanträgen ausgearbeitet werden - wäre schön, wenn das erfolgreich gelänge! Natürlich ist das noch nicht das Ende der Fahnenstange: “Universitäten mit mindestens zwei (bei Verbünden mit mindestens drei) Exzellenzclustern können bis zum 10. Dezember 2018 Anträge für die Förderlinie Exzellenzuniversitäten einreichen; über sie wird nach erfolgten Begutachtungen am 19. Juli 2019 entschieden” (DFG Ausschreibung).Da liegt noch Spannung in der Luft!

Noch einmal ein Zitat aus Wiardas Blog: „Sehr gute Chancen auf eine institutionelle Bewerbung mit vier oder mehr Vollanträgen haben 15 Unis, weitere sieben haben noch drei Anträge im Rennen und damit mittelprächtige Aussichten, eine Bewerbung einreichen zu dürfen.“ Wir gehören zu denjenigen, denen er “mittelprächtige Aussichten” bescheinigt. In der örtlichen Presse (RNZ vom 30.9.2017) wird ein bisschen mehr Optimismus ausgegeben. Natürlich sollen die erheblichen Vorarbeiten, die hier geleistet wurden, nicht “verpuffen”, sondern werden nun in andere Förderprogramme umgelenkt. Ich könnte mir vorstellen, dass die DFG demnächst eine ganze Reihe von SFB-Anträgen erhält.

Psychische Erkrankungen am Arbeitsplatz

Aus einer aktuellen Erhebung der AOK (gesetzliche Krankenkasse) geht hervor, dass sich im Vergleich von vor 10 Jahren die Zahl der Fehltage am Arbeitsplatz wegen psychischer Störungen verdoppelt hat! Sie beträgt im Durchschnitt 25.7 Tage. In der Pressemitteilung der AOK heisst es:

    “Laut einer aktuellen Befragung des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO) kommen bei den 2.000 befragten Beschäftigten am häufigsten Konflikte im privaten Umfeld (16 Prozent), eine schwere Erkrankung von Angehörigen (zwölf Prozent) und finanzielle Probleme (elf Prozent) vor. Mit zunehmendem Alter steigt der Anteil der Betroffenen an: Etwas mehr als ein Drittel der Beschäftigten unter Dreißig (37,6 Prozent) berichtet über kritische Lebensereignisse, bei den 50- bis 65-Jährigen sind dies schon fast zwei Drittel (64,7 Prozent). Jüngere Erwerbstätige berichten neben privaten Konflikten auch über fi nanzielle oder soziale Probleme, während bei älteren Erwerbstätigen Krankheit, Altern oder der Tod des Partners eine größere Rolle spielen. Diese kritischen Lebensereignisse belasten die Gesundheit der Betroffenen und beeinflussen auch die Berufstätigkeit. So berichten 58,7 Prozent von körperlichen und 79 Prozent von psychischen Problemen. In der Folge fühlten sich mehr als die Hälfte der Befragten durch die Krise in der eigenen Leistungsfähigkeit in ihrem Berufsleben eingeschränkt (53,4 Prozent). Ähnlich viele Menschen geben an, trotz einer Erkrankung in diesem Kontext zur Arbeit gegangen zu sein (48,8 Prozent). Mehr als ein Drittel fühlte sich aufgrund des kritischen Lebensereignisses unzufrieden mit der Arbeit (37,3 Prozent) oder hat sich häufiger krank gemeldet (34,1 Prozent).”

Erschreckende Zahlen! Dass 4 von 5 Befragten psychische Probleme benennen, ist kaum zu glauben! Die Idee, dass Arbeit auch Spaß machen kann, hat mit der Lebenswirklichkeit vieler Arbeitnehmer offensichtlich wenig zu tun! Zum einen ist das natürlich eine Herausforderung für Psychotherapeuten, sich dieser Fälle anzunehmen (jedenfalls da, wo es professionelle Hilfe braucht); zum anderen ist es eine Herausforderung für die Arbeits- und Organisationspsychologie, an der Gestaltung gesunder Arbeitsplätze mitzuwirken - und dabei geht es nicht nur um höhenverstellbare Tische (Rücken) oder hochauflösende Bildschirme (Augen), sondern vor allem auch um zufriedenstellende, respekttvolle Beziehungen am Arbeitsplatz und um sinnstiftende Tätigkeiten. In den 1970er Jahren wurde erstmals ein Programm zur “Humanisierung des Arbeitslebens” aufgelegt; vielleicht ist es wieder einmal an der Zeit, ein ähnliches Programm aufzulegen, diesmal vielleicht mit einem Schwerpunkt auf psychische Belastungen. Der DGB-Index “Gute Arbeit” zeigt ebenfalls Handlungsbedarf. Nicht nur Arbeitslosigkeit kann psychische Störungen hervorbringen, sondern auch schlechte Arbeitsbedingungen. Die hängen häufig von Führungskräften ab, die die Bedeutung psychischer Faktoren entweder nicht kennen oder schlichtweg ignorieren.

Punkt, Komma, Strich

Ich gestehe: Ich bin ein Freund von Satzzeichen! Punkt, Komma, Strich sind mir wertvolle Genossen im Kampf um Verständnis! Die Satzzeichen spiegeln etwas, das wir beim Sprechen in anderer Form praktizieren: Wir sprechen kein Fragezeichen, aber wir heben die Stimme. Wir sprechen keinen Punkt, aber wir machen eine Pause! Wir sprechen kein Ausrufezeichen, aber wir betonen eine Aussage durch besondere Emphase! Deswegen sind Satzzeichen wichtige Helfer beim Lesen und Vorlesen, weil sie Anweisungen enthalten, wie wir Wörter zu verstehen haben.

Das Komma: Ein Moment des Innehaltens und Luftholens verbunden mit der Gewissheit, dass es sofort weitergehen wird. Auch gut geeignet für kleine Einschübe. Es gibt auch kleine Bedeutungsunterschiede: “Professoren sagen, Studenten haben es gut” ist etwas anderes als “Professoren, sagen Studenten, haben es gut”.

Der Gedankenstrich: Für einen Denkpsychologen natürlich eine der wertvollsten Hilfen! Die Aufforderung zum Nachdenken, zum Innehalten für einen kurzen Moment: Wie toll ist das denn! Ich liebe den “-” und verwende ihn nach Meinung mancher Leserinnen und Leser zu oft - das kann ich aus meiner Sicht nicht bestätigen! Man kann nicht oft genug Nachdenken, oder doch?

Der Punkt: Er sorgt für den Abschluß. Im Strom der Wörter die Sinnabschnitte zu finden ist nicht immer leicht. Punkte helfen dabei. Sie markieren Ende und Neuanfang, wenn es weitergeht. In der Steigerung von drei Punkten “…” am Satzende lassen sie das Ende in drei Richtungen offen und ziehen den Leser in die Entwicklung mit ein: Wie wird es wohl weitergehen?

Das Semikolon: Ein Zwitter zwischen Komma und Punkt. Ein erster Teil des Gedankens geht zu Ende, aber es kommt noch etwas hinterher, das dazugehört. Eine schöne Abstufung eines Gedankens, dem noch etwas angehört; ein angebrochener Gedanke, der zum Abschluß geführt wird.

Das Fragezeichen: Drückt Unwissen und Unsicherheit aus. “Wann kommst Du?”, “Wer war Duden?”, “Woher kommen Satzzeichen?”. Der Modus des Fragens ist ein Modus der Informationsuche. Und auch hier ist die Steigerung in Form der “Drei Fragezeichen” (???) natürlich etwas Besonderes.

Das Ausrufezeichen betont den Inhalt und drückt Überraschung, Empörung oder Staunen aus. Er hebt einzelne Gedanken aus dem Strom des Geschriebenen hervor und verstärkt unsere Aufmerksamkeit. Steigerungsform: Mal wieder die dreifache Wiederholung “!!!” (sozusagen fett und kursiv zusammen, eine besondere Emphase).

siehe auch meinen früheren Blogeintrag: “Lob des Leerzeichens

HDJBO Band 2: Citizen Science

Seit 2007 bin ich als Vorstandsmitglied der “Stiftung Universität Heidelberg” und der “Gesellschaft der Freunde” (GdF) für die Betreuung der “Heidelberger Jahrbücher” zuständig. Auf der zugehörigen Webseite der GdF heißt es:

  • “Die Gesellschaft der Freunde ist Herausgeber der traditionsreichen Schriftenreihe Heidelberger Jahrbücher. Die Publikation wurde im Jahr 1807 von Heidelberger Professoren unter dem Namen Heidelbergische Jahrbücher der Literatur begründet und hat eine wechselvolle und durch zwei Weltkriege unterbrochene Geschichte hinter sich. Verantwortlich für die Themenfindung und Autorensuche sind die vom Verein beauftragten Bandherausgeber.”

Ich bin sehr stolz darauf, die Tradition einer der ältesten Zeitschriften der Welt (sic!) fortsetzen zu dürfen und in den letzten zwei Jahren mit tatkräftiger Unterstützung durch die Universitätsbibliothek die Umstellung auf ein elektronisches Format (open access) geschafft zu haben. Schon Band 55 (2013) wurde aus Kostengründen nicht mehr im Springer-Verlag herausgegeben (wo die älteren Bände seit 1957 zu finden sind), sondern in eigener Regie der “GdF”. Die weiteren Bände erscheinen seit 2016 nicht mehr primär als Druckversion, sondern unter dem leicht veränderten Titel „Heidelberger Jahrbücher Online“ im elektronischen Format (mit der Möglichkeit von „Print on Demand“). Den ersten online erschienenen Band 1 (2016) mit dem Rahmenthema „Stabilität im Wandel“ (herausgegeben von Michael Wink und mir) kann man hier abrufen. Nun ist das Heidelberger Jahrbuch 2017 fertig (hier abzurufen). Worum geht es thematisch?

Wir haben uns diesmal als fächerübergreifende Thematik mit den verschiedenen Spielarten von “Open Science” bzw. “Citizen Science” beschäftigt. In vielen Wissenschaftsdisziplinen übernehmen Laien Aufgaben wie das Erfassen von Tieren und Pflanzen in bestimmten Gebieten oder die Sichtung von Sternen. In der Medizin sind es Selbsthilfe-Gruppen, die Wissen sammeln und organisieren, in der Psychologie wird über Laien-Therapie und “open data” diskutiert. In der Germanistik werden editorische Tätigkeiten durch Laien ausgeführt, in der Geschichtswissenschaft durchforstet man Archive oder sammelt lokale Daten.

Während Citizen Science auf die Beteiligung von Bürgern abzielt, richtet sich Open Science vorrangig (aber nicht exklusiv) an die Welt der Wissenschaft: es geht um Verfügbarmachung von Sammlungsobjekten, Daten, Prozeduren, Texten und Materialien aller Art (z.B. durch Digitalisierung). Open Access ist ein Zauberwort, das allerdings auch Probleme mit sich bringt. Ein Blick auf die “Transparenzkulturen” der verschiedenen Fächer ist sehr aufschlussreich.

Diese Thematik von “Wissenschaft für alle” beleuchten wir aus der bunten Sicht unserer Volluniversität. Hier ist die Liste der neun Beiträge und der beteiligten Autorinnen und Autoren mit ihren jeweiligen Themen:

1: Vorwort (Michael Wink, Pharmazeutische Biologie, & Joachim Funke, Allgemeine Psychologie)

2: Citizen Science and Psychology: An Evaluation of Chances and Risks (Joachim Funke, Allgemeine Psychologie)

3: Historiker als “Mittler zwischen den Welten”? Produktion, Vermittlung und Rezeption historischen Wissens im Zeichen von Citizen Science und Open Science (Cord Arendes, Angewandte Geschichtswissenschaft)

4: Open Access in der Wissenschaft und Marktregulierung (Stefan J. Geibel, Gesellschafts- und Wirtschaftsrecht)

5: Selbsthilfe und Krankenhaus: Gemeinsam geht es besser (Anette Bruder, Heidelberger Selbsthilfebüro, & Friederike Fellenberg, Nationales Centrum für Tumorerkrankungen)

6: More than 30 000 volunteers involved in identification of tiny rare interstellar dust particle candidates collected by the Stardust mission (Andrew J. Westphal & Mario Trieloff, Geo- und Kosmochemie)

7: Citizen Science in der Biologie - Schwerpunkt Ornithologie (Michael Wink, Pharmazeutische Biologie)

8: Einsatz von Citizen Science im phänologischen Monitoring der Apfelblüte in Deutschland (Okke Gerhard, Nils Wolf & Alexander Siegmund, Physische Geographie)

9: “Science for the People” oder “Wissenschaft für alle 4.0″“ (Hans J. Pirner, Theoretische Physik)

Ein Zitat aus dem Vorwort: “Die Publikation als e-Book hat sich bislang bewährt: sie spart Kosten und ermöglicht dank ‘open access’ eine größere Verbreitung als die Print-Version. Der erste Band, der im letzten Jahr unter dem Titel ‘Stabilität im Wandel’ erschien (Wink & Funke, 2016), wurde in den ersten 12 Monaten nach Erscheinen mehr als 2000mal zum Download angefordert – das ist beachtlich! Dank der guten Zusammenarbeit mit ‘Heidelberg University Publishing (HeiUP)‘ kann zudem für geringe Kosten eine Print-Version ‘on demand’ (sowohl in der preiswerten Softcover- wie auch in der etwas teureren Hardcover-Version) hergestellt werden. Dass dieser Band über Bürgerwissenschaft kostenlos für jeden zu haben und zu lesen ist, freut mich - hier ist Wissenschaft ohne finanzielle Schranken zu rezipieren! Ein Geschenk für mündige Bürger!

Dank gebührt der Gesellschaft der Freunde Universität Heidelberg e.V. für ihre unermüdliche Unterstützung des traditionsreichen Projekts. Dank geht auch an unsere Redaktionsassistentin Julia Karl, die in bewährter Manier die Manuskripte für den Satz aufbereitet hat und dabei die Hilfe von Marion Lammarsch in Anspruch nehmen durfte. Dank gilt auch der Universitätsbibliothek unter der Leitung von Veit Probst, dessen Team (Maria Effinger, Anja Konopka und Frank Krabbes) uns wie im letzten Jahr wertvolle Hilfe geleistet hat.”

Michael Wink und ich sind nun gespannt, wie die Resonanz auf unseren neuen Band ausfällt! Und natürlich beginnt mit dem Erscheinen von HDJBO Volume 2 die Planung für Volume 3…

Komplexität, Problemlösen und Kognitive Psychologie

Wieder einmal ist über ein neues Buch zu berichten: unser Essener Kollege David Tobinski hat bei Springer ein neues Werk unter dem Titel Kognitive Psychologie. Problemlösen, Komplexität und Gedächtnis veröffentlicht, das deutlichen Bezug zu meinen Problemlöse-Vorstellungen aufweist und (nicht nur deswegen) eine gründlichere Analyse verdient.

Es handelt sich um die überarbeitete Fassung seiner Dissertation, in der er sich einem vertieften Verständnis von Komplexität widmet. Dazu zieht er den Bereich des komplexen Problemlösens heran. Um die Schnittstelle zwischen Individuum und Umwelt besser zu verstehen, wird das Konstrukt “Gedächtnis” näher betrachtet und in einer kognitiven Architektur eingeordnet. Das Modell eines Arbeitsgedächtnisses nach Alan Baddeley wird hierzu erweitert. Die beteiligten Komponenten im Tobinski-Modell sind der episodische Buffer (EB), das operative Langzeitgedächtnis (LZG-ORV), das sensorische Langzeitgedächtnis (LZG-SEN), ein somatisches motorisches Programm (MP-SOM) und ein vegetatives (MP-VEG), ein sensorisches Register für Umweltreize (SR-UW) und eines für somatische Reize (SR-SOM), die phonologische Schleife (PS) und der räumlich-visuelle Notizblock (RVN). Ganz schön viele verschiedene Bausteine für das Gedächtnismodell! Aber alle haben spezifische Funktionen und werden beim Problemlösen an unterschiedlichen Stellen im Verarbeitungsprozess benötigt.

Was ich vermisst habe, ist der Einbezug motivationaler Faktoren - Emotion kommt als Emotionsdynamik vor (wenngleich eher knapp beschrieben), Motivation fehlt ganz (noch nicht mal als Stichwort im Register aufgeführt). Gerade weil Probleme so eng mit Zielen verbunden sind, wundert das ein wenig. Die von Dietrich Dörner so oft beschworene Interaktion von Kognition, Emotion und Motivation geht im Dschungel der Gedächtnisprozesse verloren. Aber vielleicht hat es auch mit dem Titel “Kognitive Psychologie” zu tun, der in gewisser Weise (zu sehr?) selbstbeschränkend ist.

Gedächtnismodell

In der Verlagsankündigung heisst es: “Dieses Lehrbuch widmet sich mit Leidenschaft einem modernen Kernthema der kognitiven Psychologie bzw. der Kognitionswissenschaften: Dem Problemlösen. Denn Problemlösen ist für die kognitive Psychologie einer der Schlüssel zum Verständnis von Lernen und Wissen überhaupt und der daraus resultierenden Interaktion des Individuums mit seiner Umwelt.” Dem kann ich voll und ganz zustimmen! Ein lesenswertes Buch!

Quelle: Tobinski, D. A. (2017). Kognitive Psychologie. Problemlösen, Komplexität und Gedächtnis. Heidelberg: Springer.

Gastbeitrag “Das erste Mal Master-Zulassungstest am Psychologischen Institut Heidelberg”

Dr. Benjamin Tauber

ein Gastbeitrag von Dr. Benjamin Tauber (bis 30.09.17 betraut mit der Umsetzung des Master-Auswahlverfahrens)

Vorbemerkung

Das Master-Auswahlverfahren war schon immer und bleibt wohl zukünftig ein viel diskutiertes Thema am Psychologischen Institut in Heidelberg. Als Student/In bangt man um die Weiterführung des bisherigen Studiums und wird durch einen potentiellen Hochschulwechsel vielleicht sogar zu einer Umstrukturierung des weiteren Lebens gezwungen. Als Mitarbeiter/In des Psychologischen Institutes ist man intensiv in den Auswahlprozess eingebunden. Hinzukommen die vielen Mitarbeiter/Innen der Universitätsverwaltung, wie zum Beispiel Verwaltungsangestellte, das Auslandsamt oder die Rechtsabteilung, die mit der erfolgreichen Umsetzung des Prozesses betraut sind. Man kann festhalten: Das Master-Auswahlverfahren ist ein Thema, welches für einige Monate wirklich viele Personen umfassend beschäftigt und in Atem hält. Wenn man bedenkt, dass es zudem jährlich anfällt, so stellt sich automatisch die Frage nach Verbesserung und Optimierung des Verfahrens, der Abläufe und Organisation, aber ebenso natürlich die Frage nach Gerechtigkeit und Fairness, sowie der Menschlichkeit im Prozess.

Wo haben uns die vergangenen Jahre hingeführt?

Dieses Jahr wurde das erste Mal ein Zulassungstest am Psychologischen Institut in Heidelberg umgesetzt. Die Umsetzung dieses Tests war ein Prozess langanhaltender und umfassender Diskussion von Professoren/Innen, wissenschaftlichen Mitarbeiter/Innen und Student/Innen. Es wurde in Gremien diskutiert und Sonderausschüsse gebildet. Der Wunsch, einen fairen und aussagekräftigen Auswahltest umzusetzen, schwelte schon lange am Psychologischen Institut, doch dauerte es über 3 Jahre, diesen Plan schlussendlich in die Tat umzusetzen.

Was ist vom Verfahren 2016 zum Verfahren 2017 verändert worden?

Das Motivationsschreiben, welches eine der drei Säulen des bisherigen Auswahlverfahrens dargestellt hatte, wurde mit einem Test, also einer schriftlichen Prüfung, ersetzt. Ich möchte hier nicht die Argumente für und wider Test und Motivationsschreiben beleuchten, dies wurde in der Vergangenheit umfassend diskutiert. Ich will nur sagen, dass beide Vorgehensweisen ihre speziellen Vor- und Nachteile haben und sich am Ende der Test wegen seiner als höher eingestuften Objektivität, Ökonomie der Organisation und Validität als Prädiktor in der Diskussion durchgesetzt hat (-> „quod esset demonstrandum!“).

Testdurchführung im Hörsaal Chemie

Der Test wurde unter der Federführung von Herrn Prof. Dr. Dirk Hagemann im Auftrag des Zulassungsausschusses Psychologie Heidelberg zusammengestellt und administriert. Der Test gestaltete sich als 90-minütige Klausur und wurde im großen Hörsaal der Chemie umgesetzt. Insgesamt kamen am ersten Termin, dem 26.06.2017, 296 Teilnehmer/Innen für den DCP und noch einmal 120 Teilnehmer/ für den OBAC. Am Nachholtermin, dem 10.07.2017, waren es immerhin noch einmal 41 Teilnehmer für den DCP und noch einmal 16 Teilnehmer für den OBAC. Insgesamt haben 473 der rund 850 Bewerber auf die Masterstudienplätze den Test mitgeschrieben. Wenn man bedenkt, dass im DCP 64 Studienplätze und im OBAC noch einmal 26 Studienplätze zu vergeben sind, dann ist einem schnell klar, welchen Stress der Test trotz seiner Freiwilligkeit darstellt.

An dieser Stelle möchte ich gerne ein paar Worte an die Student/Innen geben, welche den Test geschrieben haben. Ich habe selten eine so zielstrebige, engagierte, kämpferische, aber auch ‘brave’ Population gesehen. Nachdem die Plätze eingenommen worden sind und der Test gestartet wurde, war es abgesehen von den rhythmischen Schreibgeräuschen totenstill im Raum. Dies hat mich im positiven Sinn schwer beeindruckt. Nachdem die Ersten schon nach 50 Minuten abgeben wollten, haben wir gestattet, dass man nach 60 Minuten und schließlich nach 90 Minuten den Raum wieder verlassen kann.

Was denke ich über die Einführung des Master-Auswahltests?

Ich bin der Meinung, dass der Test, im Vergleich zu den Motivationsschreiben, vom Arbeitsaufwand im Verfahren um einiges ökonomischer ist. Ich denke zudem, dass der Test deutlich objektiver ist und ich bin ebenfalls der Meinung, dass der Test eine höhere Validität aufweist als das Motivationsschreiben. Ich kann jedoch auch sehr gut verstehen, wenn man hier anders denkt, beziehungsweise die Vorteile anderer Bewerbungsverfahren und -instrumente, vor allem des Motivationsschreibens, sieht. Ich bin froh, dass die erste Umsetzung des Auswahltests so gut funktioniert hat und wir über die Administration des Tests einiges gelernt haben (z.B.: mehrere Registrierungsschlangen beim Einlass; größere Zeitspanne zwischen DCP und OBAC-Test). Das erste Stimmungsbild der Student/Innen war im Großen und Ganzen positiv dem Test gegenüber – der Test wurde im Nachhinein subjektiv als hart aber fair und dem Motivationsschreiben überlegen bewertet. Man kann gespannt bleiben, wie es mit dem Test weitergehen wird. Kein Verfahren ist perfekt, aber ich bin davon überzeugt, dass wir in Heidelberg ein gutes Auswahlverfahren haben.

Mein Fazit: Das Master-Auswahlverfahren war schon immer und bleibt wohl zukünftig ein heikles Thema am Psychologischen Institut in Heidelberg, aber dies ist auch gut so! Es muss weiterhin kritisch und fair über die Prozesse und auch das Verfahren innerhalb des Psychologischen Institutes diskutiert werden. Die Zulassungsordnung, auf deren Basis das Verfahren beruht, ist hier das maßgebliche Dokument, dessen Umsetzung strikt Folge zu leisten ist. Es bleibt natürlich zu bemerken, dass dieses Dokument änderbar und debattierbar ist.

Mir ist besonders wichtig noch einmal festzuhalten, dass das Verfahren zusätzlich zu der normalen Arbeit, die meine lieben Kolleg/Innen haben, von diesen mitgetragen wird. Der Dank für die Arbeit sind häufig nur Worte und ein Gefühl im Rahmen des Möglichen zu einem fairen und gerechten Urteil gekommen zu sein Ich möchte diese Gelegenheit noch einmal nutzen um zu sagen: Vielen, herzlichen Dank von mir persönlich für die tolle Unterstützung über die letzten vier Jahre hinweg. Danke!

Ich bedanke mich noch einmal abschließend bei all denen, mit denen ich im Verfahren zusammenarbeiten durfte und wünsche euch, sowie allen Bewerber/Innen für die Master-Plätze, viel Erfolg und alles Gute! Viele Grüße,

Dr. Benjamin Tauber

Probleme beim Erfassen des Grammatiklernens

In einem gerade erschienenen Beitrag von Daniel Danner, Dirk Hagemann und mir berichten wir über Messprobleme im Kontext künstlicher Grammatiken. Solche Grammatiken wurden im Kontext des impliziten Lernens eingeführt, einer Lernform, bei der Menschen die komplizierten Abläufe von Regelsystemen ohne Lernabsicht beherrschen lernen. Das beste Beispiel dafür ist das Erlernen der Grammatik-Regeln unserer Muttersprache, die wir als Kinder erwerben ohne es wirklich zu wollen - wenn wir als Baby gewusst hätten, wie kompliziert die deutsche Grammatik ist (siehe Duden), hätten wir vielleicht jede Lust am Sprechen verloren… Jedenfalls haben wir hier ganz komplizierte Regelwerke (mehr oder weniger gut) beherrschen gelernt ohne das uns jemand in die Geheimnisse von Subjekt, Verb und Objekt eingeführt hätte.

In drei Experimenten haben wir die Tauglichkeit künstlicher Grammatiken zur Erfassung individueller Unterschiede beim impliziten Lertnen überprüft. Fragen, die uns umgetrieben haben, waren z.B.: Was passiert, wenn solche Grammatiken wiederholt präsentiert werden? Wie kann man das erworbene Wissen sauber erfassen? Was läßt sich über die Zuverlässigkeit solcher Messungen sagen? Welche Zusammenhänge bestehen zur Intelligenz?

Im Ergebnis zeigt sich, dass die Verwendung derartiger Grammatiken nur mit Vorsicht zu genießen sind, wenn es um individuelle Unterschiede geht. Hier die Zusammenfassung unseres Beitrags: “Implicit learning can be defined as learning without intention or awareness. We discuss conceptually and investigate empirically how individual differences in implicit learning can be measured with artificial grammar learning (AGL) tasks. We address whether participants should be instructed to rate the grammaticality or the novelty of letter strings and look at the impact of a knowledge test on measurement quality. We discuss these issues from a conceptual perspective and report three experiments which suggest that (1) the reliability of AGL is moderate and too low for individual assessments, (2) a knowledge test decreases task consistency and increases the correlation with reportable grammar knowledge, and (3) performance in AGL tasks is independent from general intelligence and educational attainment.”

Nachzulesen ist der komplette Beitrag hier:

Danner, D., Hagemann, D., & Funke, J. (2017). Measuring individual differences in implicit learning with artificial grammar learning tasks. Conceptual and methodological conundrums. Zeitschrift für Psychologie, 225(1), 5–19. https://doi.org/10.1027/2151-2604/a000280