Skip to content

Was bedeutet das Lösen komplexer Probleme?

Seit vielen Jahren beschäftigt mich der Umgang von Menschen mit komplexen Problemen. Angefangen hatte meine Begeisterung für das Themenfeld “Komplexes Problemlösen” (auf englisch: “complex problem solving”, CPS) bereits Mitte der 1970er Jahre mit den ersten Publikationen zur Bürgermeister-Simulation “Lohhausen“, die mich faszinierten, und fortgesetzt im Jahr 1982, als ich erstmals die computersimulierte Version einer Management-Anforderung namens “Schneiderwerkstatt” in die Hände bekam und meine Dissertation entsprechend auf computersimulierte Mikrowelten ausrichtete. Seit dieser Zeit habe ich mich kritisch-konstruktiv mit dem Themengebiet auseinandergesetzt. Darunter fiel vor allem eine Diskussion mit der Bamberger Forschungsgruppe um Dietrich Dörner, an dessen provokanten Thesen ich mich abgearbeitet hatte. Nur folgerichtig erhielt Dietrich Dörner im Jahr 2016 die Ehrendoktorwürde unserer Universität (siehe meinen damaligen Blog-Eintrag). Noch in seiner Dankesrede sprach Dietrich Dörner von mir freundschaftlich als seinem “ältesten Feind”.

Wir haben - nicht nur bei der Gelegenheit der Ehrung - darüber diskutiert, wie sich das Feld des komplexen Problemlösens seit den 1970er Jahren entwickelt hat. Wir beide standen unter dem Eindruck, dass sich die Validität des seinerzeitig eingeführten Konstrukts im Zuge der Entwicklung von “minimal complex systems” subtil verändert hatte. Erst recht hat der leise Übergang der Interpretation des Kürzels MCS als “minimal complex systems” zu “multiple complex systems” das Problem verschärft, suggeriert die neue Begriffsverwendung doch mehr als zuvor die Verwendung “wahrer” komplexer Systeme (die in Wirklichkeit aber sehr einfach sind und mit Hilfe einer einzigen Strategie zu bewältigen sind).

Diese gemeinsamen Diskussionen haben sich nun in einem Aufsatz manifestiert, der unserer beider Gedanken zum Thema festhält. Das Besondere an diesem Beitrag: Es ist das erste Mal seit 40 Jahren, dass wir beide - Dietrich Dörner und ich - etwas gemeinsam verfasst haben. Toll, dass nach so vielen Jahren des Streits ein Konsens feststellbar ist! Die “Authors Note” des Artikels in ihrer jetzigen Form lautet “After more than 40 years of controversial discussions between both authors, this is the first joint paper. We are happy to have done this now! We have found common ground!” - um ein Haar (und am liebsten!) hätte der Setzer übrigens daraus gemacht: “Both authors contributed equally”. Ich bin froh, dass der Setzer meinem Textvorschlag, auf dem wir insistiert haben, gefolgt ist!

Schon in der Diskussionsrunde von 1999 (Funke, Buchner, Dörner, Süß, & Vollmeyer, 1999. Diskussionsrunde zum Themenheft “Komplexes Problemlösen.” Psychologische Rundschau, 50(4), 229–233. http://doi.org/10.1026//0033-3042.50.4.229) sagte Dietrich Dörner über die Zukunft des komplexen Problemlösens: “lch bin mir aber hinsichtlich der Zukunft dieses Forschungsbereiches überhaupt nicht sicher. An manchen Stellen wurde er denaturiert dadurch, daß man etwa aus komplexen Szenarios ‘Tests’ machen wollte” - ja, genau das haben wir gemacht :-) Und waren sehr erfolgreich damit! Allerdings habe ich in unseren Arbeiten für die OECD im Rahmen von PISA 2012 Problem Solving den Begriff “interactive problem solving” (und nicht “complex problem solving”) verwendet. Genau an dieser falsch verstandenen Interpretation von interaktivem Problemlösen als komplexem Problemlösen setzt jetzt aber auch unsere Kritik erneut an. Interaktives Problemlösen und komplexes Problemlösen sind zweierlei Dinge.

Hier unser Abstract: “Computer-simulated scenarios have been part of psychological research on problem solving for more than 40 years. The shift in emphasis from simple toy problems to complex, more real-life oriented problems has been accompanied by discussions about the best ways to assess the process of solving complex problems. Psychometric issues such as reliable assessments and addressing correlations with other instruments have been in the foreground of these discussions and have left the content validity of complex problem solving in the background. In this paper, we return the focus to content issues and address the important features that define complex problems.”

Wir schlagen eine erweiterte Definition des komplexen Problemlösens vor, die über die häufig zitierte CPS-Definition von Frensch und Funke (1995) in mehrfacher Hinsicht hinausgeht. Dort wurde gesagt (p. 18): Komplexes Problemlösen “… occurs to overcome barriers between a given state and a desired goal state by means of behavioral and/or cognitive, multi-step activities. [In CPS,] the given state, goal state, and barriers … are complex, change dynamically during problem solving, and are intransparent, [and] the exact properties of the given state, goal state, and barriers are unknown to the solver. …” Wir sehen in unserer neuen Definition fünf Punkte als wichtig an: (1) Komplexes Problemlösen besteht aus selbst-regulierten psychologischen Prozessen und Aktivitäten, die in dynamischen Umgebungen zum Erreichen schlecht definierter Ziele nötig sind die nicht mittels Routinen erreicht werden können. (2) Benöätigt werden dazu kreative Verknüpfungen von Wissen und ein umfangreicher Satz an Strategien. (3) Lösungen derartiger Probleme sind selten perfekt oder optimal, sondern meist vom Typ „Frickelei“ (bricolage). (4) Der Problemlöseprozeß umfasst kognitive, emotionale, und motivationale Aspekte, besonders bei wichtigen Situationen. (5) Komplexes Problemlösen stellt normalerweise wissensintensive Anforderungen und findet in Kollaboration mit anderen Personen statt.

Dass Wirklichkeitssinn und Möglichkeitssinn (Phantasie!) konzeptuelle Bestandteile einer Theorie des Umgangs mit komplexen Anforderungen sein sollten, wird vermutlich nicht überraschen. Umwelten, die mit nur einer Strategie wie VOTAT bewältigt werden können, fallen nicht unter unser Verständnis komplexer Probleme.

Nachzulesen ist das Ganze im gerade erschienen Beitrag im Open-Access-Journal “Frontiers in Psychology”:

Dörner, D., & Funke, J. (2017). Complex problem solving: What it is and what it is not. Frontiers in Psychology, 8 (1153). doi: 10.3389/fpsyg.2017.01153

Preis für Friedenspsychologie an Anne-Louise Göhring

Gastbeitrag von Prof. Dr. Ursula Christmann

Gert-Sommer-Preis für Friedenspsychologie geht an Anne-Louise Göhring

Frau Anne-Louise Göhring hat für Ihre Masterarbeit „Die Macht der Metapher. Der Metapher-Framing Effekt in der politischen Meinungsbildung“  am 17.6.2017 den mit 1000.- Euro dotierten Gert-Sommer-Preis für Friedenspsychologie erhalten.  Wir gratulieren herzlich und freuen uns sehr, dass eine Arbeit aus unserem Institut (Betreuung: Ursula Christmann / Norbert Groeben) mit dieser hohen Auszeichnung geehrt wurde. In der Begründung der Kommission heißt es: „Ihre Arbeit hat uns besonders beeindruckt - sowohl methodisch als auch aufgrund ihrer eindeutigen friedenspsychologischen Relevanz und ihrer hochaktuellen gesellschaftspolitischen Bedeutung“.

Im Mittelpunkt der Arbeit steht die Frage, ob sprachliche Bilder die Macht haben, unser Fühlen, Denken, Entscheiden und Handeln zu beeinflussen, und ob sie maßgeblich zur Meinungsbildung in Politik und Gesellschaft  beitragen können. Theoretisch geht Frau Göhring dabei vom sog. Metapher-Framing-Modell  aus (Robins, 1996), nach dem Metaphern als Deutungsrahmen (Frame) beim Verstehen eines Sachverhalts wirksam werden und damit auch als Werkzeug der Meinungsbildung genutzt werden können.

Frau Göhring hat den Metaphern-Framing-Effekt erstmals in drei Bereichen der aktuellen  politischen Kommunikation untersucht: „Flüchtlingskrise“, „Übergriffe auf Frauen in der Silvesternacht in Köln“ und „radikaler Islamismus“. Sie konnte den Effekt empirisch auf emotionaler, kognitiver und konativer Ebene nachweisen. Danach führt der Gebrauch von Metaphern in kurzen Texten zu aktuellen politischen Problemen im Vergleich zu nicht-metaphorischen Texten gleichen Inhalts zunächst einmal zu emotional negativeren Reaktionen. Die Effekte auf kognitiver und konativer Ebene werden durch das Vorwissen moderiert: Nur Personen mit geringen Vorkenntnissen in den jeweiligen thematischen Bereichen werden in ihren Einstellungen sowie in der Bewertung von Maßnahmen zur Lösung politischer Probleme durch die Metaphern beeinflusst. Dem inhaltlichen Vorwissen der Rezipienten/innen kommt also eine entscheidende Moderatorfunktion zu - ein Ergebnis, das nicht nur von theoretischer Relevanz, sondern auch gerade für den Bereich der politischen Bildung und Aufklärung von praktischer Brisanz ist.

Nachhaltigkeit als Thema im Senat

Einmal im Jahr tagen zwei wichtige Gremien unserer Universität gemeinsam: Der Akademische Senat und der Universitätsrat. In diesem Jahr fand die gemeinsame Sitzung am Montag 10.7.2017 statt. Neben der Diskussion des Jahresberichts des Rektorats standen zwei weitere Themen, Diversity und Nachhaltigkeit, auf der Tagesordnung.

Zum Thema “Nachhaltigkeit” habe ich einen kleinen Impuls gegeben unter dem Titel “Ökologische Nachhaltigkeit: Ein wichtiges Thema für die Exzellenz-Universität Heidelberg”, der hier nochmal wiedergegeben sei, da eine Diskussion darüber im Gremium aus Zeitgründen entfallen mußte:

“… Sie werden sich vielleicht fragen, warum ausgerechnet ich als Psychologe Sie mit diesem Impuls zum Thema Nachhaltigkeit anregen soll zu einer hoffentlich lebendigen Diskussion. Ich hatte mir eigentlich gewünscht, dass an dieser Stelle unser Physiker Ulrich Platt vom Institut für Umweltphysik spricht. Er ist eine Autorität auf diesem Gebiet und hätte viele Details klären können, die ich überhaupt nicht gut kenne. Leider ist er auf einer Auslandsreise.

Auf den zweiten Blick freut es mich dann doch wieder, dass die Aufgabe des Impuls-Gebens mir zugefallen ist, und dass ich sogar einiges dazu sagen kann, allerdings aus einer etwas anderen Perspektive: Mein eigenes Forschungsthema lautet „Denken und Problemlösen“. Ich beschäftige mich z.B. damit, wie Menschen mit Unsicherheit und Komplexität umgehen, welche Fehler sie dabei machen und was man zu deren Vermeidung tun kann. Ich führe zum Beispiel Trainings mit Managern durch in der Hoffnung, ihnen gute Entscheidungsstrategien zu vermitteln für den Umgang mit herausfordernden Problemlagen.

Sie ahnen schon: Denken und Problemlösen hat mit dem Blick in die Zukunft zu tun. Zukunft, die wir ja aktiv gestalten wollen. Dafür müssen wir proaktiv handeln, wenn wir nicht überrollt werden wollen von zukünftigen Entwicklungen, die man heute schon kommen sehen kann. Nachhaltigkeit hat daher viel mit vorausschauendem Denken zu tun, mit planerischer Phantasie, mit Mut zu Entscheidungen, die gelegentlich auch fehlerhaft sein werden.

Wie können ausgerechnet wir den Ausstoß von CO2 an unserer Universität begrenzen, wo doch ein Großteil wichtiger Entscheidungen außerhalb unserer direkten Reichweite liegt? Ökologische Nachhaltigkeit bedeutet verantwortungsvollen Umgang mit Ressourcen. Für die Universität Heidelberg mit über 30.000 Studierenden und über 13.000 Beschäftigten bedeutet dies z.B. ein Nachdenken über Verkehrsmittel, über Energieverbrauch, über Wasserverbrauch.

Schauen wir nur einmal auf die Energiekosten, die (Stand 2016) bei 12.7 Mio Euro pro Jahr (inklusive Wasser) liegen. Das Verbrauchsprofil der Universität wäre – so sagt unser Umweltphysiker Ulrich Platt – günstig für die Verwendung von Solarenergie für den Eigenverbrauch! Die Kostenersparnis läge hier bei etwa 10 Cent pro kWh. Würden wir nur einen kleinen Teil des Jahres-Stromverbrauchs von 45 Gkwh (Stand: 2016) selbst erzeugen, käme schon ein beachtlicher Betrag zusammen. Nachhaltigkeit könnte hier also gleichzeitig eine Reduktion von CO2 und eine Kostenreduktion bedeuten!

Ökonomische Perspektiven sind wichtig, aber wir reden hier nicht nur vom Geld, sondern vor allem von unserer Zukunft. Es geht darum, den Nachhaltigkeitsgedanken in den Köpfen möglichst vieler Personen zu verankern und vom Nachdenken über Nachhaltigkeit zum nachhaltigen Handeln zu kommen. „Bildung für Nachhaltige Entwicklung“ – abgekürzt BNE - heißt ein wichtiges Programm der Bundesregierung, aber auch unsere Landesregierung legt großen Wert darauf: Das Hochschulnetzwerk BNE, das auch unsere Universität sowie die PH umfasst, ist im letzten Jahr vom Rat für Nachhaltigkeit mit einem Qualitätssiegel ausgezeichnet worden. Das ist doch schon mal ein Anfang!

Nachhaltigkeit als integraler Bestandteil von Forschung und Lehre, Einbeziehung und Schulung der Beschäftigten, Umweltschutz über das gesetzlich geforderte Maß hinaus, Reduktion von Ressourcenverbrauch und Umweltbelastungen, energetische Sanierung und Modernisierung von Gebäuden, Beschaffungen und Investitionen nach ökologischen Gesichtspunkten, Umsetzung umweltfreundlicher Verkehrskonzepte – so ein paar Schlagworte, die ich den Umweltleitlinien der Universität Tübingen aus dem Jahr 2009 entnommen habe. Warum gibt es keine solchen Umweltleitlinien unserer Universität? Vielleicht sollten wir gleich über Nachhaltigkeitsleitlinien reden?

Ich würde mir wünschen, dass wir als eine der traditionsreichsten Universitäten weltweit mit leuchtendem Vorbild vorangehen und zeigen, dass wissenschaftliche Exzellenz und ökologische Nachhaltigkeit nicht in Widerspruch zueinanderstehen. Wir sind als Wissenschaftler eigentlich prädestiniert, komplexe Probleme zu identifizieren, zu analysieren und zu vernünftigen Lösungen zu kommen. Ich würde mir wünschen, dass wir mit vorbildlichen Projekten zeigen, dass uns die Zukunft unseres Planeten am Herzen liegt und wir vorausschauend handeln. Um ein Wort des Unternehmers Klaus Wiegandt aufzugreifen, dessen Interview Sie als Tischvorlage vor sich finden: Lassen Sie uns Mut zur Nachhaltigkeit aufbringen! Lassen Sie uns durch unser aktives Tun die abstrakte Idee der Nachhaltigkeit in die konkrete Wirklichkeit unserer Universität umsetzen! Danke!”

Ich bin gespannt, was dieser Impuls bewirken wird! Auf jeden Fall wurde in persönlichen Gesprächen im Anschluß an unsere Sitzung deutlich, dass unsere Uni schon an vielen Stellen nachhaltig aufgestellt ist (z.B. energieeffizientes Rechenzentrum), dies aber noch zu wenig sichtbar gemacht hat, auf der anderen Seite aber auch viele offene und ungeklärte “Baustellen” aufweist. Vielleicht braucht es einen Masterplan? Eine Stabsstelle? Auf jeden Fall steht das Thema Nachhaltigkeit im Raum!

Poetikdozentur 2017: Frank Witzel

A. Müller, RNZ)

Dekan Jörg Rieke mit Frank Witzel am 22.6.17 in der Alten Aula (Foto: A. Müller, RNZ)

Wiederholt habe ich in meinem Blog über unsere Poetikdozenturen berichtet (in 2016 über Felicitas Hoppe;, in 2014 über Wilhelm Genazino; in 2012 über Patrick Roth; in 2010 über Bernhard Schlink; in 2008 über Peter Bieri; in 2006 über Hanns-Josef Ortheil; in 2001 ging die Dozentur an Ursula Berkéwitz, in 2000 an Eckhard Henscheid; angefangen hat das Projekt übrigens 1993 mit Martin Walser). Diesmal wurde Frank Witzel auserkoren, der im Jahre 2015 den Deutschen Buchpreis für sein Werk “Die Erfindung der Roten Armee Fraktion durch einen manisch-depressiven Teenager im Sommer 1969″ erhielt. Frank Witzel ist unser 20. Poetikdozent.

Da ich jedes Jahr versuche (es aber nicht immer schaffe), die für den Deutschen Buchpreis nominierten Titel zu lesen, hatte ich das Glück, “Die Erfindung …” (ein 800-Seiten-Werk, das aus 98 Kapiteln besteht) bereits gelesen zu haben. Es hatte mich seinerzeit sehr amüsiert beim Lesen. Und nun komme ich in den Genuss, den Autor über sein Werk selbst reden zu hören! Wie schön! Seine drei Vorlesungen waren betitelt “Die Vorbereitung des Romans”, “Die Durchführung des Romans” und “Das Ende des Romans”.

Über sein Schreiben sagt der Autor: Woher die Sätze kommen, wisse er nicht - er freue sich über Literaturwissenschaftler, die ihm seinen Text erklärten. “Nun hatte ich etwas hingeschrieben, was ich nicht verstand. Fast klang es so, als wäre ich zu meiner eigenen Rätselmaschine geworden.” Herrlich: ein Schöpfer, der fassungslos neben seinem Produkt steht und sich wundert! Auf diese Weise entsteht eine “sanfte Form von Schizophrenie”: ein Teil der Person begutachtet und korrigiert einen anderen Teil dieser Person.

Lieber Herr Witzel: das kann Ihnen ein Psychologe vermutlich besser erklären als ein Literaturwissenschaftler! Die Kreativitätsforschung kennt diese Situation, die Sie so schön beschreiben, unter dem Begriff der “Ich-Ferne”, also des Moments, wo man statt “ich schreibe” sagt “es schreibt aus mir heraus”. Aber natürlich verschiebt sich damit nur die Frage auf den Punkt, was es mit diesem rätselhaften “Es” auf sich hat…

Ein Wermutstropfen: Seine dritte und letzte Poetik-Vorlesung “Das Ende des Romans” fand ich kaum verständlich und zumindest mich hatte er in dieser Stunde verloren. Das zum Schluß an die Tafel gemalte chinesische Schriftzeichen (hier anzusehen - es stellt einen Strohballen dar, unter dem ein Feuer entzündet wird) bezeichnet das, was ich verstanden habe: nichts. Stroh wurde zu Asche: stimmt!

Entschädigt hat mich dafür der Fund eines älteren Romans von Frank Witzel: “Bluemoon Baby” von 2001. Eine amüsante Verschwörungsgeschichte mit witzigen Charakteren, über die ich lachen konnte. Was ist schon eine unverstandene Vorlesung gegen einen unterhaltsamen Roman! Damit bin ich wieder versöhnt!

Tajfel Award 2017 für Klaus Fiedler

Auf ihrem Jahrestreffen in Granada (Spanien) hat die “European Association of Social Psychology” (EASP) den ehrenvollen Tajfel-Award 2017 an unseren Kollegen Klaus Fiedler verliehen. Herzlichen Glückwunsch zu dieser wunderbaren Auszeichnung!

Im Namen des Exekutivkomitees (EC) der EASP schreibt Manuela Barroto für den Vorstand: “We considered the career-long contributions to social psychology with regard to theory development, methodological advances, breadth of contribution, mentoring of early career scholars from a variety of backgrounds and nationalities, and contributions made to the discipline through editorial and executive posts. We made a serious effort to consider candidates in holistic terms, rather than based only on a narrow definition of excellence, and to consider a diverse selection of candidates. After much careful consideration, we are honoured to announce that the 2017 Tajfel award goes to our colleague Klaus Fiedler. As I am certain most EASP members recognise, Klaus is a truly outstanding scholar and has contributed to the discipline in all of the ways described above—and much more! Klaus will be delivering the Tajfel lecture at our next GM, in Granada—come and listen to exactly why he is more than deserving of this award! On behalf of the EC and the members of EASP, I wish to congratulate Klaus on the sustained excellence of his scholarship and to thank him for all his work on behalf of social psychology.”

Eine tolle Würdigung des Lebenswerks! Lieber Klaus: Wir sind stolz, dass Du seit 1993 in Heidelberg bist und durch Deine Forschung unser Institut hast leuchten lassen! Ein wenig Glanz fällt ja auch für uns ab :-) Dass wir nicht immer einer Meinung waren, kann sich nur auf Äußerlichkeiten bezogen haben. In vielen akademischen Fragen hast Du uns gut beraten und wir sind froh, Dich nach wie vor als Ratgeber in unseren Reihen zu wissen. Noch besser: zu wissen, dass Dein Lebenswerk keinesfalls abgeschlossen ist, sondern immer wieder neue Beiträge hervorbringt!

Mehr zum Preis, der nach Henri Tajfel benannt ist, findet man hier.

Honorarprofessor Robert Sternberg in Heidelberg

Wieder einmal war unser Honorarprofessor Robert Sternberg mit seiner Frau Dr. Karin Sternberg und seinen  Drillingen Melody, Sammy und Brittany (sie gehen schon zur Schule!) zu Besuch in Heidelberg. Er hat in drei Tagen ein volles (triarchisches) Programm gehabt:

  • Wednesday 28.06.2017: Public Lecture “Love: Insights from theory and data”
  • Thursday 29.06.2017: Lecture-style Seminar “Creativity, wisdom, communication” (Part 1)
  • Friday 30.06.2017: Lecture-style Seminar “Creativity, wisdom, communication” (Part 2)

Daneben waren verschiedene Treffen mit Doktorandinnen und Doktoranden sowie mit Mitgliedern unseres Kollegiums anberaumt. Auch gemeinsame Mittags- und Abendessen gehören dazu.

Sein erster Besuch in Heidelberg war Ende April 2005, seine Honorarprofessur hat er im Jahr 2007 erhalten, seither kommt er regelmäßig (einmal jährlich) und hält unterhaltsame Vorlesungen und Seminare in Heidelberg ab. Diesmal war es das 10jährige Jubiläum seiner Professur, das wir gefeiert haben. Wir sind sehr froh, unsere Studierenden in Kontakt mit diesem herausragenden Kollegen zu bringen.

Ich selbst freue mich jedesmal, Bob und seine Familie wiederzusehen. Unsere erste Begegnung liegt inzwischen 25 Jahre zurück. Wir hatten wie immer viel Spaß miteinander, aber auch die Arbeit kommt nicht zu kurz - die Planung für ein gemeinsames Buchprojekt ist auf den Weg gebracht.

Deutscher Mobilitätspreis 2017 für InReakt

Gestern wurden in Berlin 10 bundesweite Projekte mit dem Deutschen Mobilitätspreis 2017 ausgezeichnet, darunter unser BMBF-Projekt “InReakt“, an dem wir (Carolin Baumann, Teresa Krämer und ich) von 2013-2016 teilgenommen haben (hier unsere Projektseite). Wir freuen uns gemeinsam mit unseren Projektpartnern über diese tolle Anerkennung! Bei insgesamt 170 Bewerbungen 10 Gewinner: sehr kompetitiv!

Auf der Webseite, die unsere Arbeit beschreibt, ist ein Video zu sehen, das in guter Weise zusammenfasst, woran wir gearbeitet haben: https://deutscher-mobilitaetspreis.de/preistraeger/best-practice-2017/inreakt Nachfolgend die Presseerklärung, die anläßlich der Preisverleihung veröffentlicht wurde:

Was ist InREAKT?

Stellen Sie sich vor, Sie benötigen an einer Haltestelle oder in Bus oder Bahn dringend Hilfe – und keiner merkt es!

Gewalt, Sachbeschädigungen und Vandalismus können dazu führen, dass sich Fahrgäste bei der Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel – besonders nachts – unwohl fühlen oder diese ganz meiden. Und auch Mitarbeiter von Verkehrsunternehmen können in sicherheitskritische Situationen oder medizinische Notfälle geraten. Einem effektiven Notfall-Management kommt deshalb eine große Bedeutung zu, um das Vertrauen in den ÖPNV zu stärken. Dieses Ziel verfolgt das System InREAKT, das in einem vom Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderten Projekt entwickelt wurde. Nun werden weitere Partner aus der Praxis benötigt, um eine Pilotanwendung zu realisieren und das System weiterzuentwickeln. Interessierte Verkehrsunternehmen werden gebeten, sich über das Kontaktformular www.inreakt.de zu melden.

Kernidee ist der IT-gestützte Ablauf einer integrierten Hilfe-Reaktionskette, die aus folgenden Elementen besteht: Erkennen eines hilfebedürftigen Menschen, Melden einer erkannten Situation, Verständigen von Reaktionskräften und Intervenieren am Ereignisort. Das Projekt baut dabei voll auf digitale Technik: Zum Einsatz kommen beispielsweise eine optische Sensorik zur Erkennung der Situation, ein softwarebasiertes Ereignis-Management-System mit Handlungsempfehlungen, das die Leitstelle des Verkehrsunternehmens unterstützt, und eine speziell programmierte Mitarbeiter-App. Alle technischen Arbeiten wurden durch interdisziplinäre gesellschaftswissenschaftliche Begleitforschung unterstützt, um die Akzeptanz bei Fahrgästen zu gewährleisten.

InREAKT sorgt durch den Aufbau von integrierten Hilfe-Reaktionsketten für ein verbessertes Notfall-Management im ÖPNV sowie ein gesteigertes Sicherheitsempfinden. Die Lösung schafft Vertrauen bei Fahrgästen und Mitarbeitern und stärkt so den öffentlichen Verkehr.

Urkunde

Die Urkunde (zum Vergrößern klicken)

Über den Deutschen Mobilitätspreis

Deutschlandweit bewarben sich rund 170 Start-ups, Unternehmen, Verbände und Forschungsinstitutionen mit ihren Projekten um die bundesweite Auszeichnung.

„Deutschland ist das Mobilitätsland Nr. 1! Mit dem Deutschen Mobilitätspreis fördern wir bewegende Innovationen ‚Made in Germany‘. Denn mit den besten Ideen werden wir zum Vorreiter für die Mobilität 4.0!“, so Alexander Dobrindt, Bundesminister für Verkehr und digitale Infrastruktur.

„Die Preisträger zeigen, wie digitale Innovationen Mobilität noch sicherer machen können. Die Menschen hinter den Projekten leisten mit ihrer Kreativität und ihrem Engagement einen wichtigen Beitrag zur Zukunftsfähigkeit unseres Landes“, so Dieter Kempf, Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Industrie e. V. (BDI) und Präsident des Deutschland – Land der Ideen e. V.

Mit dem Deutschen Mobilitätspreis machen die Initiative „Deutschland – Land der Ideen“ und das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur intelligente Mobilitätslösungen und digitale Innovationen öffentlich sichtbar. Folgende Mitglieder der Plattform „Digitale Netze und Mobilität“ des Digital-Gipfels unterstützen den Deutschen Mobilitätspreis: Continental Automotive GmbH, Deutsche Bahn AG, Deutsche Telekom AG, Ericsson GmbH, Esri Deutschland GmbH, Huawei Technologies Deutschland GmbH und der Verband Deutscher Verkehrsunternehmen e.V.

hier der Blog-Eintrag von 2013 zum Start von InReakt und hier der zum Abschluß in 2016.

Hirschhausens Check-Up

Im aktuellen Fernsehprogramm der ARD läuft an drei Montag-Abenden (12.6.: “Wie gutes Altern gelingt”; 19.6.: “Wie die Mitte des Lebens gelingt” und 26.6.2017: “Wie der Start ins Leben gelingt“) um 20:15 eine Sendung unter dem Titel “Hirschhausens Check-up“. Drei Folgen beschäftigen sich mit der Entwicklung des Menschen, vom Baby über die Lebensmitte bis ins hohe Erwachsenenalter. An zwei der drei Folgen sind Heidelberger Psychologen aus unserem Institut beteiligt: über das Alter spricht Hans-Werner Wahl, über die Kinder Sabina Pauen.

Hans-Werner Wahl kommentiert Testleistungen älterer Personen: http://www.daserste.de/information/ratgeber-service/hirschhausens-check-up/videos/hirschhausens-check-up-folge-1-video-100.html

Das “Nasch-Experiment” wird hier gezeigt: http://www.daserste.de/information/ratgeber-service/hirschhausens-check-up/videos/CheckUp_Kindheit_Naschexperiment_Homepage-100.html

und das Interview mit Sabina Pauen dazu zum Thema “Selbstregulation”: http://www.daserste.de/information/ratgeber-service/hirschhausens-check-up/videos/CheckUp_Kindheit_NaschexperimentInterview_Homepage-100.html

Schön, dass Forschung verständlich präsentiert wird!

Kellerausbau abgeschlossen

Was sehr lange währt, wird hoffentlich sehr gut: Wir haben in diesen Tagen den Ausbau des Kellers im Hintergebäude (Alte Anatomie) nach mehreren Jahren Bauzeit abgeschlossen. Heute, am 8.6.2017, fand um 11:15 die Schlüsselübergabe statt (nach abgesagten Übergabeterminen am 3.4.17, am 18.5.17 und am 7.6.17 - dreimal hatten wir Sekt kaltgestellt, dreimal war ich froh, die Flaschen noch nicht entkorkt zu haben). Damit kann nun die Möblierung und weitere Ausstattung der Räumlichkeiten beginnen. Am Ende werden nun 20 gut ausgestattete, moderne Laborplätze für experimentelle Untersuchungen im Rahmen der Methodenausbildung unserer Studierenden (incl. einer Kabine für Blickbewegungsmessungen) ebenso zur Verfügung stehen wir ein großer Arbeitsraum für Studierende und eine kleine Sitzecke im Halbrund samt Kaffeeautomat. Insgesamt gewinnen wir 270 qm Nutzfläche hinzu.

Lange gedauert hat es tatsächlich! Zurück geht das ganze Vorhaben auf unseren Wunsch hin, wie im Vordergebäude so auch im Hintergebäude des PI einen Fahrstuhl zu haben, damit unsere Rolli-Fahrer problemlos in die Räume im ersten Stock kommen. Auslöser war ein Beinahe-Unfall im Jahr 1999, bei dem wir zu vier Personen einen Rolli-Fahrer in seinem Rollstuhl die ausgetretene Treppe im zentralen Aufgang des Hintergebäudes hochtrugen und einer der Träger plötzlich abrutschte…. Wir hatten großes Glück, dass nichts Schlimmes passiert war.

Fahrstuhl Bauvorbereitung

Fahrstuhl Bauvorbereitung (zum Vergrößern anklicken)

Loch vor dem Eingang zum EEG-Labor (anklicken zum Vergrößern)

Loch vor dem Eingang zum EEG-Labor (anklicken zum Vergrößern)

Fahrstuhlschacht (zum Vergrößern anklicken)

Fahrstuhlschacht (zum Vergrößern anklicken)

fertiger Fahrstuhl im EG

fertiger Fahrstuhl im EG (zum Vergrößern anklicken)

Bereits im Jahr 1999 hatte ich als damaliger Geschäftsführender Direktor diesbezüglich die ersten Schritte eingeleitet. Über lange Zeit passierte nichts, denn schnell wurde klar: der Einbau eines Fahrstuhls in ein Gebäude von 1859 ist sehr schwierig und kostet viel Geld. Und: es wäre sinnvoll, den Fahrstuhl nicht nur vom Erdgeschoß in den ersten Stock, sondern bis in den Keller zu planen (der Fahrstuhl ist übrigens seit September 2015 fahrbereit, siehe den damaligen Blog-Eintrag). Der Keller war zu dem Zeitpunkt ein Aktenlager und enthielt zudem die Heiztechnik; in den Heizungsräumen entstand damals unter der Regie von Bernd Reuschenbach das Video “Das Boot (Heidelberg Version)” - auch bekannt unter dem Titel “hier möchte man nicht begraben sein”. Wir erkannten damals: da läßt sich etwas Schönes machen (wenngleich mit großem Aufwand!) und bringt zudem auch große Nutzflächen, nämlich mehr als 250qm zusätzlich!

Keller vorher

Keller vorher (zum Vergrößern anklicken)

Keller nachher

Keller nachher (zum Vergrößern anklicken)

Experimentelle Praktika und empirische Untersuchungen, die Rahmen des Bachelor- und Madsterstudiengangs Psychologie selbstverständlicher Bestanteil der Lehre sind, wurden bis vor einigen Jahren im 1. Stock des Hintergebäudes durchgeführt. Unsere Arbeitseinheit Allgemeine und Theoretische Psychologie (ATP) hat traditionell diese Räume verwaltet und darüberhinaus allen, die am Institut Räume für Datenerhebungen brauchten, zur Verfügung gestellt. Im Lichte des geplanten Kellerausbaus wurden Rearrangements vorgenommen: Vier Erhebungsräume (A131, A131a, A132 und A132a) wurden bereits 2012 an die Klinische Psychologie übergeben, im Gegenzug standen für die (insgesamt dann doch fünfjährige!) Übergangszeit im Erdgeschoß drei kleine Räume zur Verfügung (A008, A009 und A010; 2015 kam auch noch der große Raum A007 dazu). Die mehrjährige Übergangszeit hat viele organisatorische Kompromisse erfordert, die vor allem die Studierenden ertragen mussten, die ihre Daten im Rahmen von Qualifizierungs- und Abschlußarbeiten erhoben haben. Danke, dass das ohne großes Murren verlief!

Laborplatz

Laborplatz (zum Vergrößern anklicken)

Dieser Prozess ist nun nach vielen Jahren abgeschlossen (wegen Lücken in der Baufinanzierung kam das Projekt mehrmals zum Erliegen)! Wenn ich richtig zähle, begleite ich dieses Vorhaben also seit 18 Jahren! Nun also können wir die neuen Räume nutzen und sind begeistert, was sich hier für Möglichkeiten eröffnen! Dankbar können wir dem Architekturbüro Schwarz Architektur sein, insbesondere Harald Schwarz und Annika Hees, die unsere Wünsche - wie ich finde - in phantastischer Weise umgesetzt haben (ich habe einiges gelernt und gesehen, wie viele “kleine” Entscheidungen planvoll zu einem ästhetischen Gesamteindruck zusammengeführt wurden). Von seiten des VBA (Vermögen und Bau Baden-Württemberg, Amt Mannheim und Heidelberg) ist Herrn Rudolf Munz zu danken, der das gesamte Projekt durch alle Phasen öffentlicher Bauvorhaben mit dem Dschungel an Vorschriften (Stichworte: Ausschreibungen, Brandschutz, Fluchtwege) geführt hat. Auch dem Dezernat 3 der ZUV unter Leitung von Alexander Matt gebührt unser Dank! Joachim Schahn hat institutsseitig an allen Baugesprächen teilgenommen und die hauseigenen Beschaffungsvorgänge betreut. Marion Lammarsch hat die EDV-Bestückung konzeptioniert. Allen Handwerkern und Ingenieuren gilt unser Dank ebenso!

Grundriss ZVL

Grundriss ZVL (zum Vergrößern anklicken)

Daniel Holt, Jan Rummel und Marion Lammarsch (EDV) haben im Mai 2017 ein Nutzungskonzept vorgelegt, das Zugang und Nutzungsbedingungen regelt; dessen Tauglichkeit wird sich in den nächsten Monaten erweisen und kann nach einer Zeit der Erfahrungssammlung nochmals adjustiert werden. Der Wunsch des Professoriums: keine Überregulation! Ermöglichung von Datenerhebungen für alle, die interessante Studien planen und dort durchführen wollen! Ich wünsche unserem Zentralen Verhaltenslabor (ZVL) wie auch dem restlichen Kellerausbau einen guten Start und intensive Nutzung!

Siehe auch den früheren Blog-Beitrag von 2015 zum Fahrstuhl http://f20.blog.uni-heidelberg.de/2015/09/07/fahrstuhl-und-kellerausbau/ und von 2013 zu den Baumassnahmen http://f20.blog.uni-heidelberg.de/2013/02/14/baumassnahmen-am-pi/

Feedback-basiertes Training beim Tailorshop

JDDM Cover Engelhart et al. (2017)

JDDM Cover Engelhart et al. (2017)

In einem gerade erschienenen Beitrag beschäftigen sich Michael Engelhart, Sebastian Sager und ich uns mit der Frage, unter welchen Bedingungen Rückmeldungen (Feedback) zu wirkungsvollen Verbesserungen bei der Steuerung dynamischer Systeme führen. Wir haben unsere Mikrowelt “IWR Tailorshop” (mehr dazu hier) verwendet und den knapp 100 Teilnehmenden unterschiedliche Feedback-Varianten geboten.

In früheren Arbeiten haben wir nichtlineare Optimierungsmethoden herangezogen, um optimale Eingriffe in das komplexe Szenario zu bestimmen und Eingriffe unserer Teilnehmer zu bewerten (eine Variable trägt den schönen Namen “what is still possible?”). Hier haben wir diese optimalen Eingriffe den Teilnehmern in verschiedenen Varianten gezeigt. Tatsächlich lernen die Teilnehmer dann am besten, wenn ihnen die exakten optimalen Werte in der Lernphase zugänglich waren (Werte-Gruppe). Zwei Lern-Runden mit Feedback zu je 10 “Monaten” (mit jeweils veränderten Startwerten) und zwei Leistungsrunden ohne Feedback dienten zur Überprüfung der Lerneffekte. Detaillierte Verlaufsanalysen der verschiedenen Bedingungen zeigen, dass die Werte-Gruppe zwar die beste Leistung zeigt, eine andere Bedingung (die Trend-Gruppe) aber ähnlich gutes (in Teilen sogar besseres) Modellwissen erwirbt. Hier sollten zukünftige Studien in die Tiefe gehen. Die Zusammenfassung unseres Artikels lautet:

“The question ‘How can humans learn efficiently to make decisions in a complex, dynamic, and uncertain environment’ is still an open question. We investigate what effects arise when feedback is given in a computer-simulated microworld that is controlled by participants. This has a direct impact on training simulators that are already in standard use in many professions, e.g., flight simulators for pilots, and a potential impact on a better understanding of human decision making in general. Our study is based on a benchmark microworld with an economic framing, the IWR Tailorshop. N=94 participants played four rounds of the microworld, each 10 months, via a web interface. We propose a new approach to quantify performance and learning, which is based on a mathematical model of the microworld and optimization. Six participant groups receive different kinds of feedback in a training phase, then results in a performance phase without feedback are analyzed. As a main result, feedback of optimal solutions in training rounds improved model knowledge, early learning, and performance, especially when this information is encoded in a graphical representation (arrows).”

Wie immer ist der Beitrag als “Open Access” frei zugänglich in unserem “Journal of Dynamic Decision Making” (JDDM) erschienen:

Engelhart, M., Funke, J., & Sager, S. (2017). A web-based feedback study on optimization-based training and analysis of human decision making. Journal of Dynamic Decision Making, 3, 2. http://doi.org/10.11588/jddm.2017.1.34608