Skip to content

Bachelor nun doch 4 statt 3 Jahre?

In “Forschung & Lehre” (Heft 3/07, Seite 130) lese ich, dass einige Wissenschaftsminister der Bundesländer schon jetzt darüber nachdenken, das Bachelorstudium von bisher 3 auf 4 Jahre zu verlängern - Grund: Auslandssemester und Praxiserfahrungen könnten dann wieder integriert werden. Ausserdem würde es die Akzeptanz bei Arbeitgebern erhöhen…

Na wunderbar, liebe Bildungspolitiker: erst zwingt ihr uns in das 3 BA + 2 MA Korsett und jetzt, wo es zu kneifen anfängt schon bevor wir damit gestartet haben, soll doch wieder alles anders kommen? Da hätten wir doch unseren wunderschönen Diplomstudiengang besser weiterführen sollen, oder?

Ich bin dafür, nach fünfjähriger Erprobung unseres neuen BSc/MSc-Konzepts kritisch zu überprüfen, ob wir nicht wieder zur alten Diplomausbildung zurückkehren können. Angeblich gibt es an der TU Dresden bereits die Situation, dass in einem Bachelor-Fach ein Antrag an das Ministerium gestellt wurde, einen abgeschafften Diplomstudiengang im Rahmen eines Modellversuchs wieder erproben zu dürfen…

{ 2 } Comments

  1. sloetz | April 3, 2007 at 3:08 | Permalink

    Nur wird leider bis da hin schon viel Porzellan an erprobter Hochschulkultur zerschlagen sein. Den hiesigen Hochschulen wurde ohne Rücksicht auf Verluste ein anglo-amerikanisches System übergestülpt. Sicherlich sind Innovationen wichtig und richtig, aber viele erhaltenswerte Traditionen, z.B. die bisherige große Freiheit der Studiengestaltung sind dann verloren gegangen (wobei ich nicht die Problematik ausblenden will, dass sich dabei auch etliche darin verloren haben).
    Und was ich bisher nirgendwo kommentiert sah sind die sozialen Folgen, die diese Umstellungen nach sich ziehen und in ihrem Ausmaß noch gar nicht erfasst werden konnten. Eine davon möchte ich kurz beschreiben, durch das achtjährige Gymnasium kommen immer mehr blutjunge Studierende (17-jährige) an die Universitäten, die jedoch keine anglo-amerikanische Campus-Situation vorfinden mit Wohnheimen, Hauswarten, Kantinen, die doch ein Mindestmaß an Sicherheit und Rückhalt den Studierenden (und auch den Eltern) geben können. Unsere Studierenden dagegen müssen sich in aller Regel auf dem freien Wohnungsmarkt eine Bleibe suchen. Hier kümmert sich dann keiner darum, ob und mit wem sie nachhause kommen, wo sie abends essen. Diese Situation eröffnet abgesehen von den sozialen Aspekten ein großes rechtliches Problemfeld. An der Münchner Uni zeigten sich kürzlich einige Dozenten bei einer mit den Erstsemestern (seit Jahren) stattfindenden mehrtägigen Exkursion überrascht, dass es plötzlich notwendig wurde die schriftliche Erlaubnis der Eltern für den alleinigen Abendausgang einiger ihrer Studenten einholen zu müssen….
    Beste Grüße
    Susanne Loetz

  2. JoFu | April 12, 2007 at 6:22 | Permalink

    Liebe Frau Loetz,

    noch ist bei uns nicht so weit - aber Ihre geschilderten Befürchtungen über die psychosozialen Konsequenzen eines frühen Studiums OHNE entsprechende Campus-Institutionen dürften nicht zu unterschätzen sein! Ab 2012 werden wir ja auch die 12-Jahres-Abiturienten bekommen, dann wird das so richtig losgehen. Wir werden sehen!

    Beste Grüße, JF

Post a Comment

Your email is never published nor shared. Required fields are marked *