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Fachtagung Entwicklungspsychologie

Die diesjährige Fachtagung Entwicklungspsychologie findet vom 24.-27.9.07 in Heidelberg statt und bringt rund 250 nationale wie internationale Forschende zusammen, die 4 Tage lang Vorträge, Symposien und Poster zum fachlichen Austausch nutzen. Sabina Pauen und ihr Team haben alles toll vorbereitet und der gestrige Auftakt im Hörsaal 2 unseres Instituts bot bereits einen sehr interessanten Beitrag zu “Early Child Care” vom renommierten Kollegen Michael Lamb aus Cambridge. Wer seine Kinder frühzeitig von anderen betreuen lässt, beschädigt damit keinesfalls die Eltern-Kind-Beziehung (das “Attachment”). Allerdings ist dieser zeitweilige Ablösungsprozess für die Kleinen stressig: vor allem abends brauchen sie deswegen extra Zuwendung, was nicht immer gelingt. In den USA werden Kinder bereits nach 3 Monaten in die Krippe gegeben, in Europa ist die Situation ein wenig anders.

Die Abendvorlesung von Michael Tomasello (MPI Leipzig) war ein grossartiger Überblick über seine Forschungen an Schimpansen. Ziele und Intentionen scheinen sie zu verstehen, allerdings schaffen sie keine Perspektivenübernahme und können auch mit false beliefs nicht umgehen (die typischen Theory of Mind-Aufgaben). RNZ Artikel TomaselloWährend sie in Hinblick auf die physikalische Welt 2jährigen Kindern gleichen, fallen sie diesen gegenüber in Hinblick auf die soziale Welt zurück. Affen scheinen eher auf Wettbewerb adaptiert, Menschen auf Kooperation und Kultur.

Die Mittagsvorlesung von Jean Mandler hat einen Irrtum Jean Piagets aufgezeigt: Die Bildung von Begriffen erfolgt nicht erst nach dem Abschluss der sensorimotorischen Phase, sondern ist eng verzahnt mit der Eroberung des Raums. Nach Meinung Mandlers reichen ca. 20 Primitive, um die räumlichen Beziehungen zu beschreiben und daraus Konzepte zu entwickeln (bei Erwachsenen gibt es ca. 50 solcher Primitive). Wichtig: am Anfang kommen die globalen Konzepte (ein Hund ist zunächst mal ein Tier, bevor es dann zu einem Hund wird), die weniger durch Merkmale als durch Aktionen ausgezeichnet sind.

Alles in allem eine Tagung, bei der ich nochmal besonders deutlich die Verzahnung zwischen Entwicklungs- und Allgemeiner Psychologie gesehen habe. Ich hoffe, dass sich diese Verzahnung auch noch an anderen Stellen (z.B. Diplom- und Doktorarbeiten) realisieren lässt!

{ 1 } Comments

  1. Ewald Dietrich | October 12, 2007 at 10:15 | Permalink

    Michael Tomasello, Keith Jensen und Josep Call haben per ultimatum game zwischen Schimpansen sozusagen den Pan oeconomicus entdeckt - in Analogie zum nicht-existenten Homo oeconomicus.

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