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Bildungsstreik? Bildungsstreik!

Rettet die Bildung

Rettet die Bildung (1997)

Ich komme von einer Podiumsdiskussion zurück, die das Heidelberger Forum für kritische Theorie und Wissenschaft zum Thema “Bildungsstreik 2009 - Sollen HochschullehrerInnen auf die Barrikaden?” veranstaltet hat.

Peter Hommelhoff (unser ehemaliger Rektor, Rechtswissenschaft), Peter Grottian (Otto-Suhr-Institut Berlin; Politikwissenschaft, bekannt durch seinen Einsatz im Komitee für Grundrechte und Demokratie) und Marius Reiser (Universität Mainz; Theologie - er ist derjenige, der seinen Lehrstuhl wegen der Bologna-Reform zurückgegeben hat, siehe meinen früheren Blogeintrag) kamen nach einem interessanten Einführungstext von Friedemann Vogel zu Wort und haben ihre Position dargestellt - interessanterweise kamen alle zum gleichen Votum: wir müssen mehr in Bildung investieren!

Vorlesung Funke vom Balkon des Friedrichsbaus Herbst 1997

Vorlesung Funke vom Balkon des Friedrichsbaus Herbst 1997

Natürlich gab es ein paar unterschiedliche Meinungen, etwa darüber, wie sehr die Bologna-Reform die Freiheit der Universität und damit Humboldt’sche Bildungsideale in Frage stellt. Dass Studierende und Lehrende Bildung auf die gesellschaftliche Agenda setzen sollten, war wiederum Konsens. Eine Möglichkeit dazu bietet sich beim Bildungsstreik 2009, der vom 15.-19.6.2009 bundesweit stattfinden soll. Peter Grottian schlug härtere Töne an, als er forderte, das solle kein “lieber” Streik werden. Wie so oft, trennen sich bei gleicher Zielsetzung doch die Wege, wenn es um die Wahl der Mittel geht.

Schon jetzt sollten wir im PI nachdenken, wie wir alle zusammen diese Tage gestalten können - auf dem Heimweg (ein Abstecher bei der Wahlkampfrede von Sahra Wagenknecht in Hörsaal 10 war sehr lohnenswert - linke Positionen in Reinkultur! Dazu eine brilliante Rhetorik, leider ohne Nutzung von Pausen! Und leider auch sehr besserwisserisch! Und ein Gesicht ohne Emotionsausdruck, ohne jeden Humor…) habe ich bereits erste Ideen entwickelt…

Wir Psychologinnen und Psychologen haben schließlich Erfahrung: Im Herbst 1997 haben wir aus Protest gegen die Kürzungen des Solidarpakts am Institut gestreikt und ich erinnere mich noch gut an meine Vorlesung vom Balkon des Friedrichbaus aus auf die Hauptstraße. Diesmal sollten wir vielleicht noch einfallsreichere Formen versuchen…

PS: Ich freue mich, dass diese Veranstaltung vom Forum Kritische Theorie veranstaltet wurde, das 2007 den Preis der Freunde der Universität mit meiner Unterstützung erhalten hat. Manchmal treffen Gruppen gute Entscheidungen!

PPS: Gefreut habe ich auch über die hohe Präsenz der Psychologie: Unsere Studierenden waren zahlenmäßig stark vertreten (super!!!), und dass zwei Professoren unseres Faches anwesend waren, unterstreicht die Wichtigkeit, die wir diesem Thema beimessen - von den knapp 500 Professoren unserer Alma Mater waren soviele da wie ein schlechter Holzhacker Zehen am linken Fuß hat …

{ 2 } Comments

  1. Tobias Krüger | April 23, 2009 at 12:37 | Permalink

    Ihre Meinung zum Bildungsstreik stimmt mich überaus positiv. Ich bin davon überzeugt, dass wir am PI etwas bewegen können und denke, dass gerade momentan unter unseren Studierenden eine sehr positive, zuversichtliche Grundstimmung verbreitet ist – die Besetzung bei den Romanisten ist gerade einfach überall Thema. Wir werden sicherlich in der nächsten Zeit kreativ werden (ehrlich gesagt, gibt es sogar schon erste Ideen!) und hoffen gemeinsam am Institut die Juni-Woche ausgestalten zu können.

    Es wäre wunderbar, wenn wir geschlossen als PI Wege finden würden, wie wir unseren Missmut über die aktuellen Bildungsreformen zum Ausdruck bringen können. Doch wenn sich nur ein Bruchteil der derzeitigen, energiereichen Stimmung in konkretes Engagement ummünzen lässt, mache ich mir da gar keine Sorgen…

  2. Sebastian | May 20, 2009 at 5:09 | Permalink

    Als ehemaliger Heidelberger Student finde ich diese Aktion gut. Die Uni Heidelberg lebt seit Jahren von Ihrem Ruf und Forschung, jedoch nicht von Ihrem Lehrangebot. .

    Der Uni “Leere” fehlt es vorne und hinten an Geld. Auf der anderen Seite sehe ich jedoch auch, dass mehr Unterstuetzung und Zusammenarbeit mit der Wirtschaft forciert werden sollte.

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