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OpenMind bei Hogrefe

Psychologische Rundschau

Psychologische Rundschau

In Heft 3/2009 der “Psychologischen Rundschau” stellt die Hogrefe-Verlagsgruppe ihr Publikationsmodell zu Open Access vor, das unter dem Label “OpenMind” geführt wird.  Damit soll auf die Forderung reagiert werden, wonach die mit öffentlichen Mitteln geförderten Forschungsprojekte ihre Ergebnisse frei zugänglich machen sollen (open access; siehe die Berlin Declaration sowie die Meinung der DFG dazu). Tatsächlich sind nämlich Zeitschriftenartikel, in denen neueste Forschungsergebnisse berichtet werden, extrem teuer: entweder wird der kostenpflichtige Zugang über die Abonnements von Universitätsbibliotheken kontrolliert (hierfür zahlt z.B. die UB Heidelberg jährlich Mio-Beträge) oder man kann individuell auf einer Pay-per-View-Basis einzelne Artikel kaufen (Stückpreis bei Elsevier z.B. US$ 30).

Ein alternatives Modell zum Abonnement, bei dem ein begrenzter Leserkreis zahlt, ist dasjenige, bei dem paradoxerweise der Autor für seine eigene Publikation bezahlt und damit für jeden Interessierten freischaltet. Genau dieses Modell bietet Hogrefe (wie auch vor ihm schon andere Verlage) nun seinen Autorinnen und Autoren an: für US$ 3000 oder € 2500 kann man seinen Beitrag freigeben.

Finde ich das gut? Prinzipiell ja, denn Open Access ist für mich die Leitidee wissenschaftlicher Primärpublikationen. Wir wollen, dass unsere Arbeiten gelesen werden - am Verkauf sind wir nicht interessiert (wir bekommen ja auch keine Honorare und machen uns zudem noch die ganze Arbeit mit dem Peer Review). Open Access-Arbeiten erreichen durch ihre schrankenlose Verfügbarkeit natürlich hohe Visibilität - die “Public Library of Science” (PLoS) hat mit ihren verschiedenen Journals hohe Impact-Raten in kurzer Zeit aufgebaut. Allerdings sind auch dort hohe Preise für den einzelnen Beitrag zu entrichten (siehe die Liste, wobei es deutliche Rabatte für Mitglieder gibt).

Werde ich OpenMind nutzen? Bei der Höhe des derzeitigen Preises wohl kaum, es sei denn, unsere Forschungsförderer stellen hierfür entsprechende Summen zur Verfügung. Dass unser Institut (oder die Uni) diese Kosten trägt, kann ich mir nicht vorstellen - es sei denn, wegfallende Abo-Gebühren würden dafür eingesetzt. Aber tatsächlich reduziert dieses Modell nicht die Abo-Gebühr, sondern kommt noch oben drauf, ist also eine zusätzliche Einnahmequelle für den Verlag. Clever gemacht, wie mir scheint.

So kritisch ich die jetzt verlangte Gebühr sehe (sie ist derzeit prohibitiv - wären es 500 Euro, wäre ich dabei!), so sehr ist doch das Grundmodell verlockend. Da der Hogrefe-Verlag auch nicht zu den Ausbeuter-Verlagen zählt, verdient er unsere Unterstützung. Anders sieht das bei den Markt-Giganten Elsevier oder Springer aus: Auszug aus einer Stellungnahme der Allianz amerikanischer Forschungsbibliotheken:

What is “market power” and how does it affect the academic publishing marketplace?

  • With giant publishers absorbing a growing share of libraries’ budgets, there is less money available to spend with smaller publishers. IAA is deeply concerned that the growing market power of the giant publishers will force smaller publishers—such as the thousands of scholarly societies that publish one or a few journals—out of the market.
  • Market power is a term economists use to describe the extent to which a firm (known as a “price maker”) can raise prices without losing its customers to competitors. Market power is limited by antitrust regulations in many countries, including the US. Monopoly is one form of market power.
  • Over the past two decades, several giant “price maker” STM publishing firms have used their market power to drive up prices at nearly four times the inflation rate and well in excess of library budget growth.
  • Bundling practices are increasing the market power of the market’s giant publishers.

Kein Wunder, dass Wissenschaftsverlage in der Hand von Hedge-Fonds hohe Return of Investment-Raten (pro Dollar werden angeblich 25-30 Cent Ertrag erwartet - wo gibt’s das sonst?) aufweisen - mit Wissen lassen sich lukrative Geschäfte machen. Ich bin gespannt, wie sich OpenMind entwickelt und vor allem: wie es von der Community angenommen wird!

{ 1 } Comments

  1. Nico Müller | August 16, 2009 at 3:02 | Permalink

    Apropos Open Source. Seit einigen Jahren gibt es das Project “open course ware”. Hier stellen führende Institute wie das MIT (http://ocw.mit.edu/) ihre gesamten Veranstaltungen im Internet kostenlos und ohne Registrierung zur Verfügung. Unter den Unterlagen finden sich power-point slides, aber auch Videomitschnitte von Vorlesungen. Diese haben in manchen online Communities mittlerweile Kultstatus. Hier muss niemand bezahlen… Nicht die Professoren fürs einstellen und nicht die Interessierten, die sich selbstständig bilden wollen.

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