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Uni mit Ökostrom? Ja bitte!

Die Grüne Hochschulgruppe Heidelberg hat eine Initiative gestartet, deren Ziel es ist, die Stromlieferungen an die Uni Heidelberg aus erneuerbaren Energien zu beziehen. Eine entsprechende Petition an den Rektor läuft noch bis zum 13.7.12 und kann hier gezeichnet werden.

Ich habe diese studentische Petition auch gemäß meinem Selbstverständnis als gewählter Senator dieser Universität unterzeichnet - warum? Tatsächlich würden sogar auf den ersten Blick finanzielle Nachteile in Kauf zu nehmen sein: der derzeit etwas teurere Ökostrom nimmt vom ohnehin knappen Budget der Uni nochmals Spielraum weg. Kann man das verantworten? Ich denke ja! Wir können nicht auf der einen Seite über Klimaschutz forschen und auf der anderen Seite entgegen unseren Erkenntnissen handeln. Nicht Wirtschaften um jeden Preis, sondern nachhaltiges Wirtschaften sollte das Leitziel sein - so zu lesen auf den Webseiten des vom ansonsten glücklosen FDP-Minister Rösler geführten Bundeswirtschaftsministeriums.

Den Leitspruch “Global denken - lokal handeln” finde ich für mich sehr hilfreich - gerade als Professor (was auf Deutsch ja sowas wie “Kenner und Bekenner” heisst) sollte man in seinem Handeln Vorbild sein. Und genauso, wie ich bei uns zu Hause Ökostrom verwende, sollte es auch an meinem Arbeitsplatz sein. Nur mit bewussten Entscheidungen können wir die Welt um uns herum mitgestalten. Und wer könnte sich besser mit der Fahne der Nachhaltigkeit schmücken als die Ruperto Carola, die als alte Dame schon viele Stürme überstanden hat. Es gibt nur wenige Unternehmen, die auf eine ähnlich lange (und erfolgreiche) Geschichte zurückblicken können.

Apropos Nachhaltigkeit: Wenn ich höre, dass viele der Uni-Gebäude im Neuenheimer Feld, die in den siebziger Jahren in Zeiten des anrollenden Studentenbergs rasch aus dem Boden gestampft wurden, heute als hochgradig sanierungsbedürftig oder gar abrissreif bezeichnet werden, bin ich erschüttert. Für welche Lebensdauer haben die damaligen Architekten und Bauherren denn gebaut? Die Gebäude unseres Instituts (Friedrichsbau und Alte Anatomie) stammen aus der Mitte des 19. Jahrhunderts und wurden offensichtlich nachhaltig errichtet. Respekt vor diesen nachhaltig planenden Baumeistern!

Zurück zum Ökostrom. Wichtig ist: mit einer Unterschrift unter die Petition hat sich das Engagement nicht erschöpft - es fängt alles im Kleinen an: Wenn ich morgens im Institut eintreffe und bei strahlendem Sonnenschein hell erleuchtete Flure sehe, schalte ich das Licht aus (für den Knopfdruck braucht es keine akademischen Titel). Im abendlich leeren Institut brennen viele Lichter einfach so - auch da reicht ein einfacher Knopfdruck zum Ausschalten. Also: bewusst durch unsere Flure zu laufen hilft Energie (und Geld!) zu sparen!

1 Jahr Energiesparen am PI bringt knapp 10.000 Euro

1 Jahr Energiesparen am PI bringt gut 9.000 Euro

In meinen Zeiten als Geschäftsführender Direktor des PI habe ich das Pilotprojekt “Energiemanagement in Universitätsgebäuden” unterstützt,  das gemeinsam von der Universität Heidelberg, dem Agenda-Büro und dem Amt für Umweltschutz, Energie und Gesundheitsförderung der Stadt Heidelberg sowie der Klimaschutz- und Energieberatungsagentur (KliBA) getragen wurde (eine alte Pressemitteilung liegt sogar noch im Netz). Auch von späteren Aktivitäten in unserem Institut zeugen weitere Seiten im Netz.

Eines der Fotos zeigt Dr. Joachim Schahn, unseren Kustos, und mich bei der Entgegennahme eines Schecks über gut 9000 €, die wir 2003 durch Sparmassnahmen erwirtschaftet hatten. Nur Honigkuchenpferde strahlen noch schöner :-)

Noch ein Wort zu den Energiekosten: Seit einigen Jahren zahlen Forschungsförderer an die Empfänger der  Drittmittel einen sog. Overhead, der in der Regel bei 20% der Gesamtfördersumme liegt und daher einen substantiellen Geldbeitrag darstellt. 70% dieser Summe behält in Heidelberg das Rektorat ein (übrigens: andere Rektorate begnügen sich mit weniger und überlassen das Geld denjenigen, die es eingeworben haben!) und bezahlt daraus - … gestiegene Energiekosten! Da der Landeszuschuss seit vielen Jahren eingefroren ist und noch nicht einmal den Inflationsausgleich abdeckt, sind steigende Energiekosten für unsere Uni eine enorme Belastung! Aber das kann kein echter Grund dafür sein, auf billigen Atomstrom zu setzen - das ist ein Grund, die Landesregierung in die Pflicht zu nehmen!

Gerade als Psychologen sind wir in besonderer Weise gefordert zu demonstrieren, dass Verhaltensänderungen nicht nur theoretisch möglich sind, sondern auch in der Wirklichkeit stattfinden! Nach den früheren Aktivitäten, die inzwischen in etwas ruhigeres Fahrwasser geraten sind, wäre eine intensivierte Beschäftigung mit diesem Thema sicher sinnvoll. Mit der Unterschrift unter eine Petition wäre ein erster Schritt getan, dem weitere folgen sollten. Bin gespannt, ob sich hier etwas bewegen lässt!

{ 1 } Comments

  1. Renate | June 12, 2012 at 11:37 | Permalink

    Lieber Herr Professor Funke,
    vielen herzlichen Dank für Ihre Unterstützung, die können wir wirklich brauchen!
    Mit den besten Grüßen,
    Renate Berger

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