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Gastbeitrag “Alterssimulation”

Nachfolgend ein Gastbeitrag für meinen Blog, verfasst von Dipl.-Psych. Laura Schmidt und Dipl.-Psych. Nadine Ungar (Abteilung für Gesundheitspsychologie, Leitung: Prof. Dr. Monika Sieverding) zum Thema

Instant Aging: vom Studi zum Senior – Das Seminar „Gesundheit über die Lebensspanne“ testet Alterssimulationsanzug

Wie fühlt es sich an, wenn Augen und Ohren schlechter werden, das Tastempfinden schwindet, die Gelenke steifer werden und die Muskelkraft nachlässt? Wer letzten Montag im Institut unterwegs war, konnte Bachelor-Studierende in seltsamer Aufmachung beim Treppensteigen oder anderen „Alltagstätigkeiten“ beobachten. Sie steckten in so genannten Alterssimulationsanzügen, die vom “Netzwerk AlternsfoRschung” (NAR) ausgeliehen waren. Dort werden sie für die Öffentlichkeitsarbeit, zur Forschung und in der Ausbildung von Pflegekräften eingesetzt.

Treppensteigen mit Gewichten und schlechter Sicht

ASA: Treppensteigen mit Gewichten und schlechter Sicht

Diese „alten“ und wackelig laufenden Studierenden nehmen an unserem Seminar „Gesundheit über die Lebensspanne“ teil. In diesem AOV-Seminar haben wir im Oktober mit gesundheitspsychologischen Themen im Kindes- und Jugendalter begonnen (z.B. körperliche Aktivität, Drogenkonsum) und uns nun über das junge und mittlere Erwachsenenalter (z.B. Stress im Studium, Umgang mit kritischen Lebensereignissen & Gesundheit am Arbeitsplatz) bis ins hohe Alter vorgearbeitet.

In dieser praktischen Sitzung bekamen unsere „gealterten“ Seminarteilnehmer von ihren „Betreuern“ Aufgaben gestellt, wie z.B. schnell einen bestimmten Betrag Kleingeld abzuzählen, Dinge vom Boden aufzuheben oder das Kleingedruckte auf dem schwarzen Brett zu entziffern.

Durch eine Gewichtsweste und weitere Gewichtsmanschetten an den Hand- und Fußgelenken erlebten sie im Selbstversuch einen Kraftverlust und eine veränderte Koordination. Ihre Beweglichkeit wurde durch eine Halskrause und Bandagen an Ellbogen und Kniegelenken eingeschränkt. Gehörschutz, Handschuhe und eine Auswahl an Spezialbrillen, die verschiedene Augenerkrankungen simulieren (z.B. grauer Star oder Makula-Degeneration), verschlechterten die Sinneswahrnehmung.

Glücklicherweise treten diese Einschränkungen im Alter selten alle zugleich auf und natürlich nicht so plötzlich. Umso eindrücklicher waren daher jedoch die Erfahrungen, die das Tragen des Alterssimulationsanzugs (ASA) ermöglicht hat: „Ich konnte mich kaum bücken um mir die Schuhe zu binden!“ „Am schlimmsten war das schlechte Sehen und Hören – ich war ständig auf Hilfe angewiesen“. „Jetzt kann ich noch besser nachvollziehen, wie wichtig ein Sitzplatz z.B. in der Straßenbahn ist!“

Geld kontrollieren

ASA: Geld kontrollieren unter erschwerten Sichtbedingungen

Und wie alt macht nun der Anzug? Im Mittel fühlten sich die Studierenden 78,3 Jahre alt (SD = 5,1). Das eingeschränkte Sehen wurde am häufigsten als am stärksten belastende Einschränkung genannt. Die altersbedingten Veränderungen wurden als sehr realistisch empfunden. Ähnliche Ergebnisse liefern auch erste Pilotstudien am NAR. Wer Lust bekommen hat, den Anzug selbst einmal auszuprobieren, kann dort an einer weiteren Studie teilnehmen: http://www.nar.uni-heidelberg.de/juniorforscher/projekte/

Als Dozentinnen hat uns besonders gefreut, wie offen sich alle Teilnehmenden auf das kleine Experiment eingelassen haben. Nach Ende der Zeitreise wurde der Beitrag zur Förderung von Empathie und Verständnis für typische Alltagsprobleme Älterer reflektiert und die Studierenden sollen nun selbst eine Intervention mit einem solchen Alterssimulationsanzug entwerfen. Auch die Grenzen der Simulation wurden diskutiert: Der langsame Alternsprozess und das Anpassungspotenzial können nicht simuliert werden, chronische Schmerzen oder kognitive Einschränkungen bleiben außer Acht und die positiven Seiten des Alterns (z.B. Zunahme an Erfahrung, Kompetenz, Weisheit, Gelassenheit, Zeit, Freiheit) treten in den Hintergrund.

Jetzt sind unsere Seminarteilnehmer wieder jung und wir hoffen, dass der kleine Ausflug geholfen hat, sich in die Thematik der letzten beiden Sitzungen zu den Themen Gesundheitsverhalten im Alter sowie kognitive Gesundheit und Demenz einzufühlen!

{ 4 } Comments

  1. Tim Hafner | April 3, 2013 at 10:44 | Permalink

    Schöner Beitrag… wäre gerne auch dabei gewesen. Aber das man sich mit Anzug so alt fühlt? ;)

    Gruß aus dem Süden

  2. Boernie | October 10, 2013 at 3:19 | Permalink

    Was es nicht alles so gibt :) “Das eingeschränkte Sehen wurde am häufigsten als am stärksten belastende Einschränkung genannt. ” Das kann ich mir gut vorstellen, denn auch mein Großvater berichtet immer öfter davon. Die Erfahrung muss ich mir zum Glück “noch” nicht geben…

  3. SoRoom | December 12, 2014 at 9:33 | Permalink

    it’s a funny picture

  4. Lea Patricia Hartler | March 4, 2016 at 12:45 | Permalink

    Fascinating. This way of teaching is more than just education and really motivates. Same happened to me, my education got boosted thanks to interactive games as well. I did an education as a “Personalassistentin” in Zurich though, so a little bit different I guess.

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