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Angelockt und abgeschreckt: Bildungspolitik in der Zwickmühle

In der Ausgabe 27/2014 der “Zeit” schreibt die Redakteurin Marion Schmidt unter dem Titel “Angeworben und abgewiesen” über die Paradoxie deutscher Bildungspolitik, wonach erst einmal junge Menschen zum Studium ermuntert werden, und dann, wenn die Abiturienten studieren wollen, plötzlich kein Geld mehr für zusätzliche Studienplätze bereitsteht.

Mehr als die Hälfte aller Studienplätze ist nach diesem Bericht inzwischen zulassungsbeschränkt, in der Psychologie liegt der NC um 1,5, an einzelnen Unis wie bei uns noch höher; um unsere 90 Heidelberger BSc-Plätze bewerben sich >5000 Studienplatz-Interessierte. 118 unserer Bewerbungen haben die Abi-Durchschnittsnote 1.0, die nächsten 111 die Note 1.1, 128 die Note 1.2 und weitere 199 Bewerbungen die Note 1.3. Allein mit diesen 600 notenstärksten Bewerbungen zwischen 1.0 und 1.3 könnten wir unsere 90 Plätze 6fach besetzen. An anderen Unis sieht es ähnlich aus.

Noch nie waren so viele Studierende an den Hochschulen eingeschrieben, einer Flutkatastrophe gleich - und was passiert auf Seiten der Politik? Geplant sind weitere Kürzungen in diesem Bereich, der schon lange notorisch kurz gehalten wurde! Die Finanzierung baden-württembergischer Hochschulen ist durch den Solidarpakt zwischen Land und Unis auf den Budget-Stand von 1997 eingefroren (lediglich die gesetzlich vereinbarten Tarifsteigerungen für das Personal sind hinzugekommen) - wir sind inzwischen Weltmeister im Einsparen. Dass wir daneben höchst erfolgreich im Weltmassstab konkurrieren, ist nur der schier grenzenlosen Selbstausbeutung der akademischen und (teilweise) nicht-akademischen Mitarbeitenden zu verdanken. Und für die Unabhängigkeit der Forschung ist es vielleicht gar nicht so wünschenswert, dass inzwischen mehr als die Hälfte des Universitätsbudgets aus der Hand Dritter kommt, weniger als die Hälfte unseres Budgets kommt vom Land.

Und jetzt werden aufgrund von Sparzwängen in vielen Bundesländern auch noch Studiengänge geschlossen - sogar in der Psychologie mit ihrer gigantischen Nachfrage! Aktuell sollen das Bremer Institut und das in Halle geschlossen werden! Wir haben inzwischen mehr Studierende als Auszubildende - das mag nicht jeden erfreuen, aber man kann doch die Hochschulen damit nicht allein lassen.

Gibt es einen Ausweg aus diesem Dilemma? Von staatlicher Seite ist offensichtlich nicht viel Hilfe zu erwarten - die privaten Bildungsanbieter haben das schnell erkannt! An der Medical School Hamburg - so der Bericht in der “Zeit” - ist ein dreijähriges Bachelorstudium möglich: zulassungsfrei, ohne NC - aber für 25.000 Euro! An der SRH Heidelberg betragen die Kosten eines Bachelorstudiums 36 Monate lang jeweils 670€ plus 620€ Immatrikulationsgebühr - gute Noten sind natürlich gewünscht, aber nicht ausschlaggebend!

Wo Bund und Land sich aus der Verantwortung schleichen, sehen private Anbieter ihre Chance. Ist das unser Zukunftsmodell?

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