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Signifikanztest ade?

Normalverteilung mit 5% Rändern

Normalverteilung mit 5% Rändern

Nun ist es soweit: Die erste psychologische Fachzeitschrift hat einen vollständigen Bann des in der Psychologie seit vielen Jahrzehnten fest etablierten Signifikanztests verhängt! Die uns Psychologen heilige Kuh der Inferenzstatistik wird geschlachtet!

Im jüngsten Editorial der Zeitschrift “Basic and Applied Social Psychology” (BASP) schreiben die Herausgeber David Trafimow und Michael Marks, dass die 2014 bereits angedrohte Massnahme nun ab 2015 in die Tat umgesetzt wird:

“The Basic and Applied Social Psychology (BASP) 2014 Editorial emphasized that the null hypothesis significance testing procedure (NHSTP) is invalid, and thus authors would be not required to perform it (Trafimow, 2014). However, to allow authors a grace period, the Editorial stopped short of actually banning the NHSTP. The purpose of the present Editorial is to announce that the grace period is over. From now on, BASP is banning the NHSTP.”

Wow! Das ist ein mutiger Schritt! Aber wie sollen wir bloss ohne den Signifikanztest zu neuen Erkenntnissen kommen? Wir wissen doch spätestens seit Jacob Cohen berühmtem Aufsatz von 1994 “The earth is round (p<.05)“! Ist ein Leben als Psychologe ohne den Zusatz “p<.05″ überhaupt vorstellbar? Was kommt an die Stelle der verbannten Inferenzstatistik?

Was kommt, ist eine Konzentration auf das Wesentliche: Vor allem Indikatoren der Effektstärke, die in Verbindung mit deutlich größeren Stichproben als bisher (endlich!) an Aussagekraft gewinnen! Praktische Signifikanz schlägt statistische Signifikanz! Und natürlich Häufigkeiten und Verteilungsinformationen, die in NHSTP häufig ignoriert wurden. Das hätte John Tukey, den Autor des legendären Buchs “Exploratory data analysis” (1977), sicherlich gefreut.

Wird ein völliger Verzicht auf den Signifikanztest nicht die Qualität der Beiträge schmälern? Die Herausgeber sind vom Gegenteil überzeugt: “We hope and anticipate that banning the NHSTP will have the effect of increasing the quality of submitted manuscripts by liberating authors from the stultified structure of NHSTP thinking thereby eliminating an important obstacle to creative thinking. The NHSTP has dominated psychology for decades; we hope that by instituting the first NHSTP ban, we demonstrate that psychology does not need the crutch of the NHSTP, and that other journals follow suit.”

Eine spannende Entwicklung! Auch wenn es sicher nicht das Flaggschiff unserer Fachzeitschriften ist: Hier findet gerade eine Revolution statt! Einer macht den ersten Schritt, andere werden folgen! Und klasse, dass es aus der Sozialpsychologie kommt! In der gegenwärtigen Krise unseres Faches ein demonstrativer Akt des Willens zur Veränderung!

see also blog entry from John Kruschke: http://doingbayesiandataanalysis.blogspot.de/2015/02/journal-bans-null-hypothesis.html

{ 1 } Comments

  1. Alexander | March 8, 2015 at 1:34 | Permalink

    Mir gibt Ihr Bericht Anlass dazu, den Wert der von Ihnen beschriebenen “Krise unseres Faches” zu unterstreichen. Eine Ruptur in der statistisch-methodischen Einöde ist gewiss nur dort zu erwarten, wo noch nicht alle Vulkane erloschen sind. Andererseits soll vor blinder Revolutions-Gläubigkeit gewarnt werden: Neben einer Rück-Wickelung der verworfenen Inhalte ist auch eine Ent-Wickelung, also die Evolution neuer Ansätze, erforderlich. Hier hoffe ich indes auf genügende methodische Unabhängigkeit der Psychologie, um auf die - womöglich einst - vakante Stelle der NHSTP kein anderes hypertrophes statistisches Gespenst (Bayes) zu inthronisieren.

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