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Neues von Jens Förster (Teil 4)

Wie man nach dem bisherigen Verlauf der “Causa Förster” annehmen konnte, ist das Ende der Debatte um unglaubwürdige Datensätze mit fast perfekter Linearität noch nicht erreicht (Dank an verschiedene Mitleser dieses Blogs, die mich auf die neuen Entwicklungen aufmerksam gemacht haben!). Gerade hat die Universität Amsterdam (UvA) weitere 8 Retraktionen von Jens Försters Arbeiten bei den entsprechenden Journal-Herausgebern eingefordert. Insgesamt 15 ältere Publikationen mit UvA-Affiliation wurden von Statistikern untersucht; vier davon waren unauffällig, 3 bedingt auffällig, 8 wurden als auffällig deklariert (”strong evidence for low veracity”): http://www.uva.nl/en/news-events/news/uva-news/uva-news/uva-news/content/folder/2015/05/articles-jens-forster-investigated.html

Für “Science” ist das unter Rubrik “Breaking News” immerhin einen Kommentar wert: http://news.sciencemag.org/europe/2015/06/report-further-incriminates-social-psychologist-jens-f-rster?rss=1

In seinem eigenen Blog nimmt Jens Förster zu den neuen Vorwürfen Stellung und beklagt die Intransparenz des Verfahrens. Er und seine Ko-Autoren bewerten den ihm von der UvA vorab zugesandten Prüfbericht als “voreingenommen und irreführend”. Weiter heisst es in seiner kurzen Stellungnahme (der sicher mehr folgen wird): “Im Moment möchte ich nur meine tiefe Empörung über dieses Verfahren äußern, in dem über eine Analyse berichtet wird, auf die mir nicht einmal die Zeit gegeben wurde, angemessen zu reagieren. Die Intention der UvA ist mir vollkommen schleierhaft; ich weiß noch nicht einmal, aus welchen Personen sich die Kommission zusammensetzt.” (Quelle: http://www.socolab.de/main.php?id=66). Wieso ist eigentlich die Intention der UvA “schleierhaft”? Ich kann das gut verstehen!

Statistische Argumente sind natürlich nur ein Aspekt in dieser Debatte - aber kein ganz unwichtiger, wie mir scheint. Für Freunde der Bayes-Statistik gibt es auch noch mehr Material zu den Daten von Jens Förster unter http://arxiv.org/pdf/1405.4540v2.pdf Dort heisst es: “This would imply that the probability that 12 studies will have an evidential value of at least 2, as occurs in Table 1, equals approximately (1/7)12 ≈ 7.2 × 10−11.”

Aus dem Wörterbuch des Teufels von Ambrose Bierce (The Devil’s Dictionary): “Proof, n. Evidence having a shade more of plausibility than of unlikelihood. The testimony of two credible witnesses as opposed to that of only one.”

Nachtrag: Der Link zum vollständigen Untersuchungsbericht der UvA (dated May 15, 2015) findet sich hier: https://drive.google.com/file/d/0B5Lm6NdvGIQbamlhVlpESmQwZTA/view Last but not least: Retraction Watch hat den Vorgang ebenfalls kommentiert: http://retractionwatch.com/2015/06/03/yet-another-investigation-casts-doubt-on-forsters-findings-he-responds-with-outrage/

Nachtrag 18.6.2015: Es gibt mit Datum 17.6.15 eine ausführliche Stellungnahme von Jens Förster zum UvA-Untersuchungsbericht, in der er die neuen Vorwürfe und Retraktionsforderungen wie folgt kommentiert: “In sum, I find the report and the entire procedure that led to its writing and publication unacceptable. There is no concrete evidence of data manipulation, the statistical methods used are error prone, flawed and most probably invalid. UvA has no reason for asking journal editors to retract my papers.”

{ 1 } Comments

  1. Ulf-Dietrich Reips | July 20, 2015 at 10:20 | Permalink

    Inzwischen ist Jens Förster nicht mehr vorgesehen im Programm der Frankfurt School of Finance and Management, wo er lustigerweise über “Moral & Skandal – Über Ethik in der Wissenschaft” sprechen sollte:
    http://www.frankfurt-school.de/content/de/research/aow-workshop/programm.html

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