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Mobilitätskonzepte für das Neuenheimer Feld

Kürzlich wurde das langjährig geplante Projekt einer möglichen Strassenbahn-Trasse durch das Neuenheimer Feld (”Campus-Bahn”) beerdigt: Der Verwaltungsgerichtshof (VGH) in Mannheim hat nämlich am 11.5.2016 den Klagen der Universität und des MPI für ausländisches öffentliches Recht und Völkerrecht gegen den Planfeststellungsbeschluss des Regierungspräsidiums Karlsruhe für den Bau der Campus-Straßenbahn stattgegeben. Damit kann die Straßenbahn durch den Campus nicht wie geplant gebaut werden.

Angesichts der schwierigen Verkehrssituation ist zunächst Ratlosigkeit angesagt - müssen wir doch den Bau einer 5. Neckarbrücke (hier altes Material dazu) in Erwägung ziehen? Oder sollte man nicht die neue Situation dazu nutzen, noch einmal radikal von vorne zu planen und etwas wirklich Neues schaffen? Strassenbahnen und Autos sind ja nicht nicht die einzig möglichen Verkehrsmittel - Mobilitätsforscher sehen auch noch andere Dinge in der Zukunft.

Einen wirklich innovativen Vorschlag hat eine Heidelberger Architektengruppe rund um Nils Herbstrieth und Uwe Weishuhn gemacht - schon vor vielen Jahren in einem ersten Anlauf und jetzt, angesichts der neuen Situation nach dem Gerichtsurteil, in einer aktualisierten Form: einen UNIverCITY-Shuttle, den Peoplemover. Eine fahrerlose Hochbahn, die ringförmig den Campus erschließt und über den Neckar Richtung Hauptbahnhof und Bahnstadt die weitere Anbindung schafft.

Bild 21 aus der Ideenskizze von studio-mobile-concepts von 2005 (c) smc

Bild 21 aus der Ideenskizze von studio-mobile-concepts von 2005 (c) smc

Da ich vor kurzem in Miami (Florida) gewesen bin, habe ich dort den Metromover kennen- und schätzengelernt: Selbstfahrende Einheiten, die in zeitlich dichter Folge die Innenstadt ringförmig erschließen und ein sehr angenehmes (in Miami sogar kostenloses) Transportmittel sind. Wenn der Verkehr auf der Strasse zu Zeiten der Rush-Hour dort kollabiert, ist der Metromover eine echte Alternative und macht dank Klimatisierung sogar richtig Spass…

Heidelberg ist nicht Miami - ich weiss! Und trotzdem fände ich es toll, wenn wir hier nicht einfach in den konventionellen Kategorien von Strassenbahn oder Autobrücke steckenbleiben, sondern uns als Universitätsstadt vorbildlich um neue Formen der Mobilität bemühen. Ich könnte mir vorstellen, dass ein solcher Mover eine echte Attraktion werden könnte. Ein Hingucker wäre es auf jeden Fall, aber vielleicht mehr als das. Ich fände es toll, wenn die Entscheidungsträger dieses Vorhaben sorgfältig prüfen und nicht voreilig “ad acta” legen. Vielleicht steckt in der gerichtlichen Ablehnung der “Campus-Bahn” die Chance für ein wirklich stadtprägendes, innovatives Transportmodell. Ich jedenfalls würde mich dafür einsetzen!

der Miami Metromover: https://www.youtube.com/watch?v=UlD3eFLGW8o

ein Blick nach Chicago: https://www.youtube.com/watch?v=6ZLQ0heR4lw

die H-Bahn der Uni Dortmund: http://www.h-bahn.info/de/

Seilbahn-Pläne für Uni Bochum: http://www.pflichtlektuere.com/22/05/2015/zur-uni-schweben-seilbahn-idee-fuer-bochum/

Nachtrag 24.6.2016: Der “Mannheimer Morgen” berichtet in seiner Ausgabe vom 23.6.16 unter dem Titel “Mit Kabinen ins Feld?” folgendes:  (Beginn der Quellenangabe) “Der Verkehrsverbund Rhein-Neckar diskutiert heute in Mannheim über eine Seilbahn über den Rhein und die Heidelberger CDU kann sich eine Hochbahn ins Neuenheimer Feld vorstellen. Wie das funktionieren könnte, will die Partei am Dienstag, 5. Juli, 19 Uhr, bei einer Info-Veranstaltung im “Achter” (Neuenheimer Landstraße 3a) vorstellen.

“Nach dem Scheitern der Campus-Straßenbahn ist es wichtig, Alternativen zu diskutieren. Dazu gehört für die Heidelberger CDU neben einer möglichen Erschließung des Klausenpfads und einer weiteren Neckarquerung, auch andere Optionen in den Blick zu nehmen”, betont Fraktionsvorsitzender Alexander Föhr. “Eine ist die einer Hochbahn zwischen Hauptbahnhof und Neuenheimer Feld.”

Das Büro “studio-mobile-concepts” habe diese durchaus charmante Idee entwickelt und werde sie beim Infoabend vorstellen. Seit 2005 arbeiten Nils Herbstrieth und Uwe Weishuhn an einem automatischen Hochbahnsystem mit Einzelkabinen für bis zu zwölf Personen. Es könne bis zu 7200 Menschen pro Stunde transportieren. sin” (Ende der Quellenangabe)

Nachtrag 8.7.2016: In der heutigen Augabe der RNZ steht ein großer Bericht auf S. 3 - unter dem Titel “Der Nahverkehr geht in die Luft” berichtet RNZ-Redakteuer Holger Buchwald ausführlich über das Projekt und die Resonanz darauf bei einer Vorstellung im Neuenheimer Restaurant “Achter”. Nach den Angaben in der Tageszeitung möchte die Heidelberger CDU den University-Shuttle in den Masterplan-Prozess mit einbringen.

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