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HDJBO Band 2: Citizen Science

Seit 2007 bin ich als Vorstandsmitglied der “Stiftung Universität Heidelberg” und der “Gesellschaft der Freunde” (GdF) für die Betreuung der “Heidelberger Jahrbücher” zuständig. Auf der zugehörigen Webseite der GdF heißt es:

  • “Die Gesellschaft der Freunde ist Herausgeber der traditionsreichen Schriftenreihe Heidelberger Jahrbücher. Die Publikation wurde im Jahr 1807 von Heidelberger Professoren unter dem Namen Heidelbergische Jahrbücher der Literatur begründet und hat eine wechselvolle und durch zwei Weltkriege unterbrochene Geschichte hinter sich. Verantwortlich für die Themenfindung und Autorensuche sind die vom Verein beauftragten Bandherausgeber.”

Ich bin sehr stolz darauf, die Tradition einer der ältesten Zeitschriften der Welt (sic!) fortsetzen zu dürfen und in den letzten zwei Jahren mit tatkräftiger Unterstützung durch die Universitätsbibliothek die Umstellung auf ein elektronisches Format (open access) geschafft zu haben. Schon Band 55 (2013) wurde aus Kostengründen nicht mehr im Springer-Verlag herausgegeben (wo die älteren Bände seit 1957 zu finden sind), sondern in eigener Regie der “GdF”. Die weiteren Bände erscheinen seit 2016 nicht mehr primär als Druckversion, sondern unter dem leicht veränderten Titel „Heidelberger Jahrbücher Online“ im elektronischen Format (mit der Möglichkeit von „Print on Demand“). Den ersten online erschienenen Band 1 (2016) mit dem Rahmenthema „Stabilität im Wandel“ (herausgegeben von Michael Wink und mir) kann man hier abrufen. Nun ist das Heidelberger Jahrbuch 2017 fertig (hier abzurufen). Worum geht es thematisch?

Wir haben uns diesmal als fächerübergreifende Thematik mit den verschiedenen Spielarten von “Open Science” bzw. “Citizen Science” beschäftigt. In vielen Wissenschaftsdisziplinen übernehmen Laien Aufgaben wie das Erfassen von Tieren und Pflanzen in bestimmten Gebieten oder die Sichtung von Sternen. In der Medizin sind es Selbsthilfe-Gruppen, die Wissen sammeln und organisieren, in der Psychologie wird über Laien-Therapie und “open data” diskutiert. In der Germanistik werden editorische Tätigkeiten durch Laien ausgeführt, in der Geschichtswissenschaft durchforstet man Archive oder sammelt lokale Daten.

Während Citizen Science auf die Beteiligung von Bürgern abzielt, richtet sich Open Science vorrangig (aber nicht exklusiv) an die Welt der Wissenschaft: es geht um Verfügbarmachung von Sammlungsobjekten, Daten, Prozeduren, Texten und Materialien aller Art (z.B. durch Digitalisierung). Open Access ist ein Zauberwort, das allerdings auch Probleme mit sich bringt. Ein Blick auf die “Transparenzkulturen” der verschiedenen Fächer ist sehr aufschlussreich.

Diese Thematik von “Wissenschaft für alle” beleuchten wir aus der bunten Sicht unserer Volluniversität. Hier ist die Liste der neun Beiträge und der beteiligten Autorinnen und Autoren mit ihren jeweiligen Themen:

1: Vorwort (Michael Wink, Pharmazeutische Biologie, & Joachim Funke, Allgemeine Psychologie)

2: Citizen Science and Psychology: An Evaluation of Chances and Risks (Joachim Funke, Allgemeine Psychologie)

3: Historiker als “Mittler zwischen den Welten”? Produktion, Vermittlung und Rezeption historischen Wissens im Zeichen von Citizen Science und Open Science (Cord Arendes, Angewandte Geschichtswissenschaft)

4: Open Access in der Wissenschaft und Marktregulierung (Stefan J. Geibel, Gesellschafts- und Wirtschaftsrecht)

5: Selbsthilfe und Krankenhaus: Gemeinsam geht es besser (Anette Bruder, Heidelberger Selbsthilfebüro, & Friederike Fellenberg, Nationales Centrum für Tumorerkrankungen)

6: More than 30 000 volunteers involved in identification of tiny rare interstellar dust particle candidates collected by the Stardust mission (Andrew J. Westphal & Mario Trieloff, Geo- und Kosmochemie)

7: Citizen Science in der Biologie - Schwerpunkt Ornithologie (Michael Wink, Pharmazeutische Biologie)

8: Einsatz von Citizen Science im phänologischen Monitoring der Apfelblüte in Deutschland (Okke Gerhard, Nils Wolf & Alexander Siegmund, Physische Geographie)

9: “Science for the People” oder “Wissenschaft für alle 4.0″“ (Hans J. Pirner, Theoretische Physik)

Ein Zitat aus dem Vorwort: “Die Publikation als e-Book hat sich bislang bewährt: sie spart Kosten und ermöglicht dank ‘open access’ eine größere Verbreitung als die Print-Version. Der erste Band, der im letzten Jahr unter dem Titel ‘Stabilität im Wandel’ erschien (Wink & Funke, 2016), wurde in den ersten 12 Monaten nach Erscheinen mehr als 2000mal zum Download angefordert – das ist beachtlich! Dank der guten Zusammenarbeit mit ‘Heidelberg University Publishing (HeiUP)‘ kann zudem für geringe Kosten eine Print-Version ‘on demand’ (sowohl in der preiswerten Softcover- wie auch in der etwas teureren Hardcover-Version) hergestellt werden. Dass dieser Band über Bürgerwissenschaft kostenlos für jeden zu haben und zu lesen ist, freut mich - hier ist Wissenschaft ohne finanzielle Schranken zu rezipieren! Ein Geschenk für mündige Bürger!

Dank gebührt der Gesellschaft der Freunde Universität Heidelberg e.V. für ihre unermüdliche Unterstützung des traditionsreichen Projekts. Dank geht auch an unsere Redaktionsassistentin Julia Karl, die in bewährter Manier die Manuskripte für den Satz aufbereitet hat und dabei die Hilfe von Marion Lammarsch in Anspruch nehmen durfte. Dank gilt auch der Universitätsbibliothek unter der Leitung von Veit Probst, dessen Team (Maria Effinger, Anja Konopka und Frank Krabbes) uns wie im letzten Jahr wertvolle Hilfe geleistet hat.”

Michael Wink und ich sind nun gespannt, wie die Resonanz auf unseren neuen Band ausfällt! Und natürlich beginnt mit dem Erscheinen von HDJBO Volume 2 die Planung für Volume 3…

{ 1 } Comments

  1. Jack | August 25, 2017 at 12:44 | Permalink

    Insgesamt eine gute, wichtige und leider längst überfällige Sache. Ich habe gerade zum ersten Mal vom “Heidelberger Appell” gelesen und schäme mich etwas für den reaktionären Aufruf aus einer Stadt, der ich mich doch sehr verbunden fühle.
    Davon abgesehen ist schon interessant, dass in der ganzen (frei verfügbaren, danke dafür!) Zeitschrift weder der Begriff “Sci-Hub“, noch “Library Genesis” oder “Aaron” und “Guerilla” wie im “Guerilla Open Access Manifesto” von Aaron Swartz auftauchen. Schließlich wurde die Entwicklerin von Sci-Hub, Alexandra Elbakyan, von der Zeitschrift Nature zu den “10 most important people of 2016″ gewählt und scheint damit nicht nur eine Person zu sein, über die man öffentlich sprechen könnte, sondern auch ein wichtiges Thema an die Oberfläche gebracht zu haben: https://www.nature.com/news/nature-s-10-1.21157?WT.mc_id=TWT_NatureNews#/elbakyan
    Die Studierenden, die lieber in der Uni-Bibliothek auf Suche gehen, anstatt mit zwei Klicks einen Einblick ins (durchsuchbare, indizierte!) wissenschaftliche Werk zu werfen, muss ich erst noch entdecken.
    Es wird Zeit für eine Anpassung der Politik/akademischen Wirtschaft an die gegebenen Verhältnisse. Denn genausowenig, wie The Pirate Bay in den vergangenen 14 Jahren vom Netz verschwunden ist, wird das in Zukunft mit wissenschaftlichen Publikationen der Fall sein. Und das kommt nicht von ungefähr.

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