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Wirtschaftsnobelpreis für Verhaltensökonom Thaler

Der amerikanische Verhaltensökonom Richard Thaler erhält den diesjährigen Wirtschaftsnobelpreis 2017 für seine Arbeiten auf dem Gebiet der Verhaltensökonomie (”behavioral economics“), an der Schnittstelle von Psychologie, Soziologie und Ökonomie. Das ist eine große Freude auch für uns Psychologinnen und Psychologen, liegt seine Forschung doch nach unserer Einschätzung deutlich näher an der Psychologie als an der Ökonomie! Und da es keine Nobelpreise für Psychologie gibt, ist der für Wirtschaftswissenschaft schon wiederholt Ersatz für einen Psychologie-Preis gewesen (Herbert Simon hat 1978 den Anfang gemacht, 1994 als bislang einziger Deutscher Reinhard Selten, später 2002 Daniel Kahneman).

Von einer Düsseldorfer Quellen (Danke, lieber Jochen!) habe ich folgende Info bekommen: Von Richard Thaler stammt auch das Konzept des “Winner’s curse”

Next time that you find yourself a little short of cash for lunch, try the following experiment in your class. Take a jar and fill it with coins, noting the total value of the coins. Now auction off the jar to your class (offering to pay the winning bidder in bills to control for penny aversion). Chances are very high that the following results will be obtained: (1) the average bid will be significantly less than the value of the coins (bidders are risk averse); (2) the winning bid will exceed the value of the jar. Therefore, you will have money for lunch, and your students will have learned first-hand about the “winner’s curse.”
https://www.aeaweb.org/articles?id=10.1257/jep.2.1.191
https://en.wikipedia.org/wiki/Winner%27s_curse

und des “Mental accounting”:

Entscheidungsirrelevante Kosten wie Sunk costs dürfen nicht in die rationale Entscheidungsfindung eingehen. Die mentale Kontenbildung verhindert jedoch unter Umständen das Erkennen, dass es sich um solche handelt. Thaler beschreibt ein empirisches Experiment, in dem die Testpersonen ins Theater gehen möchten und die Karte 10 Dollar kostet. Im Experiment bekommen die Probanden nun gesagt, sie stünden an der Theaterkasse und hätten die Karte verloren und müssten diese neu kaufen. 56 % sind nicht dazu bereit. Mental werden diese 10 Dollar dem Konto “Kauf Theaterkarte” zugeschlagen. Damit kosten die Karte 20 Dollar und damit mehr, als den Probanden der Theaterbesuch wert ist. Eine andere Teilgruppe der Experimentteilnehmer sollte an der Abendkasse für 10 Dollar die Karte kaufen. Sie bekamen dann gesagt, sie hätten die 10 Dollar Bargeld verloren und müssen nun die Karte aus anderem Geld zahlen. Hier entschieden sich 88 % zum Kauf der Karte. Mental werden diese 10 Dollar dem Konto “Verlust Bargeld” zugeschlagen. Der mentale Preis der Eintrittskarte blieb somit bei 10 Dollar.
https://en.wikipedia.org/wiki/Mental_accounting
https://de.wikipedia.org/wiki/Mentale_Buchf%C3%BChrung

Das Konzept des “nudging” als leichtes “Anstupsen” (ich hatte vor 3 Jahren schon mal in meinem Blog darüber geschrieben) ist auch nicht unumstritten - Kritiker sprechen von “patronizing” als einer Form subtiler Manipulation. Auf der anderen Seite stehen subtile Auswirkungen, z.B. beim Organspenden, von “opt in” (=voreingestellt ist Nicht-Spenden) oder “opt out”-Architekturen (voreingestellt ist Spenden). Transplantationsbedürftige hoffen auf die für sie günstige “opt out”-Architektur, die wir in Deutschland leider nicht haben.

Für uns als Psychologinnen und Psychologen sind solche Verzerrungen durch den Kontext nichts wirklich Neues. Für die, die immer noch vom Home Oeconomicus reden, wird es höchste Zeit, diese Forschung zu rezipieren.

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