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Rektorwiederwahl

Am 12.3.2019 haben sich Senat und Universitätsrat unserer Universität zu einer gemeinsamen Sitzung getroffen, deren einziger Gegenstand die Wahl eines Rektors für die sechsjährige Amtszeit 1.10.2019-30.9.2025 war. Es gab nur einen Kandidaten: den bisherigen Amtsinhaber Bernhard Eitel, der bereits seit zwei Wahlperioden (seit Oktober 2007) amtiert. Die lokale “Rhein-Neckar-Zeitung” hatte bereits am Tag zuvor einen Bericht unter dem Titel “Uni-Rektor Eitel steht vor Wiederwahl” gebracht, in dem Rektor Eitel in Hinblick auf seine Amtszeit als “Rekordhalter” bezeichnet wurde.

Die Gremien haben ihn nun mehrheitlich im Amt bestätigt, sodass der dritten Amtszeit nichts im Wege steht. Acht von 8 anwesenden Mitgliedern des Universitätsrats und 29 der 36 anwesenden Senatsmitglieder haben ihm ihre Stimme gegeben - damit ist er im ersten Wahlgang mit klarer Mehrheit (37 von 44 Stimmen) gewählt worden. Gratulation zu diesem eindrucksvollen Ergebnis!

Tatsächlich liegen aber zwei für den Rektor wichtige (und durchaus kritische) Entscheidungen noch in der Zukunft: Die Entscheidung der DFG in Sachen Exzellenzinitiative (sie wird am 19. Juli 2019 bekannt gemacht) und die Entscheidung der Staatsanwaltschaft in Sachen “Vorwurf von Koppelgeschäften mit der Bank Santander”, die vom hauseigenen Universitätsrat (und inzwischen wohl auch vom zuständigen Ministerium) allerdings als haltlos betrachtet werden und daher weniger Sorgen bereiten.

Ist es gut, solange im Amt zu bleiben? In der Politik - so denke ich manchmal - finden die handelnden Personen nicht immer den besten Zeitpunkt zum Aufhören. Manchmal treffen sie diese Entscheidung gar nicht mehr selbst, sondern werden von Ereignissen überrollt oder von anderen Personen zum Rücktritt gedrängt. Ist es in anderen Lebensbereichen nicht ähnlich? Es fällt manchmal schwer loszulassen - das kenne ich aus eigener Erfahrung… Lange Amtszeiten haben Vor- und Nachteile. Die Vorteile liegen in einer guten Kenntnis der vielfältigen und komplexen Vorgänge, die sich häufig über lange Zeiträume erstrecken (länger als eine Amtszeit). Nachteile bestehen darin, dass sich Strukturen verhärten können und sich ein “group think” etablieren kann, wodurch Impulse für radikale Erneuerungen (disruptive Prozesse) schwächer werden, ganz ausbleiben oder nur noch in eine Richtung gehen. Gutes Verwalten ist noch nicht gutes Gestalten.

Wie schade, dass sich niemand aus dem großen Kreis der über 500 Heidelberger Professorinnen und Professoren getraut hat, ebenfalls als Kandidatin oder Kandidat gegen den Amtsinhaber anzutreten. Demokratie hat viel mit Wahlfreiheit zu tun, die es hier nicht wirklich gab. Angesichts der zeitnah bevorstehenden Begehung durch die Exzellenz-Gutachter keine Frage, dass wir uns als handlungsfähige Universität darstellen wollen… Aber haben wir etwas anderes verdient, wenn sich niemand sonst für dieses Amt bewirbt?

Ich wünsche unserer Universität mit der jetzt getroffenen Entscheidung jedenfalls alles Gute! Ich selbst werde von den Folgen dieser Entscheidung nicht mehr unmittelbar betroffen sein. Dennoch ist meine Anteilnahme am Schicksal der altehrwürdigen Ruperto Carola ungebrochen und ich wünsche uns allen nur das Beste!

hier die Pressemitteilung der Universität

siehe auch 6 Jahre zurückliegend meinen Blog-Eintrag zur damaligen Rektorwahl 2013