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Zu Gast bei Experimental Economics

Letzte Woche war ich als Gast bei der Tagung “Fifth Workshop on Experimental Economics for the Environment“, die dieses Jahr in Heidelberg stattfand und von Johannes Diederich, Florian Dieker und Timo Goeschl (Lehrstuhl für Umweltökonomik) am 19. und 20.2.2020 in den Räumlichkeiten der Marsilius-Arkaden organisiert wurde. Zahlreiche Nachwuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftler stellten in Vorträgen oder als Poster ihre laufenden oder abgeschlossenen Projekte vor.

Es war für mich wieder einmal Gelegenheit, den “modus operandi” einer anderen Fachkultur genauer anzusehen. Erkennbar sind: ein Trend zur Prä-Registrierung der Hypothesen; große Stichproben (>500); umweltrelevante Themen (z.B. Haltbarkeitsdaten bei Lebensmitteln; Wahl vom Strom-Tarifen; Teilnahme-Motivation an Friday for Future-Demos); neben Labor-Experimenten auch Feld-Experimente. Die typische Auswertungsmethode: Regression. Die Besonderheiten ökonomischer Experimente: klare leistungsabhängige Incentivierungen (keine lump-sum-Honorierung, wie sie oft in psychologischen Experimenten erfolgt), klare Festlegung der “utilities” und Ablehnung von “stated preferences” (Fragebogen) im Unterschied zu “actual behavior” (erinnert an den wichtigen Artikel von Baumeister, Vohs & Funder 2007 “Psychology as the science of self-reports and finger movements: Whatever happened to actual behavior?”, doi: 10.1111/j.1745-6916.2007.00051.x). Alle Beiträge begannen übrigens mit einem Teil “Motivation”, der das hinter der vorgestellten Arbeit liegende Erkenntnisinteresse offenlegte. Gut so!

Die Idee des “homo oeconomicus” geistert immer noch durch den Raum, in der Psychologie scheinen wir darüber zu lächeln.Und selbst Ökonomen stellen fest, dass Altruismus verbreiteter als gedacht ist (siehe das legendäre weltweite Feldexperiment von Cohn et al. aus dem Jahr 2019, bei dem 17.303 Geldbörsen in 355 Städten aus 40 Ländern “verloren” wurden, die in 40-70% von ehrlichen Findern zurückgegeben wurden; doi: 10.1126/science.aau8712)

Ich habe mich gefreut, eingeladen worden zu sein und auf diese Art und Weise in den Genuss eines Überblicks über aktuelle Forschung auf dem Gebiet experimenteller Umweltökonomie gekommen zu sein. Nette Gespräche am Rande, ein Wiedersehen mit alten Bekannten (wie Johannes Lohse, der jetzt in Birmingham arbeitet, oder Sara Elisa Kettner, die in Berlin Politikberatung bei ConPolicy macht, übrigens dort gemeinsam mit Max Vetter, einem früheren Doktoranden, der auch einen Gastbeitrag für meinen Blog verfasst hat), sowie die Möglichkeit, in meinem eigenen Beitrag mit dem Titel “Complex problem solving revisited: Lessons learned from 50 years of research” eine Rückschau auf 40 Jahre eigene Forschung zu halten: Das war eine gute Erfahrung!