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Oral History: Joachim Funke im Gespräch mit …

Die Erfahrungen mit Video-Kontakten in Zeiten von Corona haben viel Lustiges, manches Nervige, aber auch sogar Positives hervorgebracht. So habe ich die Videoaufzeichnungsfunktion von Skype entdeckt und mich dazu entschlossen, mit Ehemaligen vom Psychologischen Institut (PI) Gespräche über „die damalige Zeit“ zu führen (zu “skypen”). Ob so ein Unterfangen die Bezeichnung „oral history“ tragen sollte, wird sich zeigen, das haben andere zu entscheiden. Ich denke jedenfalls, dass Gespräche mit noch lebenden Zeitzeugen des PI ein paar interessante Biographien und interessante Details zutage fördern könnten. Es ist “Geschichte in Form von Geschichten”.

Warum Skype? Vor allem wegen der Aufzeichnungsmöglichkeit, bei der beide Gesprächspartner nebeneinander zu sehen sind. Ich hatte schon länger die Idee zu derartigen Videos, aber gescheitert ist diese Idee an der dafür nötigen Technik: Ein Gespräch im Büro benötigt zwei Kameras und mindestens eine weitere Person, die diese bedient; dazu Mikrofone etc., also erheblicher Aufwand, der (neben Terminfindung) nicht ganz einfach zu bewerkstelligen wäre. Das alles entfällt bei der jetzigen Form - und macht mich räumlich/zeitlich ungebunden! Und was Skype (ein Microsoft-Produkt, dem ich als Mac-User skeptisch gegenüber stehe) betrifft, war ich froh, in der Ausgabe Juni 2020 der “Stiftung Warentest” in einem Test von Videochat-Programmen lesen zu können: “Unter den kostenlosen Tools ist Skype die beste Wahl”.

Ich denke bei meinen möglichen Gesprächspartnern nicht nur an das wissenschaftliche Personal des Psychologischen Instituts, sondern auch an Studierende und Verwaltungsangestellte sowie an Personen, die in meinem Heidelberger akademischen Leben eine wichtige Rolle spielen oder gespielt haben. So habe ich also begonnen, Kontakt mit Ehemaligen aufzunehmen und anzufragen, ob Bereitschaft zu einem kurzem Gespräch via Skype besteht. Zu meiner großen Freude habe ich zahlreiche Zusagen erhalten und habe daher in den letzten Wochen fleissig „geskypt“. Natürlich muss so ein Interview geschnitten, nachbearbeitet, mit lizenzfreier Musik unterlegt werden - das kann ich inzwischen einigermassen. Ein Titelbild für die Videos war rasch gefunden.

Titelbild der Video-Reihe

Dass das Titelbild auf diesen Blog (HeiPI) Bezug nimmt, wird niemanden überraschen - sind doch zumindest Teile dieses Blogs “written history” und werden nun durch gesprochenes Wort (”oral history”) ergänzt. Eine Geschichte in Bildern könnte noch kommen…

Die ersten Ergebnisse meiner Gespräche habe ich in meinem YouTube-Channel auf einer separaten Playlist namens “Oral History” abgelegt - allein aus Platzgründen, denn ein halbstündiges Gespräch braucht in mittlerer Qualitätsstufe ca. 500 MB Plattenplatz, das sind bei 10 Gesprächen schon 5 Gigabyte… YouTube erweist sich da sehr großzügig, der Plattenplatz auf dem Institutsserver ist dagegen eher eine begrenzte Ressource…

Und natürlich ist das ganze Projekt “powered by Alumni Psychologici“, dem Freundeskreis unseres Instituts in der “Gesellschaft der Freunde”! Noch kein Mitglied? Hier geht’s zur Anmeldung.

Nachfolgend nun ein kurzer Überblick über die bisher freigegebenen Interviews (Stand Ende Juli 2020), zu finden auf meinem YouTube-Channel unter “Oral History PI Uni Heidelberg“:

  • Die ehemaligen Studierenden Unni Aadland (Norwegen), Nina Kathrin Brandt (USA), Maya Johannsson (Schweden) und Stefani Nellen (Niederlande) leben und arbeiten heute alle im Ausland, aber wie sich zeigt, sind die Erinnerungen an die Heidelberger Zeit sehr lebendig.
  • Herbert Wettig ist ein ehemaliger Student, der bei uns nach seinem Diplom auch noch in höherem Lebensalter promoviert wurde und zudem mit mir die “Alumni Psychologici” gegründet hat, die im Abspann genannt werden (”powered by Alumni Psychologici“).
  • Die frühere Studentin Margarete Over berichtet über ihr Engagement für das Collegium Academicum, ein außergewöhliches Wohnprojekt, an dem eine Reihe von Psychologie-Studierenden neben ihr massgeblich beteiligt sind.
  • Mit Annette Kämmerer (Professorin für Klinische Psychologie, im Ruhestand; heute in privater Praxis in Heidelberg tätig), Thomas Fydrich (Professor für Klinische Psychologie, HU Berlin, im Ruhestand), und Babette Renneberg (aktive Professorin für Klinische Psychologie, FU Berlin) ist ein wichtiger Teil vom Team der “damaligen” klinischen Psychologie abgebildet.
  • Bernd Reuschenbach (Professor für Pflegewissenschaft an der Katholischen Stiftungshochschule München) war lange Jahre in meiner eigenen Abteilung tätig und hat u.a. mit Bärbel Maier-Schicht den Landeslehrpreis gewonnen.
  • Klaus-Eckart Rogge hat jahrzehntelang die Methodenausbildung mitgestaltet - sein Methodenatlas verfolgte ein interessantes didaktisches Konzept. Darüberhinaus hat er 25 Jahre lang die Theatergruppe am PI geleitet.
  • Jutta Herrmann leitete über Jahrzehnte das Verwaltungssekretariat und war die “gute Seele” des Instituts. Sie kann Geschichten erzählen, die das Institutsleben aus der Innenperspektive lebendig werden lassen.
  • Alexandra Hohneder (heute tätig im Vorstand des “Generationenprojekts Neidenstein“) hat über viele Jahre hinweg unser Prüfungsamt geleitet. Auch da sind amüsante Details zu berichten. Die Umstellung von Diplom auf BSc/MSc fiel in ihre Zeit.
  • Mit Alt-Rektor Gisbert zu Putlitz spreche ich über das “Internationale Wissenschaftsforum Heidelberg” (IWH), das zum 600jährigen Jubiläum unserer Universität eingerichtet wurde in eben der Villa, die bis in die 1970er Jahre Heimat des Psychologischen Instituts war. In dem Kontext wurde damals auch die Stiftung Universität Heidelberg gegründet, die bis heute Gutes für die Ruperto Carola bewirkt.
  • Mit Dietrich Dörner spreche ich über seine (und auch über unsere gemeinsame) Geschichte. Er ist bis heute der einzige Kollege, der eine Ehrenpromotion auf Antrag unserer Fakultät erhalten hat. Mit ihm verbindet mich eine jahrzehntelange Auseinandersetzung über die “richtige” Methode zur Untersuchung von Denkprozessen.
  • Horst Gundlach, der 1973 bei Carl-Friedrich Graumann promoviert wurde und mir den Namen von Francis P. Hardesty bekannt machte, der von 1950-1954 an der Uni Hamburg tätig war (siehe hier) und 1973 als Lehrstuhlvertreter während des Aufenthalts von CFG an der New School in New York bei uns in Heidelberg lehrte.
  • Wolfgang Schneider, der sich an die Zeit der 68er-Studentenunruhen erinnert und berichtet, dass wir neben der damaligen Psychologie-Studentin Margrit Schiller, die zur RAF abdriftete, auch den Studenten Lutz Taufer an die RAF verloren haben.
  • Reiner Bastine, der 1972 nach Heidelberg auf den Lehrstuhl für Klinische Psychologie und Psychotherapie berufen wurde und eine starke Spur an Gründungen hinterlassen hat (z.B. StäKo; PSB; ZPP; ZfM). Darüberhinaus muss die Arbeitsatmosphäre in seiner Abteilung ausgezeichnet gewesen sein.
  • Peter Fiedler, der mit seiner Professur für Klinische Psychologie das Team der Kliniker verstärkt hat und soviele Lehrbücher geschrieben hat wie nur wenige andere.
  • Jürgen Bredenkamp, der von 1964 bis Frühjahr 1972 am Heidelberger Institut als Assistent von Carl-Friedrich Graumann gearbeitet hat und von 1980 bis 1997 zunächst in Trier und dann in Bonn mein Chef war. Er betont die schon damals vorherrschenden freundlichen Kontakte innerhalb der Mitarbeitenden - ein Vorläufer des “Heidelberger Geists“, vielleicht sogar dessen Ursprung.

Ich bin gespannt, wie diese Interview-Sammlung wächst! Die nächsten Termine sind schon geplant. Und ich bin gespannt, wie die Resonanz auf dieses Corona-bedingte Projekt ausfällt!

PS: Hier die (immer wieder mal aktualisierte; zuletzt: 11.8.2020) alphabetische Liste der Gesprächspartner mit dem Link zum jeweiligen Video: