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Erneut zur Ombudsperson gewählt

Seit Oktober 2009 bin ich als Ombudsperson für den Bereich Geistes- und Sozialwissenschaften tätig. Die Ombusperson ist erste Anlaufstelle bei vermutetem wissenschaftlichem Fehlverhalten eines Mitglieds unserer Universität. Die Ombudsperson ist eine Vertrauensperson und versucht bereits im Vorfeld durch Gespräche mit allen Beteiligten, Klärungen bei Streitigkeiten herbeizuführen und es so erst gar nicht zu offiziellen Verfahrenseröffnungen kommen zu lassen.

Vom Senat der Universität wurde ich nun auf Vorschlag von Prorektor Jörg Pross (dem Vorsitzenden der fraglichen Kommission) gerade für eine weitere vierjährige Amtszeit (bis 31.8.2025) in die „Kommission zur Sicherung guter wissenschaftlicher Praxis und zum Umgang mit Fehlverhalten in der Wissenschaft“ gewählt. Eine große Ehre, danke für das Vertrauen!

Obwohl die Fälle, mit denen wir es tun haben, häufig belastende Inhalte darstellen (der bekannteste „Fall“ der letzten Jahre dürfte der Bluttest-Skandal gewesen sein, um dessen Aufklärung wir uns in sehr vielen Sitzungsstunden bemüht hatten - damals war Prorektor Stephen Hashmi noch unser Vorsitzender), macht die Arbeit in der Kommission viel Freude. Die Freude rührt daher, dass alle Mitglieder der Kommission (sie repräsentieren verschiedene Zweige der Voll-Universität) an der Sache (”gute” Wissenschaft) interessiert sind und niemand persönliche Interessen verfolgt. Zudem teilen wir alle - trotz manchmal beachtlicher Unterschiede im Detail - sehr ähnliche Wertvorstellungen darüber, was gute wissenschaftliche Praxis ist und was nicht. Mit großer Ernsthaftigkeit werden Pro- und Contra-Argumente ausgetauscht und diskutiert, auch gibt es großen Respekt vor den jeweiligen Fachkulturen (sofern die Fachkultur nicht eine degenerierte Praxis darstellt…).

Die eher lautlose Arbeit (über aktuelle Fälle darf und will ich hier nicht schreiben) zeigt, dass immer wieder Streitigkeiten über Autorenschaften entstehen, aber auch Plagiatsvorwürfe zu prüfen sind. Der seinerzeit (Anfang des neuen Jahrtausends - ich war damals Mitglied der Sonderkommission unter Leitung von Manfred Berg) spektakuläre Fall der damaligen Europaparlamentarierin (FDP) Silvana Koch-Mehrin war für mich das erste Plagiatsverfahren, an dem ich unter dem Vorsitz von Manfred Berg teilnahm. Das Verfahren führte übrigens zum Entzug des Doktorgrads.

Natürlich sind mancherlei Forschungsgegenstände weiter weg, aber zum einen lernt man ja dazu, zum anderen ist die Distanz gar nicht schlecht, weil wir ja mögliches Fehlverhalten (und nicht die Richtigkeit der fachlichen Argumentation) zu beurteilen haben. Der DFG-Kodex ist dabei zu einer wichtigen Richtschnur geworden. Ich freue mich auf unsere nächsten Treffen!