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Gender Pay Gap auch an Hochschulen

Dass Frauen für die gleiche Leistung weniger Geld bekommen, ist ein Skandal, der unter dem Namen “gender pay gap” firmiert. Er ist nicht so einfach zu bestimmen, da viele Faktoren für die Geschlechterunterschiede (wie sie etwa bei der späteren Rentenleistung sichtbar werden) verantwortlich sind. Dennoch ist nach verschiedenen Analysen die Rede davon, dass in Deutschland Frauen für die gleiche Arbeit im Schnitt 16% weniger Gehalt bekommen - unerhört!

Aber ist das nicht ein Phänomen, das nur in der freien Wirtschaft auftritt, nicht aber an Hochschulen? Vermutlich stimmt diese Annahme nicht: Der im Dezember 2019 veröffentlichte Bericht des nordrhein-westfälischen Ministeriums für Kultur und Wissenschaft (Download hier) über die Gleichstellung von Männern und Frauen an dortigen Hochschulen offenbart wohl deutliche Gehaltsunterschiede im Wissenschaftsbetrieb:

An den Hochschulen gibt es einen Gender Pay Gap (deutsch: Geschlechter-Einkommenslücke), der durch leistungsbezogene Entgeltbestandteile entsteht. Die Leistungsbezüge sind Teil der Besoldung und werden beispielsweise für besondere Leistungen in Forschung oder Lehre gewährt. Verbeamtete Vollzeit-Professorinnen verdienen im Rahmen dieser Leistungsbezüge über alle Besoldungsgruppen hinweg jeden Monat durchschnittlich 521 Euro weniger als ihre männlichen Kollegen. Zwischen den Hochschulen existieren hierbei deutliche Spannweiten. Die Differenz der durchschnittlichen Leistungsbezüge zwischen Frauen und Männern liegt an einigen Hochschulen bei über 1.000 Euro im Monat.

Das ist doch recht deutlich, wie ich finde! Offensichtlich sind mit der Einführung von Leistungsbezügen im Rahmen der 2002 eingeführten W-Besoldung subtile Unterscheidungsmöglichkeiten entstanden, deren Auswirkungen erst jetzt so richtig sichtbar werden. Das in Halle angesiedelte “Institut für Hochschulforschung” berichtet von einer 2019 gestarteten Studie, die über Unterschiede in der W-Besoldung von Männern und Frauen aufklären soll. Wie die Zahlen wohl für Baden-Württemberg ausfallen? Und wie die Situation an der Uni Heidelberg ausfällt? Gut, dass wir eine Gleichstellungsbeauftragte haben, die sich um die Offenlegung der Zahlen kümmern dürfte! Aber das dahinter stehende Problem: das geht uns alle an (auch uns Männer - vor allem, wenn wir Personen einstellen)!

siehe auch den dazu passenden Blog-Eintrag von Jan-Martin Wiarda:

https://www.jmwiarda.de/2020/01/14/die-benachteiligungsmaschinerie-l%C3%A4uft-immer-noch-wie-geschmiert/

und dass Wissenschaftlerinnen ihre Ergebnisse weniger hochtrabend ankündigen als Wissenschaftler, macht der folgende Beitrag deutlich:

Lerchenmueller, M. J., Sorenson, O., & Jena, A. B. (2019). Gender differences in how scientists present the importance of their research: Observational study. BMJ, l6573. https://doi.org/10.1136/bmj.l6573
Nachtrag 17.3.2020: Eine Meldung der Nachrichtenagentur dpa, die uns in Baden-Württemberg beschämen sollte:
16.03.2020, 14:56 - wi bwg dpa. Stuttgart (dpa/lsw) - Die Entgeltlücke zwischen Frauen und Männern ist in Baden-Württemberg die höchste in Deutschland. Und auch im europäischen Vergleich schneidet der Südwesten schlecht ab, wie der Südwest-Ableger des Deutschen Gewerkschaftsbunds (DGB) am Montag in Stuttgart mitteilte. Anlass war der «Equal Pay Day» an diesem Dienstag (17. März): Bis zu diesem Tag mussten Frauen nach Angaben des Gewerkschaftsbunds arbeiten, um dasselbe Entgelt zu erhalten, das Männer bis zum Ende des Jahres 2019 verdient haben - 77 Tage mehr.
«Die Entgeltlücke ist in Deutschland deutlich größer als im europäischen Durchschnitt und in Baden-Württemberg innerhalb Deutschlands am höchsten», bilanzierte die stellvertretende DGB-Landesvorsitzende Gabriele Frenzer-Wolf am Montag. «Wir können alles außer Gleichstellung? Damit lässt sich ganz bestimmt keine Werbung machen.»

Über-Bürokratisierung der Universität?

Universitäten sind Orte der Forschung und Lehre - und ja: es sind auch Orte der Verwaltung! Und weil wir in Deutschland sind, haben wir eine besonders gute Verwaltung! Verwaltungen an Universitäten haben es schwer: als Wissenschaftler möchte ich möglichst wenig Verwaltung, möchte ich eine mich unterstützende und mir helfende Verwaltung. Wunsch und Wirklichkeit klaffen leider auseinander - die Bürokratisierung des Wissenschaftsalltags nimmt anscheinend unaufhaltsam zu (siehe auch den Bericht über eine repräsentative Umfrage zum Thema “Bürokratisierung” in “Forschung und Lehre”). Und daher muss ich heute einmal eine Lanze für Bürokratie-Abbau brechen!

Anlass ist ein Bericht meines neuen Projektmitarbeiters, der kürzlich eine eintägige Veranstaltung unserer Verwaltung besucht hat und ziemlich konsterniert davon zurückkam. Was hatten er und viele andere “Neulinge” im Wissenschaftsbetrieb mitmachen müssen (im Einladungsschreiben hiess es höflich aber deutlich: “Bitte beachten Sie: Die Teilnahme an der Schulung ist für Sie verpflichtend [Hervorhebung von mir, JF] und kann nur in begründeten Ausnahmefällen verschoben werden!”)? Die anschliessend ausgehändigte Teilnahmebestätigung des “Einführungstags für neue Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter” gibt Auskunft über die verhandelten Inhalte:

Die angeführten sieben Inhaltsbereiche des ganztägigen Einführungskurses (7.5 x 60 Minuten) waren laut Bescheinigung: “Mittelbewirtschaftung und Beschaffung; Steuern, Zeichnungsbefugnisse und Korruptionsprävention; Zentrale IT-Services; Datenschutz; Arbeitssicherheit; Personaladministration; Reisemanagement”. Sicher allesamt wichtige Themen - aber keines davon wurde nach dem mir zugetragenen Erfahrungsbericht wirklich erschöpfend behandelt. Immer wurde gesagt: fragen Sie im Zweifel den zuständigen Sachbearbeiter!

Derzeit wird für diesen Einführungstag ein hoher Preis  gezahlt. Wenn man nur die Kosten betrachtet, die dieser Tag auf Teilnehmerseite durch wegfallende Arbeitszeit verursacht (eine grobe Schätzung: 100 Mitarbeitende x 7.5 Stunden x 20€ Stundenlohn = 15.000 €), muss die Frage gestattet sein, ob dies eine effiziente Form der Wissensvermittlung darstellt. Eine Reihe der abgehandelten Themen betrifft die Mitarbeitenden gar nicht, andere sind im Moment nicht virulent (und bis sie das werden, haben sich die Vorschriften wieder geändert…).

Dass dieser “Einführungstag” demnächst auch für neuberufene Kolleginnen und Kollegen aus der Professorenschaft zur Pflicht werden könnte, lässt mich in meinem Pensionärsdasein klammheimlich schmunzeln (”… die Armen …”). Wären nicht andere Formen der Dissemination sinnvoller? Sollte man nicht stärker massgeschneiderte Angebote machen anstelle der Schrotflinten-Vermittlung nach dem eher ungünstigen Motto “one size fits all”? Und wie oft habe ich Klagen darüber gehört, dass zuständige Sachbearbeiter*innen nicht telefonisch erreichbar waren, wenn es Rückfragen gab? Das wäre doch wohl ebenso wichtig…

Was steht nicht auf dem Programm? Die Ethik wissenschaftlichen Arbeitens z.B., die uns in den vergangenen Jahren vermutlich mehr Probleme bereitet hat als die eine oder andere Tafel Schokolade, die Studierende ihren Betreuern zum Dank für eine gute Betreuung geschenkt haben und die die Beschenkten, wie im Kurs dargestellt, wohl unerlaubterweise (wg. Korruptionsprävention) angenommen haben. Der manchmal fehlende kollegiale Umgang miteinander erzeugt aus meiner Sicht als “Ombudsperson” schweren Schaden für die Betroffenen, fehlerhaft augefüllte Hilfskraft-Anträge sind natürlich ärgerlich, bräuchten aber weniger Schulung als das etwa im Bereich Personalmanagement und Personalführung wünschenswert wäre.

Ein “onboarding” mit einer Vermittlung unseres akademischen Selbstverständnisses, unserer Corporate Identity (”wir an der Uni Heidelberg”) fände ich mindestens so wichtig wie den Hinweis auf das A1-Formblatt, das vor Antritt einer Dienstreise ins europäische Ausland auszufüllen und einzureichen ist. Wie ein gutes “onboarding” der Verwaltungvorschriften aussehen könnte (ob ein kleines Handout mit kurzer Beschreibung der jeweiligen Themen und Angabe des jeweils zuständigen Sachbearbeiters, ob ein massgeschneidertes Themenangebot), wäre m.E. noch zu diskutieren. Dass die Neulinge den immer weiter wuchernden Dschungel der Vorschriften wenigstens in Umrissen kennenlernen sollen, ist nachvollziehbar, gerne auch gegen Unterschrift, um die Universität aus der Haftung zu entlassen. Aber es sollte nicht abschrecken und wenig belastend sein - denn Uni heisst in erster Linie: Forschung und Lehre. Je unsichtbarer und geräuschloser die Verwaltung, umso besser!

Also: ich hoffe auf die Vernunft der verantwortlichen Administration, deren guter Wille deutlich zu erkennen ist, aber die in der Umsetzung nach meinem Dafürhalten weit über das Ziel hinausschiesst: Da besteht Änderungsbedarf! Semper apertus!

Ein gutes neues Jahr 2020

Ich wünsche allen Blog-Leserinnen und -Lesern nicht nur ein gutes neues Jahr, sondern gleich ein gutes neues Jahrzehnt (das ja eigentlich erst 2021 beginnt…)! Für mich selbst hat es gut angefangen: Ich bin auf dem Weg zur heutigen Vorlesung  - anders als letztes Jahr um diese Zeit - mit dem Fahrrad sturzlos im Institut angekommen und freue mich auf die anstehenden Aufgaben.

Neben verschiedenen Manuskripten, an denen ich schreibe, steht die Projektarbeit an unserem Carl-Zeiss-Projekt auf dem Programm, verschiedene Gutachten warten darauf geschrieben zu werden, Vorträge sind vorzubereiten und Alt-Daten zum Tailorshop warten auf eine Re-Analyse.

Daneben verfolge ich mit großer Aufmerksamkeit die Entwicklungen im Zusammenhang mit dem neuen Psychotherapie-Studiengang, die anstehende Entscheidungen im Masterplan Neuenheimer Feld, die weiteren Ereignisse im Bluttest-Skandal oder die Reaktion unseres Rektorats auf die Forderungen der Heidelberger “Students for Future“. Dass der erst vor kurzem von Alphonse_the_Brain geprägte Hashtag #TofuMitJofu in meinem Blog zu einem Nachhaltigkeitssymbol geworden ist, habe ich von einem aufmerksamen Leser gelernt, der das “Wordle” (die Wörterwolke am linken Blogrand) genauer betrachtet hat - danke für den Hinweis! Ich werde das in 2020 weiter verfolgen!

Vielleicht geht ja auch mal der lang gehegte Wunsch nach einem Update der WordPress-Version (=meine Blogger-Software) in Erfüllung? Die im URZ für mich bereitgestellte WordPress-Version 2.1 von 2009 läuft zwar nach wie vor (Dank an das URZ für den Support), aber die inzwischen verfügbare Version 5.3.2 ist schon etwas komfortabler…

Und ich freue mich über die vielen Leserinnen und Leser meines Blogs - allein der Beitrag zu meiner zweimalig versagten Seniorprofessur vom November 2019 ist bisher (Stand heute, 7.1.2020: >2.600; Stand Mitte Februar 2020: >5.000) angeklickt worden. Beleg für die These: “bad news is good news”? Mich freut das große Interesse jedenfalls! Und in der Rückschau freue ich mich über die gewonnene Freiheit nach dem Motto: lieber “Mittel ohne Titel” anstatt eines “Titels ohne Mittel”! Ich laufe an keines Herren Leine mehr.

Tanja Bipp wird neue Professorin für Arbeits- und Organisationspsychologie

Aus gut unterrichteten Kreisen ist eine gute Nachricht zu mir gedrungen: Prof. Dr. Tanja Bipp (Uni Würzburg) hat den Ruf auf die Professur für Arbeits- und Organisationspsychologie (Nachfolge Prof. Dr. Karlheinz Sonntag) an unserem Institut zum 1.4.2020 angenommen! Herzlichen Glückwunsch!

Damit geht eine Zeit des Übergangs zu Ende, in der uns Prof. Dr. Ingela Jöns dankenswerterweise als Vertretungsprofessorin geholfen hat, das Lehrangebot aufrechtzuerhalten - auch dafür allerbesten Dank!

Tanja Bipp hat als ihre Forschungsschwerpunkte auf ihrer gegenwärtigen Homepage folgendes benannt: Arbeitsmotivation, Effekt von Zielen, Persönlichkeit & Leistung im akademischen und beruflichen Bereich, Angewandte Diagnostik im Arbeitsleben, Arbeitsgestaltung, Job Crafting, Arbeit & Gesundheit, Rolle personeller Ressourcen. Da sind mehrere Anknüpfungspunkte an hiesige Forschungsthemen bei uns am Institut zu erkennen. Mal sehen, welche sich davon realisieren lassen.

Liebe Tanja: Willkommen im Kollegium des Psychologischen Instituts! Wir wünschen Dir einen guten Start!

Masterfeier 2019

Am Freitag 13.12.19 haben wir viel Betrieb im Psychologischen Institut gehabt: Die Masterabsolventinnen und -absolventen des Jahrgangs 2019 (knapp 50 der >70 Absolventen hatten sich angemeldet, plus zwei nachgezügelte Diplomer) kamen zur nachmittäglichen Feier mit ihren Angehörigen und Freunden ins Institut. Angesichts der zahlreichen Anmeldungen hatten wir Sorge, ob unsere Plätze im Hörsaal 2 ausreichen würden - hat aber alles gut geklappt! Und schön, dass der HS2, in dem viele der Anwesenden ihre ersten Stunden im EKS am PI verbracht haben, auch für die letzten Stunden im Institut den Tatort darstellte!

Der Geschäftsführende Direktor Prof. Dr. Andreas Voß war durch Dienstgeschäfte in Stuttgart im Zusammenhang mit den Planungen zum Direktstudium Psychologie verhindert und hatte mich gebeten, seine Rolle als Gastgeber zu übernehmen. Ich begrüßte die Gäste, die zum Teil von weit her angereist kamen. Ich habe die Bedeutung kritischen Denkens betont, das die Studierenden bei uns gelernt haben sollten. Der Hörsaal ist kein Ort des Glaubens, sondern einer des Zweifelns.

Alex Syndikus (M.Sc.) hielt den Rückblick auf die vergangenen Jahre aus Sicht der Studierenden. Er berichtete unter dem Stichwort “Liebe” über die verschiedenen Formen von Freundschaft, die sich im Studium gezeigt hätten. Seine Rede war von Dankbarkeit und Freundschaft geprägt - wie schön!

FotoBox-Bilder von Alex Syndikus und mir

FotoBox-Bilder von Alex Syndikus und mir (anklicken zum Vergrößern)

Wie jedes Jahr wurde der Franz Emanuel Weinert-Preis für die beste Abschlussarbeit vergeben. Die Jury unter dem Vorsitz von Andreas Voß (bestehend aus ihm, Dr. Hinrich Bents und mir) suchte aus fünf vorgeschlagenen Spitzenarbeiten diejenige von Mara Sophie Söker aus, die sich mit reaktiver Aggression bei Borderline-Patientinnen beschäftigte. Gratulation zu einer schönen Arbeit!

Prof. Dr Oliver Schilling trug als Vorsitzender unseres Prüfungsausschusses dann die Namen der knapp 50 anwesenden (von insgesamt 80) Absolventinnen und Absolventen vor (im Hintergrund wurden die Titel der Arbeiten eingeblendet). Nachdem alle Absolventinnen und Absolventen (fast alle im Talar) vorne im Hörsaal versammelt standen, gab es ein Gruppenfoto. Dann wurde zum obligatorischen Hütewurf gerufen! Ich freue mich, dass schöne Aufnahmen davon im Netz zu finden sind (eines habe ich auf Facebook gestellt!).

Cornelius Kückelhaus

Unsere Absolventinnen und Absolventen 2019 / Foto: Cornelius Kückelhaus (anklicken zum Vergrößern)

Die musikalische Umrahmung wurde von der Sängerin Hannah Wagner (selbst eine Absolventin des Jahrgangs 2019) mit drei wunderbaren Songs gestaltet, begleitet am Piano von Urs Willabredt. Danke dafür!

Natürlich musste ich in meinen Schlußworten alle diejenigen enttäuschen, die auf mein Ausscheiden am 31.3.19 gehofft haben - die Ablehnung einer dreijährigen Seniorprofessur durch das Rektorat meiner Universität hat meine Tätigkeit nicht zum Erliegen gebracht (danke, liebe Kolleginnen und Kollegen aus dem Institut!). Meine drei Wünsche an die Absolventinnen und Absolventen (auch auf früheren Abschlussfeiern vorgetragen): (1) Lebenslanges Lernen angesichts rasch verfallender Wissensbestände, (2) ethischer Umgang mit dem erworbenen Wissen und (3) die Verpflichtung, mit uns in Kontakt zu bleiben - das waren die Dinge, die ich den Absolventinnen und Absolventen ans Herz legen wollte.

Damit sie unser Heidelberger Institut nicht vergessen, erhielten sie alle zum Abschied eine Alumni-Psychologici-Kaffeetasse, in der eine Beitrittserklärung an unsere Sektion steckte. Vor ziemlich genau 20 Jahren, am 1.12.1999, haben Herbert Wettig und ich die Sektion Psychologie im Verein der Freunde gegründet (hier Bilder von der Vertragsunterzeichnung, hier die Pressemitteilung zum 10jährigen Geburtstag). Meine Hoffnung: möge der eine oder die andere doch Mitglied in unserem Förderverein (und der Sektion Alumni Psychologici) werden! Falls die eigenen Mittel am Berufsanfang noch etwas klamm sind: Vielleicht übernehmen die Eltern die Gebühr von 25 € pro Jahr (für die ersten 3 Jahre nach Abschluss; später regulär 50 €, gerne mehr!).

Frau von Wenserski bekam von mir einen Blumenstrauß - Ihre Vorbereitungen (zum letzten Mal, da sie unser Institut verlassen und ans IBW gewechselt hat) waren wie immer ausgezeichnet und sorgten für einen reibungslosen Ablauf. Danke auch an Frau Fauth für die Mithilfe bei der Talarausgabe und beim Hüteverkauf, vor allem aber auch den Hilfskräften der Abteilungen Methodenlehre und Allgemeine Psychologie, die in verschiedenen Funktionen beteiligt waren. Unter anderem war auch wieder eine Fotobox aufgestellt, wo man lustige Passfotos machen konnte, die sofort ausgedruckt werden konnten.

Alles in allem wieder eine - wie ich finde - schöne und gelungene Feier! Das haben mir viele Eltern beim anschließenden Empfang mit Sekt und Selters sowie mit kleinen Snacks und Brezeln bestätigt! Viele Fotos sind gemacht worden (vor allem mit der Foto-Box), dazu auch herrliche Aufnahmen vom “Hütewurf” (besonders nett als Slow-Motion-Video). Wie gut, dass wir den Abschied feierlich gestaltet haben!

Bauchgefühl im DAI

Am Sonntag, den 8.12.19 war ich zu einer Podiumsdiskussion ins DAI geladen. Im Rahmen des abwechslungsreichen Programms des “International Science Festivals” (besser bekannt unter dem Motto “Geist Heidelberg“) ging es unter dem Titel “Prof. Dr. Bauchgefühl - Wissenschaft zwischen Intelligenz und Intuition” um die Frage, welche Rolle die Intuition in der Wissenschaft spielt. Angekündigt war die Veranstaltung mit Prof. Dr. Dr. Rafaela Hillerbrand, Technikethik und Wissenschaftsphilosophie, Karlsruher Institut für Technologie; Prof. Dr. Matthias Weidemüller, Physikalisches Institut, Universität Heidelberg; und mit mir, Psychologisches Institut, Universität Heidelberg. Für die Moderation war Joachim Müller-Jung, Ressortleiter Natur und Wissenschaft, FAZ, vorgesehen.

Um 17 Uhr waren zwar sehr viele Zuhörende da (der Saal im 1. Stock des DAI war voll), aber Frau Hillerbrand war erkrankt und auch der Moderator hatte es nicht rechtzeitig nach Heidelberg geschafft. Was tun? Der Direktor des DAI, Jakob Köllhofer, zögerte nicht lange und übernahm selbst die Moderation zwischen dem Quantenphysiker Weidemüller und dem Denkpsychologen Funke, die er mit seinen Impulsen zu immer neuen Stellungnahmen herausforderte.

Was ist für mich Bauchgefühl? Bauchgefühl ist ein schnelles, intuitives Urteil. Wir sprechen in der Psychologie - so etwa der amerikanische Psychologe Daniel Kahneman – manchmal von zwei qualitativ verschiedenen Systemen, mit denen wir als Menschen operieren: einem evolutionär älteren System 1, das schnelle (wenngleich nicht immer korrekte) Entscheidungen aus dem Bauch heraus (aus dem Rückenmark) auf der Basis von Lebenserfahrung und angeborenen Tendenzen (Bsp. Spinnenangst) trifft und verbal schlecht begründbar ist, und ein jüngeres System 2, das in der Großhirnrinde und im präfrontalen Kortex angesiedelt ist und in langsamer Geschwindigkeit argumentativ abwägend rationale Urteile fällt. Der Psychologe Gerd Gigerenzer hat in seinem 2007 erschienenen Buch “Bauchentscheidungen” mehr dazu geschrieben.

Sigmund Freud hat diese zwei Systeme vor über 100 Jahren in ähnlicher Weise das Unbewusste bzw. Bewusste genannt. Blaise Pascal, ein französischer Philosoph aus dem 17. Jahrhundert (1623-1662), hat das so formuliert: “Das Herz hat seine Gründe, die die Vernunft nicht kennt.“ In der experimentellen Psychologie der Neuzeit tauchen diese beiden Systeme unter wechselnden Namen auf. So sprechen manche vom impliziten und expliziten Wissen oder von impulsiver und reflexiver Verarbeitung. Übrigens hat schon Platon in seinem Gleichnis vom Wagenlenker davon gesprochen, dass zwei Pferde (ein triebhaft begehrendes - epithymetikon - und ein mutig wollendes - thymoeides) vom vernünftigen Wagenlenker (logistikon) auf die richtige Spur gesetzt werden müssen.

Der evolutionäre Erfolg des Homo Sapiens hängt sicher mit der Entwicklung des langsamen, reflexiven, expliziten Systems 2 zusammen - ein Erfolg der Rationalität, mit dessen Schattenseiten wir immer wieder konfrontiert werden. Bauchgefühl ist für mich daher eine zusätzliche und willkommene Ergänzung meiner Rationalität.

Welche Rolle spielt Bauchgefühl in meiner Forschung und bei meiner Arbeit? Universitäten sollten Orte maximaler Rationalität sein - dennoch: Ich kann mir Forschung ohne Bauchgefühl kaum vorstellen! Ich sehe mich nicht als Wissenschaftsroboter, der nüchtern und komplett rational seine Fragestellungen abarbeitet. Ich bin ein Mensch, dessen Herzblut für die Wissenschaft fließt (die Betonung liegt auf Herz). So eine Leidenschaft mag manchem irrational vorkommen - aber sie ist unverzichtbarer Antrieb meines Handelns, das natürlich strengen Rationalitätsprinzipien folgt.

Universitäten, so hat Karl Jaspers einmal gesagt, sollten „Orte unbedingter Wahrheitssuche“ sein - das Problem dieser an sich wunderbaren Zielvorstellung über das Wesen einer Universität besteht im Wahrheitsbegriff. Eine naive Wahrheitskonzeption sagt: Wahrheit ist Überstimmung zwischen den Dingen und dem, was ich über sie sage. Naiv ist diese Konzeption deswegen, weil wir die Dinge immer perspektivisch, d.h. aus unserem individuellen Blickwinkel sehen. Deswegen muss Wahrheit immer auch als soziale Dimension mitgedacht werden - in der Wissenschaft nennen wir dieses Prinzip „intersubjektive Übereinstimmung“. Aber selbst dabei kann es zu Fehlern kommen (Stichwort „group think“).

Was hat das mit Bauchgefühl zu tun? Wissenschaftliche Forschung darf sich im Kontext der Entdeckung, also der Suche nach möglichen Erklärungen, sehr wohl auf ein Bauchgefühl stützen. Im Kontext der Überprüfung dagegen müssen wir in den Modus des strengen Zweifelns übergehen, da darf kein Bauchgefühl mehr im Spiel sein. „Context of discovery“ und „context of justification“ sind übrigens Konzepte, die der Wiener Philosoph Hans Reichenbach 1938 geprägt hat zur Beschreibung zweier fundamental unterschiedlicher Phasen im Forschungsprozeß.

In meiner eigenen Forschung zum Umgang von Menschen mit komplexen, intransparenten, dynamischen Systemen spielt die “Intuition der Experten” eine wichtige Rolle. Expertise heisst Erfahrungswissen, auf das sich die Intuition stützen kann. Das ist ganz wichtig: erfahrungsgetränkte Intuition ist viel wertvoller als naive (blinde) Intuition. Ein Beispiel: Beim Arztbesuch lassen Sie ein EKG machen. Ihnen wird von unspezifischen EKG-Auffälligkeiten und dem Verdacht auf einen Herzfehler berichtet - wenn das von einem erfahrenen Kardiologen kommt, kann man das vage Urteil eher annehmen als wenn ein Medizinstudent einen derartigen Verdacht äußert.

Herausgekommen ist eine lebendige Diskussion auf der Bühne, später auch noch mit dem Publikum, in dessen Quintessenz die Anerkenntnis stand, dass die beiden unterschiedlichen Herangehensweisen an Entscheidungen und an Erkenntnisgewinn nebeneinander Bestand haben und beide ihre Stärken (wie auch Schwächen) haben. Ein salomonisches Urteil, wie Jakob Köllhofer in seinem Schlußwort bemerkte. Also: ein interessanter Spätnachmittag mit einigen neuen Einsichten!

Streitkultur beleben

In der aktuellen Ausgabe 48/2019 titelt das Wochenmagazin “ZEIT” in einem Beitrag von Manuel Hartung und Katharina Menne: “Politische Wissenschaftler: Zeigt Euch!” und bezieht sich dabei auf eine Rede, die Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier in Hamburg am 18.11.19 vor der Jahresversammlung der Hochschulrektorenkonferenz gehalten hat. Jetzt habe ich sie gelesen (hier zu finden) und bin beeindruckt von seinen klaren Worten, die er den Rektoren und Präsidenten der bundesdeutschen Hochschulen mit auf den Weg gegeben hat. Hier ein paar markante Textstellen:

… Wer eine Universität betritt, sei es als Lehrender oder als Studierender, betritt also nicht die stille, erdabgewandte Seite des Mondes. Sondern der betritt einen Raum der geistigen, auch politischen Auseinandersetzung. Natürlich werden in diesem Raum die aktuellen Konflikte, die in einer Gesellschaft virulent sind, nicht sistiert [=ausgeblendet, J.F.], sondern oft besonders deutlich artikuliert und ausgetragen.

… Die Welt braucht nicht nur gut ausgebildete Könner ihres Fachs, nicht nur fleißige Sammler von Creditpoints, sondern vor allem kritische und selbstkritische, politisch wache Menschen. Selbstbewusste akademische Bürgerinnen und Bürger, die selbstbewusste Staatsbürgerinnen und Staatsbürger werden. Die es gelernt haben, strittige Themen mit offenem Visier zu diskutieren – und Unterschiede auszuhalten, ohne sich in Selbstverkapselung zu verkriechen oder in rücksichtsloser Aggressivität nur die eigene Meinung gelten zu lassen.

… Manche verwechseln das Recht auf Meinungsfreiheit mit dem Anspruch darauf, dass auch alle anderen ihre Meinung teilen. Oder mit dem Recht, jede noch so absurde Behauptung müsse ernst genommen werden. Wer sich aber öffentlich äußert, muss natürlich mit der Überprüfung seiner Aussage rechnen und mit Widerspruch. Dem ‘Das wird man ja wohl noch sagen dürfen’ folgt eben gern ein ‘Da wird man ja wohl auch widersprechen dürfen’ – und das nenne ich nicht Mainstream-Tugendterror, sondern Demokratie! … Was wir wieder neu brauchen, ist Streitkultur. Streitkultur billigt anderen zunächst lautere Absichten zu. Streitkultur erspart anderen keinen Widerspruch, aber sich selber auch keine Selbstkritik. Streitkultur fasst nicht mit Samthandschuhen an, aber lässt auch nicht die verbale eiserne Faust sprechen. Streitkultur öffnet nicht nur den eigenen Mund, sondern auch die eigenen Ohren. Streitkultur braucht den Wunsch, zu überzeugen und die Offenheit, sich gegebenenfalls auch selbst überzeugen zu lassen. Streitkultur braucht also beides: Mut und Gelassenheit.

… Die Universität soll kein Ort der geistigen Schonung sein, sondern ein Ort der Freiheit aller zum Reden und zum Denken. Und die Exzellenz einer Hochschule erweist sich – neben aller Internationalisierung, Digitalisierung, Optimierung – vor allem daran, ob hier gepflegt und eingeübt wird, was unsere Demokratie so dringend braucht: den erwachsenen Streit, die argumentative Kontroverse, den zivilisierten Disput.

Tolle Forderungen, denen ich mich uneingeschränkt anschließen kann! Gut gefallen hat mir, dass unser Bundespräsident Universitäten als prädestinierte Orte zur Wahrheitssuche beschreibt! Karl Jaspers, dessen Andenken wir in Heidelberg sowohl mit einer nach ihm benannten Karl-Jaspers-Professur wie auch mit einem ebensolchen jährlich vergebenen Karl-Jaspers-Preis hochhalten, beginnt sein Buch “Die Idee der Universität” (1923/1946/1961) mit den starken Sätzen: “Die Universität hat die Aufgabe, die Wahrheit in der Gemeinschaft von Forschern und Studenten zu suchen. Sie ist die Stätte, an der das hellste Bewußtsein des Zeitalters sich entfalten soll. Dort dürfen als Lehrer und Studenten Menschen zusammenkommen, die den Beruf haben, uneingeschränkt Wahrheit als solche, ihrer selbst wegen, zu ergreifen. Daß irgendwo bedingungslose Wahrheitsforschung stattfinde, ist ein Anspruch des Menschen als Menschen.” (Gesamtausgabe, Band I/21, S. 263).

In Zeiten der Exzellenz denke ich gelegentlich, dass die Suche nach Finanzmitteln (man denke an das Verhältnis von Landeszuschüssen und Mitteln Dritter, siehe hier), die Suche nach medialer Aufmerksamkeit (das professionell betriebene Marketing von Universitäten), das Streben nach Ruhm, Geld und Ehre (z.B. beim Bluttest-Skandal) fast wichtiger geworden sind als die Suche nach Wahrheit. Wenn das zuträfe, wäre eine Rückbesinnung auf die Idee der Universität als primärer Ort für Wahrheitssuchende sicher hilfreich. Dass es dazu des gepflegten Streits mit Argumenten Pro und Contra sowie einer entsprechenden Streitkultur bedarf, steht für mich außer Frage. Und die Kraft von Argumenten hängt nicht vom Status oder der Machtposition des Diskussionspartners ab - Jürgen Habermas, der von 1961 bis 1964 in Heidelberg wirkte, spricht vom “herrschaftsfreien Dialog“. Dass nicht von oben herab entschieden wird, sondern auf Augenhöhe unter gleichberechtigten Partner, ist dafür ein Kennzeichen. Fair ausgetragene Kontroversen bringen uns am Ende weiter als mit Macht durchgesetzte Meinungen.

Brauchen wir “politischere Wissenschaftler”, wie im eingangs genannten “ZEIT”-Artikel gefordert? Ich denke ja! Wissenschaft hat heute einen Komplexitätsgrad erreicht, in der selbst ich als Experte beim “peer review” (also der fachlichen Kontrolle) von Artikeln aus meinem Fachgebiet an Grenzen der Nachvollziehbarkeit stoße. Interessierte Laien haben kaum noch Möglichkeiten zur kritischen Rezeption. Daneben gibt es eine Verantwortung von Wissenschaftlern nicht nur in bezug auf ihre Wahl der Forschungsthemen und die Einhaltung ethischer Prinzipien bei der Wahl von Untersuchungsmethoden, sondern auch eine Verantwortung für die Verwendung ihrer Erkenntnisse. Dass Wissenschaftler von der Gesellschaft freigestellt werden zur Forschung und zur Lehre, ist mit der Erwartung verbunden, dass diese Forschung nicht nur die persönliche Neugier befriedigen soll (und nebenbei zur Förderung der persönlichen Karriere beiträgt), sondern zum Wohl der Gemeinschaft dient. Die enorme Freiheit des Wissenschaftlers ist an eine nachvollziehbare Verantwortung gegenüber den Mitmenschen gebunden.

Gefreut habe ich mich daher über die “Jenaer Erklärung” der Deutschen Zoologischen Gesellschaft zum nicht mehr akzeptablen Begriff der Rasse, kurz gefasst: “Das Konzept der Rasse ist das Ergebnis von Rassismus und nicht dessen Voraussetzung.” Die ausführliche Erläuterung, warum der Rasse-Begriff nicht tauglich ist, findet sich hier. Auch andere Disziplinen und andere Vereinigungen mischen sich ein: Die “Union of Concerned Scientists” (=Vereinigung besorgter Wissenschaftler) ist in den USA (und weltweit) seit 1969 in Sachen Abrüstung und seit 1992 in Sachen Klimaschutz aktiv, die Scientists for Future sind im Zuge der Fridays for Future-Bewegung entstanden. Hier zeigt sich eine große Bereitschaft von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern, politisch zu handeln und nicht im Elfenbeinturm der Wissenschaft zu verharren. Das sind gute Zeichen, wie ich finde! Wir brauchen mehr davon!

Abschied von Edith von Wenserski

Heute morgen gab es eine kleine Abschiedsfeier in meinem Büro: Edith von Wenserski, die am 1.4.2014 als Sekretärin an unserem Institut (für die Methodenlehre und für die Allgemeine Psychologie) zu arbeiten begann und ihr Zimmer direkt neben meinem hatte, ist zum 1.11.2019 an das Institut für Bildungswissenschaften (IBW) gewechselt. Zuletzt hat sie als Sekretärin des Geschäftführers viel zu organisieren gehabt.

Fünf lebhafte Jahre gehen jetzt zu Ende, wir haben uns gemeinsam über unsinnige bürokratische Hemmnisse aufgeregt, aber auch gemeinsam über lustige Episoden gelacht. Frau Wenserski wird uns noch ein wenig helfen bei den anstehenden Jahresabschlüssen und vor allem bei der bevorstehenden Masterfeier! Die vergangenen Masterfeiern wären ohne ihre tatkräftige Mitarbeit kaum vorstellbar gewesen. Ihre Organisationsfähigkeit und spontane Hilfsbereitschaft (z.B. noch mal eben schnell mit dem von zu Hause mitgebrachten Bügeleisen über knubbelige Talare fahren) bleiben unvergessen! Auch ihre guten Kontakte in die Verwaltung haben uns vielfach geholfen. Jetzt profitiert das IBW davon!

Liebe Frau Wenserski: Wir wünschen Ihnen auch von dieser Stelle nochmals alles Gute am neuen Platz! Ich bin sicher, wir werden uns noch öfter begegnen!

Psychotherapiestudium kann kommen!

Am Freitag 8.11.19 hat der Bundesrat die vom Bundestag bereits verabschiedete Reform des Psychotherapiestudiums bestätigt (hier zur Beschluss des Bundesrats). Jetzt kann die Arbeit in den uni-internen Kommissionen beginnen - jetzt muss sie beginnen, wenn zum 1. Oktober 2020 der neue Studiengang starten soll (was unsere Studierenden bestimmt begrüßen würden). Dass vieles noch im Nebel liegt (z.B. die Finanzierung der entstehenden Mehrkosten aus dem Landesministerium), darf jetzt kein Grund zur Untätigkeit sein. Viele Eckpunkte stehen bereits jetzt fest und die Planung sollte Flexibilitäten enthalten. An die Arbeit!

Zu den Hintergründen der Bundesrat-Entscheidung siehe auch https://www.jmwiarda.de/2019/11/10/ja-ohne-ansage/

Auch lesenswert: Interview von Jan-Martin Wiarda mit Niedersachens Wissenschaftsminister Björn Thümler, mit speziellem Bezug zur Reform der Psychotherapieausbildung: https://www.jmwiarda.de/2019/11/08/nicht-neidvoll-nach-s%C3%BCden-schauen/ Zitat daraus: “Es ist eine Schieflage in unserem System, dass der Bund die Neudefinition von Ausbildungsanforderungen vorantreiben kann, die Finanzierung aber allein an den Ländern hängen bleibt. Ich will Ihnen nur eine Zahl nennen. Allein die Reform der Psychotherapeuten-Ausbildung, wie der Bund sie beschlossen hat, kostet deutschlandweit rund 50 Millionen Euro mehr pro Jahr, da ist der Overhead noch nicht eingepreist. Für uns in Niedersachsen macht das etwa fünf Millionen. Entweder führt das dazu, dass man bei der Qualität trickst, oder man muss anderswo Geld wegnehmen.”

3 Tage im Zeichen der Stiftung Universität

Drei Tage im Zeichen der Stiftung Universität Heidelberg: Am Donnerstagabend (7.11.) fand unter dem Titel “Festlicher Abend für die Wissenschaftsförderung  an der Universität Heidelberg” das erste Fundraising-Dinner unserer Stiftung statt. Im festlichen Ambiente des “Europäischen Hofs” kamen knapp 100 Freundinnen und Freunde der Universität zu einem köstlichen Essen zusammen, das umrahmt wurde durch einen Festvortrag des Psychiaters Prof. Dr. Hans-Ludwig Kröber zum Thema “Muss Strafe sein? Oder Therapie für alle?” und durch Musik aus der Welt des Verbrechens, vorgetragen von der Chansonsängerin Heidi Schließer-Sekulla sowie dem Streichquartett des Collegium Musicum unter der Leitung von Universitätsmusikdirektor (UMD) Michael Sekulla. Begrüßt wurde die Versammlung von unserem Vorsitzenden Dr. Karl Hahn.

Meine Vorstandskollegin Gabriele Meister und mein Vorstandskollege Thorsten Helm haben zusammen mit unserer Geschäftsfüherin Sabine zu Putlitz unter aktiver Mitwirkung unseres Kurators Georg von Hohnhorst eine tolle Veranstaltung organisiert, die viel Freude gemacht hat und die teilnehmenden Personen ins Gespräch gebracht hat. Zudem haben Spenden im mittleren fünfstelligem Bereich die Handlungsmöglichkeiten unserer Stiftung in Zeiten schlechter Zinserträge deutlich verbessert. Dank an alle, die uns so großzügig unterstützt haben! Wir wissen das zu schätzen!

Am Freitagabend (8.11.) fand die jährliche Verleihung der Ruprecht-Karls-Preise 2019 für die besten Dissertationen statt. usgezeichnet wurden die wissenschaftlichen Arbeiten von Dr. Emily Mae Graf (Philosophie), Dr. Athina Sachoulidou (Jura), Dr. Hanna Schleihauf (Psychologie), Dr. Jan Vollert (Medizin) und Dr. Eva-Sophie Wallner (Biologie). Die Jury, die erstmalig unter dem Vorsitz von Prof. Dr. Bernd Schneidmüller zusammenkam, entschied auf der Grundlage von Vorschlägen der Fakultäten. Bernd Schneidmüller trug die Laudationes auf die Preisträgerinnen und Preisträger vor und machte deren besonderen Leistungen sichtbar. Der Umweltpreis der Viktor und Sigrid Dulger Stiftung ging (in Anwesenheit von Frau Dulger) an Dr. Jan Hartmann (Geowissenschaften). Den Fritz Grunebaum-Preis erhielt Valentin Lang (Wirtschaftswissenschaft). Ich freue mich besonders, dass unser eigenes Fach diesmal wieder mit einer Preisträgerin vertreten ist - Prof. Dr. Stefanie Höhl und Prof. Dr. Sabina Pauen waren die Betreuerinnen der ausgezeichneten Arbeit von Dr. Hannah Schleiauf. Eine Gratulation habe ich schon am Abend persönlich ausgesprochen, das wiederhole ich gerne auch nochmal an dieser Stellle!

Den Festvortrag in der Alten Aula hielt die Völkerrechtlerin Prof. Dr. Anja Seibert-Fohr zum Thema “Des Menschen Würde: Universelles Recht oder eine Frage der Perspektive?”. Es wurde deutlich: Nicht nur im Deutschen Grundgesetz ist die Menschenwürde von höchster Bedeutung, sondern taucht auch in der Charta der Vereinten Nationen an prominenter Stelle auf. Anschließend gab es einen Empfang durch die Stiftung in der Bel Etage des Rektors, bei dem viel erzählt wurde, alte Freundschaften aufgefrischt und neue Kontakte  hergestellt werden konnten.

Am Samstag (9.11.) schließlich erfolgte erstmalig ein Treffen bisheriger Preisträgerinnen und Preisträger. Seit 1990 gibt es davon 146 (!), von denen ein Drittel jetzt wieder den Weg zurück nach Heidelberg fanden (zum Teil von sehr weit her). Neben einer Besichtigung und Führung durch das EMBL gab es nachmittags eine moderierte Diskussion unter den Laureaten im IWH. In vier Impulsreferaten erfuhren wir Details zur Genschere CRISPR (Dr. Dominik Niopek), zu Smart Cities (Dr. Margit Tünnemann), zur Epidemiologie der Brustkrebsforschung (Prof. Dr. Jenny Chang-Claude) und zu moderner Mozartforschung (Dr. Ulrich Leisinger). Lebhafte Diskussionen zu den einzelnen Themen zeigten, dass die impulsgebenden Personen ihren Auftrag gut ausgeführt hatten.

Abgerundet wurde der dritte Tag von einem Abendessen im Prinz-Carl-Palais zu Ehren von Prof. Dr. Paul Kirchhof, der mehr als 25 Jahre lang den Vorsitz der Ruprecht-Karls-Preisjury innehatte. Viele der Preisträgerinnen und Preisträger waren anwesend, ebenso wie die noch lebenden (Alt-)Rektoren seit den 1980er Jahren (Prof. Dr. Gisbert zu Putlitz, Prof. Dr. Peter Ulmer, Prof. Dr. Peter Hommelhoff, Prof. Dr. Bernhard Eitel - Prof. Dr. Jürgen Siebke ist 2017 verstorben).

Nach einer kurzen Ansprache des Vorstandsvorsitzenden der Stiftung, Dr. Karl Hahn, begrüßte der Grunebaum-Preisträger von 1999 und heutige Stiftungsvorstand Dr. Thorsten Helm die Festgemeinschaft und bedankte sich im Namen der Stiftung für die mehr als 35jährige ehrenamtliche Unterstützung, zunächst im Stiftungsvorstand, später als Jury-Vorsitzender und Laudator der Ruprecht-Karls-Preise sowie der Fritz-Grunebaum-Preise.

Den Festvortrag hielt der Preisträger Prof. Dr. Stephan Harbarth, heute Vizepräsident des Bundesverfassungsgerichts. Er betonte in seinem Referat, das vor allem die Schriften Kirchhofs zum Thema “Wissernschaft” in den Mittelpunkt rückte, die von Kirchhof geforderte Verantwortung des Wissenschaftlers für den Umgang mit seinen Erkenntnissen, im Unterschied etwa zum Postulat der Werturteilsfreiheit durch Max Weber, der diesbezüglich vom Forschenden Enthaltsamkeit verlangte. Freiheit der Wissenschaft - so Kirchhof - sei ein hoher Wert, aber bedeute nicht Beliebigkeit in der Wahl von Forschungsthemen, Publikationsorten und weiterer Nutzung. Diese grundgesetzlich veingeräumte Forschungsfreiheit verpflichte zu einer besonderen Verantwortung gegenüber der ihn alimentierenden Gesellschaft.

Im Namen der 146 Preisträgerinnen und Preisträger sprach Prof. Dr. Manfred Berg (heute Inhaber der Curt-Engelhorn-Professur für Amerikanische Geschichte an der Universität Heidelberg) als erster Preisträger überhaupt (aus dem Jahr 1990) seinen Dank und seinen großen Respekt vor Paul Kirchhof aus.

Der Geehrte selbst bedankte sich in Kirchhof-typischer Art mit einer kurzen Rede, in der er die Doktorandinnen und Doktoranden als Jungbrunnen der Universität bezeichnete, als Garanten der Erneuerung. Und er bedankte sich bei seiner Frau, die ihn gewiss auch am Ende des heutigen Abends wieder auf den Boden der Tatsachen zurückholen werde! Sehr nett!

Insgesamt haben die drei Tage gezeigt: Die Stiftung Universität Heidelberg bewegt die Menschen, jüngere wie ältere. Der Geist der Volluniversität mit ihrem breiten Fächerspektrum wurde ebenso deutlich wie die prägende Kraft einzelner Forscherpersönlichkeiten, die als Vorbilder für die Nachfolgenden wirken. Die Bereitschaft, diese Gemeinschaft zu unterstützen, ist ungebrochen und ein starkes Signal an uns im gemeinsamen Vorstand von “Stiftung Universität” und “Gesellschaft der Freunde“, auf dem eingeschlagenen Weg weiterzugehen.