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Corona-Probleme

Morphologie des Coronavirus Covid-19. - © APAweb / afp / Lizabeth Menzies

Morphologie des Coronavirus Covid-19. - © APAweb / afp / Lizabeth Menzies

Die aktuelle Krisensituation der Covid-19-Pandemie ist für alle belastend - als Wissenschaftler betrachte ich das ablaufende Geschehen aber auch aus meiner psychologischen Forscher-Brille. Natürlich gibt es momentan extrem viele Bezüge zur Psychologie, denn es geht ja um menschliches Denken, Handeln und Fühlen. Ich kann mich an dieser Stelle nur auf mein Spezialgebiet, die Perspektive des Problemlösens, einlassen (zahlreiche andere Corona-relevante Themen der Psychologie finden sich z.B. hier: American Psychological Association, APA; American Psychological Science, APS; Berufsverband Deutscher Psychologinnen und Psychologen, BDP; neueste Forschung zu Corona allgemein: arXiv).

Was sagt der Problemlöse-Forscher zu dieser Situation? Ein “normales” Problem ist dadurch definiert, dass wir ein Ziel haben und nicht genau wissen, wie wir es erreichen können (Unklarheit über die zur Zielerreichung einsetzbaren Mittel, z.B.: Wie komme ich ohne ÖPNV-Gebrauch zum Einkauf?). “Komplexe” Probleme erschweren diesen Zustand, weil schon die zu erreichenden Ziele alles andere als klar definiert sind (Was bedeutet “Abflachen der Infektionskurve” genau? Wie wichtig ist soziale Distanzierung im Vergleich zur Sicherstellung einer elementaren Wirtschaft? Woran erkenne ich eine Verbesserung der Lage?).

Die Situation zwingt uns zum Nachdenken über unser (für diese Situation nicht mehr ausreichendes) Routine-Handeln: Fast sämtliche Routinen des täglichen Lebens werden in Frage gestellt, neue Lösungen für die anstehenden Probleme werden dringend gesucht. Toll, wie jetzt z.B. Nachbarschaftsinitiativen den Risikopersonen beim Einkaufen helfen!

Komplexe Probleme (“ill-defined problems”, “wicked problems”, “clumsy problems”) sind durch fünf Merkmale charakterisiert: Komplexität, Vernetztheit, Dynamik, Intransparenz und Vielzieligkeit (“Polytelie”). Die Corona-Krise weist natürlich alle diese Merkmale eines komplexen Problems auf:

  • Komplexität: Die Komplexität des ablaufenden Geschehens ist hoch - sehr viele Baustellen müssen gleichzeitig im Blick behalten werden. Neben der weltweit bedrohten Gesundheit sehen wir eine bedrohte Weltwirtschaft. Aber hinter diesen globalen Großproblemen verbergen sich Tausende Detailprobleme. Das überfordert unsere begrenzte menschliche Verarbeitungskapazität.
  • Vernetztheit: Früher sagte man leichthin „Was kümmert es mich, wenn in China ein Sack Reis umfällt“ - heute weiss man, dass uns das etwas angehen könnte. Der berühmte Flügelschlag eines Schmetterlings, der einen Tornado auslöst, oder das Sandkorn, das ein Erdbeben in Gang setzt, zeigen die Bedeutsamkeit scheinbar weit entfernt liegender Ereignisse für unseren unmittelbaren Alltag. Die Vernetztheit unserer globalen Welt zeigt Nebenwirkungen an Stellen, an denen wir nicht damit gerechnet haben.
  • Dynamik: Wir haben es mit einer dynamischen Situation zu tun, sagt Kanzlerin Merkel - gemeint ist damit, dass sich die Situation (und damit auch die Lage-Bewertung) rasch ändern kann. Ständig wird nachjustiert. Im Hintergrund läuft nämlich ein nicht-linearer Prozess der Virenverbreitung ab, der unser Vorstellungsvermögen überschreitet. Das berühmte Reiskorn, das man auf den 64 Feldern eines Schachbretts von Feld zu Feld verdoppeln soll: es fängt mit 1-2-4-8-16 ganz harmlos an, aber schon bei 64-128-256-512-1024 merken wir, dass die Zahlen rapide wachsen. Wenn wir also heute 12.000 Infizierte haben, sind das in vier weiteren Tagen (12 - 24 - 48 - 96) schon 96.000 und nach weiteren vier Tagen 1.5 Mio (192 - 384 - 768 - 1.536). Wow! Natürlich hat dieses exponentielle Wachstum eine Obergrenze und ist irgendwann vorbei… [hier sind interessante Simulationen der Virus-Ausbreitung zu finden].
  • Intransparenz: Neuartige Situationen wie diese sind extrem undurchsichtig und werfen viele Fragen auf (”Wann ist das exponentielle Wachstum vorbei?”). Diese Undurchsichtigkeit weckt einen Informationsbedarf, dessen Grenze unklar ist: Wann habe ich genügend Information, um handeln zu können? Einerseits ist es eine Sternstunde für die Wissenschaften, die nun gefragt sind (aber natürlich auch nicht auf alle Fragen eine Antwort kennen - seriöse Info beim Robert-Koch-Institut), andererseits ist es auch eine Hoch-Zeit von Halbwahrheiten und Falschmeldungen. Nichts Genaues zu wissen verursacht Angst - und Angst ist ein schlechter Ratgeber. Übrigens: MedWatch.de warnt vor unseriösen Heilsversprechen.
  • Vielzieligkeit (“Polytelie”): Auch wenn es ein klares Oberziel gibt (Ausbreitung verhindern, Menschen gesund bleiben lassen), gibt es viele Neben-Ziele (die Wirtschaft -wenigstens in Grundbereichen- am Laufen halten, soziale Kontakte aufrechterhalten; bürgerliche Grundrechte wahren; etc.). Diese Konflikte zwischen verschiedenen Zielen versuchen Politiker mit ihren Entscheidungen zu lösen (radikale Ausgangssperre versus moderate Ausgangsbeschränkung). Kompromisse sind dabei unvermeidlich.

Was können wir aus bisheriger Forschung zum Lösen komplexer Probleme lernen? (1) Es gibt (leider!?) keine Patentrezepte. (2) Niemand weiss, was die beste Lösung des Problems ist. (3) Man sollte trotz Ungewißheit und Unsicherheit Ruhe bewahren und nicht die Übersicht verlieren. (4) Fehler werden gemacht werden - bitte nicht vertuschen, sondern versuchen aus ihnen zu lernen.

Hoffnungsvoll stimmen nicht nur Empathie und Hilfsbereitschaft großer Teile der Bevölkerung (als Gegengewicht gegen Egoismus und Verantwortungslosigkeit, Stichwort “Corona-Parties“), sondern auch zahlreiche kreative Lösungsversuche. Ein Beispiel: die Textilfirma Trigema etwa produziert in diesen Zeiten keine T-Shirts, sondern Mundschutz. Automobilhersteller könnten bei der Produktion von Medizintechnik (Beatmungsgeräte) helfen.

Bleiben Sie gesund und verhalten Sie sich vernünftig, ansonsten müssen wir wohl ertragen, was da kommt (und auch wieder vorübergeht - fragt sich nur, wann…). Wir sind Verursacher und Leidtragende dieser Krise, aber wir sind auch diejenigen, die etwas tun können! In diesem Fall ist Nichts-Tun (Stillhalten, physical distancing - NICHT social distancing! Danke, Lenelis Kruse, für den Hinweis auf den wichtigen Unterschied!) sogar ausgesprochen vernünftiges Handeln! Aber natürlich kann jeder Einzelne auch mit seinen Kompetenzen zum Lösen von Problemen beitragen: allein der Hackathon der Bundesregierung “WirVsVirus” hat gut 40.000 Personen auf der Suche nach Problemlösungen zusammengebracht. Motto: „Wir sind sektorübergreifend zusammengekommen, um gemeinsam einen digitalen Raum zu schaffen, in dem an Lösungen für die Herausforderungen durch COVID-19 gearbeitet werden kann“).

Nachtrag 25.3.2020: Ein paar lesenswerte Beiträge zur Corona-Pandemie aus psychologischer Sicht findet man beim Jounal “In-Mind” hier (Danke, liebe Eva, für den Hinweis!).

Marlene Bach: “Samtschwarz”

Wieder einmal ist es an der Zeit, den neuen Krimi der mir bestens bekannten Heidelberger Autorin Marlene Bach mit dem Titel “Samtschwarz” vorzustellen. Dies hier ist, was der Klappentext verspricht:

Es ist die Zeit der blühenden Glyzinien, als in Heidelberg der attraktive Vinzent in der Pension von Mila Böckle auftaucht. Wenig später verschwindet er unter mysteriösen Umständen. Mila bittet Hauptkommissarin Maria Mooser um Hilfe. Die Suche nach Vinzent führt die beiden ungleichen Frauen nach Handschuhsheim, einst Zentrum der europäischen Füllerproduktion. Dort soll ein kostbarer Füller aufgetaucht sein. Über Feder und Tinte geraten Mila und Maria Mooser in den Kampf einer radikalisierten Gruppe junger Menschen, aus dem es für die beiden nur eine Chance gibt, lebend herauszukommen: gemeinsam.

Der siebte Roman der Handschuhsheimer Autorin bringt wieder die beiden Frauen Mila Böckle (das unkonventionelle Nordlicht) und Maria Mooser (die knorzige Hauptkommissarin) auf den Plan. Zwei Frauen, wie sie unterschiedlicher nicht sein können, die aber auch zugleich eine starke Beziehung zueinander entwickeln (nicht nur mit positiven Gefühlen…).

Der Roman bringt auch eine spannende Geschichte von Handschuhsheim ans Tageslicht: In diesem Stadtteil lag einmal das Zentrum der europäischen Füllerproduktion (heute nur noch mit dem Namen Lamy verbunden, eine Firma, die in einen anderen Stadtteil Heidelbergs angesiedelt ist)!  Das kürzlich in Handschuhsheim eröffnete Füllfederhalter-Museum zeugt von dieser interessanten Geschichte (und spielt natürlich als Schauplatz im Roman eine wichtige Rolle). Der Roman in einem Satz: Mit Gewalt lässt sich nichts zum Guten wenden! Diese Botschaft in den vielen Sätzen des Textes zu lesen ist wesentlich unterhaltsamer! Ich kann die Lektüre nur empfehlen!

Die Jagd nach einem kostbaren Füller ist Bestandteil der Geschichte - ich wusste vorher nicht, dass diese Schreibgeräte dermassen teuer sein können (für den weltweit teuersten Füller namens “Fulgor Nocturnus” wurden bei einer Auktion angeblich 8 Mio Euro gezahlt). Mein eigener Füller (ein GeHa) war vergleichsweise billig :-)

Die Premierenlesung war für den 27. März 2020 um 19:30 Uhr (wie nicht anders zu erwarten) in der Bücherstube Tiefburg in Handschuhsheim angesetzt - infolge der Covid-19-Pandemie ist eine Verschiebung auf einen späteren Zeitpunkt vorgenommen worden.

Nachtrag 25.3.2020: Wer Marlene Bach lesen hören mag, klicke hier: Die 12minütige Kurzgeschichte “Stadtvögel” (ausgezeichnet mit dem “Holzhäuser Heckethaler” 2017). Unter den Leseproben findet sich auch ein Audio-File mit einer kurzen Vorstellung des neuen Buches.

HCE-Direktorium zurückgetreten

An der Universität Heidelberg gibt es seit 10 Jahren ein Zentrum für Umweltforschung: das “Heidelberg Center for the Environment” (HCE). Das Selbstverständnis dieses virtuellen Zentrums (virtuell, weil es im Unterschied zu vielen anderen Zentren an unserer Universität nicht über ein eigenes Gebäude verfügt) laut Homepage (Stand 8.3.2020):

“Das Heidelberg Center for the Environment (HCE) verbindet ein weites Spektrum an Umwelt-Perspektiven von den Natur- über die Sozial- bis zu den Kulturwissenschaften. Es befasst sich mit der physischen und der sozio-kulturellen Umwelt des Menschen, mit der diesen Umwelten eigenen Dynamik und mit ihren Wechselwirkungen. Die Intensität dieser Wechselwirkungen hat in der jüngeren Geschichte auf verschiedenen Feldern stark zugenommen, was zur übergreifenden Betrachtung und Vereinigung der Perspektiven unterschiedlicher Wissenschaftskulturen herausfordert.”

Wie schon in einem früheren Blog-Eintrag beschrieben (siehe hier), bestehen angesichts aktueller politischer Debatten rund um den Klimawandel unterschiedliche Auffasungen bei den über 80 Mitgliedern des HCE, beim Rektorat und auch im Vorstand des HCE. Da das bislang ohnehin schon schmale Budget des HCE (unterhalb einer halben Million Euro pro Jahr) erneut für das Jahr 2020 gekürzt wurde, sind zudem die Handlungsmöglichkeiten zunehmend eingeschränkt.

Nun teilt das Direktorium (bestehend aus Thomas Meier, Marcus Koch, Guido Sprenger und Jale Tosun) nach zweieinhalbjähriger Tätigkeit seinen Rücktritt mit. Die Akteure wollen damit “den Weg frei machen für ein neues Leitungsteam”. Warum? Dazu heisst es lapidar, “dass sich das HCE im Lichte der ExStra [Exzellenz-Strategie, JF] neuen Anforderungen gegenüber sieht; eine Situation, die aus unserer Sicht auch neue Köpfe erfordert”.

Erkennbar klaffen Anspruch und Wirklichkeit auseinander: Nach außen (etwa in der Lokal-Zeitung RNZ) wird kommuniziert, dass das HCE ein wichtiger Teil der Universität im Rahmen der Exzellenzstrategie als Antwort auf den Klimawandel sei (z.B. taucht in der Antwort des Rektors auf die Forderungen der Students for Future das HCE allein an 19 Stellen im Text auf); nach innen ist neben der Budget-Kürzung um gut ein Drittel des eh schon niedrigen Etats auch ein Unmut über die breite Ausrichtung der Aktivitäten zu spüren, der Wunsch nach einer naturwissenschaftlich dominierten Engführung des Themas unter Leitung sogenannter “Kerndisziplinen” (Geographie und Umweltphysik) liegt in der Luft. Dabei sehe ich persönlich gerade die hohe Fächervielfalt, die im HCE gebündelt ist, als eine Stärke an - wir reden ja stolz vom Konzept der “comprehensive university” (Voll-Universität).

Ich bedanke mich beim Direktorium für die geleistete Arbeit! Mal sehen, wie es weitergeht - ich selbst bedauere den Rücktritt, aber ich verstehe auch, dass der Druck aus dem Kreis der Mitglieder und aus dem Rektorat irgendwann so groß wird, dass man lieber den Platz für andere freimacht. Dass der (nun zurückgetretene) Direktor des HCE Thomas Meier mit seinem Beitrag “Gegen die Aufteilung der Welt. Lösungen für die Welt von morgen” in der Ruperto Carola 2019 manchen verärgert haben mag, ist nicht auszuschließen (noch schärfer: sein Beitrag im Marsilius-Jahrbuch 2019/20). Mir hat sein Vorschlag, sich auf “eine neue Universität jenseits der Disziplinen einzulassen” (S. 20), jedenfalls zugesagt - Große gesellschaftliche Herausforderungen machen nicht an Fächergrenzen halt…

Zu Gast bei Lehrerbildnern in Linz

Linz vom Pöstlingsberg aus gesehen (zum Vergrößern anklicken)

Meine Reise durch verschiedene Fachkulturen (nach Experimental Economics und nach Forstwissenschaften) führte mich diesmal nach Linz/Donau an die PH Oberösterreich, wo ich auf dem dortigen “Tag der Lehre” eine Keynote über die Notwendigkeit divergenten Denkens halten durfte (Dank an das Organisationsteam - Doris Dressnandt, Christine Plaimauer und Stephan Stumpner - für die nette Einladung!). Natürlich war das keine Tagung, auf der neueste Forschung berichtet wurde, sondern praxisnaher Austausch erwünscht war - aber ein Eindruck über Inhalte und Methoden der Lehrerbildung (also über die dortige Fachkultur) war über Beobachtung und Gespräche am Rande der Veranstaltung möglich, an der übrigens das gesamte Rektorat teilgenommen hatte.

Erfreulicherweise hatte ich das Vergnügen, einer anderen Keynote lauschen zu können, die Gerfried Stocker (Geschäftsführer des AEC, Ars Electronica Center) zum Thema “Ein Blick in die Glaskugel – Was die Zukunft für die Schule bereithält” hielt. Beeindruckend, was er über herausragende Teilleistungen beim “machine learning” erzählte (Komposition von Musik im Stil von Bach, Gesichtserkennung, medizinische Diagnostik)! Was er aber auch deutlich machte: Facebook hat heute weltweit mehr Nutzer als die größten Religionsgemeinschaften (Nutzer = mindestens 1x pro Monat aktiv)! Christen gibt es weltweit ca. 2.2 Mrd (ob die mindestens 1x pro Monat in die Kirche gehen, bleibt unklar), FB-Nutzer gibt es 2.4 Mrd weltweit. Der Papst kann das Leben von 1.2 Mrd Katholiken nachhaltig beeinflussen, Mark Zuckerberg beeinflusst doppelt so viele Menschen! Erschreckend, weil es kaum kontrolliert wird! Wenn Zuckerberg morgens aufwacht und ein neues Feature implementieren lässt, greift er damit in die Aktivitätsmuster vieler Menschen ein…

In der Podiumsdiskussion zur Zukunft der Lehrerbildung wurde klar, dass Schule mehr tun muss, um divergentes Denken zu fördern. Über das Ziel sind sich alle einig, allerdings herrscht Unklarheit über die Mittel. Ein Ansatzpunkt bietet die “Lehrerpersönlichkeit” - gesucht werden Lehrerinnen und Lehrer, die den Schülerinnen und Schülern Mut machen, sie zum eigenen, kritischen Denken anregen, Nonkonformismus aushalten und fördern. Die Auswahl von Lehrerinnen und Lehrern ist daher ein wichtiges Element (nur die Besten kommen in Frage!), ein anderes Element muss die berufsbegleitende Förderung, Fortbildung und Unterstützung sein. Die Neugier und Offenheit von Kindern und Jugendlichen zu erhalten ist ein Oberziel. Es braucht einen Aufbruch (mit Betonung auf “Bruch”, auf Disruption!).

Dass personalisierte Artificial Intelligence (genauer gesagt Techniken des Machine Learning) dabei helfen könnte, langweilige Teile der Wissensvermittlung zu übernehmen und dadurch Lehrerinnen und Lehrern mehr Zeit für andere Themen (z.B. Motivationsaufbau) erhalten könnten, ist eine interessante Perspektive - auch wenn ich den eLearning-Verfahren insgesamt eher skeptisch gegenüber stehe (siehe auch meinen früheren Blogbeitrag “Lob der Vorlesung“).

Ich konnte die Gelegenheit nutzen, Linz als Stadt ein wenig zu erkunden (Schlossmuseum, Lentos-Kunstmuseum, Ars Electronica Center; Pöstlingsberg, Mariendom, Kellertheater). Zu sehen ist hier die Wandlung von einer früheren “Stahlstadt” zu einem kreativen Ort (einem “kreativen Milieu”?). Ein angenehmer Nebeneffekt einer Vortragsreise!

Zu Gast bei Experimental Economics

Letzte Woche war ich als Gast bei der Tagung “Fifth Workshop on Experimental Economics for the Environment“, die dieses Jahr in Heidelberg stattfand und von Johannes Diederich, Florian Dieker und Timo Goeschl (Lehrstuhl für Umweltökonomik) am 19. und 20.2.2020 in den Räumlichkeiten der Marsilius-Arkaden organisiert wurde. Zahlreiche Nachwuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftler stellten in Vorträgen oder als Poster ihre laufenden oder abgeschlossenen Projekte vor.

Es war für mich wieder einmal Gelegenheit, den “modus operandi” einer anderen Fachkultur genauer anzusehen. Erkennbar sind: ein Trend zur Prä-Registrierung der Hypothesen; große Stichproben (>500); umweltrelevante Themen (z.B. Haltbarkeitsdaten bei Lebensmitteln; Wahl vom Strom-Tarifen; Teilnahme-Motivation an Friday for Future-Demos); neben Labor-Experimenten auch Feld-Experimente. Die typische Auswertungsmethode: Regression. Die Besonderheiten ökonomischer Experimente: klare leistungsabhängige Incentivierungen (keine lump-sum-Honorierung, wie sie oft in psychologischen Experimenten erfolgt), klare Festlegung der “utilities” und Ablehnung von “stated preferences” (Fragebogen) im Unterschied zu “actual behavior” (erinnert an den wichtigen Artikel von Baumeister, Vohs & Funder 2007 “Psychology as the science of self-reports and finger movements: Whatever happened to actual behavior?”, doi: 10.1111/j.1745-6916.2007.00051.x). Alle Beiträge begannen übrigens mit einem Teil “Motivation”, der das hinter der vorgestellten Arbeit liegende Erkenntnisinteresse offenlegte. Gut so!

Die Idee des “homo oeconomicus” geistert immer noch durch den Raum, in der Psychologie scheinen wir darüber zu lächeln.Und selbst Ökonomen stellen fest, dass Altruismus verbreiteter als gedacht ist (siehe das legendäre weltweite Feldexperiment von Cohn et al. aus dem Jahr 2019, bei dem 17.303 Geldbörsen in 355 Städten aus 40 Ländern “verloren” wurden, die in 40-70% von ehrlichen Findern zurückgegeben wurden; doi: 10.1126/science.aau8712)

Ich habe mich gefreut, eingeladen worden zu sein und auf diese Art und Weise in den Genuss eines Überblicks über aktuelle Forschung auf dem Gebiet experimenteller Umweltökonomie gekommen zu sein. Nette Gespräche am Rande, ein Wiedersehen mit alten Bekannten (wie Johannes Lohse, der jetzt in Birmingham arbeitet, oder Sara Elisa Kettner, die in Berlin Politikberatung bei ConPolicy macht, übrigens dort gemeinsam mit Max Vetter, einem früheren Doktoranden, der auch einen Gastbeitrag für meinen Blog verfasst hat), sowie die Möglichkeit, in meinem eigenen Beitrag mit dem Titel “Complex problem solving revisited: Lessons learned from 50 years of research” eine Rückschau auf 40 Jahre eigene Forschung zu halten: Das war eine gute Erfahrung!

HeiUP: Beiratszeit beendet

Im Sommer 2015 ist der universitäre Open-Access-Verlag “Heidelberg University Publishing” (HeiUP) an den Start gegangen und hat eine tolle Palette von Publikationen hervorgebracht. Ich selbst habe vom ausgezeichneten Support in der Universitätsbibliothek mehrfach profitiert in Form der “Heidelberger Jahrbücher” oder des Textbuchs “Psychology of Human Thought“, auch über die dahinterstehende Infrastruktur der UB, die z.B. unser “Journal of Dynamic Decision Making” im Rahmen von heiJournals herausgibt.

Von Anfang an war ich aktives Mitglied des HeiUP-Beirats, der sich um strategische Fragen wie auch vor allem um die Programmgestaltung durch Sichtung der angebotenen Manuskripte gekümmert hat. Nun scheide ich nach 5 Jahren aus diesem Gremium aus, da das Rektorat meine weitere Mitarbeit nicht mehr wünscht. Schade eigentlich, oder? Von mir aus hätte ich noch ein wenig mitwirken wollen (so war es auch der Wunsch von Universitätsbibliothek (UB) und vom Beiratsvorsitzenden Dieter Heermann), aber natürlich ist die Entscheidung des Rektorats zu respektieren. Bleibt mir also mehr Zeit, den Status den Seniorpensionärs zu geniessen …

Mit mir ausgeschieden sind Vincent Heuveline, Axel Michaels, Thomas Pfeiffer und Thomas Rausch. Der neue Beirat besteht nunmehr aus folgenden Personen: Matthias Bartelmann (Institut für Theoretische Physik), Christiane Brosius (HCTS), Adelheid Cerwenka (Centrum für Biomedizin und Medizintechnik Mannheim), Ekkehard Felder (Germanistisches Seminar), Marietta Fuhrmann-Koch (Kommunikation und Marketing), Dieter Heermann (Institut für Theoretische Physik) (Vorsitz), Guido Kanschat (IWR), Joachim Kirsch (Institut für Anatomie und Zellbiologie), Friederike Nüssel (Ökumenisches Institut), Bernd Schneidmüller (Historisches Seminar), Kilian Schultes (Historisches Seminar), Jale Tosun (Institut für Politische Wissenschaft).

Ich bin froh, für fünf Jahre in diesem kollegialen Gremium mitgewirkt zu haben und im Austausch mit den Kolleginnen und Kollegen im Beirat sowie mit Maria Effinger (Leiterin der Abteilung “Publikationsdienste”) und Veit Probst, dem UB-Direktor, eine Menge gelernt zu haben. Ich wünsche HeiUP und seinem neuen Beirat weiterhin viel Erfolg!

siehe auch den Blog-Beitrag “Altersgrenzen-Starrsinn” von Jan-Martin Wiarda

Zu Gast bei Forst und Holz

Zwei Tage lang war ich Gast in einer mir bislang fremden Welt: Vom 30.-31.1.2020 war ich als Teilnehmer auf dem 40. Freiburger Winterkolloquium Forst und Holz. “Komplexität, Unsicherheit, Nicht-Wissen? Entscheiden!” lautete das Thema, ich durfte den Eröffnungsvortrag halten. Das Winterkolloquium ist ein prominenter Platz, an dem Wissenschaft, Politik und Praxis aus den Bereichen “Forst und Holz” zusammenkommen.

Beim „Freiburger Winterkolloquium Forst und Holz“, das seit 1975 [!] regelmäßig von den „wirtschaftsorientierten“ Professuren der Fakultät für Umwelt und Natürliche Ressourcen an der Universität Freiburg gemeinsam organisiert wird, handelt es sich um ein eher ungewöhnliches Kolloquiumformat: Es richtet sich vorrangig an Entscheidungsträger in Unternehmen, Betrieben und Verwaltungen im Bereich der Forst- und Holzwirtschaft, sowie an Politiker, Wissenschaftler und Studierende, die mit diesen Themenfeldern beschäftigt sind. Ziel ist es, aktuelle Themen aus der Forst- und Holzwirtschaft über Vorträge von renommierten Referenten aus Wissenschaft und Praxis zu reflektieren und mit den Teilnehmerinnen und Teilnehmer zu diskutieren. Das Winterkolloquium erfreut sich bundesweit sowie in der Schweiz und in Österreich großer Beliebtheit und wird seit Jahren durchschnittlich von 400 bis 500 Teilnehmern besucht.

Der Dekan der Fakultät für Umwelt und Natürliche Ressourcen an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg, Heiner Schanz, freute sich, dass der Rektor der Universität, Hans-Jochen Schwiewer, das Treffen eröffnete und seiner großen Fakultät (knapp 40 Professuren) weiterhin viel Erfolg wünschte. Ich selbst freute mich, dass der Rektor sich meinen Eröffnungsvortrag anhörte.

Die nachfolgenden fachwissenschaftlichen Vorträge zeigten teils ein düsteres Bild der möglichen Entwicklungen des Baumbestands infolge des Klimawandels (wie im Vortrag von Marc Hanewinkel dargestellt), teils machten sie auch die Schwierigkeiten langfristiger Planungen angesichts volatiler politischer Vorgaben deutlich. Dekan Heiner Schanz hob in seinem Vortrag „Ich setzte den Fuß in die Luft und sie trug: Entscheiden über Netzwerke“ die Bedeutung von Netzwerken hervor (wie beim Jazz: die Band-Mitspieler müssen zum Improvisieren in den “groove” kommen), gab aber zugleich die Devise “embrace uncertainty” aus, also ein Vertrauen auf die Zukunft. Der Vortrag zum Thema „Politik redet, wer entscheidet?“ von Botschafterin Dr. Meglena Plugtschieva (amtierende Botschafterin und ehemalige Vize-Premierministerin der Republik Bulgarien sowie Diplom-Forstwissenschaftlerin) beschrieb anschaulich die seit 1990 auftretenden Probleme der Forstwirtschaft beim Übergang von Staatswirtschaft in Privatwirtschaft, während der Beitrag “Zusammenhang zwischen Erfolgen und erfolgten Entscheidungen” von Henning Graf von Kanitz (Geschäftsführer von Center-Forst) die heutigen Probleme privatwirtschaftlicher Waldbetriebe deutlich machte.

Wörter wie “Kalamitäten” (=Waldschäden, z.B. aufgrund von Stürmen) oder “Umtriebszeiten” (=die Zeit, die von der Pflanzung bis zur Endnutzung durch Holzeinschlag vergeht) gehörten bislang nicht zu meinem Wortschatz, machen aber ganz schnell deutlich, warum wir mehr miteinander reden sollten: Verwandte Phänomene werden bei uns in der Psychologie unter den Begriffen “Desaster” bzw. “Planungshorizont” geführt. Eine Buchempfehlung aus der Psychologie: Das populärwissenschaftliche Buch von Dietrich Dörner von 2003, Logik des Misslingens - dort sind Kalamitäten aller Art beschrieben.

Auf jeden Fall aufregend sind die enorm langen, generationen-übergreifenden Planungszeiten - nicht umsonst stammen die Ursprünge nachhaltigen Wirtschaftens aus der Forstwirtschaft (häufig an der ersten einschlägigen Publikation zum Thema “Nachhaltige Waldwirtschaft” aus dem Jahr 1713 von Hans Carl von Carlowitz festgemacht). Da sind die Planungshorizonte von Politikern (und erst recht von modernen Managern) in aller Regel deutlich kürzer…. “Resiliente” Planungen (wie im Vortrag von Hartmut Fünfgeld beschrieben) werden gesucht! Und natürlich muss man sich mit Gruppen-Entscheidungen (Janis: “group think“) beschäftigen, wie im Vortrag von Daniela Kleinschmit deutlich wurde.

Interessant: In der BRD kann man diese Themen (Forst und Holz) nur an vier Universitäten studieren (neben Freiburg an der TU Dresden, der Uni Göttingen und der LMU München); allein in Freiburg machen das z.Zt. mehr als 2000 Studierende in 20 Studiengängen. Die sehr differenzierte Binnenstruktur der Forstwissenschaft (es gibt Professuren für Forst-Zoologie, Forst-Botanik, Forst-Geschichte, Umwelt-Metereologie, Umwelt-Ökonomie, usw.) ließ mich die Augen reiben angesichts einer Lücke, die mir natürlich sofort ins Auge sprang: Es gibt keine Forst-Psychologie, keine erkennbaren Bezüge zur Umwelt-Psychologie! Und dann wundern sich die Forst- und Holzwissenschaftler, dass ein Förster namens Peter Wohlleben diese Lücke medienwirksam füllt! Natürlich hat diese Lücke auch damit zu tun, dass wir nicht gerade viele Umweltpsychologinnen und -psychologen ausbilden, dass die Umweltpsychologie insgesamt an deutschen Universitäten eher ein Schattendasein führt. Aber den Wald vor allem ökonomisch zu betrachten ist dann doch wohl zu kurz gegriffen.

Ein lehrreiches Symposium, das mich mit vielen Ideen und Anregungen wieder nach Hause fahren ließ - auch mit tollen Eindrücken wie dem vom Historischen Kaufhaus, in dem im Kaisersaal ein abendlicher Empfang samt unterhaltsamem (und nachdenklich machenden) Festvortrag von Uwe Eduard Schmidt zur traditionsreichen Geschichte der Fakultät stattfand.

Nie wieder Holocaust!

Der 75. Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz-Birkenau am 27.1.1945 durch die Rote Armee muss ein Anlass zum Nachdenken sein! Den Holocaust dürfen wir nicht vergessen oder verdrängen, Antisemitismus dürfen wir nicht hinnehmen. Mich hat die Rede unseres Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier bei seinem Israel-Besuch in Yad Vaschem berührt! Er sagte:

Ich stehe vor ihrem Denkmal. Ich lese ihre Namen. Ich höre ihre Geschichten. Und ich verneige mich in tiefer Trauer.

Samuel und Rega, Ida und Vili waren Menschen.

Und auch das muss ich hier und heute aussprechen: Die Täter waren Menschen. Sie waren Deutsche. Die Mörder, die Wachleute, die Helfershelfer, die Mitläufer: Sie waren Deutsche.

Der industrielle Massenmord an sechs Millionen Jüdinnen und Juden, das größte Verbrechen der Menschheitsgeschichte – es wurde von meinen Landsleuten begangen.

Der grausame Krieg, der weit mehr als 50 Millionen Menschenleben kosten sollte, er ging von meinem Lande aus.

75 Jahre nach der Befreiung von Auschwitz stehe ich als deutscher Präsident vor Ihnen allen, beladen mit großer historischer Schuld. Doch zugleich bin ich erfüllt von Dankbarkeit: für die ausgestreckte Hand der Überlebenden, für das neue Vertrauen von Menschen in Israel und der ganzen Welt, für das wieder erblühte jüdische Leben in Deutschland. Ich bin beseelt vom Geist der Versöhnung, der Deutschland und Israel, der Deutschland, Europa und den Staaten der Welt einen neuen, einen friedlichen Weg gewiesen hat.

Die Flamme von Yad Vashem erlischt nicht. Und unsere deutsche Verantwortung vergeht nicht. Ihr wollen wir gerecht werden. An ihr sollt Ihr uns messen.

Ja, dies sind starke Aussagen, die ich teile! Geschichte dürfen wir nicht vergessen, Erinnerungen an die grausamen Taten müssen wir wachhalten! Ich würde gerne in einem Land leben, in dem Christen, Juden, Moslems und andere Gläubige friedlich nebeneinander ihren Alltag verbringen können und keine Angst haben müssen, dass Andersgläubige ihnen nach dem Leben trachten. Ein respektvoller Umgang miteinander: Das ist ein Thema nicht nur für die Psychologie! Toleranz gegenüber Andersgläubigen, gegenüber Andersdenkenden und gegenüber Andershandelnden scheint schwieriger als gedacht…

Mein Motto als Rheinländer lautet “Jeder Jäck is anners”. Die Schönheit zu erkennen, die in der Andersartigkeit liegt; die kreativen Impulse zu nutzen, die aus Diversität resultieren: Auch dafür müssen wir uns in unserem Fach einsetzen. Universitäten sind in meinen Augen nicht nur Orte der Wissensvermittlung, sondern auch Orte der Wertevermittlung. Neben akademischen Werten wie Integrität, Ehrlichkeit und Sorgfalt denke ich dabei auch an allgemeinere Werte wie Offenheit, Empathie, Respekt, Toleranz samt der dazugehörigen Streitkultur: All das gehört mit dazu, wenn wir von Universitäten sprechen.

Was mich beunruhigt: Bis auf wenige Ausnahmen (wie z.B. die Mitglieder der “Weißen Rose” an der Münchner Universität) kam damals aus den Universitäten heraus kaum Widerstand gegen das Nazi-Regime - im Gegenteil: der 1933 gewählte Rektor der Universität Freiburg, der berühmte Philosoph Martin Heidegger, besass eine unrühmliche Affinität dazu (auch die Universität Heidelberg hat hier eines ihrer dunkelsten Kapitel). Wie die Reaktion der Universitäten wohl heutzutage aussehen würde? Wer weiss? Hoffentlich anders als damals!

Neujahrsempfang 2020 der Freunde

Wieder einmal hat die “Gesellschaft der Freunde Universität Heidelberg e.V.” (GdF) zum Neujahrsempfang am Freitag 17.1.2020 eingeladen. Es war das fünfte Ereignis in dieser Reihe. Viele Freunde - alte und neue - sind der Einladung gefolgt, wieder kamen knapp 100 Personen zum Empfang. Im letzten Jahr lag ich um diese Zeit mit meiner gebrochenen Hüfte im Krankenhaus, dieses Jahr konnte ich wieder teilnehmern.

Wir haben erneut die Marsilius-Arkaden im Neuenheimer Feld als Treffpunkt gewählt, der sowohl einen Hörsaal als auch im Eingangsbereich ein Foyer mit Bar für den anschließenden Empfang umfasst. Begrüßt wurde die Runde von unserem neuen Vorstandssvorsitzenden Dr. Thorsten Helm (ich selbst bin nun in der zweiten Reihe als stellvertretender Vorsitzender der GdF tätig). Als Festredner konnten wir diesmal den Kollegen Dr. Dominik Niopek (Synthetische Biologie, BioQuant) gewinnen, der uns mit seinem Vortrag Präzise Veränderungen des Erbguts durch steuerbare Genscheren” die Gen-Schere CRISPR in Wort und Bild nahebrachte, aber zugleich auch auf die damit verbundenen Probleme verwies.

Wie im Vorjahr diente der Empfang auch dazu, den jährlich vergebenen und mit 2500 Euro dotierten “Preis der Freunde” zu verleihen. Diesmal ging er an die gemeinnützige studentische Initiative “Querfeldein“ (siehe auch die Beschreibung im Dschungelbuch), die Gesprächsveranstaltungen mit Persönlichkeiten aus Kultur und Medien organisiert und moderiert. Die studentische Auswahl-Jury (bestehend aus Herrn Pascheberg, Herrn Rix und Frau Stieglitz) hatte gemeinsam mit dem Gesellschaftsvorstand den Preisträger unter den eingegangenen Bewerbungen ausgewählt. Frau Stieglitz stellte in lockerem Gespräch mit den beiden Vorsitzenden des Vereins die Gruppe vor, die aus meiner Hand den Scheck, die Urkunde und den Flammenstab erhielt.

Im Anschluß fand im Vorraum des Hörsaals wieder der Empfang der Gäste statt. Bei kleinen Snacks und kalten Getränken wurde lebhaft diskutiert, es wurden alte Kontakte gepflegt und neue geknüpft. Ich hatte meine Freude daran, weil genau dies einem der Zwecke entspricht, die in unserer Satzung benannt sind, nämlich: “Begründung und Pflege von Kontakten zwischen der Universität Heidelberg, ihren wissenschaftlichen Vertretern und ihren Studierenden sowie den Menschen in und um Heidelberg”. Was könnten wir besseres tun als das, was wir mit dem Neujahrsempfang gemacht haben? Ein Dank an unser Vorstandsmitglied Gabriele Meister, die uns dieses Format nahegelegt hatte.

Wie schön, dass es den Neujahrsempfang gibt - Ich freue mich schon auf den nächsten (sechsten) Neujahrsempfang 2021!

hier zur Erinnerung frühere Blog-Einträge:

Bericht über den Neujahrsempfang 2019 - kein Bericht wg Unfall JF

Bericht über den Neujahrsempfang 2018

Bericht über den Neujahrsempfang 2017

Bericht über den Neujahrsempfang 2016

Gender Pay Gap auch an Hochschulen

Dass Frauen für die gleiche Leistung weniger Geld bekommen, ist ein Skandal, der unter dem Namen “gender pay gap” firmiert. Er ist nicht so einfach zu bestimmen, da viele Faktoren für die Geschlechterunterschiede (wie sie etwa bei der späteren Rentenleistung sichtbar werden) verantwortlich sind. Dennoch ist nach verschiedenen Analysen die Rede davon, dass in Deutschland Frauen für die gleiche Arbeit im Schnitt 16% weniger Gehalt bekommen - unerhört!

Aber ist das nicht ein Phänomen, das nur in der freien Wirtschaft auftritt, nicht aber an Hochschulen? Vermutlich stimmt diese Annahme nicht: Der im Dezember 2019 veröffentlichte Bericht des nordrhein-westfälischen Ministeriums für Kultur und Wissenschaft (Download hier) über die Gleichstellung von Männern und Frauen an dortigen Hochschulen offenbart wohl deutliche Gehaltsunterschiede im Wissenschaftsbetrieb:

An den Hochschulen gibt es einen Gender Pay Gap (deutsch: Geschlechter-Einkommenslücke), der durch leistungsbezogene Entgeltbestandteile entsteht. Die Leistungsbezüge sind Teil der Besoldung und werden beispielsweise für besondere Leistungen in Forschung oder Lehre gewährt. Verbeamtete Vollzeit-Professorinnen verdienen im Rahmen dieser Leistungsbezüge über alle Besoldungsgruppen hinweg jeden Monat durchschnittlich 521 Euro weniger als ihre männlichen Kollegen. Zwischen den Hochschulen existieren hierbei deutliche Spannweiten. Die Differenz der durchschnittlichen Leistungsbezüge zwischen Frauen und Männern liegt an einigen Hochschulen bei über 1.000 Euro im Monat.

Das ist doch recht deutlich, wie ich finde! Offensichtlich sind mit der Einführung von Leistungsbezügen im Rahmen der 2002 eingeführten W-Besoldung subtile Unterscheidungsmöglichkeiten entstanden, deren Auswirkungen erst jetzt so richtig sichtbar werden. Das in Halle angesiedelte “Institut für Hochschulforschung” berichtet von einer 2019 gestarteten Studie, die über Unterschiede in der W-Besoldung von Männern und Frauen aufklären soll. Wie die Zahlen wohl für Baden-Württemberg ausfallen? Und wie die Situation an der Uni Heidelberg ausfällt? Gut, dass wir eine Gleichstellungsbeauftragte haben, die sich um die Offenlegung der Zahlen kümmern dürfte! Aber das dahinter stehende Problem: das geht uns alle an (auch uns Männer - vor allem, wenn wir Personen einstellen)!

siehe auch den dazu passenden Blog-Eintrag von Jan-Martin Wiarda:

https://www.jmwiarda.de/2020/01/14/die-benachteiligungsmaschinerie-l%C3%A4uft-immer-noch-wie-geschmiert/

und dass Wissenschaftlerinnen ihre Ergebnisse weniger hochtrabend ankündigen als Wissenschaftler, macht der folgende Beitrag deutlich:

Lerchenmueller, M. J., Sorenson, O., & Jena, A. B. (2019). Gender differences in how scientists present the importance of their research: Observational study. BMJ, l6573. https://doi.org/10.1136/bmj.l6573
Nachtrag 17.3.2020: Eine Meldung der Nachrichtenagentur dpa, die uns in Baden-Württemberg beschämen sollte:
16.03.2020, 14:56 - wi bwg dpa. Stuttgart (dpa/lsw) - Die Entgeltlücke zwischen Frauen und Männern ist in Baden-Württemberg die höchste in Deutschland. Und auch im europäischen Vergleich schneidet der Südwesten schlecht ab, wie der Südwest-Ableger des Deutschen Gewerkschaftsbunds (DGB) am Montag in Stuttgart mitteilte. Anlass war der «Equal Pay Day» an diesem Dienstag (17. März): Bis zu diesem Tag mussten Frauen nach Angaben des Gewerkschaftsbunds arbeiten, um dasselbe Entgelt zu erhalten, das Männer bis zum Ende des Jahres 2019 verdient haben - 77 Tage mehr.
«Die Entgeltlücke ist in Deutschland deutlich größer als im europäischen Durchschnitt und in Baden-Württemberg innerhalb Deutschlands am höchsten», bilanzierte die stellvertretende DGB-Landesvorsitzende Gabriele Frenzer-Wolf am Montag. «Wir können alles außer Gleichstellung? Damit lässt sich ganz bestimmt keine Werbung machen.»