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Folter im Namen der Freiheit?

Unter dem Titel “Folter im Namen der Freiheit?” fand am Mittwoch Abend 11.1.17 eine gut besuchte Veranstaltung zum Thema Folter statt. Eingeladen dazu hatten das Forum Internationale Sicherheit (FIS), die Fachschaft Psychologie unseres Instituts und Amnesty International (Hochschulgruppe Heidelberg). Gekommen waren etwa 250 Studierende, die mit großem Interesse den Ausführungen des Podiums folgten, an einer “Liquid Feedback“-Runde teilnahmen und später auch die Diskussion bereicherten.

Als Kooperationspartner und Diskussionsteilnehmer haben unter der fachkundigen Moderation von Donna Joy Doerbeck teilgenommen: Dr. Vedrin Sahovic von Amnesty International (Koordinationsgruppe gegen Folter), Prof. Dr. Sebastian Harnisch vom Institut für Politische Wissenschaft und vom Psychologischen Institut Prof. Dr. Joachim Funke. Vor und nach der Podiumsdiskussion gab es neben Sekt, Salzstangen und Selters einen Stand mit Petitionen und weiteren Informationen.

Der Amnesty-Vertreter Dr. Vedrin Sahovic machte deutlich, dass Folter nach wie vor ein ubiquitäres Phänomen sei und trotz der UN-Antifolterkonvention, der viele Staaten zugestimmt haben, in über 140 Staaten der Welt gefoltert werden, aus unterschiedlichen Gründen heraus: vermeintliche Informationsgewinnung, Rache, Abschreckung, schlechte Ausbildung der Polizei - um nur ein paar der Gründe zu benennen.  Das Recht, innerhalb kurzer Zeit vor einen Richter geführt zu werden, seine Familie zu informieren und einen Anwalt seines Vertrauens zur Hilfe heranzuziehen, sei ein wirksamer Schutz vor Willkür und Folter.

Der Politikwissenschaftler Sebastian Harnisch machte deutlich, dass Autokratien anders foltern als Demokratien. In Autokratien ist es kein Geheimnis: es kommt zu öffentlichen Auspeitschungen und ähnlichem. Autokratien sind da nicht pingelig. Bei Demokratien ist es anders: Hier steht die Legitimation des Gewaltmonopols immer in Frage und muss rechtlichen Vorgaben genügen. Daher ist in den USA viel juristischer Aufwand (und Geheimhaltung) betrieben worden, angefangen damit dass es nicht “Folter” heisst, sondern “verschärfte Verhörbedingungen”; weiter, dass man möglichst extra-territorial foltert (Guantanomo); dass die Gültigkeit bestimmter Konventionen bestritten wird (Terroristen sind keine Kriegsgefangenen und daher gelten die Genfer Konventionen nicht).

Für die Psychologie ist das Thema Folter virulent unter dem Begriff “Weiße Folter“, womit vor allem soziale Isolation, sensorische Deprivation, aber auch Methoden wie Waterboarding gemeint sind, die schwerer nachweisbar sind als die blutige “rote Folter”. Die Folterdiskussion ist insbesondere in den USA nach 9/11 für die Psychologie relevant geworden, weil mit dem Hoffman-Report bekannt wurde, dass Psychologen viel Geld (Millionen Dollar) mit der Entwicklung von Foltermethoden verdient haben und die weltweit größte (und sehr einflußreiche) Psychologenorganisation, die American Psychological Association, hier mit der damaligen Bush-Regierung geheime Absprachen zur Aufweichung von Ethikregeln vorgenommen hatte, um die Teilnahme von Psychologen an Foltertätigkeiten zu legitimieren. Ich selbst habe auf die grundgesetzlich verankerte Menschenwürde hingewiesen, die gleich im ersten Satz absolut klar formuliert wird: “Die Würde des Menschen ist unantastbar. Sie zu achten und zu schützen ist Verpflichtung aller staatlichen Gewalt.”

Insbesondere mein Kieler Kollege, der Allgemeine Psychologe Prof. Dr. Rainer Mausfeld, hat sich seit vielen Jahren um die Aufklärung dieser Beteiligung von Psychologen an Folter bemüht (siehe z.B. hier oder auch der inzwischen legendäre Youtube-Beitrag “Warum schweigen die Lämmer?” von ihm)

Insgesamt eine interessante Veranstaltung! Ich selbst war begeistert von der hohen Resonanz unter unseren Studierenden! Kompliment für dieses Interesse am Thema! Nach der Auftaktveranstaltung im letzten November, wo wir den Film “Folter made in USA” (eine arte-Dokumentation zum Thema) im HS 2 gezeigt haben, ist nun eine starke Präsenz des Themas garantiert, mit der ich sehr zufrieden bin. Natürlich ist der4 Kampf gegen Folter damit nicht gewonnen, aber ein paar mehr Köpfe denken über das Thema nach - und die überwältigende Mehrheit unserer Studierenden denkt kritisch darüber! Das freut mich!

Literatur aus historisch-politikwissenschaftlicher Sicht: Einolf, C. J. (2007). The fall and rise of torture: A comparative and historical analysis. Sociological Theory, 25(2), 101–121. - Greenberg, K. J., & Dratel, J. L. (eds.) (2005). The torture papers. The road to Abu Ghraib. New York: Cambridge University Press. - Lightcap, T. (2011). The politics of torture. New York: Palgrave Macmillan. - Lightcap, T., & Pfiffner, J. P. (eds.) (2014). Examining torture. Empirical studies of state repression. New York: Palgrave Macmillan. - Rejali, D. (2007). Torture and democracy. Princeton, NJ: Princeton University Press.

Literatur aus psychologischer Sicht: Green, D., Rasmussen, A., & Rosenfeld, B. (2010). Defining torture: A review of 40 years of health science research. Journal of Traumatic Stress, 23(4), 528–531. - Mausfeld, R. (2009). Psychologie, ,weiße Folter‘ und die Verantwortlichkeit von Wissenschaftlern. Psychologische Rundschau, 60(4), 229–240. - O’Mara, S. (2015). Why torture doesn’t work: The neuroscience of interrogation. Cambridge, MA: Harvard University Press. - Punamäki, R.-L., Qouta, S. R., & Sarraj, E. E. (2010). Resilience and crime victimization. Journal of Traumatic Stress, 23(4), 532–536.

MicroDYN revisited

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In den letzten 10 Jahren hat sich meine Heidelberger Arbeitsgruppe mit der computerbasierten Erfassung von Problemlösekompetenzen beschäftigt. Als Chairman 2009-2014 der von der OECD eingesetzten Internationalen “Problem solving expert group” haben wir die Konzeption von PISA 2012 im Bereich “problem solving” von statischen Aufgaben hin zu dynamischen Szenarien verändert. Das ging nur dank der erstmaligen Umstellung der weltweiten PISA-Testung von Papier- auf Computerdarbietung. Das war sicherlich ein großer Erfolg!

Die durch die Testinstrumente MicroDYN (Paradigma linearer Strukturgleichungen) und MicroFIN (Paradigma finiter Automaten) definierten Aufgabenformate haben sich für die Erzeugung größerer Itempools zum Bereich “problem solving” im Rahmen von “large-scale assessments” wie PISA als brauchbar erwiesen. Inwiefern die Forschung zum Umgang mit komplexen Situationen von diesen Tests profitiert und ob hier wirklich mehr als Intelligenz und Arbeitsgedächtnis gemessen werden, ist eine wiederholt (und lebhaft) diskutierte Frage.

Nun ist ein kleines Positionspapier von Andreas Fischer, Daniel Holt und mir erschienen, in dem wir die Validität von MicroDYN-Aufgaben gerade im Vergleich zu komplexeren Szenarien wie z.B. dem “Tailorshop” kritisch diskutieren. Insbesondere die Frage, inwieweit mit linearen Strukturgleichungssystemen und finiten Automaten wirklich komplexes Problemlösen erfaßt werden kann, beschäftigt uns darin. Im wesentlichen sehen wir insbesondere in MicroDYN eine erhebliche Einschränkung des ursprünglichen Konzepts, wie es seit den 1970er Jahren von Dietrich Dörner und anderen propagiert wurde. Daß sich MicroDYN gut an Schulnoten validieren ließ, ist in unseren Augen eher kritisch zu sehen. Eine Validierung an einer Manager-Stichprobe wäre sicherlich besser. Leider sehen die diesbezüglichen Daten gar nicht so überzeugend aus.

Hier das Abstract unseres Beitrags:

In this commentary, we critically review the study of Greiff, Stadler, Sonnleitner, Wolff, and Martin, “Sometimes less is more: Comparing the validity of complex problem solving measures” (Intelligence, 2015, 50, 100–113). The main conclusion of Greiff et al. that the “multiple complex systems” (MCS) approach to measuring complex problem-solving ability possesses superior validity compared to classical microworld scenarios (“less is more”) seems to be an overgeneralization based on inappropriate analysis and selective interpretation of results. In its original form, MCS is a useful tool for investigating specific aspects of problem solving within dynamic systems. However, its value as an instrument for the assessment of complex problem solving ability remains limited.

Nachzulesen ist der komplette Beitrag (als Open Access) hier: Funke, J., Fischer, A., & Holt, D. (2017). When less Is less: Solving multiple simple problems is not complex problem solving—A comment on Greiff et al. (2015). Journal of Intelligence, 5(1), 5. http://doi.org/10.3390/jintelligence5010005 Übrigens ist neben unserer Kritik an der Arbeit von Greiff et al., die uns zu dieser Stellungnahme herausgefordert hat, auch eine weitere kritische Auseinandersetzung dazu erschienen: Kretzschmar, A. (2017). Sometimes less is not enough: A commentary on Greiff et al. (2015). Journal of Intelligence, 5(1), 4. http://doi.org/10.3390/jintelligence5010004

Eine interessante Randbemerkung: Eigentlich hatten wir unsere Replik beim Journal “Intelligence” eingereicht und gehofft, dass unsere Kritik dort veröffentlicht werden würde. Der dortige Herausgeber Richard Haier hat zu meinem Erstaunen unseren Kommentar abgelehnt (im O-Ton: “Commentaries/Discussions and responses to them are not often published in Intelligence. They are rarely cited and rarely settle an issue.”) - mein Respekt vor dem Journal ist daraufhin etwas gesunken. Diskussionen gehören für mich zum Kern wissenschaftlicher Aktivitäten. Umso erfreulicher, dass der Editor eines inhaltlich verwandten “Journal of Intelligence“, Paul De Boeck, zum Abdruck unserer kritischen Stellungnahme bereit war, obwohl der Ursprungsartikel, auf den sich unser Kommentar und unsere Kritik bezieht, in einem Konkurrenzblatt erschienen ist. Eine (wie ich finde: schwache) Erwiderung der Autorengruppe zu unserer Kritik ist dort ebenfalls erschienen: Greiff, S., Stadler, M., Sonnleitner, P., Wolff, C., & Martin, R. (2017). Sometimes more is too much: A rejoinder to the commentaries on Greiff et al. (2015). Journal of Intelligence, 5(1), 6. http://doi.org/10.3390/jintelligence5010006

Wissenschaft in Post-Faktischer Gesellschaft

Der Begriff der “Postfaktischen Politik” (post-truth politics) ist zu einem neuen Schlagwort geworden: Im Zuge von Brexit und den im November 2016 erfolgten USA-Wahlen wurde deutlich, dass ein Spiel mit Emotionen im politischen Kontext offensichtlich erfolgreich sein kann, selbst wenn die Fakten dagegen sprechen. Für Wissenschaftler auf der ganzen Welt muss das eine Provokation sein: Wir versuchen in unseren Kreisen die Fahne der Wahrheit hochzuhalten, zumindest die des kritischen Denkens (je nach Wahrheitskonzeption), wohl wissend, wie schwer es manchmal ist, zu einem klaren Urteil zu gelangen.

Dass aber anerkannte Tatbestände wie z.B. Klimawandel oder wachsende ökonomische Ungleichheit unverhohlen geleugnet werden und man mit Falschaussagen bei Wahlen Mehrheiten bekommt, ist ein schockierender Tatbestand, der jeden Wissenschaftler und jede Wissenschaftlerin beunruhigen muss. Und natürlich kommt sofort die Psychologie ins Spiel, die sich mit Fragen beschäftigt wie z.B. der, warum Fakten nicht akzeptiert werden und warum ein Spiel mit Emotionen wirkungsvoller ist als eine Aufzählung von Fakten.

Dazu kommt: Das Verhältnis von Wissenschaft und Politik ist offensichtlich gestört. Ob es an einem Glaubwürdigkeitsverlust der Wissenschaften liegt, ist schwer zu sagen - “die” Wissenschaften gibt es nicht, es gibt einzelne Wissenschaftler, die keine hohen ethischen Standards befolgen, aber natürlich gibt es Stimmungen und Meinungen über Wissenschaft im Allgemeinen. Am Beispiel der Psychologie sieht man ja auch, dass zu den drängenden gesellschaftlichen Problemen (”Große gesellschaftliche Herausforderungen“) kaum Äußerungen prominenter Wissenschaftler zu hören sind. Sind wir alle wieder im Elfenbeinturm versammelt? Das Schweigen der Wissenschaftler ist laut und deutlich zu hören.

Verlorenes Vertrauen zurückzugewinnen ist schwierig - vielleicht können wir in kleinen Schritten unsere Nützlichkeit für die Gesellschaft, die uns ja alimentiert, aufzeigen? Um es mit einem Statement von Dietrich Dörner zu sagen: Man darf nicht immer nur behaupten fliegen zu können - ab und zu muß man auch mal einen Gleitflug demonstrieren.

Die Gesellschaft für deutsche Sprache hat das Wort “postfaktisch” zum Wort des Jahres 2016 gekürt. Welche Art von Auszeichnung ist das? Ich wäre froh, wenn wir wieder zu einer fakten-orientierten Gesellschaft und einer fakten-orientierten Politik zurückkehren könnten. Dort hat Wissenschaft ihren Platz. Das Programm der Aufklärung, das vor gut 300 Jahren begann, ist noch nicht zu Ende - ganz im Gegenteil brauchen wir verstärkte Anstrengungen, um die Ideale der Vernunft, Toleranz und Menschlichkeit auch in diesen stürmischen Zeiten hochzuhalten.

Der Philosoph Karl Jaspers (einer der Neubegründer der Universität Heidelberg nach dem Ende des 2. Weltkriegs) hat in seinem 1946 erschienenen Buch “Die Idee der Universität” (Heidelberg: Springer) die Aufgabe der Universität sehr ergreifend als “bedingungslose Wahrheitssuche” auf S. 9 wie folgt beschrieben:

“]Wikipedia]

Karl Jaspers (1946) [Quelle: Wikipedia

“Die Universität hat die Aufgabe, die Wahrheit in der Gemeinschaft von Forschern und Schülern zu suchen. Sie ist eine Korporation mit Selbstverwaltung, ob sie nun die Mittel ihres Daseins durch Stiftungen, durch alten Besitz, durch den Staat, und ob sie ihre öffentliche Autorisierung durch päpstliche Bullen, kaiserliche Stiftungsbriefe oder landesstaatliche Akte hat. Unter allen diesen Bedingungen kann sie ihr Eigenleben unabhängig vollziehen, weil die Begründer der Universität dieses wollen oder solange sie es dulden. Sie hat ihr Eigenleben, das der Staat frei läßt, aus der unvergänglichen Idee, einer Idee übernationalen, weltweiten Charakters wie die der Kirche. Sie beansprucht und ihr wird gewährt die Freiheit der Lehre. Das heißt, sie soll die Wahrheit lehren unabhängig von Wünschen und Weisungen, die sie von außen oder von innen beschränken möchten.

Die Universität ist eine Schule, aber eine einzigartige Schule. An ihr soll nicht nur unterrichtet werden, sondern der Schüler an der Forschung teilnehmen und dadurch zu einer sein Leben bestimmenden wissenschaftlichen Bildung kommen. Die Schüler sind der Idee nach selbständige, selbstverantwortliche, ihren Lehrern kritisch folgende Denker. Sie haben die Freiheit des Lernens.

Die Universität ist die Stätte, an der Gesellschaft und Staat das hellste Bewußtsein des Zeitalters sich entfalten lassen. Dort dürfen als Lehrer und Schüler Menschen zusammenkommen, die hier nur den Beruf haben, Wahrheit zu ergreifen. Denn daß irgendwo bedingungslose Wahrheitsforschung stattfinde, ist ein Anspruch des Menschen als Menschen.”

Diesem hohen Anspruch sollten wir in einer postfaktischen Kultur uneingeschränkt folgen - mal abgesehen davon, dass wir uns unsere Kultur nicht von zynischen Politikern vorschreiben lassen sollten.

Gastbeitrag “Warum Big Data keine psychologische Bombe ist”

Gastbeitrag von Dr. Max Vetter, Berlin

„Das Magazin“, eine Schweizer Wochenzeitung, schreibt in seiner Dezemberausgabe über den Psychologen Michal Kosinski, er habe eine Methode entwickelt, um Menschen anhand ihres Verhaltens auf Facebook minutiös zu analysieren (https://www.dasmagazin.ch/2016/12/03/ich-habe-nur-gezeigt-dass-es-die-bombe-gibt/). Damit, so die Behauptung der Autoren, habe er Donald Trump zum Wahlsieg und Ted Cruz zur Aufholjagd im Vorwahlkampf verholfen. Rechtspopulisten aus ganz Europa und auch die deutsche AfD stünden nun bereits Schlange.

https://www.dasmagazin.ch/2016/12/03/ich-habe-nur-gezeigt-dass-es-die-bombe-gibt/

Aktuelles Titelblatt "Das Magazin"

Keine verheißungsvolle Schlagzeile und eine, die für das Image von Psychologinnen und Psychologen eine Reihe negativer Implikationen haben könnte. In der Tat hat Kosinski in etlichen Publikationen Modelle publiziert, in denen er mit Hilfe von online hinterlassenen Spuren wie Facebook Likes verschiedene Variablen wie Geschlecht, sexuelle Orientierung oder die Big Five vorhersagen konnte (z.B. Kosinksi, Stillwell & Graepel, 2013; Kosinski, Bachrach, Kohli, Stillwell & Graepel, 2014; Youyou, Kosinski & Stillwell, 2015).

Aus dem Artikel in „Das Magazin“ mit dem plakativen Titel „Ich habe nur gezeigt, dass es die Bombe gibt“, der also den Vergleich mit der Entwicklung der Atombombe bemüht und einen Psychologen als modernen Bombenbauer präsentiert, ergeben sich aus meiner Sicht zwei Kernfragen:

  1. Sind da tatsächlich Psychologen dabei, eine mediale Atombombe zu entwickeln, die in der Konsequenz dazu führt, dass sie demokratische Wahlen entscheidet oder bereits entschieden hat?
  2. Wenn sich aus digital hinterlassenen Spuren bereits jetzt vergleichbar akkurate Vorhersagen menschlichen Verhaltens bzw. Rückschlüsse auf latente Konstrukte wie Persönlichkeitsvariablen schließen lassen, wozu braucht es dann eigentlich noch die Persönlichkeitspsychologie und mit ihr die Entwicklung von Testverfahren und Methoden? Brauchen wir also Big Data statt Big Five?

Frage 1 ist sicherlich die politischere, aber zugleich aus meiner Sicht vorerst gänzlich unpolitisch mit psychologischer Methodenlehre zu beantworten. Was abstrakt klingt ist eigentlich eine sehr simple Lektion: Korrelation ist nicht gleichbedeutend mit Kausalität. Mit anderen Worten: Die zeitlich sequenzierte Abfolge plausibel klingender Ereignisse erlaubt noch keinen Rückschluss über deren kausalen Zusammenhang. Im vorliegenden Fall bedeutet das:

a)    Donald Trump mag im Wahlkampf statistische Modelle zur Vorhersage einzelner oder mehrerer Traits bzw. sozio-demographischer Variablen aus online hinterlassenen Spuren genutzt haben.
b)    Er mag daraufhin personalisierte Wahlwerbung platziert haben. Das ist strategisch klug und könnte personalisierte Persuasion genannt werden.
c)    Er hat die US-Wahl gewonnen.

Aus a und b folgt jedoch nicht zwingend c. Wir wissen nicht, was letztlich den Ausschlag für seinen Wahlsieg gegeben hat. Es gab keine Kontrollgruppe. Auch der naheliegende Vergleich zu Hillary Clinton, der in „Das Magazin“ bemüht wird, scheidet wegen zu vieler nicht kontrollierter Störfaktoren aus. Die Schlussfolgerung erscheint mir daher zu voreilig, gefährlich daran ist, dass sie so schlüssig daher kommt. Nun gibt es in den Medien und vereinzelt auch in der Psychologie („end with a bang, not a whimper“; Bem, 1987, S. 14) die Tendenz, Kausalitäten herzustellen, um eine schlüssige Geschichte zu erzählen. Und in der Tat, der Artikel in „Das Magazin“ drängt der Leserin oder dem Leser diesen Schluss förmlich auf. Das aber halte ich für einen Fehlschluss; einen für den portraitierten Psychologen schmeichelhaften zwar (denn ist jemand, der dem mächtigsten Mann der Welt ins Amt verhilft nicht eigentlich der mächtigste Mann der Welt?), aber einer, der höchstens für eine zu testende Hypothese taugt – nicht für eine Schlussfolgerung.

Frage 2 stellt gewissermaßen die Daseinsberechtigung psychologischer Methoden wie der rationalen Fragebogen- oder Testkonstruktion in Frage. Psychometrisch gedacht lassen sich unterschiedliche Methoden der Testentwicklung unterscheiden: Die rational-deduktive Methode leitet Items (oder Fragen) von einem zuvor definierten Konstrukt ab, die im zweiten Schritt empirisch geprüft und selektiert werden können. Die Frage „Wie stehen Sie zu einer Flüchtlingsobergrenze?“ könnte so zu einem Item für das Konstrukt „Rechtspopulismus“ werden. Anders geht die external-empirische Methode vor, die rein empirisch selektiert, welche Items eine Merkmalsausprägung besonders gut anzeigen bzw. besonders gut zwischen zwei Gruppen trennen. Falls also gelbe Haare besonders prädiktiv für Rechtspopulismus wären, würde in diesem Falle „Haarfarbe“ zum Prädiktor für Rechtspopulismus.

Im Falle der Kosinski’schen Facebook-Like-Analyse (und in weiten Teilen der Anwendung von Big Data) kommt also die zweite Methode zum Einsatz. Dass dies durchaus erfolgreich sein kann, zeigen die Modelle und Publikationen von Kosinski, deren Wert ich hier nicht schmälern möchte. Was aber ist nun der Mehrwert rational-deduktiver psychologischer Herangehensweisen (und Mehrwert beziehe ich hier nicht nur auf wissenschaftlichen Mehrwert, sondern auch auf gesellschaftlichen)? Diese Methode baut auf einer Theorie auf. Theorien besitzen mindestens zwei klare Vorteile: Sie lassen sich prüfen und sie ermöglichen einen Erkenntnisüberschuss über das direkt Beobachtbare hinaus. Sie bilden sozusagen ein Netz aus Erkenntnissen, das auch dann trägt, wenn nicht jeder einzelne Faden des Netzes bekannt ist. Was aber lernen wir daraus, dass gelbe Haare und Rechtspopulismus zusammenhängen? Psychologie sollte letztlich mehr sein als Wetter- oder Wahlvorhersage und eben nicht nur genau vorhersagen, sondern auch genau erklären können. Daraus, warum unterschiedliche Vorlieben, Willensäußerungen oder weniger offensichtliche Handlungen (online wie offline) offenbar mit einer besonderen Empfänglichkeit für simplifizierende Erklärungen oder populistische Thesen zusammenhängen, könnten wir (und die Politik) lernen, wie Populismus inhaltlich begegnet werden kann. Darüber aber geben Kosinskis Modelle oder deren Anwendung durch Donald Trumps Wahlkampfteam keine Auskünfte.

Schließlich übt die Vorhersage aus virtuellen Spuren eine für mich nicht ganz nachvollziehbare Faszination aus. Zur Erinnerung: Die Wahrscheinlichkeit, das Geschlecht einer fremden Person durch Raten korrekt vorherzusagen beträgt ziemlich genau 50%. Kosinski steigert diese Wahrscheinlichkeit in einem Modell durch die Verwendung von 300 Likes auf 93% (die Präzision steigt zwar nicht perfekt linear aber dennoch annähernd). Ich wage zu behaupten, dass fast jeder Psychologie Bachelorabsolvent und jede Absolventin in der Lage ist, diese Präzision mit deutlich weniger Fragen (ich wage sogar die Behauptung, mit maximal zehn) zu erreichen. Ist das also die künstliche Intelligenz, vor der wir uns fürchten? Unter diesen Umständen fürchte ich mich allerdings mehr vor der humanoiden psychologischen Intelligenz.

Das für mich Faszinierende sind nicht die Big Data Modelle und deren Vorhersagen, sondern die massenhafte Verfügbarkeit von Antworten auf relativ standardisiert gestellte Fragen im Netz, ein riesiger Stimulustest quasi. Statt mit „thin slices“ (Ambady & Rosenthal, 1992) haben wir es hier wohl eher mit dicken Scheiben zu tun. Das Neue, und dafür sensibilisiert „Das Magazin“ zu Recht, ist Folgendes: In psychologischen Studien holen wir uns die explizite Zustimmung zur Datensammlung für einen bestimmten Zweck („informed consent“) und garantieren eine nicht Rückführbarkeit auf die einzelne Person. Wenn bislang diagnostische Verfahren eingesetzt wurden, geschah dies in der Regel sehr transparent (Screening Verfahren, Intelligenztests, Assessment Center, Anamnesegespräche) und daher bestand auch kein Grund zu der häufig geäußerten Sorge, jederzeit und ohne es zu bemerken von Psychologinnen und Psychologen „analysiert“ zu werden. Das ändert sich gerade. Eine Nutzung dieser Daten hat sicherlich viele Vorteile – auch außerhalb des US-Wahlkampfes –wirft aber etliche ethische Fragen auf. Nicht alle sind aber so neu, wie es ihr digitales Gewand verheißt: Wählergruppen gezielt zu ignorieren etwa, weil deren Status als Nichtwähler bekannt ist, dürfte auch für deutsche Politikerinnen und Politikern keine ganz neue Strategie sein. Sie mag durch neue Daten zielgenauer werden, überhaupt erst möglich wird sie dadurch jedoch nicht. Und in der Konsequenz ist sie jetzt so verwerflich wie eh und je. Statt also durch statistische Modelle niedrig hängende „Wählerfrüchte“ zu ernten (bzw. die hoch hängenden gezielt zu ignorieren), sollte die Diskussion endlich stärker dahingehend geführt werden, wie wir an diesen Stellen mehr verstehen können. Dabei wird die eine oder andere psychologische Theorie langfristig hilfreich sein, Big Data als Methodik meinetwegen auch.

Zum Nachlesen:

Ambady, N., & Rosenthal, R. (1992). Thin slices of expressive behavior as predictors of interpersonal consequences: A meta-analysis. Psychological Bulletin, 111, 256–274.

Bem, D. J. (1987). Writing the empirical journal article. In Darley, J. M., Zanna, M. P., & Roediger III, H. L. (Eds) (2002), The Compleat Academic: A Career Guide. Washington, DC: American Psychological Association.

Kosinski, M., Stillwell, D., & Graepel, T. (2013). Private traits and attributes are predictable from digital records of human behavior. Proceedings of the National Academy of Sciences, 110(15), 5802-5805.

Kosinski, M., Bachrach, Y., Kohli, P., Stillwell, D., & Graepel, T. (2014). Manifestations of user personality in website choice and behaviour on online social networks. Machine Learning, 95, 357-380.

Youyou, W., Kosinski, M., & Stillwell, D. (2015). Computer-based personality judgments are more accurate than those made by humans. Proceedings of the National Academy of Sciences of the United States of America, 112, 1036–1040.

Über den Autor: Dr. Max Vetter hat in Heidelberg Psychologie studiert und dort auch zum Thema Entscheidungsarchitekturen zur Förderung nachhaltigen Verhaltens promoviert. Aktuell arbeitet er als Politikberater für Verbraucherpolitik bei ConPolicy (http://www.conpolicy.de/institut/dr-max-vetter/) in Berlin.

Nachtrag JF 10.12.16: Es gibt noch ein paar weitere Links zum Thema:

Big Data allein entscheidet keine Wahl:
http://www.zeit.de/digital/internet/2016-12/us-wahl-donald-trump-facebook-big-data-cambridge-analytica/komplettansicht

Können Facebook-Likes wirklich Wahlen entscheiden:
http://www.n24.de/n24/Nachrichten/Wissenschaft/d/9529238/koennen-facebook-likes-wirklich-wahlen-entscheiden-.html

Wie unser Technik-Aberglaube allen schadet: http://www.spiegel.de/netzwelt/web/magischer-digitalismus-wie-unser-technik-aberglaube-uns-allen-schadet-a-1124836.html

Datenpsychologe Kosinski: https://www.welt.de/wissenschaft/article160088355/Je-weniger-Likes-desto-leichter-durchschaubar.html

Masterfeier 2016 in der Alten Aula

Zusammen mit Dr. Herbert Wettig habe ich im Jahr 1999 die “Alumni Psychologici” als erste eigenständige Sektion der “Gesellschaft der Freunde” gegründet (heute hat sich die Zahl der Sektionen deutlich vergrößert). Und schon im Jahr 2000 fand mit Unterstützung des Kollegen Manfred Amelang die erste Absolventenfeier am Psychologischen Institut im Hörsaal 2 statt. Damit wurde eine Tradition begründet, die bis heute anhält und neben den wiederkehrenden, ritualisierten Elementen (wie z.B. feierliche Zeugnisübergabe) auch immer wieder Neuerungen enthält. Ein erst kürzlich eingeführtes Element, nämlich das Tragen von Talaren (übrigens: keiner muss das tragen, aber fast alle wollen das gerne!), hat sich gut bewährt!

Die Masterfeier 2016, die am 2.12.2016 stattfand, hatte eine räumliche Neuerung: Zum allerersten Mal fand diese Veranstaltung in der Alten Aula, der “guten Stube” der Universität, statt (ein wunderschöner Band über die Alte Aula kann übrigens kostenlos als PDF bei Heidelberg University Publishing heruntergeladen werden). Welch ein schönes Ambiente für die Abschlussfeier! Unser Geschäftsführender Direktor Prof. Dr. Hans-Werner Wahl wies in seiner Begrüßungsrede darauf hin, dass die Psychologie in Heidelberg seit langem zu den Top-Instituten der BRD gehört und sich auch in der Qualität unserer Studierenden spiegele. In der Sprache der Winzer sprach er von einem “guten Gewächs 2016″.

Im Rahmen der Feierstunde wurde erneut der Franz E. Weinert-Preis für die beste Abschlußarbeit 2016 vergeben. Die Preisträgerin Anne-Louise Göhring erhielt für ihre Masterarbeit über die Wirkung von Metaphern in der politischen Sprache (Betreuer: Prof. Dr. Ursula Christmann und Prof. Dr. Norbert Groeben) die Urkunde aus der Hand des Kommissionsvorsitzenden Prof. Dr. Dirk Hagemann. Aufmerksamen Leserinnen und Lesern dieses Blogs wird der Name Anne-Louise Göhring schon begegnet sein: ich habe erst vor kurzem über ihre gemeinsam mit Frau Prof. Dr. Ursula Christmann verfasste Nature-Publikation geschrieben.

Die Absolventinnen und Absolventen des Jahrgangs 2016 erhielten dann aus der Hand des Prüfungsausschuss-Vorsitzenden Prof. Dr. Oliver Schilling ihre Urkunden. Der tradionelle, angezählte “Hütewurf” schloß diesen Teil des Abends (das “Kerngeschäft”, wie es von Oliver benannt wurde) mit großem “Yippie Yeah” ab.

Schließlich durfte ich selbst wieder ein paar Schlußworte sprechen, emotional unterstützt von unserer Großsponsorin Anne-Marie De Jonghe, bevor es dann in der “Bel Etage” des Rektors mit Brot und Wasser (und noch Edlerem!) zu einem lebendigen Ausklang kam. Ich bin mit manchen Eltern ins Gespräch gekommen und habe mich gefreut, wie stolz sie auf ihre “Gewächse” waren - zu Recht!

Feierlich umrahmt wurde die Veranstaltung am Steinway-Flügel von unserer Master-Studentin Julia Geller, die insgesamt drei wunderschöne Stücke spielte (Robert Schumann: Waldszenen, Op. 82; Franz Schubert: Impromptu in Ges-dur, D899; Wolfgang A. Mozart: Rondo in D-dur, K485) und die volle Aula in nachdenklich-freudige Stimmung versetzte. Klasse! Herzlichen Dank dafür!

Noch eine Neuerung: Im Vorraum der Aula stand zum ersten Mal eine “Foto-Box“, mit der alle Teilnehmenden Fotos von sich machen konnten. Mal sehen, wie sich das bewährt!

Ein großes “Danke-schön” an das Orga-Team in Person von Christiane Fauth, Ute Lorenz und - ganz wesentlich! -  meiner Sekretärin Edith von Wenserski; auch Anja Schilling als Sekretärin des GD, Michael Brünnich vom Prüfungsamt, Hausmeister Reiner Meßner und verschiedene Hilfskräfte haben mitgeholfen, dass die Veranstaltung am Ende so laufen konnte, wie sie denn stattfand. Und das trotz schwieriger Randbedingungen: es musste das gesamte Equipment und Catering vom PI in die Aula gebracht werden; der Weihnachtsmarkt vor der Eingangstüre machte den Transport nicht einfacher…

Insgesamt eine tolle Feier! Die Zeiten, in denen Abschlußurkunden nüchtern per Post zugestellt wurden, sind definitiv vorbei! Gemeinsam mit Eltern und Dozierenden feiern die Absolventinnen und Absolventen das Ende eines wichtigen Lebensabschnitts! Das ist gut so! Auch wenn die Zukunft viele Ungewißheiten enthält: dankbar zu sein für das bis jetzt Erreichte und sich darüber zu freuen, dass man es bis hierhin geschafft hat, ist klug und weise! Das hat für mich nichts mit “Amerikanisierung” des Hochschulbetriebs zu tun , sondern ist ein Akt der Würde und Menschlichkeit! Schön, dass ich das mit so vielen Menschen um mich herum teilen kann!

Ruprecht-Karls-Preise 2016

Gestern nachmittag wurden in einer feierlichen Zeremonie in der Alten Aula der Universität in Anwesenheit des Rektors und zahlreicher prominenter Gäste ausgezeichnete Dissertationen unserer Universität mit dem Ruprecht-Karls-Preis (RKP) geehrt, der von der Stiftung Universität seit 1990 jährlich vergeben wird. Ausgezeichnet wurden dieses Jahr vom Vorsitzenden der Stiftung, Dr. Karl Hahn, die wissenschaftlichen Arbeiten von Dr. Susanne Bach (Germanistik), Dr. Kristina Meyer (Physik), Dr. Lutz Ohlendorf (Rechtswissenschaften), Dr. Ricarda Stegmann (Religionswissenschaften) und Dr. Christian Thome (Biowissenschaften). Ausserdem wurde in Anwesenheit von Mitgliedern der Stifter-Familie der Umweltpreis der Viktor und Sigrid Dulger Stiftung vom Rektor unserer Universität, Prof. Dr. Bernhard Eitel, an Dr. Marlon Barbehön (Politische Wissenschaft) verliehen.

Preisträger mit Rektor Bernhard Eitel, Jury-Vorsitzendem Paul Kirchhof und Stiftungs-Vorsitzendem Karl Hahn im Kaminzimmer (Foto: JF)

Die Laudatio auf die ausgewählten Dissertationen hielt zum 26. Mal (!) Prof. Dr. Paul Kirchhof, der als Vorsitzender der Jury über den Auswahlprozeß und die Entscheidungskriterien berichtete. Das wichtigste war jedoch sein Bericht über die Preisträger-Arbeiten selbst: in seiner unnachahmlichen Weise brach er die höchst komplizierten Fachinhalte der Dissertationen auf ein für alle Anwesenden nachvollziehbares Niveau herunter und führte damit das Prinzip verständlicher Wissenschaft vor. Die neuen Erkenntnisse der ausagezeichneten Dissertationen wurden auf anschauliche Weise deutlich gemacht.

Als Festredner konnten wir einen der früheren Preisträger und ein jetziges Vorstandsmitglied der Stiftung, Dr. Thorsten Helm, gewinnen. In höchst erbaulicher und amüsanter Weise ging er der Frage nach, welche Bedeutung derartige Wissenschaftspreise haben. Unter dem Titel „Preise in der Wissenschaft: Individuelle Anerkennung und Gemeinwohlimpuls” beleuchtete er kurz und prägnant von allen Seiten das Thema und brachte die Zuhörenden immer wieder zum Lachen. Lieber Thorsten: danke, daß Du auch die Psychologie miteinbezogen hast!

Auf dem anschließenden Empfang in der Bel Etage des Rektors waren sich alle einig: eine schöne Veranstaltung! Toll, dass es so viele Menschen gibt, die uns ideell und finanziell unterstützen und damit so tolle Aktivitäten ermöglichen! Wir freuen uns auch über kleinere Zuwendungen!

Hier die Pressemitteilung zum RKP 2016.

Präsident für alle Amerikaner?

Normalerweise äußere ich mich hier im HeiPI-Blog nicht zu tagespolitischen Themen. Dennoch scheint mir - nachdem der erste Schock über das amerikanische Wahlergebnis mit dem Wahlsieg von Donald Trump verdaut ist - eine Reflexion aus der Sicht eines Psychologen zulässig, ja nötig. Mal abgesehen davon, dass ich eben eine Rundmail von der weltweit größten Psychologenorganisation (der “American Psychological Association”, APA; nicht zu verwechseln mit der “American Psychiatric Association”, auch APA genannt) erhalten habe, in der die Präsidentin Susan McDaniel und zwei ihrer Vorstandskollegen die AP-Mitglieder vor Spaltung warnen und zur Einheit aufrufen.

Der zu Ende gegangene amerikanische Wahlkampf hat nie zuvor Dagewesenes hervorgebracht: respektlose Beleidigungen von Minderheiten, sexistische Bemerkungen, das angedrohte Nichtanerkennen eines möglichen Wahlverlusts, bis hin zur Forderung Trumps, seine Gegnerin Hillary Clinton ins Gefängnis zu bringen. Alles nur Wahlkampfgetöse? Was kann nach soviel zerschlagenem Porzellan noch gekittet werden? Wie ist ein Aufeinanderzugehen politischer Gegner nach sovielen Verletzungen, Schmähungen, Beleidigungen noch möglich? Das ist auch eine psychologische Frage.

Die - ebenfalls attackierte - Bundeskanzlerin hat ihre Gratulation zum Wahlsieg sehr professionell gemacht: Angebot zur Zusammenarbeit auf der Grundlage wichtiger Grundwerte moderner Verfassungen. Mal sehen, ob die Botschaft verstanden wird! Mir hat diese Reaktion Angela Merkels (unabhängig von meinen politischen Präferenzen) sehr gut gefallen! Auch die erste Reaktion der Wahlverliererin Hillary Clinton mit dem Angebot zur Zusammenarbeit ist professionell!  Natürlich fällt das umso schwerer, je tiefer die Gräben vorher gezogen wurden.

Eine andere interessante Baustelle ist die Wahlforschung. Ihr Versagen auf ganzer Linie zeigt Probleme sozialwissenschaftlicher Methoden. Telefonumfragen liefern offensichtlich kein “wahres” Abbild der Verhältnisse. Die Verzerrungen, die dadurch entstehen, dass man (aus welchen Gründen auch immer) am Telefon oder an der Haustür nicht offen für seine Meinung einsteht, sondern sich erst in der geschützten Wahlkabine mit seinem Kreuz zu erkennen gibt, haben Wahlforscher unterschätzt. Hier sind psychologische Forschungsergebnisse über den begrenzten Wert von Selbstauskünften und den Bedingungen, unter denen Aussagen glaubwürdig sind, zu rezipieren und zu vertiefen.

Als Problemlöseforscher sehe ich der neuen Situation mit viel Interesse entgegen! Der Umgang mit Unsicherheit wird gefordert (Aussenminister Steinmeier glaubt, dass Aussenpolitik “unberechenbarer” wird), die Komplexität wird ansteigen, Probleme werden wachsen. Zugleich will Trump selbst natürlich viele Probleme lösen und steht unter großem Erwartungsdruck. Mal sehen, wie die erforderliche Komplexitätsreduktion ausfallen wird. Braucht postfaktische Politik überhaupt Ergebnisse? Eine tolle Zeit für die Politische Psychologie, die es bei uns allerdings nicht an vielen Standorten gibt. Hier ist eine Stellungnahme von Siegfried Preiser.

Und natürlich bin ich gespannt, welche Vorbildeffekte die US-Wahl auf die Bundestagswahl in der BRD 2017 hat: ob wir hier ähnliche Attacken registrieren müssen wie in den USA? Noch sind wir Zuschauer, bald schon selbst Betroffene. Auch bei uns gibt es sicher viele, die sich von der politischen Elite nicht mehr vertreten fühlen und zum Protestwähler werden gegen “die da oben”. Folgen der Globalisierung? Gefühlter (oder sogar realer) Verlust an Einflußmöglichkeiten? Angst vor ungewisser Zukunft?

Nur am Rand sei erwähnt: eine Reihe linksintellektueller Amerikaner denken darüber nach, das Land zu verlassen. Der Server der Kanadischen Einwanderungsbehörde soll nach Bekanntgabe des Wahlergebnisses unter der Last der Anfragen zusammengebrochen sein. Auch bei mir ist schon eine Anfrage eines amerikanischen Kollegen nach den Möglichkeiten hier bei uns am Institut zu arbeiten eingetroffen. Nach Syrien, Türkei, Brexit nun also auch Trump-Flüchtlinge an den Hochschulen? Wir werden sehen.

Präsident aller Amerikaner ist Donald Trump definitiv nicht - ob er Präsident für alle Amerikaner sein wird, muss sich zeigen. Die Wandlung vom hetzenden Spalter zum versöhnenden Einheitsstifter stellt einen psychologischen Entwicklungsprozeß dar, den ich mir nicht vorstellen kann. Aufbauend auf psychologischen Erkenntnissen würde ich sagen: Nicht in kurzer Zeit und nicht mehr in diesem Lebensalter. Aber vielleicht sollte ich mehr Bescheidenheit in meinen Prognosen an den Tag legen - das Wahlergebnis konnte ich mir auch schon nicht vorstellen. Die Welt braucht offensichtlich mehr Phantasie neben einem Mehr an Werten wie Menschlichkeit, Toleranz, Achtung, Respekt, Würde, Anstand - um ein paar altbackene Konzepte ins Spiel zu bringen. Vielleicht müssen wir uns auch als Psychologen mehr einmischen, unsere Funktion in der Gesellschaft nochmals überdenken?

PS: Ab und an treffen wir uns mit Freunden in Kallstadt, dem Herkunftsort der Trumps, zum Weinkauf und zum Abendessen. Mal sehen, ob da Begeisterung über den triumphalen Erfolg eines Pfälzer Abkömmlings zu spüren ist. Den (ethnografischen) Film “Kings of Kallstadt” fanden wir jedenfalls witzig!

Zur Psychologie des Fanatismus

Ein neues Sachbuch ist erschienen, über das ich berichten möchte: „Die radikalisierte Gesellschaft. Von der Logik des Fanatismus“, verfasst 2016 von Ernst-Dieter Lantermann, Emeritus für Sozialpsychologie an der Universität Kassel. Er hat sich in seinem neuen Text dieses höchst aktuellen und bedeutsamen Themas angenommen.

Um es gleich vorweg zu sagen: es ist aus meiner Sicht ein lesenswertes Werk geworden! An fünf Themenfeldern illustriert er das, was er “selbstwertdienliche Unsicherheitsreduktion“ nennt: die Entstehung von Fremdenfeindlichkeit und Fremdenhass; das Wohnen in geschlossenen Wohnkomplexen („gated communities“); der Rückzug in kleine soziale Welten; die Perfektionierung des eigenen Körpers durch Body Building, Schönheitsoperationen und Piercing; die Entscheidung zur sinnstiftenden Mahlzeit.

In allen Themenfeldern sieht der Autor vergleichbare Mechanismen am Werke, die zu Radikalisierungen führen: das Erleben einer unsicheren Welt, die Angst erzeugt und den Selbstwert des Einzelnen in Frage stellt. Der dann einsetzende Mechanismus “Komplexitätsreduktion” schafft wieder Boden unter den Füßen und lässt mich die Welt zusammen mit Gleichgesinnten wieder als beherrschbar und verständlich erscheinen. Andere Meinungen und Fakten werden ausgeblendet und ignoriert.

Wichtig sind die Differenzierungen, die Lantermann immer wieder darlegt. So sieht er etwa Fremdenfeindlichkeit gespeist aus verschiedenen Motivlagen heraus, wie z.B. die “Gruppe der verhärteten Selbstgerechten”, die gut situiert sind, über ein robustes Selbstbewusstsein verfügen und sich nach besseren Zeiten zurück sehnen, wo alles noch einfach war; die “Gruppe der Beleidigten”, die in prekären Verhältnissen leben und sich ungerecht behandelt fühlen; die “Gruppe der Verbitterten”, die ebenfalls in prekären Verhältnissen lebt und die sich etwa im Vergleich mit Muslimen, die andere Werte als die Verbitterten haben, wieder selbst wertschätzen können. Am Beispiel der Vegetarier wird deutlich gemacht, wie verschiedene Stufen des Fanatismus entstehen und wie auf einmal Veganismus zu einem selbstwertdienlichen Lebensstil wird (Essen als Weltanschauung).

Was macht das Buch lesenswert? Zum einen ist es gut verständlich geschrieben – die wissenschaftlichen Quellen und vertiefenden Erläuterungen sind in den Anhang verschoben und stören den Lesefluss nicht. Zum zweiten werden psychologische Mechanismen und Prozesse in anschaulicher Weise beschrieben und machen psychologische Theorien lebendig. Vor knapp 30 Jahren ist es Dietrich Dörner gelungen, mit seinem Werk „Logik des Misslingens“ (1987) eine allgemeinverständliche Beschreibung des Forschungsfeldes „Komplexes Problemlösen“ zu liefern (bis heute empfehle ich es allen Personen, die wissen wollen, womit ich mich beschäftige). Mit dem vorliegenden Werk tritt Ernst-Dieter Lautermann erneut den Beweis an, dass psychologische Vorstellungen verständlich dargestellt werden können; sein Buch belegt den Erklärungswert sozio-psychologischer Theorien und Befunde. Ich wünsche seinem Werk viele Leserinnen und Leser sowie positive Resonanz!

Ernst-Dieter Lantermann (2016). Die radikalisierte Gesellschaft. Von der Logik des Fanatismus. München: Blessing.

Direktstudium ja - aber nicht so!

Seit letzter Woche liegt das lang erwartete Eckpunktepapier des Bundesgesundheitsministeriums (BMG) zur “Novellierung der Ausbildung zum Psychologischen Psychotherapeuten” auf dem Tisch (es findet sich z.B. auf dieser Seite) - und ich bin erschrocken darüber, was ich dort lesen muss! Doch zunächst zum Hintergrund: seit vielen Jahren wird eine Reform der Psychotherapie-Ausbildung angemahnt - nicht nur, weil die im Psychotherapeutengesetz (PsychThG) von 1999 beschriebene Eingangsqualifikation “Diplom” nicht mehr passt, sondern weil auch die unbezahlte Tätigkeit der Studierenden während der kostenpflichtigen Weiterbildung zu prekären Situationen führt - hier haben die “Pia” (= Psychotherapeuten in Ausbildung) immer wieder und lautstark gegen ausbeuterische Strukturen protestiert.

Unter dem Stichwort “Direktstudium” kursiert seit längerem die Idee, wonach am Ende eines 5jährigen Psychologiestudiums (3 Jahre BSc ohne Spezialisierung, aber mit klinischen Anteilen; 2 Jahre MSc mit Schwerpunkt Klinische Psychologie) die erste Staatsprüfung und damit die Approbation stehen könnte, an die sich dann eine Facharzt-analoge Weiterbildung in Psychotherapie anschließt. Die Grundidee eines polyvalenten Bachelors (d.h. eines Bachelors, der als Grundlage für vielfältige Anwendungen dienen kann) hat damals viele überzeugt - jetzt scheint dieses Konzept in Frage zu stehen. Polyvalent heißt: man kann mit dem BSc-Abschluß später auch noch andere Master-Spezialisierungen machen als als nur Klinische Psychologie (z.B. Arbeits- und Organisationspsychologie, Pädagogische Psychologie, Medienpsychologie, Forensische Psychologie, und und und). Dass diejenigen, die auf eine Approbation zustreben, mehr klinische Anteile machen müssten als zuvor, war klar - auf der anderen Seite wollte man nicht das gesamte BSc-Studium unter eine klinische Perspektive stellen. Diese Konzeption scheint nach den jetzt vorgelegten Eckpunkten nicht mehr zu gelten! Protest!

In einer vier Monate alten Gemeinsamen Erklärung der Deutschen Gesellschaft für Psychologie (DGPs) und des Berufsverbands Deutscher Psychologinnen und Psychologen (BDP) zur Reform des Psychotherapeutengesetzes mit dem Titel “Psychologische Psychotherapie erfordert ein wissenschaftliches Studium der Psychologie” vom 13.6.2016 heißt es noch optimistisch:

“Die Föderation Deutscher Psychologenvereinigungen ist sich einig, dass die folgenden Punkte bei der Novellierung des Psychotherapeutengesetzes berücksichtigt werden sollten:
1.    Die Ausbildung wissenschaftlich und praktisch qualifizierter psychologischer Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten erfordert ein grundständiges, fünfjähriges Studium der Psychologie (300 ECTS), mit dem Abschluss eines polyvalenten Bachelor of Science und eines Master of Science mit Schwerpunkt in Klinischer Psychologie und Psychotherapie, als Voraussetzung für die nachfolgende Weiterbildung.
2.    Für die Sicherung der Ausbildungsqualität sind die Einheit von Forschung, Lehre und Praxis an den ausbildenden Hochschulen (Promotions- und Habilitationsrecht, psychotherapeutische Lehr- und Forschungsambulanz), einheitliche Prüfungsstandards und die Anerkennung der Ausbildung durch die Landesbehörden unabdingbare Voraussetzungen.
3.    Die ausbildenden Hochschulen müssen über entsprechend qualifiziertes Lehr- und Forschungspersonal sowie über die erforderlichen Strukturen für die wissenschaftliche und die praktische Ausbildung auf allen wissenschaftlichen Qualifikationsebenen und für die Forschung im Bereich klinischer Psychologie und Psychotherapie verfügen.
4.    Eine selbstständige psychotherapeutische Tätigkeit im Sinne des Sozialrechtes sollte nach einer ausreichend qualifizierenden, dreijährigen Weiterbildung mit Erreichung der Fachkunde erfolgen. Daher müssen in ausreichendem Maße Weiterbildungsmöglichkeiten im Rahmen von Assistenzstellen sowohl für den stationären als auch den ambulanten Bereich geschaffen werden, die dem vorliegenden akademischen Niveau entsprechend vergütet werden.
5.    Die erforderlichen Ressourcen für die Aus- und Weiterbildung müssen im Zuge der Gesetzesnovellierung berücksichtigt und insbesondere in Bezug auf die Anzahl der Aus- und Weiterbildungsplätze aufeinander abgestimmt werden. Mehr praxisorientierte Ausbildung (mit Patientenkontakt) in Kleingruppen erfordert zusätzliche Kapazitäten an den ausbildenden Hochschulen, die nicht zu Lasten anderer psychologischer Teildisziplinen gehen dürfen.
6.    Psychologische Tätigkeiten, die Zwecke außerhalb der Heilkunde zum Gegenstand haben, sollten durch das Gesetz weiterhin nicht geregelt werden (Beibehaltung der jetzigen Legaldefinition von Psychotherapie).”

Bei aller Freude darüber, dass die Neuorganisation  der Psychotherapie-Ausbildung nun in greifbare Nähe rückt, ruft das Eckpunkte-Papier des BMG nun aber sicherlich auch Protest hervor. In einer ersten (sehr zurückhaltenden) Stellungnahme vom 28.10.16 durch die DGPs und  den Fakultätentag Psychologie werden vier zentrale Positionen unseres Faches benannt, an denen wir m.E. unbedingt festhalten müssen:

“• Erhalt der Einheit des Faches Psychologie [Lesart JF: keine zwei Studiengänge],

• polyvalenter Bachelor [Lesart JF: nicht das gesamte BSc-Studium nur mit klinisch geprägten Inhalten],

• wissenschaftlich und praktisch qualifizierender studierbarer Masterstudiengang mit dem Abschluss „M.Sc. Psychologie mit Schwerpunkt Klinische Psychologie und Psychotherapie“ [Lesart JF: auch der Klinische Master bleibt ein Master Psychologie],

• Bereitstellung zusätzlich notwendiger Ressourcen ohne Rückgriff auf die Kapazitäten anderer psychologischer Anwendungs- oder Grundlagendisziplinen [Lesart JF: keine Umverteilung von vorhandenen nicht-klinischen Ressourcen in die klinische Psychologie].”

Diesem Forderungskatalog kann ich mich uneingeschränkt anschließen und hoffe, dass wir angehört werden und unsere Positionen in die Novellierung einbringen können. In der jetzigen Fassung erscheint mir das Eckpunkte-Papier inakzeptabel. Wir wollen kein Psychotherapie-Studium isoliert neben einem Psychologie-Studium, sondern die Integration der Psychotherapie-Grundausbildung in das wissenschaftlich geprägte Psychologie-Studium. Die enge Verbindung von Wissenschaft und Praxis nach dem “scientist-practitioner“-Modell ist von großer Bedeutung, da eine lebenslange Weiterbildung nur funktioniert, wenn im Studium kritisches Denken erworben wurde und nicht einfach nur praktische Übungen im Mittelpunkt stehen.

Ausschnitt aus den Überlegungen des BMG-Eckpunktepapiers zur Finanzierung der entstehenden Mehrkosten: “Verlagerung von freiwerdenden Kapazitäten im derzeitigen Psychologiestudium, die für eine psychotherapeutische Tätigkeit nicht relevant sind, z.B. die Arbeits- und Organisationspsychologie, Verkehrspsychologie oder Werbepsychologie, auf für die psychotherapeutische Ausbildung relevante Inhalte” - da kann ich mir gut vorstellen, dass Vertreter der genannten Anwendungsbereiche diese “Querfinanzierung” nicht einfach hinnehmen wollen.

Ich hoffe, dass gegen die nun vorgelegten Pläne eines vom Psychologie-Studium abgespaltenen Psychotherapie-Studiums nicht nur von Seiten der Bundesländer protestiert wird (auf die Mehrkosten unabwendbar zukämen), sondern auch von unseren Fachvertretern in den Instituten gegen diese Pläne Sturm gelaufen wird. Eine “Klinifizierung und Fachhochschulifizierung” unseres Psychologiestudiums vom ersten Semester an scheint mir inakzeptabel! So hatten wir nicht gewettet!

Neues Kuratorium der Stiftung Universität

Die “Stiftung Universität Heidelberg” hat einen erlauchten Kreis von Förderinnen und Förderern, die die Universität tatkräftig (und finanzkräftig) unterstützen. Die derzeitigen Mitglieder des Kuratoriums wurden am 22. September 2016 für fünf Jahre gewählt. Die konstituierende Sitzung des neu gewählten Gremiums fand am 26. Oktober 2016 statt. Der Vorstand der Stiftung (unter Leitung von Dr. Karl Hahn) und der Vorstand der Gesellschaft der Freunde (unter meiner Leitung) trafen sich am 26.10.16 in Kirchheim, um die Pläne für das nächste Jahr zu beraten. Der Rektor unserer Universität, der als Gast mit dabei war, berichtete Kennzahlen über die Universität und die nicht ganz einfachen Schritte auf dem Weg zur nächsten (dritten) Exzellenzrunde.

Hier ist die Liste der aktiven Kuratorinnen und Kuratoren:

  • Dieter Berg, ehem. Vorsitzender der Geschäftsführung der Robert Bosch Stiftung GmbH, Stuttgart (Vorsitzender des Kuratoriums)
  • Prof. Dr. Peter Comba, Professor am Anorganisch-Chemischen Institut der Universität Heidelberg, Direktor des IWH
  • Andrea Y. Combé, Rechtsanwältin, Kanzlei SFC Rechtsanwälte, Heidelberg
  • Verena Eisenlohr, Rechtsanwältin, LL.M. (Berkeley), Kanzlei Rittershaus, Mannheim, Lehrbeauftragte an der Universität Heidelberg
  • Prof. Dr. Dieter Jahn, ehem. Senior Vice President Globales Kompetenzzentrum Science Relations and Innovation Management BASF Gruppe (stv. Vorsitzender des Kuratoriums)
  • Prof. Dr. Lutz Gade, Professor am Anorganisch-Chemischen Institut der Universität Heidelberg, Mitglied der Heidelberger Akademie der Wissenschaften
  • Georg von Hohnhorst, Wirtschaftsprüfer, bis 2014 Partner bei KPMG, Mannheim
  • Prof. Dr. Hanno Kube, Professor am Institut für Finanz- und Steuerrecht der Universität Heidelberg
  • Ehrensenator Dr. h.c. Manfred Lautenschläger, Stellv. Aufsichtsratsvorsitzender der MLP AG
  • Dr. Michael Litterer, Geschäftsführung Franz Litterer GmbH & Co KG, Weinheim
  • Prof. Dr. Dr. h.c. Peter Meusburger, Seniorprofessor am Geografischen Institut der Universität Heidelberg
  • Jürgen Olbermann, Mitglied der Geschäftsführung der Feri Trust GmbH
  • Markwart von Pentz, President, Agriculture and Turf Division – Europe, CIS, Asia, Africa and Global Tractor Platform, Deere & Company, Mannheim
  • Dr. Volker Reimann-Dubbers, Vorsitzender des Stiftungsrats der VRD Stiftung für erneuerbare Energien
  • Dr. Bernd Scheifele, Vorstandsvorsitzender der HeidelbergCement AG
  • Dr. Manfred Schneider, Geschäftsführender Gesellschafter der FALK GmbH & Co KG
  • Dr. Mohsen M. Sohi, Mitglied der Unternehmensleitung Freudenberg & Co. Weinheim
  • Margret Suckale, Mitglied des Vorstands der BASF SE
  • Ehrensenator Dr. Jobst Wellensiek, Senior Sozius Wellensiek Rechtsanwälte

Wir Vorstandsmitglieder freuen uns auf die Zusammenarbeit mit dem neuen Kuratorium und hoffen, dass unsere ehrgeizigen Ziele gemeinsam realisiert werden können! Der frische Wind war jedenfalls zu spüren!

Die Stiftung Universität Heidelberg wurde Ende 1984 zum bevorstehenden 600. Jubiläum der Ruperto Carola mit dem Ziel der Wissenschaftsförderung errichtet. Initiatoren der Stiftungsgründung waren der damalige Rektor Prof. Dr. Gisbert Freiherr zu Putlitz, der ehemalige Vorsitzende des VW-Vorstands Kurt Lotz und der Verfassungs- und Steuerrechtler Prof. Dr. Paul Kirchhof. Man wollte damals eine Stiftung nach amerikanischem Vorbild.

Auch wenn sich in der Vergangenheit nicht alle Hoffnungen auf ein starkes Wachstum des Stiftungskapitals erfüllt haben: Mit Erträgen der Stiftung und Spenden aus dem Kreis Kuratorinnen und Kuratoren wurden in der Vergangenheit zahlreiche Projekte der Universität gefördert. Zum 625jährigen Jubiläum der Universität im Jahr 2011 brachten beispielsweise Kuratoren, Vorstand und Freunde der Stiftung insgesamt 250.000 Euro für dieses Projekt zusammen - wie ich finde: eine beeindruckende Summe und Ausdruck eines hohen bürgerschaftlichen Engagements für die Universität!

Die Stiftung vergibt seit mehr als 25 Jahren (seit 1990) die prestigeträchtigen Ruprecht-Karls-Preise: Jedes Jahr werden die fünf besten Dissertationen an dieser Universität ausgezeichnet und mit einem kleinen Handgeld ausgestattet. Insgesamt 126 Preisträgerinnen und Preisträger sind auf diese Weise schon geehrt worden, darunter auch solche aus unserer Fakultät (z.B. Dr. Daniel Erlacher, heute Professor in Bern).

Seit der Zusammenführung der verschiedenen Fördereinrichtungen der Uni im Jahr 2003 unterstützt die Stiftung die Partnervereinigung „Gesellschaft der Freunde“ finanziell, mit der ein Kooperationsvertrag besteht, z.B. beim Betrieb der gemeinsamen Geschäftsstelle unter Leitung von Frau Sabine zu Putlitz. Der gemeinsame Wille, der Universität mit finanziellen Mitteln zusätzliche Handlungsräume zu schaffen, eint die verschiedenen Förderer unserer Universität. Die Universität Heidelberg und ihre Angehörigen haben davon immer profitiert. Ganz im Sinn unserer Universitätshymne (hier der Link zum Text von Franz Wassermann), die gerade wieder zum 630. Geburtstag der Ruperto Carola erschallte: “Vivat, crescat, floreat!” (”Sie lebe, wachse, blühe!”).