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Rektorwiederwahl

Am 12.3.2019 haben sich Senat und Universitätsrat unserer Universität zu einer gemeinsamen Sitzung getroffen, deren einziger Gegenstand die Wahl eines Rektors für die sechsjährige Amtszeit 1.10.2019-30.9.2025 war. Es gab nur einen Kandidaten: den bisherigen Amtsinhaber Bernhard Eitel, der bereits seit zwei Wahlperioden (seit Oktober 2007) amtiert. Die lokale “Rhein-Neckar-Zeitung” hatte bereits am Tag zuvor einen Bericht unter dem Titel “Uni-Rektor Eitel steht vor Wiederwahl” gebracht, in dem Rektor Eitel in Hinblick auf seine Amtszeit als “Rekordhalter” bezeichnet wurde.

Die Gremien haben ihn nun mehrheitlich im Amt bestätigt, sodass der dritten Amtszeit nichts im Wege steht. Acht von 8 anwesenden Mitgliedern des Universitätsrats und 29 der 36 anwesenden Senatsmitglieder haben ihm ihre Stimme gegeben - damit ist er im ersten Wahlgang mit klarer Mehrheit (37 von 44 Stimmen) gewählt worden. Gratulation zu diesem eindrucksvollen Ergebnis!

Tatsächlich liegen aber zwei für den Rektor wichtige (und durchaus kritische) Entscheidungen noch in der Zukunft: Die Entscheidung der DFG in Sachen Exzellenzinitiative (sie wird am 19. Juli 2019 bekannt gemacht) und die Entscheidung der Staatsanwaltschaft in Sachen “Vorwurf von Koppelgeschäften mit der Bank Santander”, die vom hauseigenen Universitätsrat (und inzwischen wohl auch vom zuständigen Ministerium) allerdings als haltlos betrachtet werden und daher weniger Sorgen bereiten.

Ist es gut, solange im Amt zu bleiben? In der Politik - so denke ich manchmal - finden die handelnden Personen nicht immer den besten Zeitpunkt zum Aufhören. Manchmal treffen sie diese Entscheidung gar nicht mehr selbst, sondern werden von Ereignissen überrollt oder von anderen Personen zum Rücktritt gedrängt. Ist es in anderen Lebensbereichen nicht ähnlich? Es fällt manchmal schwer loszulassen - das kenne ich aus eigener Erfahrung… Lange Amtszeiten haben Vor- und Nachteile. Die Vorteile liegen in einer guten Kenntnis der vielfältigen und komplexen Vorgänge, die sich häufig über lange Zeiträume erstrecken (länger als eine Amtszeit). Nachteile bestehen darin, dass sich Strukturen verhärten können und sich ein “group think” etablieren kann, wodurch Impulse für radikale Erneuerungen (disruptive Prozesse) schwächer werden, ganz ausbleiben oder nur noch in eine Richtung gehen. Gutes Verwalten ist noch nicht gutes Gestalten.

Wie schade, dass sich niemand aus dem großen Kreis der über 500 Heidelberger Professorinnen und Professoren getraut hat, ebenfalls als Kandidatin oder Kandidat gegen den Amtsinhaber anzutreten. Demokratie hat viel mit Wahlfreiheit zu tun, die es hier nicht wirklich gab. Angesichts der zeitnah bevorstehenden Begehung durch die Exzellenz-Gutachter keine Frage, dass wir uns als handlungsfähige Universität darstellen wollen… Aber haben wir etwas anderes verdient, wenn sich niemand sonst für dieses Amt bewirbt?

Ich wünsche unserer Universität mit der jetzt getroffenen Entscheidung jedenfalls alles Gute! Ich selbst werde von den Folgen dieser Entscheidung nicht mehr unmittelbar betroffen sein. Dennoch ist meine Anteilnahme am Schicksal der altehrwürdigen Ruperto Carola ungebrochen und ich wünsche uns allen nur das Beste!

hier die Pressemitteilung der Universität

siehe auch 6 Jahre zurückliegend meinen Blog-Eintrag zur damaligen Rektorwahl 2013

Erinnerung an Bücherverbrennung am 17.5.1933

Das Nazi-Regime des Dritten Reiches hat viele schreckliche Gesichter gehabt - eines davon hieß Bücherverbrennung! Dass sich ausgerechnet Studenten (auch und gerade Heidelberger!) vor den Propaganda-Karren spannen ließen, ist erschreckend und zeigt, das kritisches Denken auch unter Akademikern erst gelernt werden muss! Übrigens wurden damals nicht nur Literaten geächtet, sondern auch Wissenschaftler wie Sigmund Freud, dessen Schriften wegen seiner Abstammung ebenfalls dem Feuer preisgegeben wurden…

Die Bürgerstiftung Heidelberg hat im Jahr 2011 unter dem damaligen Vorsitz von Steffen Sigmund und auf Anregung des damaligen Vorstandsmitglieds Dietrich Harth eine Gedenktafel an diese Greueltat auf dem Universitätsplatz anbringen lassen, die den alltäglichen Belastungen über die Jahre hinweg leider nicht standgehalten hat. Sie wurde nun am 1.3.2019 durch eine neue, stabile gusseiserne Platte mit dem damaligen Text und in gleicher Größe von etwa 1×1 Meter feierlich ersetzt. Die Gedenkplatte auf dem Universitätsplatz enthält den folgenden Text:

Im Regenschauer enthüllten die Vorsitzende unserer Bürgerstiftung, Switgard Feuerstein, Prorektorin Beatrix Busse und Bürgermeister Wolfgang Erichson in Anwesenheit zahlreicher Vertreter der Bürgerschaft die von der Bürgerstiftung Heidelberg mit Unterstützung durch Stadt und Universität erneuerte Gedenkplatte, nachdem verschiedene erinnernde und mahnende Grußworte vorgetragen wurden. Auch Dietrich Harth, auf dessen Initiative hin die Gedenkplatte 2011 geschaffen wurde, war anwesend und sprach ein paar Worte.

Auch eine Schilderung von Erich Kästner wurde verlesen, in der dieser seine Empfindungen beschreibt, als er sich am 10.5.1933 bei der Bücherverbrennung auf dem Berliner Opernplatz unter den Zuschauern befand und seine eigenen Bücher im Feuer aufgehen sah. Er schreibt in seinem 1947 erschienenen Beitrag “Über das Verbrennen von Büchern” über die Studierenden, die in braunen Uniformen das scheußliche Geschehen zelebrierten: „Es war wohl allen ohne Ausnahme klar, dass sie heute der gesamten zivilisierten Welt ein unvergesslich widerwärtiges Schauspiel boten. Ein Schauspiel, das unauslöschbar in den Annalen der Menschheit eingetragen bleiben würde“.

Im Hintergrund des Heidelberger Universitätsplatzes sieht man den Eingang des Kollegiengebäudes der Universität, mit Pallas Athene als Schirmherrin und dem Leitspruch “Dem lebendigen Geist” (der übrigens in den Jahren 1933-1945 abgeändert wurde in “Dem deutschen Geist”, Pallas Athene musste dem Reichsadler weichen…). Das Kollegiengebäude heißt übrigens Schurmann-Bau, weil sein Bau Ende der 1920er Jahre vom damaligen amerikanischen Botschafter Jacob Gould Schurman (1925-1930 in Berlin) im Jahre 1928 mit 400.000 Dollar unterstützt wurde, eine Keimzelle des heutigen Heidelberg Center for American Studies (HCA; die spannende Geschichte dahinter erzählt dessen langjähriger Direktor Detlef Junker in diesem Artikel).

Ich bin froh, dass wir uns an diese Schandtat erinnern und alles dafür tun, dass so etwas nie wieder geschehen darf! Meinungs- und Pressefreiheit sind ein Kernmerkmal demokratischer Gesellschaften, die es zu verteidigen gilt! Und wie schön, dass zu heutiger Zeit an dem Platz, an dem damals Bücher verbrannt wurden (dem Universitätsplatz), heute Bücher gefeiert werden! Die Literaturtage 2019 stehen bevor (vom 15.-19.5.2019) und sind wie jedes Jahr ein tolles Fest, in dessen Mittelpunkt Bücher stehen! Heidelberg ist ja seit 2014 UNESCO “City of Literature“! Da kommt eine Wertschätzung für Bücher zum Ausdruck, die ein Verbrennen nicht mehr zulässt!

PS: Wer sich für mehr Information zum Thema interessiert, sei auf eine Veröffentlichung von Dietrich Harth aus dem Jahre 2011 verwiesen mit dem Titel “Die Heidelberger Bücherverbrennung des Jahres 1933″ (hier als PDF). Einige der “Feuersprüche”, mit denen Studenten die Bücher in die Flammen warfen, finden sich hier (z.B. “Gegen seelenzerfasernde Überschätzung des Trieblebens, Für den Adel der menschlichen Seele! Ich übergebe der Flamme die Schriften des Sigmund Freud.”).

PPS: Zum Hintergrund der Bücherverbrennung eine interessante Dokumentation von Phoenix:

Teil 1: https://www.youtube.com/watch?v=XVm2v3wMtps

Teil 2: https://www.youtube.com/watch?v=IHsB72fesII

Teil 3: https://www.youtube.com/watch?v=nWOsTpk64Js

PPPS: siehe auch ähnliche Blog-Einträge wider das Vergessen:

http://f20.blog.uni-heidelberg.de/2018/11/09/pogrom-nacht-9111938/

http://f20.blog.uni-heidelberg.de/2008/11/09/70-jahre-reichskristallnacht-9111938/

Reform der Psychotherapeutenausbildung

Schon lange wurde über die Reform der Psychotherapeutenausbildung diskutiert. Bislang findet sie als mehrjährige kostenpflichtige Weiterbildung im Anschluß an ein fünfjähriges Psychologiestudium statt. Zahlreiche private, aber auch universitäre An-Institute bieten Therapieausbildungen an (bei uns am Institut ist es das ZPP, Zentrum für Psychologische Psychotherapie Heidelberg). Im vorgeschiebenen Praxisjahr (”Psychotherapeut in Ausbildung“, PiA) erhalten die Ausbildungskandidatinnen und -kandidaten wenig bis keine Geld für qualifizierte Arbeit - das hat viele auf die Barrikaden getrieben.

Seit Anfang Januar 2019 liegt nun der Referentenentwurf des Bundesgesundheitsministers auf dem Tisch. Er trägt das schöne Kürzel “PsychThGAusRefG” (Psychotherapeutenausbildungsreformgesetz) und beschreibt, wie Studierende der Psychologie durch ein polyvalentes Bachelor- und ein spezialisiertes Masterstudium nach fünf Jahren zur Approbation und zur Berufsbezeichnung “Psychotherapeut” gelangen können.

Die Deutsche Gesellschaft für Psychologie (DGPs), vertreten durch ihre Präsidentin Prof. Dr. Birgit Spinath, Uni Heidelberg, und der Fakultätentag Psychologie (FTPs; eine Interessensvertretung der deutschsprachigen universitären Psychologie-Institute), vertreten durch seinen Vorsitzenden Prof. Dr. Markus Bühner, LMU München, haben in einer gemeinsamen Stellungnahme den Referentenentwurf begrüßt, aber auch auf ein paar Nachbesserungsbedarfe verwiesen (z.B. bei den zu erwartenden Zusatzkosten, der Finanzierung der Weiterbildungskosten oder erleichterte Übergangsregelungen).

Dass die Ärzteschaft nicht glücklich ist mit der nun bevorstehenden Aufwertung der Psychotherapie-Ausbildung (die frühere Berufsbezeichnung “psychologischer Psychotherapeut” soll zukünftig sinnvollerweise abgekürzt werden zu “Psychotherapeut”, lediglich Ärzte sollen demnächst als “ärztliche Psychotherapeuten” ausgezeichnet werden), verwundert nicht. Die Stellungnahme im Deutschen Ärzteblatt sieht etwa die Behandlungssicherheit psychisch kranker Menschen in Gefahr.

Die Vehemenz allerdings, mit der von einigen Personen aus der Ärzteschaft Stimmung gegen die Psychotherapeuten gemacht wird, verwundert etwas. In der “Süddeutschen Zeitung” vom 31.1.2019 schreibt an prominenter Stelle der Psychiater Thomas Pollmächer abschätzig von “Barfussärzten für die Seele” und wünscht einen stärkeren Einfluß der Medizin für eine ganzheitliche Betrachtung von Patienten. Der Unmut der Ärzte richtet sich wohl auf eine Klausel zu Modellstudiengängen, die es Psychotherapeuten erlauben würde, unter bestimmten Bedingungen Psychopharmaka zu verschreiben. Auf diese Klausel wollen aber DGPs und FTPs sowieso verzichten, da der Mehraufwand im Studium für Psychopharmakologie kaum zu leisten wäre und damit die Polyvalenz des Bachelor-Studiengangs in Frage stellen würde.

Leider spricht auch unser Fach wieder einmal nicht mit einer Zunge: Der Berufsverband Deutscher Psychologinnen und Psychologen (BDP) z.B. lehnt in seiner Stellungnahme den Referentenentwurf zimlich grundsätzlich ab. Zitat: “Eine Neuregelung aus Gründen der Versorgungsqualität ist deshalb nicht nur unnötig, sondern droht in der vorliegenden Fassung auch, sich negativ auszuwirken.”

Erfreulich ist die Haltung der Studierenden. Die “Psychologie-Fachschaften-Konferenz” (kurz: PsyFaKo) hat eine differenzierte Stellungnahme abgegeben, die gut mit der Position von DGPs und FTPs harmoniert.

Geplant ist die Umsetzung des kommenden Gesetzes (es muss noch den parlamentarischen Weg durch Bundestag und Bundesrat nehmen) bereits zum Wintersemester 2020/21 - ein ambitionierter Zeitplan, wenn man die Langsamkeit der zu einer Studienreform notwendigen universitären Gremien kennt. Bei uns in Heidelberg beginnen die Planungen des neuen Studiengangs bereits.

Ich will nicht verhehlen, dass ich der geplanten Änderung nicht nur Vorteile abgewinnen kann. Ich fürchte eine Spaltung unseres Faches in Psychotherapie und den Rest. Dass eines unserer wichtigsten Anwendungsfächer nun so stark gemacht wird, ist einerseits toll, andererseits muss man sich fragen, ob das nicht zu Lasten anderer Anwendungen geht (z.B. Arbeits- und Organisationspsychologie, Pädagogische Psychologie, Forensische Psychologie, Medien-Psychologie). Die konkreten Ausgestaltungen der Curricula werden das zeigen. Da sollten wir wachsam bleiben.

Aktuelle Infos zum Vorgang findet man hier: https://psychotherapie.dgps.de/faq/

Gastbeitrag „Heidelberger Psychologie-Studentin macht Gastsemester in Jerusalem“

Gastbeitrag „Mein Aufenthalt an der Hebrew University of Jerusalem“ von Maria Lara Mehlhorn, Studentin der Psychologie am Psychologischen Institut der Universität Heidelberg

Dass Auslandssemester die Werte der Persönlichkeitsfaktoren „Offenheit für neue Erfahrungen“ sowie „Verträglichkeit“ von Studierenden steigen lassen (Zimmermann & Neyer, 2013), dürfte keine Überraschung sein. Aus dem routinierten, wohlbehüteten Alltag in Heidelberg für eine gewisse Zeit bewusst auszusteigen, die eigene Komfortzone zu verlassen und in einen ganz anderen, komplexen und hoch interessanten Kulturkreis einzusteigen - das waren meine Hauptmotive für die Bewerbung an der „Hebrew University of Jerusalem“ in Israel.

Seit letztem August studiere ich nun in meinem 7. bzw bald 8. Semester Psychologie in Jerusalem und bin nach wie vor unfassbar dankbar, dass mir ein wirklich umfangreiches Stipendium der Universität Heidelberg diese Zeit hier ermöglicht. Die Universität befindet sich auf einem der Hügel Jerusalems, dem „Mount Scopus“, und ermöglicht uns Studierenden damit aus der einen Hälfte der Seminarräume einen traumhaften Blick auf die Altstadt, den Felsendom und teilweise auf den Ölberg, sowie auf der anderen Seite einen Blick nach Palästina; damit einen sehr klaren Blick auf die Realität dieser Gegend. Unmittelbar neben dem Campus verläuft nämlich ein Abschnitt der Grenzmauer zu Palästina. Hinter dem daran angrenzenden palästinensischen Ort „Al-Issawiya“ schließt sich unmittelbar die Wüste an. An guten Tagen kann man somit vom Campus aus bis zum Toten Meer und auf die Bergkette Jordaniens blicken. Die Absurdität dessen, in meiner Bib-Pause mal eben durch den traumhaften botanischen Garten zu schlendern, meinen Blick in die Wüste und gleichzeitig auf einen Abschnitt dieses 759km langen Verstoßes gegen Völkerrechte zu richten, lässt sich kaum in Worte fassen und löst auch nach 5 Monaten in mir keine Habituation aus.

Trotz dessen ist die Hebrew University einer der wenigen Orte Jerusalems, wo Israelis und Palästinenser überhaupt in Kontakt miteinander kommen. 13% der Studierenden hier sind israelische Araber, haben also einen israelischen Pass. Für viele ist es der erste und oft auch der letzte Ort, wo sie in ihrem Leben tatsächlich miteinander interagieren. Laut des Direktors bemüht sich die Universität sogar, die Zahl arabischer Studierende hier zu steigern, man zeigt sich fast schon stolz über diesen Prozentsatz. So wird hier seit Neustem immerhin das arabische Abitur anerkannt. Als einen wirklichen Ort der Begegnung würde ich die Hebrew University dennoch nicht bezeichnen. Jeden, den ich bisher fragte, bleibt in seiner eigenen religiösen bzw. nationalen In-Group. „Ich würde ihnen ‚Hallo‘ sagen, aber arabische Freunde habe ich trotzdem nicht“, höre ich von den meisten.

Interessanterweise belegte ich sogar zu genau dieser kontroversen und hoch aktuellen Thematik einen sozialpsychologischen Kurs mit dem NamenHostility and Dialogue: Narratives and psychological dynamics in the Israeli-Palestinian Conflict“, der die politischen und gesellschaftlichen Geschehnisse des Nahen Osten durch Gruppendynamiken, Biases, Stereotype und soziale Beeinflussung zu analysieren versuchte. Dieses Fach begeisterte mich enorm und zeigte mir, dass eine psychologische Analyse des hier bestehenden und so unendlich tief verankerten Konfliktes notwendig ist, um die Situation auch nur ansatzweise „verstehen“ und hoffentlich beeinflussen zu können. Die Forderung nach einem stärkeren Anwendungsbezug psychologischer Forschung, weg von einer reinen „Elfenbeinturm-Psychologie“, schien mir selten relevanter. Ich wünsche dem Nahen Osten auf seiner Suche nach Frieden wirklich mehr (sozial)psychologische Ansätze, um auf einer globalen, generationen- und nationenübergreifenden Ebene das Bild über den jeweils „Anderen“ verändern zu können!

Weniger Begeisterung als dieser Kurs löste bei mir definitiv „Evolutionary Psychology“ aus. Zwar bin ich froh, mir all diese Ansätze angehört zu haben, doch bleibe ich überzeugt von der in meinen Augen nur relativ kleinen Existenzberechtigung dieses Erklärungsansatzes von menschlichem Verhalten. Immerhin wurde dadurch meine kritische Auseinandersetzung mit psychologischen Inhalten geschult; das meldete ich dem Professor auch zurück, und ebenso, dass ich aus Heidelberg differenziertere Perspektiven gewohnt sei. In „Philosophy in Film“ philosophische Grundfragen in Filmen wie „Matrix“, „Blade Runner“ etc. zu analysieren sowie seit August die hebräische Sprache auf recht intensivem Niveau zu erlernen, rundete mein erstes Semester hier perfekt ab. Ab Februar 2019 freue ich mich nun darauf, zum einen mein Hebräisch fortführen zu dürfen, sowie zum anderen auf den Psychologie-Kurs „Trauma and Resilience in Israeli Society“, den Politik-Kurs „Introduction to Counter-Terrorism“ und den Philosophie-Kurs „The Philosophy of Wellbeing“. In meiner Kurswahl ausschließlich meinen intrinsischen Interessen zu folgen und endlich mal ohne den Druck, immer eine sehr gute Note erzielen zu müssen, studieren zu können, ist ein wundervolles Gefühl - ich kann es jedem nur wärmstens empfehlen.

Ich sehe meine Zeit hier als eine wertvolle Bereicherung meiner Erfahrungswelt an. Besonders in Zeiten der Globalisierung ein authentisches Bewusstsein darüber zu erlangen, wie sehr sich Menschen „nur“ aufgrund ihrer kulturellen Werte und Einstellungen unterschieden können, und wie stark sie von ihrem Umfeld, hier vor allem von den verschiedenen Religionen, geprägt werden, stellt einen essentiellen Entwicklungsschritt in meiner eigenen Identitätsbildung dar. Ich bin überzeugt davon, dass sich dies auch auf anderen Wegen erreichen lässt, doch ein Auslandssemester, besonders in einem anderen Kulturkreis, ist definitiv ein guter Ausgangspunkt dazu. Schließlich steigert sich dabei definitiv das Verständnis für andere Meinungen und Sichtweisen und damit auch die Fähigkeit, diese zu akzeptieren und wertzuschätzen. Außerdem wird das eigene Selbstvertrauen sowie Selbstbewusstsein in meinen Augen gefördert und vor allem gefestigt.

In den letzten Monaten sammelte ich natürlich nicht nur in akademischer Hinsicht besondere Erfahrungen. Zwei Wochen lang reiste ich durch Jordanien, besichtigte verschiedene Orte in Palästina, wanderte an Heiligabend nach Betlehem, nahm an hochinteressanten Field-Trips meiner Uni teil, erlebte oft das Gefühl der allgegenwärtigen Unsicherheit einer von Konflikten geprägten Stadt und wurde nun zwei Mal „endlich“ mit dem Jerusalem-Syndrom konfrontiert psychologisch sehr interessante Begegnungen. Mein immer besser werdendes Hebräisch hatte dabei definitiv einen Einfluss auf die Begegnungen mit meinen Mitmenschen und öffnete mir viele Türen. Deswegen erachte ich es für essentiell und enorm gewinnbringend, die Sprache eines Landes zu erlernen, in welchem ich über längere Zeit lebe.

Dass ich nun mal aus dem Land stamme, das für die Ermordung von sechs Millionen Juden verantwortlich ist, und nun als Deutsche in Israel studiere, stieß bisher kaum auf Reaktionen der Israelis. Die jüngere Generation scheint fast schon ermüdet zu sein von der Thematik des Holocaust, was ich als absurd und teilweise ignorant wahrnehme und mir verdeutlichte, wie wichtig Erinnerungsarbeit ist.

Doch all diese Erfahrungen, auch wenn sie mir manchmal sogar zu intensiv erscheinen, bleiben eines, nämlich durchgehend spannend. Auch wenn ich die Heidelberger Altstadt, die Neckarwiese und die Intimität des Heidelberger Psychologischen Instituts vermisse, so bin ich froh, diese fast schon viel zu heile Welt mal verlassen zu haben, um mich von Israel inspirieren zu lassen und die Vielfältigkeit unseres Planeten, verschiedener Kulturen und vor allem verschiedener geistiger Haltungen erleben und schätzen zu lernen.

Fahrradunfall Zwei

Vor fast genau 10 Jahren (am 3.6.2009) habe ich hier über meinen damaligen Fahrradunfall an der Ernst-Walz-Brücke geschrieben. Nun muss ich über einen weiteren Arbeitsunfall berichten, der mir am Montagmorgen 7.1.19 passierte: Auf dem Weg von meinem Heim in Handschuhsheim zur Vorlesung im Institut bin ich am beampelten Fussgängerüberweg Ecke Blumenthalstr./Steubenstr. gegen 8:30 auf regennasser Fahrbahn und bei niedriger Geschwindigkeit auf die glatten Schienen (nicht in die Schienen) gekommen, gerutscht und auf meine rechte Seite gestürzt. Beim Versuch, wieder aufzustehen und das Rad von der Fahrbahn zu bringen, bin ich erneut gestürzt, weil das rechte Bein nicht mitmachen wollte. Was ich zu dem Zeitpunkt noch nicht wusste: Der rechte Oberschenkelhals war gebrochen, nichts ging mehr. Zwei nette Ersthelfer brachten mich und mein Fahrrad in Sicherheit (Danke! Das war sehr hilfreich!), ein Krankenwagen wurde gerufen, die Notärztin prüfte meinen Kopf (auf den ich ebenfalls gefallen war) und meinen Hals. Sie meinte lapidar, da müsse was an der Hüfte geknackst sein, aber der Kopf sähe ok aus. Ich wurde auf eine Trage gelegt, in die Weststadt zum St. Josefskrankenhaus in die Notaufnahme gefahren und geröntgt: Das Bild zeigte den Bruch, der sich auch schmerzmäßig spürbar zu Wort meldete. Jeder Millimeter Bewegung des Beines brachte mich zum Grummeln…

Einweisung auf Station 2 Süd, starke Schmerzmittel (danke, liebe Pharmaindustrie, für die SO wirkungsvollen Mittel! Ein Traum!), Hüft-TEP-OP (TEP=Total-Endo-Prothese) durch Dr. Thomas Kiesel am Dienstag morgen in Teilnarkose (vom Rücken abwärts kaltgestellt) - und seitdem bin ich stolzer Besitzer eines nicht-zementierten Implantats (und einer langen Schnittnarbe), das mich wieder gehen läßt und mindestens 15-20 Jahre halten soll. Erste Schritte mit einer „Bock“ genannten Gehhilfe und mit Krücken habe ich noch im Krankenhaus erfolgreich absolviert, eine längere stationäre Reha (Physiotherapie) in einer Klinik in Bad Schönborn wird folgen. Für 2-3 Monate wurde ich von den Ärzten als „dienstunfähig“ eingestuft.

Ich hatte mir die letzten Monate meiner aktiven Dienstzeit (vor Beginn meiner Seniorprofessur am 1.4.19) anders vorgestellt…

Zum zweiten Mal hat mir mein Sturzhelm, der beim Aufprall gebrochen ist und mir eine Schwellung am Kopf links oben zurückließ, das Leben gerettet: zumindest das geistige Leben kann weitergehen wie bisher, ohne Helm hätte ich das hier vermutlich nicht mehr schreiben können.

Dass ich eine Welle der Anteilnahme erhalten habe, hat gut getan! Danke an alle, die mir in ganz verschiedener Weise ihre Anteilnahme ausgedrückt haben!

Viele Termine mussten abgesagt werden, Pläne für die nähere und weitere Zukunft erst mal auf Eis gelegt werden. Mal sehen, wie es weiter geht! Wie heisst es bei Bertolt Brecht: „Ja mach nur einen Plan, …“ Ich werde nicht aufhören, Pläne zu machen!

Update 9.2.2019: Nach drei Wochen in der Sigmund-Weil-Klinik Bad Schönborn (ca. 30 km südlich von Heidelberg) habe ich große Fortschritte gemacht: Ohne Krücken kann ich schon wieder kleinere Strecken laufen, auch Treppensteigen gelingt wieder. Der Muskelaufbau schreitet voran, aber ist bei weitem nicht abgeschlossen. Nach meiner Rückkehr nach Hause muss ich noch ein halbes Jahr trainieren und Übungen machen. Was noch nicht geht: Bücken. Das Anziehen von Schuhen und Strümpfen am operierten Bein geht nur mit sozialer oder Werkzeughilfe (Greifzange, extra langer Schuhlöffel, Strumpfanzieh-Hilfe).

Die Vorstellung, in der Reha zum Arbeiten zu kommen, war eine Täuschung. Es war kein Kur-Aufenthalt, sondern ein Trainingslager. Zum einen herrschte anfangs noch eine große Grundmüdigkeit (Anämie: allein bei der OP Blutverlust von 1.5 Litern; dazu die anfänglich notwendigen Schmerz- und anderweitig verabreichten Medikamente wie Thromboseschutz etc.), daneben ist das Muskeltraining einfach anstrengend gewesen! Ich habe Muskelgruppen kennengelernt, von deren Existenz ich bisher nichts wusste… So langsam kommen auch Konzentration und Kraft wieder zurück. Nun beginnt die Phase des ambulanten Trainings.

Bewegung, Ernährung, Entspannung: Drei wichtige Konzepte, deren Bedeutung sich neu erschliesst! Lebensstil-Anpassungen sind nötig - nicht radikal, sondern sanft! In einem halben Jahr soll ich wieder laufen können wie zuvor! Im Moment sieht alles danach aus, dass diese Prophezeiung eintreten könnte….

Update 26.2.19: Inzwischen habe ich wieder meine Arbeit aufgenommen und laufe täglich zu Fuß von Handschuhsheim zum Institut, ca. 35 Minuten. Ein gutes Training - neben Physiotherapie und Krankengymnastik, die im Hintergrund ebenfalls stattfinden. Meinem Schrittzähler zufolge bin ich mit der neuen Hüfte schon weit über 100.000 Schritte gelaufen. Bücken geht wieder, der Ein-Bein-Stand rechts wackelt noch… Das neu eingebaute Ersatzteil macht sich gut, wir werden Freunde (ich merke übrigens keinen Unterschied zwischer alter und neuer Hüfte). Es läuft (wieder)!

Update 27.3.19: 3x die Woche Training - und noch immer sind die Muskeln im operierten Bein unterentwickelt. Ich bleibe dran und fahre auch schon wieder (vorsichtig) Fahrrad! Es ist ein Damenrad mit niedrigem Einstieg, weil ich mein operiertes Bein noch nicht wieder so lässig in die Höhe schwingen kann wie zuvor…

Update 17.5.19: Inzwischen bin (laut meinem Schrittzähler) ca. 1 Mio Schritte mit der neuen Hüfte gelaufen - sie ist gut “eingelaufen” und leistet beste Dienste! Auch die Muskeln kommen so langsam wieder zu ihrer alten Form zurück. Nächste Woche steht eine Harzwanderung auf dem Programm (auf den Spuren eines alten Düsseldorfers).

Jahreswechsel

Liebe Blog-Leserinnen und Blog-Leser: ich verabschiede mich hiermit für das Jahr 2018, nach den (letztmalig erfolgten) Auswertungen von >300 Klausuren aus zwei großen Vorlesungen (Allgemeine I: Wahrnehmung und Lernen; Einführung in die Psychologie) komme ich auf die letzten Tage vor dem Fest nochmal dazu, an den für mich wichtigen Dinge (Manuskripte!) zu arbeiten. Es wird angenehm ruhig: keine Lehrveranstaltungen mehr, keine Sitzungen mehr - die wenigen Tage vor dem Fest werden plötzlich noch einmal merkwürdig produktiv…

Ich wünsche allen ein paar ruhige Feiertage und einen guten Start in das neue Jahr 2019!

Lancet-Publikation zu Klimawandel und Gesundheit

Vor einigen Tagen ist eine wichtige Publikation der einflussreichen britischen Zeitschrift „Lancet“ zum Thema Klimawandel und Gesundheit erschienen. Spiegel Online berichtete darüber (siehe hier). Das Besondere daran: Es geht um die negativen Folgen des Klimawandels für unsere Gesundheit. Das betrifft uns alle. In erster Linie ist hier eine erhöhte Sterblichkeit infolge extremer Hitzewellen zu nennen, vor allem bei älteren und kranken Menschen kommt hier ein zusätzlicher Belastungsfaktor hinzu. Seit dem Jahr 2000 sind nach den Schätzungen viele Millionen Menschen mehr davon betroffen als zuvor. Es gibt auch gute Nachrichten: ”Trends in Schlüsselbereichen für die Gesundheit, darunter der Ausstieg aus Kohle, der Einsatz gesünderer, sauberer Verkehrsträger und die Anpassung des Gesundheitssystems, rechtfertigen einen vorsichtigen Optimismus“. Na also! Diese Punkte müssen wir konsequent verfolgen. Die Publikation erscheint übrigens nicht ganz zufällig zum jetzigen Zeitpunkt: Die 24. Weltklimakonferenz (COP24) findet vom 2.-14.12.18 im polnischen Kattowitz statt.

Was mich mit besonderer Freude erfüllt: Eine der beteiligten Autorinnen der Lancet-Studie kommt aus Heidelberg - es ist meine Mitarbeiterin Dr. Helen Fischer, die sich seit vielen Jahren dem Thema des Klimawandels aus psychologischer Sicht widmet. Liebe Helen: Gratulation zu diesem tollen Erfolg! Ich bin stolz darauf, dass du an dieser wichtigen und hoffentlich weltweit einflussreichen Stellungnahme mitgewirkt hast! Wie schön, dass Dich nach meinem Dienstende im kommenden April 2019 die DFG fördert und Dir einen einjährigen Forschungsaufenthalt in Stockholm am renommierten Stockholm Resilience Center (SRC) finanziert (die Verträge meiner auf befristeten Planstellen angestellten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter laufen mit meinem Dienstende aus, damit das Institut in seinen Planungen frei ist).

Quelle: Watts, N., Amann, M., Arnell, N., Ayeb-Karlsson, S., Belesova, K., Berry, H., … Costello, A. (2018). The 2018 report of the Lancet Countdown on health and climate change: shaping the health of nations for centuries to come. Lancet. https://doi.org/10.1016/S0140-6736(18)32594-7

Masterfeier 2018

Wieder einmal haben wir Full House gehabt: die Masterabsolventinnen und -absolventen des Jahrgangs 2018 (N=57 hatten sich angemeldet plus eine nachgezügelte Diplomerin) kamen zur Feier mit ihren Angehörigen und Freunden ins Institut. Angesichts der zahlreichen Anmeldungen, die unsere Plätze im Hörsaal 2 bei weitem überstiegen, hatten wir eine Videoübertragung in den Vorraum organisiert (Dank an Jürgen Schorr und Reiner Meßner für die technische Unterstützung!).

Der Geschäftsführende Direktor Andreas Voß begrüßte die Gäste, die zum Teil von weit her (aus München, Hamburg, Düsseldorf, Stuttgart, eine Familie sogar aus Südamerika) angereist kamen. Er betonte in seiner Rede die Bedeutung kritischen Denkens, das die Studierenden bei uns gelernt haben sollten. Eva Blume (M.Sc.) hielt danach den Rückblick auf die vergangenen Jahre aus Sicht der Studierenden. Sie berichtete über die Ergebnisse einer Längsschnittstudie an 90 Studierenden unseres Instituts, zeigte deren phasenhafte Konsumption von Spaghetti und Alkohol und demonstrierte mittels moderner Tracking-Methoden die typischen Bewegungsmuster von vier exemplarischen Studierenden durch die Stadt, deren ganz verschiedene Wege schließlich auf der Neckarwiese konvergierten.

Wie jedes Jahr wurde der Weinert-Preis für die beste Abschlussarbeit vergeben. Die Jury unter dem Vorsitz von Andreas Voß (bestehend aus ihm, Monika Sieverding und Hinrich Bents) suchte aus sechs vorgeschlagenen Spitzenarbeiten diejenige von Lisa Steenbock aus, die sich mit Schlafstörungen bei Lehrern (die leiden besonders darunter) beschäftigte und ein Interventionsprogramm entwickelt und erprobt hat. Gratulation!

Oliver Schilling trug als Vorsitzender unseres Prüfungsausschusses dann die Namen der knapp 60 anwesenden (von insgesamt 80) Absolventinnen und Absolventen vor (im Hintergrund wurden die Titel der Arbeiten eingeblendet). Nachdem alle vorne im Hörsaal versammelt standen, gab es das Gruppenfoto. Fast hätten wir den obligatorischen Hütewurf vergessen! Ich selbst habe kein Video davon gemacht, hoffe aber, dass schöne Aufnahmen im Netz zu finden sein werden (bitte Links an mich senden!).

Absolventinnen und Absolventen 2018

Absolventinnen und Absolventen 2018

Die musikalische Umrahmung wurde von vier Studierenden (neben Rieke Föst unsere drei Alumni Tobias Krieger, Sebastian Mattes und Annika Menzel) geleistet, die für diesen (und nur für diesen) Abend unter dem Namen „The Talars“ drei musikalische „intermezzi“ lieferten, das letzte davon mir als demnächst ausscheidendem Professor gewidmet - ich war sehr gerührt! Danke!

Natürlich musste ich in meinen Schlußworten alle diejenigen enttäuschen, die auf mein Ausscheiden am 31.3.19 gehofft haben - die (bislang noch inoffizielle) Bewilligung einer dreijährigen Seniorprofessur auf  Antrag meines Instituts und meiner Fakultät hin (danke, liebe Kolleginnen und Kollegen!) könnte es möglich machen, dass ich noch weitere Abschlussfeiern begleiten kann. Meine drei Wünsche an die Absolventinnen und Absolventen: (1) Lebenslanges Lernen angesichts rasch verfallender Wissensbestände, (2) ethischer Umgang mit dem erworbenen Wissen und (3) die Verpflichtung, mit uns in Kontakt zu bleiben - das waren die Dinge, die ich den Absolventinnen und Absolventen ans Herz legen wollte. Damit sie unser Heidelberger Institut nicht vergessen, erhielten sie alle zum Abschied eine Alumni-Psychologici-Kaffeetasse, in der eine Beitrittserklärung an unsere Sektion steckte. Meine Hoffnung: möge der eine oder die andere doch Mitglied in unserem Förderverein werden! Falls die eigenen Mittel am Berufsanfang noch etwas klamm sind: Vielleicht übernehmen die Eltern die Gebühr von 25 € pro Jahr (für die ersten 3 Jahre nach Abschluss; später regulär 50 €, gerne mehr!).

Frau von Wenserski bekam von mir einen Blumenstrauß - Ihre Vorbereitungen waren wie immer ausgezeichnet und sorgten für einen reibungslosen Ablauf. Danke auch an Frau Fauth und Frau Lorenz für organisatorische Mithilfe, vor allem aber auch den Hilfskräften der Abteilungen Methodenlehre und Allgemeine Psychologie, die in verschiedenen Funktionen beteiligt waren. Unter anderem war wieder eine Fotobox aufgestellt, wo man lustige Passfotos machen konnte, die sofort ausgedruckt wurden.

Alles in allem eine - wie ich finde - schöne und gelungene Feier! Das haben mir viele Eltern beim anschließenden Empfang mit Sekt und Selters sowie mit kleinen Snacks und Brezeln bestätigt!

Viel zu tun

Ich wurde gefragt, warum es im Blog so still ist - die Erklärung ist einfach: es bleibt nicht viel Zeit dafür übrig. Mein letztes Semester im aktiven Dienst läuft auch Hochtouren (ab dem 1.4.19 wird es bei mir vermutlich gemächlicher mit einer Seniorprofessur für maximal 3 Jahren weitergehen). In verschiedenen Bereichen “knubbelt” es sich gerade.

Lehre: Wie in jedem Wintersemester stehen 3 Vorlesungen (Wahrnehmung & Lernen; Einführung in die Psychologie; Einführung in die Erkenntnistheorie) auf dem Programm, neben dem PSQ-Seminar (was wenig Arbeit macht). Auf den Anmeldelisten zu den Klausuren stehen jeweils >150 Namen, da ist viel zu tun…

Forschung: Zwei kleine Forschungsanträge beim HCE wurden bewilligt, daneben grübele ich über eine Anwendung des Ansatzes zellulärer Automaten zur Erklärung des Eingriffsverhaltens von Probanden beim Tailorshop: vielleicht läßt sich durch reverse engineering ein hinter dem Verhalten verborgener Automat identifizieren? Die Transitionen sind als Prozeßindikatoren des Problemlösens interessant. Wer Ideen beisteuern möchte, möge sich melden!

Selbstverwaltung: Für die Stiftung Universität haben wir gerade die Ruprecht-Karls-Preise 2018 verliehen und überlegen, wie es 2019 ohne Paul Kirchhof weitergeht, der nach 28 Jahren aufhört die Laudationes zu halten (allein dafür sind viele Besucher gekommen). Für die Gesellschaft der Freunde, deren Vorstandsvorsitzender ich bin, planen wir den Neujahrsempfang (am 18.1.19 um 18 Uhr im HCA). Vorstandssitzungen stehen an, der “Preis der Freunde” wird demnächst vergeben. Natürlich planen wir auch die Masterfeier unserer Absolventinnen und Absolventen am Institut, die am 30.11.18. um 17:00 im Hörsaal 2 startet (hier der Bericht vom letzten Jahr). Wir haben so viele Anmeldungen wie noch nie, toll! Danke an meine Sekretärin Edith von Wenserski, die das ganz souverän vorbereitet.

Als Senatssprecher bin ich Mitglied in der 5köpfigen Findungskommission für die Wahl des nächsten Rektors in der Amtszeit 2019-2025. Auch hier sind verschiedene vorbereitende Aktivitäten zu leisten. Allein nur für die anstehende Senatssitzung nächste Woche liegen Unterlagen im Umfang von knapp 1000 Seiten auf meinem Tisch. Als Ombudsperson gab es zwei Vorgänge, in denen mich um Schlichtung bemüht habe sowie einen weiteren Fall, den ich an die Ombudsperson für “Doctoral Students” abgeben durfte. Als Mitglied der Ethikkommission unserer Fakultät gab es einige Anträge zu begutachten, nichts Kritisches - business as usual.

Gutachterliche Stellungnahmen zu Artikeln, zu Buchkonzepten, zu Stipendienwünschen kommen hinzu - interessant ist die Begutachtung von psychologischen Bachelor-Studiengängen, die das Qualitätssiegel der DGPs anstreben.

In Sachen Masterplan Neuenheimer Feld war gerade eine Sitzung des Koordinationsbeirats im Rathaus, bei der die Planung des nächsten Forums und der nächsten Öffentlichkeitsveranstaltung im Februar 2019 besprochen wurde. Der Bürgerbeteiligungsprozeß ist in vollem Gange, bin gespannt, was sich am Ende ergeben wird!

Publikationen: Nach der Fertigstellung des Heidelberger Jahrbuchs 2018 über Mobilität läuft die Ausschreibung für das Jahrbuch 2019, das dem Thema “Schönheit in der Wissenschaft” gewidmet ist. Michael Wink und ich fungieren wieder als Herausgeber und haben schon schöne Beiträge angekündigt bekommen - wird bestimmt wieder ein interessanter Band! Daneben laufen die Vorbereitungen für ein englischsprachiges Textbuch “Psychology of Human Thought”, das ich mit Bob Sternberg herausgebe und das in 20 Kapiteln das gesamte Feld kognitiver Prozesse abdeckt. Spitzenwissenschaftler aus der ganzen Welt machen mit bei diesem ersten Open-Access-Textbook, das bei Heidelberg University Publishing im nächsten Jahr erscheinen soll. Ausserdem arbeite ich an einem Papier für unser Journal JDDM über Mythen der Problemlöseforschung, das mir Spass macht.

Viel zu tun? Ja, viel zu tun! Solange die Arbeit Spass macht, ist das ok für mich.

Ruprecht-Karls-Preise 2018

Einmal im Jahr verleiht die “Stiftung Universität Heidelberg“, in deren Vorstand ich mitwirken darf, die sogenannten “Ruprecht-Karls-Preise” für die fünf besten Doktorarbeiten an der Ruperto Carola (von insgesamt rund 1000 Doktorarbeiten, die jährlich verfasst werden). In der Alten Aula kommen dann der Vorstand der Stiftung, deren Kuratoren, der Rektor und die Preisträgerinnen und Preisträger mit vielen Freundinnen und Freunden der Universität zusammen, um die Laudationes zu hören.

Die Verleihung der Preise ist für uns immer ein ganz besonderer Termin - diesmal war es der 16.11.2018, an dem Prof. Dr. Paul Kirchhof (dieses Jahr zum 28. und letzten Mal) uns als Jury-Vorsitzender die Arbeiten der Preisträger in seiner lebendigen und allgemeinverständlichen Sprache vermittelte. Seine Laudationes haben über die Jahre hinweg diese Preisvergabe geprägt und sie zu einem jährlichen Highlight unserer Stiftungsaktivitäten gemacht. Ca. 560 Dissertationen wurden bislang von der Jury gesichtet, 140 Preise bereits vergeben. Die Preise sind mit jeweils 3.000 Euro dotiert. Die auf Vorschlag des Rektors vom Vorstand der Stiftung eingesetzte Jury sichtet seit 1990 die besten mit “summa cum laude” ausgezeichneten Dissertationen, die jedes Jahr aus den 12 Fakultäten unserer Universität eingereicht werden können, und trifft in gemeinsamer Sitzung eine Auswahl der fünf Besten. Die diesjährigen Preisträger 2018 sind:

  • Dr. Lukas Bunse (Medizin), “Spontane Immunantworten gegen mutierte Isozitratdehydrogenase 1 in Gliompatienten”,
  • Dr. Katharina Höfer (Molekulare Biotechnologie), “NAD-capped RNA in Bacteria – Discovery, Scope and Function“,
  • Dr. Ludwig Rauch (Physik), “From Final Dark Matter Results and Background Shape Uncertainties in XENON100 to First Light in XENON1T”,
  • Dr. Bettina Rentsch (Rechtswissenschaften), “Der gewöhnliche Aufenthalt im System des europäischen Kollisionsrechts”,
  • Dr. Carolin Ziethe (Theologie), “Das Heil für die Völker im Matthäusevangelium und die Schriften Israels”.

Der Umweltpreis der Viktor und Sigrid Dulger Stiftung (er ist mit 10.000 Euro dotiert) ging 2018 an Dr. Valentin Roden (Rechtswissenschaften) für seine Arbewit “Urbane Biodiversität als städtebaurechtliches Nachhaltigkeitskonzept – Analyse, Umsetzung und Perspektiven”. Auch von dieser Stelle aus aus nochmals an alle Preisträgerinnen und Preisträger: Gratulation zu Ihrem Erfolg!

Hier ein Foto aller Preisträger zusammen mit Stiftungsvorsitzendem Dr. Karl Hahn, Rektor Prof. Dr. Bernhard Eitel und Laudator Prof. Dr. Paul Kirchhof (zum Vergrößern anklicken):

Auch ein Festvortrag gehört dazu. Diesmal war es Prof. Dr. Manfred Salmhofer (Theoretische Physik), Sprecher des einzigen alleinigen Heidelberger Exzellenzclusters “STRUCTURES” in dieser Runde (das zweite Cluster haben wir mit KIT Karlsruhe gemeinsam zu verantworten, siehe die Pressemitteilung), der den zahlreich erschienenen Gästen in der Alten Aula die große Spannweite der Themen dieses Clusters nahebrachte. Er zeigte, dass dieser Forschungsverbund abstrakte Strukturen der Mathematik mit realen Strukturen der Physik (mit verschiedenen Teilen: Theoretische Physik, Astrophysik) und der Informatik zusammenbringt auf der Suche danach, wie aus kleinsten Teilen komplexe Strukturen auf verschiedenen Ebenen entstehen (von der Organisation subatomarer Teilchen bis hin zu den galaktischen Strukturen des Makrokosmos).

Musikalisch umrahmt wurde der Festakt vom Streichquartett des Collegium Musicum mit dem Scherzo aus dem Streichquartett Nr. 1 von Pjotr Tschaikowsky und dem Libertango von Astor Piazzolla - sehr schön!

Und natürlich kommt auch die Geselligkeit nicht zu kurz: Der anschließende Empfang in der Bel Etage des Rektors bei leckeren Kleinigkeiten und guten Getränken gehört mit zur festlichen Veranstaltung und wurde von den weit über 250 Anwesenden genutzt, um ins Gespräch mit den Preisträgern und mit Freunden der Universität zu kommen. Eine sehr gelungene Veranstaltung, wie ich finde!

siehe auch meinen früheren Bericht aus dem Jahr 2016: http://f20.blog.uni-heidelberg.de/2016/11/17/ruprecht-karls-preise-2016/

siehe auch Pressemeldung der Uni: https://www.uni-heidelberg.de/presse/news2018/pm20181112_verleihung-der-ruprecht-karls-preise-an-junge-heidelberger-wissenschaftler.html