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Lancet-Publikation zu Klimawandel und Gesundheit

Vor einigen Tagen ist eine wichtige Publikation der einflussreichen britischen Zeitschrift „Lancet“ zum Thema Klimawandel und Gesundheit erschienen. Spiegel Online berichtete darüber (siehe hier). Das Besondere daran: Es geht um die negativen Folgen des Klimawandels für unsere Gesundheit. Das betrifft uns alle. In erster Linie ist hier eine erhöhte Sterblichkeit infolge extremer Hitzewellen zu nennen, vor allem bei älteren und kranken Menschen kommt hier ein zusätzlicher Belastungsfaktor hinzu. Seit dem Jahr 2000 sind nach den Schätzungen viele Millionen Menschen mehr davon betroffen als zuvor. Es gibt auch gute Nachrichten: ”Trends in Schlüsselbereichen für die Gesundheit, darunter der Ausstieg aus Kohle, der Einsatz gesünderer, sauberer Verkehrsträger und die Anpassung des Gesundheitssystems, rechtfertigen einen vorsichtigen Optimismus“. Na also! Diese Punkte müssen wir konsequent verfolgen. Die Publikation erscheint übrigens nicht ganz zufällig zum jetzigen Zeitpunkt: Die 24. Weltklimakonferenz (COP24) findet vom 2.-14.12.18 im polnischen Kattowitz statt.

Was mich mit besonderer Freude erfüllt: Eine der beteiligten Autorinnen der Lancet-Studie kommt aus Heidelberg - es ist meine Mitarbeiterin Dr. Helen Fischer, die sich seit vielen Jahren dem Thema des Klimawandels aus psychologischer Sicht widmet. Liebe Helen: Gratulation zu diesem tollen Erfolg! Ich bin stolz darauf, dass du an dieser wichtigen und hoffentlich weltweit einflussreichen Stellungnahme mitgewirkt hast! Wie schön, dass Dich nach meinem Dienstende im kommenden April 2019 die DFG fördert und Dir einen einjährigen Forschungsaufenthalt in Stockholm am renommierten Stockholm Resilience Center (SRC) finanziert (die Verträge meiner auf befristeten Planstellen angestellten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter laufen mit meinem Dienstende aus, damit das Institut in seinen Planungen frei ist).

Quelle: Watts, N., Amann, M., Arnell, N., Ayeb-Karlsson, S., Belesova, K., Berry, H., … Costello, A. (2018). The 2018 report of the Lancet Countdown on health and climate change: shaping the health of nations for centuries to come. Lancet. https://doi.org/10.1016/S0140-6736(18)32594-7

Masterfeier 2018

Wieder einmal haben wir Full House gehabt: die Masterabsolventinnen und -absolventen des Jahrgangs 2018 (N=57 hatten sich angemeldet plus eine nachgezügelte Diplomerin) kamen zur Feier mit ihren Angehörigen und Freunden ins Institut. Angesichts der zahlreichen Anmeldungen, die unsere Plätze im Hörsaal 2 bei weitem überstiegen, hatten wir eine Videoübertragung in den Vorraum organisiert (Dank an Jürgen Schorr und Reiner Meßner für die technische Unterstützung!).

Der Geschäftsführende Direktor Andreas Voß begrüßte die Gäste, die zum Teil von weit her (aus München, Hamburg, Düsseldorf, Stuttgart, eine Familie sogar aus Südamerika) angereist kamen. Er betonte in seiner Rede die Bedeutung kritischen Denkens, das die Studierenden bei uns gelernt haben sollten. Eva Blume (M.Sc.) hielt danach den Rückblick auf die vergangenen Jahre aus Sicht der Studierenden. Sie berichtete über die Ergebnisse einer Längsschnittstudie an 90 Studierenden unseres Instituts, zeigte deren phasenhafte Konsumption von Spaghetti und Alkohol und demonstrierte mittels moderner Tracking-Methoden die typischen Bewegungsmuster von vier exemplarischen Studierenden durch die Stadt, deren ganz verschiedene Wege schließlich auf der Neckarwiese konvergierten.

Wie jedes Jahr wurde der Weinert-Preis für die beste Abschlussarbeit vergeben. Die Jury unter dem Vorsitz von Andreas Voß (bestehend aus ihm, Monika Sieverding und Hinrich Bents) suchte aus sechs vorgeschlagenen Spitzenarbeiten diejenige von Lisa Steenbock aus, die sich mit Schlafstörungen bei Lehrern (die leiden besonders darunter) beschäftigte und ein Interventionsprogramm entwickelt und erprobt hat. Gratulation!

Oliver Schilling trug als Vorsitzender unseres Prüfungsausschusses dann die Namen der knapp 60 anwesenden (von insgesamt 80) Absolventinnen und Absolventen vor (im Hintergrund wurden die Titel der Arbeiten eingeblendet). Nachdem alle vorne im Hörsaal versammelt standen, gab es das Gruppenfoto. Fast hätten wir den obligatorischen Hütewurf vergessen! Ich selbst habe kein Video davon gemacht, hoffe aber, dass schöne Aufnahmen im Netz zu finden sein werden (bitte Links an mich senden!).

Absolventinnen und Absolventen 2018

Absolventinnen und Absolventen 2018

Die musikalische Umrahmung wurde von vier Studierenden (neben Rieke Föst unsere drei Alumni Tobias Krieger, Sebastian Mattes und Annika Menzel) geleistet, die für diesen (und nur für diesen) Abend unter dem Namen „The Talars“ drei musikalische „intermezzi“ lieferten, das letzte davon mir als demnächst ausscheidendem Professor gewidmet - ich war sehr gerührt! Danke!

Natürlich musste ich in meinen Schlußworten alle diejenigen enttäuschen, die auf mein Ausscheiden am 31.3.19 gehofft haben - die (bislang noch inoffizielle) Bewilligung einer dreijährigen Seniorprofessur auf  Antrag meines Instituts und meiner Fakultät hin (danke, liebe Kolleginnen und Kollegen!) könnte es möglich machen, dass ich noch weitere Abschlussfeiern begleiten kann. Meine drei Wünsche an die Absolventinnen und Absolventen: (1) Lebenslanges Lernen angesichts rasch verfallender Wissensbestände, (2) ethischer Umgang mit dem erworbenen Wissen und (3) die Verpflichtung, mit uns in Kontakt zu bleiben - das waren die Dinge, die ich den Absolventinnen und Absolventen ans Herz legen wollte. Damit sie unser Heidelberger Institut nicht vergessen, erhielten sie alle zum Abschied eine Alumni-Psychologici-Kaffeetasse, in der eine Beitrittserklärung an unsere Sektion steckte. Meine Hoffnung: möge der eine oder die andere doch Mitglied in unserem Förderverein werden! Falls die eigenen Mittel am Berufsanfang noch etwas klamm sind: Vielleicht übernehmen die Eltern die Gebühr von 25 € pro Jahr (für die ersten 3 Jahre nach Abschluss; später regulär 50 €, gerne mehr!).

Frau von Wenserski bekam von mir einen Blumenstrauß - Ihre Vorbereitungen waren wie immer ausgezeichnet und sorgten für einen reibungslosen Ablauf. Danke auch an Frau Fauth und Frau Lorenz für organisatorische Mithilfe, vor allem aber auch den Hilfskräften der Abteilungen Methodenlehre und Allgemeine Psychologie, die in verschiedenen Funktionen beteiligt waren. Unter anderem war wieder eine Fotobox aufgestellt, wo man lustige Passfotos machen konnte, die sofort ausgedruckt wurden.

Alles in allem eine - wie ich finde - schöne und gelungene Feier! Das haben mir viele Eltern beim anschließenden Empfang mit Sekt und Selters sowie mit kleinen Snacks und Brezeln bestätigt!

Viel zu tun

Ich wurde gefragt, warum es im Blog so still ist - die Erklärung ist einfach: es bleibt nicht viel Zeit dafür übrig. Mein letztes Semester im aktiven Dienst läuft auch Hochtouren (ab dem 1.4.19 wird es bei mir vermutlich gemächlicher mit einer Seniorprofessur für maximal 3 Jahren weitergehen). In verschiedenen Bereichen “knubbelt” es sich gerade.

Lehre: Wie in jedem Wintersemester stehen 3 Vorlesungen (Wahrnehmung & Lernen; Einführung in die Psychologie; Einführung in die Erkenntnistheorie) auf dem Programm, neben dem PSQ-Seminar (was wenig Arbeit macht). Auf den Anmeldelisten zu den Klausuren stehen jeweils >150 Namen, da ist viel zu tun…

Forschung: Zwei kleine Forschungsanträge beim HCE wurden bewilligt, daneben grübele ich über eine Anwendung des Ansatzes zellulärer Automaten zur Erklärung des Eingriffsverhaltens von Probanden beim Tailorshop: vielleicht läßt sich durch reverse engineering ein hinter dem Verhalten verborgener Automat identifizieren? Die Transitionen sind als Prozeßindikatoren des Problemlösens interessant. Wer Ideen beisteuern möchte, möge sich melden!

Selbstverwaltung: Für die Stiftung Universität haben wir gerade die Ruprecht-Karls-Preise 2018 verliehen und überlegen, wie es 2019 ohne Paul Kirchhof weitergeht, der nach 28 Jahren aufhört die Laudationes zu halten (allein dafür sind viele Besucher gekommen). Für die Gesellschaft der Freunde, deren Vorstandsvorsitzender ich bin, planen wir den Neujahrsempfang (am 18.1.19 um 18 Uhr im HCA). Vorstandssitzungen stehen an, der “Preis der Freunde” wird demnächst vergeben. Natürlich planen wir auch die Masterfeier unserer Absolventinnen und Absolventen am Institut, die am 30.11.18. um 17:00 im Hörsaal 2 startet (hier der Bericht vom letzten Jahr). Wir haben so viele Anmeldungen wie noch nie, toll! Danke an meine Sekretärin Edith von Wenserski, die das ganz souverän vorbereitet.

Als Senatssprecher bin ich Mitglied in der 5köpfigen Findungskommission für die Wahl des nächsten Rektors in der Amtszeit 2019-2025. Auch hier sind verschiedene vorbereitende Aktivitäten zu leisten. Allein nur für die anstehende Senatssitzung nächste Woche liegen Unterlagen im Umfang von knapp 1000 Seiten auf meinem Tisch. Als Ombudsperson gab es zwei Vorgänge, in denen mich um Schlichtung bemüht habe sowie einen weiteren Fall, den ich an die Ombudsperson für “Doctoral Students” abgeben durfte. Als Mitglied der Ethikkommission unserer Fakultät gab es einige Anträge zu begutachten, nichts Kritisches - business as usual.

Gutachterliche Stellungnahmen zu Artikeln, zu Buchkonzepten, zu Stipendienwünschen kommen hinzu - interessant ist die Begutachtung von psychologischen Bachelor-Studiengängen, die das Qualitätssiegel der DGPs anstreben.

In Sachen Masterplan Neuenheimer Feld war gerade eine Sitzung des Koordinationsbeirats im Rathaus, bei der die Planung des nächsten Forums und der nächsten Öffentlichkeitsveranstaltung im Februar 2019 besprochen wurde. Der Bürgerbeteiligungsprozeß ist in vollem Gange, bin gespannt, was sich am Ende ergeben wird!

Publikationen: Nach der Fertigstellung des Heidelberger Jahrbuchs 2018 über Mobilität läuft die Ausschreibung für das Jahrbuch 2019, das dem Thema “Schönheit in der Wissenschaft” gewidmet ist. Michael Wink und ich fungieren wieder als Herausgeber und haben schon schöne Beiträge angekündigt bekommen - wird bestimmt wieder ein interessanter Band! Daneben laufen die Vorbereitungen für ein englischsprachiges Textbuch “Psychology of Human Thought”, das ich mit Bob Sternberg herausgebe und das in 20 Kapiteln das gesamte Feld kognitiver Prozesse abdeckt. Spitzenwissenschaftler aus der ganzen Welt machen mit bei diesem ersten Open-Access-Textbook, das bei Heidelberg University Publishing im nächsten Jahr erscheinen soll. Ausserdem arbeite ich an einem Papier für unser Journal JDDM über Mythen der Problemlöseforschung, das mir Spass macht.

Viel zu tun? Ja, viel zu tun! Solange die Arbeit Spass macht, ist das ok für mich.

Ruprecht-Karls-Preise 2018

Einmal im Jahr verleiht die “Stiftung Universität Heidelberg“, in deren Vorstand ich mitwirken darf, die sogenannten “Ruprecht-Karls-Preise” für die fünf besten Doktorarbeiten an der Ruperto Carola (von insgesamt rund 1000 Doktorarbeiten, die jährlich verfasst werden). In der Alten Aula kommen dann der Vorstand der Stiftung, deren Kuratoren, der Rektor und die Preisträgerinnen und Preisträger mit vielen Freundinnen und Freunden der Universität zusammen, um die Laudationes zu hören.

Die Verleihung der Preise ist für uns immer ein ganz besonderer Termin - diesmal war es der 16.11.2018, an dem Prof. Dr. Paul Kirchhof (dieses Jahr zum 28. und letzten Mal) uns als Jury-Vorsitzender die Arbeiten der Preisträger in seiner lebendigen und allgemeinverständlichen Sprache vermittelte. Seine Laudationes haben über die Jahre hinweg diese Preisvergabe geprägt und sie zu einem jährlichen Highlight unserer Stiftungsaktivitäten gemacht. Ca. 560 Dissertationen wurden bislang von der Jury gesichtet, 140 Preise bereits vergeben. Die Preise sind mit jeweils 3.000 Euro dotiert. Die auf Vorschlag des Rektors vom Vorstand der Stiftung eingesetzte Jury sichtet seit 1990 die besten mit “summa cum laude” ausgezeichneten Dissertationen, die jedes Jahr aus den 12 Fakultäten unserer Universität eingereicht werden können, und trifft in gemeinsamer Sitzung eine Auswahl der fünf Besten. Die diesjährigen Preisträger 2018 sind:

  • Dr. Lukas Bunse (Medizin), “Spontane Immunantworten gegen mutierte Isozitratdehydrogenase 1 in Gliompatienten”,
  • Dr. Katharina Höfer (Molekulare Biotechnologie), “NAD-capped RNA in Bacteria – Discovery, Scope and Function“,
  • Dr. Ludwig Rauch (Physik), “From Final Dark Matter Results and Background Shape Uncertainties in XENON100 to First Light in XENON1T”,
  • Dr. Bettina Rentsch (Rechtswissenschaften), “Der gewöhnliche Aufenthalt im System des europäischen Kollisionsrechts”,
  • Dr. Carolin Ziethe (Theologie), “Das Heil für die Völker im Matthäusevangelium und die Schriften Israels”.

Der Umweltpreis der Viktor und Sigrid Dulger Stiftung (er ist mit 10.000 Euro dotiert) ging 2018 an Dr. Valentin Roden (Rechtswissenschaften) für seine Arbewit “Urbane Biodiversität als städtebaurechtliches Nachhaltigkeitskonzept – Analyse, Umsetzung und Perspektiven”. Auch von dieser Stelle aus aus nochmals an alle Preisträgerinnen und Preisträger: Gratulation zu Ihrem Erfolg!

Hier ein Foto aller Preisträger zusammen mit Stiftungsvorsitzendem Dr. Karl Hahn, Rektor Prof. Dr. Bernhard Eitel und Laudator Prof. Dr. Paul Kirchhof (zum Vergrößern anklicken):

Auch ein Festvortrag gehört dazu. Diesmal war es Prof. Dr. Manfred Salmhofer (Theoretische Physik), Sprecher des einzigen alleinigen Heidelberger Exzellenzclusters “STRUCTURES” in dieser Runde (das zweite Cluster haben wir mit KIT Karlsruhe gemeinsam zu verantworten, siehe die Pressemitteilung), der den zahlreich erschienenen Gästen in der Alten Aula die große Spannweite der Themen dieses Clusters nahebrachte. Er zeigte, dass dieser Forschungsverbund abstrakte Strukturen der Mathematik mit realen Strukturen der Physik (mit verschiedenen Teilen: Theoretische Physik, Astrophysik) und der Informatik zusammenbringt auf der Suche danach, wie aus kleinsten Teilen komplexe Strukturen auf verschiedenen Ebenen entstehen (von der Organisation subatomarer Teilchen bis hin zu den galaktischen Strukturen des Makrokosmos).

Musikalisch umrahmt wurde der Festakt vom Streichquartett des Collegium Musicum mit dem Scherzo aus dem Streichquartett Nr. 1 von Pjotr Tschaikowsky und dem Libertango von Astor Piazzolla - sehr schön!

Und natürlich kommt auch die Geselligkeit nicht zu kurz: Der anschließende Empfang in der Bel Etage des Rektors bei leckeren Kleinigkeiten und guten Getränken gehört mit zur festlichen Veranstaltung und wurde von den weit über 250 Anwesenden genutzt, um ins Gespräch mit den Preisträgern und mit Freunden der Universität zu kommen. Eine sehr gelungene Veranstaltung, wie ich finde!

siehe auch meinen früheren Bericht aus dem Jahr 2016: http://f20.blog.uni-heidelberg.de/2016/11/17/ruprecht-karls-preise-2016/

siehe auch Pressemeldung der Uni: https://www.uni-heidelberg.de/presse/news2018/pm20181112_verleihung-der-ruprecht-karls-preise-an-junge-heidelberger-wissenschaftler.html

Pogrom-Nacht 9.11.1938

Auch nach 80 Jahren darf dieses Ereignis nicht vergessen werden: Die Pogrom-Nacht (von den Nazis euphemistisch “Reichskristallnacht” genannt) - siehe meinen Blog-Eintrag von vor 10 Jahren:

70 Jahre Reichskristallnacht 9.11.1938

http://f20.blog.uni-heidelberg.de/2008/11/09/70-jahre-reichskristallnacht-9111938/

Dass ausgerechnet am heutigen Datum 9.11.2018 der AfD-Sprecher Jörg Meuthen eine Rede im Bürgerzentrum Heidelberg-Kirchheim halten will, finde ich skandalös. Ein Bündnis gegen Rassismus hat Demonstrationen angekündigt – vor allem wegen des Datums der Veranstaltung. Das Bündnis, bestehend unter anderem aus SPD, Grünen und Linken sowie der Initiative „Heidelberg gegen Rassismus“ ruft zur Gegen-Kundgebung am Bürgerhaus in Kirchheim auf.

Rektor gesucht

Wer die einschlägigen Zeitungen und Journale aufschlägt, wird ab sofort eine Stellenanzeige der Universität Heidelberg finden, in der die Leitungsposition des Rektors für die sechsjährige Amtszeit ab 1.10.2019 ausgeschrieben ist:

Der derzeitige Rektor Bernhard Eitel wird dann die Universität zwei Amtsperioden lang geleitet haben (2007-2013 und 2013-2019). Ich bin sehr gespannt, welche Bewerbungen eingehen!

PS: Die Ausschreibung ist an verschiedenen Stellen erschienen, z.B. interner Stellenmarkt, FAZ, SZ, ZEIT

Gastbeitrag “Bachelorfeier 13. Oktober 2018″

Gastbeitrag vom Orga-Team der Bachelorfeier 2018 (schade, dass ich [J.F.] nicht dabei sein konnte - Glückwünsche an alle BScler auch von mir nochmal):

Die Bachelorfeier 2018 war ein voller Erfolg. Bei strahlendem Sonnenschein und sommerlichen Temperaturen feierten 43 AbsolventInnen mit Eltern, Geschwistern, Partnern und Freunden ihren Abschluss zum Bachelor of Science Psychologie!

BSc-Feier 2018 Innenhof

BSc-Feier 2018 Innenhof

Bei einem lockeren Sektempfang im Innenhof des Psychologischen Instituts wurde der Abend eingeleitet. Es folgte der offizielle Teil im Hörsaal 2. Unsere Professorin für Allgemeine Psychologie, Frau Prof. Dr. Ursula Christmann, betonte in ihrer Rede den schnellen Verlauf der Zeit seit Beginn unsere Studiums, der jedoch gefüllt war von vielen schönen Erlebnissen.

BSc-Feier 2018 HS 2

BSc-Feier 2018 HS 2

Auch die Absolventin Vanessa Eisele zeigt in ihrer Rede auf, wie schön die letzten gemeinsamen Jahre in Heidelberg waren, wie viel wir in dieser Zeit gelernt und wie wir uns doch auch auf diesem Weg verändert haben. Es folgte dann die Urkundenübergabe mit einem kleinem Präsent und Blume. Der Abend wurde musikalisch durch das Gitarrenduo Lennard und Vanessa begleitet.

BSc-Kohorte 2018 (zum Vergrößern klicken)

BSc-Kohorte 2018 (zum Vergrößern klicken)

Abschließend konnten wir den Abend im Innenhof nach einem Gruppenfoto der AbsolventInnen entspannt ausklingen lassen. Wir hatten einen tollen Tag und bedanken uns bei allen Mitwirkenden!

Das Orgateam: Vanessa Eisele, Theresa Sauer, Svenja Küchenhoff und Sina Firmenich

Wintersemester 2018/19 gestartet

Wieder einmal sind knapp 100 neue Erstsemester ins Institut gekommen (Herzlich Willkommen!), die fertig gewordenen Absolventinnen und Absolventen werden verabschiedet (die Masterfeier findet dieses Jahr am 30.11.18 um 17:00 im HS 2 statt), neue Master-Studierende sind aufgekreuzt, Professorium und Mitarbeiterbesprechung haben stattgefunden, die Lehre für das Wintersemester 2018/19 beginnt Fahrt aufzunehmen.

Natürlich wurden die Erstis wieder freundlich im EKS (=Erstsemester-Kompakt-Seminar) begrüßt und mit den Gepflogenheiten unseres Instituts vertraut gemacht (hoffentlich waren sie nicht an den in der Lokalzeitung berichteten Alkoholexzessen auf der Unteren Strasse beteiligt!). Auch der obligate Ersti-Scherz durfte nicht fehlen (”Smart Department” mit Mobilitätsüberwachung durch Rauchmelder mit Videoüberwachung), für den ich wieder einmal den Kopf hinhalten musste. Am vergangenen Dienstag fand nach dem Praktikumskongress mit den tollen Postern der Viertsemester (mit Festvortrag unserer neuen Kollegin, der Alternsforscherin Cornelia Wrusz, zum Thema „Erfolreich altern“) zum Abschluß der Einführungswoche die „PsychoPathie“ (mit Betonung auf der vorletzten Silbe) statt, bei der DJ Funk 45 Minuten auflegen durfte - super Stimmung! Dank nochmal an die vielen Tänzerinnen und Tänzer, die ohne zu zögern zu meinen Oldies auf die Tanzfläche kamen und loslegten.

Die Jahresfeier der Universität am 20.10.18 in der Alten Aula feierte den 632. Geburtstag der „Ruperto Carola“ (siehe auch meinen älteren Blog-Beitrag “Carola und ich“). In Anwesenheit von viel Prominenz verströmte unser Rektor Bernhard Eitel viel (zuviel?) Optimismus mit Blick auf die laufende Exzellenzinitiative.

Natürlich wurde die Universitätshymne gesungen - hier der Lobgesang in Versform:
Heidelberg sei hochgepriesen,
Himmelsgunst hat dich geweiht!
Sechs Jahrhunderte bewiesen
Deines Geistes Wirksamkeit.
Hoch Ruperto Carolina,
Lux Germaniae divina,
Deutschlands ält’ste Musenstadt,
vivat, crescat, floreat!

Sei gelobt zu allen Zeiten,
wer dich fördert, wer dich hegt!
Die der Wissenschaft sich weihten,
wer den Dienst der Musen pflegt.
Alle, die dein Ansehn mehren,
halten dankbar wir in Ehren.
Alma Universitas,
vivas, crescas, floreas!

Gut, dass der Universitätschor “Capella Carolina” unter Leitung von Franz Wassermann die Hymne sang! Ich kann den Text immer noch nicht auswendig (ausser der Zeile “vivat, crescat, floreat” - lebe, wachse, blühe!).

Auf der Jahresfeier wurden auch wieder die Hengstberger-Preise für Nachwuchsforschende in Anwesenheit des Stifters vergeben. Jährlich drei verschiedene Symposien werden von ihm mit jeweils 12.500 € gefördert, und wieder darf die Psychologie sich freuen: Das Gewinnerteam bestehend aus Dr. Martin Fungisai Gerchen, Dr. Monika Eckstein und Dr. Anna-Lena Zietlow (unsere Alumna, yeah! Auch hier nochmal herzlichen Glückwunsch!) wird vom 6. - 8. Mai 2019 ein Symposium unter dem Titel “Social Interaction: Neurobiological Reward Systems and their Role in Mental Health” organisieren (siehe hier).

Für mich ist es das letzte Semester im aktiven Dienst - bin gespannt, wie es mir damit geht! Nach mehr als 40 Semestern an diesem Institut (ich bin seit Sommer 1997 aktiv) freue ich mich noch einmal auf meine 3 Vorlesungen „Allgemeine Pschologie I“, „Einführung in die Psychologie“ und „Einführung in die Erkenntnistheorie“!

Zur Jahresfeier der Uni gibt es einen Bericht in der Lokalzeitung RNZ

… und eine offizielle Pressemitteilung hier

Exzellenzuni Heidelberg: Nächste Runde

Ende September sind die Entscheidungen über eine wichtige Hürde der aktuellen Exzellenzinitiative gefallen: N=88 Anträge auf Exzellenzcluster waren von einem internationalen Expertengremium unter Leitung der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG)  in die Kategorien “grün” (uneingeschränkt förderwürdig; N=46), “gelb” (eingeschränkt förderwürdig; N=12) und “rot” (nicht förderwürdig; N=30) sortiert worden. Die zur Verfügung stehenden 385 Mio Euro jährlich (75% Bund, 25 % Sitzland) sollten für insgesamt 45-50 Verbünde reichen. Eigentlich alles gut, wäre da nicht noch die Politik mit im Spiel. Auf Druck von Wissenschaftsministern einzelner Bundesländer wurden am Ende von den 12 gelben Clustern immerhin 11 doch noch für eine Förderung vorgeschlagen. Die jetzt geförderten 57 Forschungsverbünde (davon nur 8 aus dem Bereich der Geistes- und Sozialwissenschaften) werden mit geringeren Fördersummen ausgestattet, da die gesamte Fördersumme nicht erhöht wurde. Und jetzt war die große Frage: wer schafft es, mit mindestens zwei geförderten Verbünden ins Rennen zu gehen? Nur diese “Glücklichen” dürfen nämlich dann in den nächsten zwei Monaten bis Dezember 2018 ein “Zukunftskonzept” erarbeiten. Die Liste der als förderfähig erachteten Anträge und eine zugehörige Landkarte findet man hier.

In der Bewertung der jetzt erfolgten Begurtachtung schreibt die Wissenschaftsjournalistin der FAZ, Heike Schmoll, in ihrem Beitrag mit dem Titel “Die Spitze liegt in der Breite” vom 28.9.18: “… eine der forschungsstärksten Universitäten in Heidelberg [hat] mit Mühe ihre zwei Cluster (davon eine im Verbund mit dem Karlsruher Institut für Technologie/KIT) durchbe[kommen]. Offenbar gehört der mit dem KIT eingereichte zu den am schwächsten bewerteten überhaupt.” Uff! Und dabei waren wir mal mit sieben (!) Skizzen gestartet (siehe meinen früheren Blog-Eintrag), von denen aber nur drei zum Vollantrag aufgefordert wurden und davon wiederum nur zwei überlebt haben. Die beiden jetzt erfolgreichen Cluster sind:

  • STRUCTURES: A unifying approach to emergent phenomena in the physical world, mathematics, and complex data. Sprecher sind die Heidelberger Wissenschaftler Prof. Dr. Manfred Salmhofer (Institut für Theoretische Physik), Prof. Dr. Anna Wienhard (Mathematisches Institut) und Prof. Dr. Ralf S. Klessen (Zentrum für Astronomie).
  • 3D Matter Made to Order. Sprecher sind Prof. Dr. Martin Wegener (KIT, Institut für Angewandte Physik / Institut für Nanotechnologie) und Prof. Dr. Uwe H. F. Bunz (Universität Heidelberg, Organisch-Chemisches Institut). Siehe hierzu: https://www.3dmattermadetoorder.kit.edu/
Man kann sich fragen, wie repräsentativ diese beiden Cluster für die Volluniversität Heidelberg sind - natürlich sind die Naturwissenschaften Glanzlichter unserer Universität, aber zugegeben wollen wir als Volluniversität ja gerade auch mit Medizin, Sozial- und Geisteswissenschaften punkten. Die Vielfalt ist das, worauf wir zurecht stolz sind. Die beiden Cluster, die das Rennen überlebt haben, können diese Vielfalt gar nicht adäquat abbilden (wollen sie auch gar nicht).

Zitat aus dem Blog des Wissenschaftsjournalisten Jan Martin Wiarda: “Insgesamt dürfen nach der Cluster-Verteilung noch 17 Universitäten auf den Titel Exzellenzuniversität hoffen, und zwar Kiel, Hamburg, Bochum, Bonn, Aachen, Köln, Dresden, TU München, LMU München, Tübingen, Konstanz, Freiburg, Karlsruhe, Heidelberg, Stuttgart, Münster und Braunschweig. Dazu kommt der Berliner Verbund aus drei Universitäten (plus Charité) – und das Hannoveraner Duo aus Uni und MHH. Also insgesamt 19, wie das in der ExStra-Sprache heißt, “Förderfälle” – und konkret auch alle bisherigen Exzellenzuniversitäten bis auf Bremen. Elf Exzellenzuniversitäten sollen im Juli 2019 prämiert werden. Soll heißen: Es wird nochmal spannend nächstes Jahr.”

Wie ist die Lage aus Heidelberger Sicht zu bewerten? Schwer zu sagen! Insgesamt elf Exzellenzuniversitäten sollen im kommenden Sommer gekrönt werden und neben dem Titel ” Exzellenzuniversität” die begehrten freien Mittel in jährlich zweistelliger Millionenhöhe (bis zu 15 Mio) erhalten. Wieviele dieser Finalisten werden aus Baden-Württemberg kommen? Wäre schön, wenn wir in Heidelberg mit dabei wären!

siehe auch den ausführlichen Kommentar von Jan Martin Wiarda: https://www.jmwiarda.de/2018/09/27/57-exzellenzcluster-pr%C3%A4miert/

siehe auch meinen Blog-Eintrag von 2012: “ExIni Zwei: Wir sind dabei

Dietrich Dörner zum 80. Geburtstag

DGPs)

Joachim Funke, Dietrich Dörner, Christina Bermeitinger, Wolfgang Schoppek (Foto: DGPs)

Einer meiner wichtigsten akademischen Bezugspersonen, Dietrich Dörner (Universität Bamberg), wird heute 80 Jahre alt. Dazu ganz herzlichen Glückwunsch! Auf der eben abgeschlossenen Frankfurter DGPs-Tagung haben Wolfgang Schoppek und ich ein kleines Symposium zu seinen Ehren organisiert - hier dessen Inhalt:

  • Erfolgreiche und erfolglose Versuche beim Erforschen sehr komplexer Systeme. - Joachim Funke (Universität Heidelberg)
  • Beyond psychometrics: The difference between difficult problem solving and complex problem solving. - Jens Beckmann (Durham University), Natassia Goode, Damian Birney
  • Following-up on Dörner’s advice: The role of simulation tools in alleviating stock-flow. - Medha Kumar (Indian Institute of Technology), Varun Dutt
  • Die Entwicklung von Werkzeugen zur Qualifikation und Arbeitsgestaltung für komplexe Arbeitssysteme. Anwendung und Weiterentwicklung der Theorie Dietrich Dörners. - Rüdiger von der Weth (HTW Dresden), Ulrike Starker
  • To what extent can ACT-R models address Complex Problem Solving? - Sabine Prezenski (TU Berlin), Andre Brechmann, Susann Wolff, Nele Russwinkel
  • Neues aus der Schneiderwerkstatt: Die Tailorshop-Mikrowelt als Open-Source Web-Anwendung. - Daniel Holt (Universität Heidelberg),  Johannes Hofmeister, Joachim Funke
  • Quo vadis, komplexes Problemlösen? Neue theoretische Impulse. - Wolfgang Schoppek (Universität Bayreuth)

Vorgeschaltet war eine Würdigung der Fachgruppe Allgemeine Psychologie, vorgetragen von deren Vorsitzenden, Christina Bermeitinger (Universität Hildesheim). Ich habe Christina gebeten, mir ihre Würdigung für meinen Blog zur Verfügung zu stellen. Diesem Wunsch ist sie sofort nachgekommen - danke dafür! Daher folgt hier:

Gastbeitrag von Christina Bermeitinger: “Grusswort der DGPs-Fachgruppe Allgemeine Psychologie zum 80. Geburtstag von Dietrich Dörner”

Liebe Kolleginnen und Kollegen, liebe Gäste, liebe Wegbegleiter und Freunde von Dietrich Dörner, und ganz besonders: lieber Herr Dörner,

seien Sie herzlich willkommen! Wie gesagt, insbesondere lieber Herr Dörner, schön, dass Sie hier auf dem DGPs-Kongress sind und dass Sie doch noch reingelassen wurden! Das mit Dietrich Dörner und dem DGPs-Kongress scheint nämlich nicht immer eine Beziehung wechselseitiger Zuneigung zu sein. Dietrich Dörner widmet etwa das Schlusswort seiner 2017 erschienenen Selbstdarstellung dem DGPs-Kongress (sozusagen) und er moniert darin die kaum vorhandene Rezeption des Kongresses durch Presse und Gesellschaft – oder vielmehr bemängelt er die dadurch zum Ausdruck kommende mangelnde Relevanz psychologischer Forschung, Theorien und Themen für die Gesellschaft.

Vielleicht war es damit ein kleiner Racheakt, dass auch beim dritten Anlauf die Anmeldesoftware des diesjährigen Kongresses sich weigerte, Herrn Dörners Zahlung zu akzeptieren und ihn zum Kongress zuzulassen. (Tja, von wegen KI bedeute womöglich Künstlicher Idiot – nein, ich werte das als eindeutiges Zeugnis Künstlicher Intelligenz! Und vielleicht hat der Computer hier insgeheim ein bisschen gelacht – wer weiß schon, wie sich Computerlachen ausdrückt!)

Nun gut, wie wir sehen ist – mithilfe humaner Kongress-Hilfe – die analoge Anmeldung offenbar doch noch geglückt. Also: Schön, dass Sie hier sind! Ich bin Christina Bermeitinger und heute hier in meiner Funktion als Sprecherin der Fachgruppe Allgemeine Psychologie. Kurz etwas zum Ablauf der folgenden 30 (plus 90) Minuten: Von mir folgt gleich die Vorstellung von Leben und Werk Dietrich Dörners sowie (damit verbunden) ein Grußwort der Fachgruppe, im Anschluss werden Rüdiger von der Weth und Ulrike Starker etwas zu (ihrem) Leben und Wirken von und mit Dietrich Dörner vorstellen. Und dann freuen wir uns sehr auf das Symposium „Komplexes Problemlösen – Dietrich Dörner zum 80. Geburtstag“, das von Wolfgang Schoppeck und Joachim Funke organisiert wurde. Zunächst also nun von mir der Beitrag der Fachgruppe.

Üblicherweise stelle ich mich zur Vorbereitung auf Grußworte oder Reden vor mein Bücherregal zu Hause, insbesondere stelle ich mich dafür gerne vor die Bilderbuchabteilung, um Anregungen und Zitate für den entsprechenden Text zu sammeln. In diesem Fall war es jedoch etwas anders, hatte aber auch mit einem Buch und Bücherregalen zu tun. Es war nämlich so: Etwa zu Beginn dieses endlosen, jetzt zu Ende gehenden Sommers wurde die Fachgruppe zu dieser Veranstaltung eingeladen. Es war klar, dass es um Dietrich Dörner gehen solle.

Zu dieser Zeit hatte ich – in meiner momentanen Funktion als Institutsleitung des Psychologie-Instituts in Hildesheim – den Auftrag der Bibliothek erhalten, doch gemeinsam mit unserer Bibliotheksbeauftragten das komplette Sortiment der Psychologie in Augenschein zu nehmen. Insbesondere sollten wir markieren, welche Bücher schon mal ins Archiv wandern könnten. Da standen wir also zu zweit zwischen den Regalen und sind an manchen Stellen des nicht allzu zahlreich bestückten Psychologie-Sortiments ein wenig unglücklich geworden – insbesondere dort, wo es mehrere Regalbretter lang z.B. um Träume ging oder um Psychiatriegeschichte.

Da standen wir also nun, teilweise saß ich auch auf dem Boden für die Bücher ganz unten, und beklebten die Bücher, die ins Archiv können, mit blauen Punkten, und die Bücher, die weg oder mindestens irgendwo anders hin sollten (in die Ratgeber-Ecke oder die Soziologie oder was auch immer) mit roten Punkten. Nach ein paar Regalen hatten wir die Anfangshemmungen („Es sind doch Bücher!“ – „Ja, aber es sind völlig veraltete, nicht wissenschaftliche oder einfach total unpassende Bücher.“) überwunden und die Klebepunkte wechselten mit flinker werdender Hand auf die Buchrücken.

Und als ich da gerade saß und eine der unteren Reihen bearbeitete, stieß ich auf drei Exemplare eines Werkes mit braunem Leineneinband, alles offenbar deutlich ältere Jahrgänge und schon recht abgegriffen. Inzwischen hatte ich mir einen eindeutigen „im Zweifel weg“-Bias zugelegt, so dass ich schon die blauen „Archiv“-Punkte zückte. Dann sah ich Teile des Titels: Irgendwas mit „Misslingen“ – (schon wieder etwas aus der Kategorie „Ratgeberliteratur“?!?). Da fiel beim Aufschlagen des Werkes mein Blick endlich auf den Autor – Dietrich Dörner. Nun, die blauen Punkte konnte ich an dieser Stelle sparen und alle drei Exemplare stehen selbstverständlich unbepunktet weiter im Regal der Bibliothek (so sie nicht gerade ausgeliehen sind).

Als äußerst komprimierte – fast loriotesk anmutende – „Weisheit“ aus diesem Buch kann man mitnehmen: „Strategisches Denken ist möglich, aber nicht einfach.“ Zu Hause habe ich mich dann aber doch auch noch vor meine Bücher gestellt – und bin fündig geworden. „Leben mit Widersprüchen, Aufmerksamkeit auf soziale und ökologische Zusammenhänge, Möglichkeiten der Wahl, Bedeutung des Selbstbewusstseins, Fähigkeit zur Sorge, Offenheit für Erfahrungen…“

Das klingt fast wie eine Zusammenfassung vieler Aspekte, die beim Umgang mit komplexen Problemen, denen Dietrich Dörner einen großen Teil seiner Forschungstätigkeit gewidmet hat, eine Rolle spielen. Das Zitat stammt allerdings aus Wilhelm Schmids „Philosophie der Lebenskunst“. An der Parallele zeigt sich jedoch bereits ein zentrales Moment der Forschungsmotivation von Dietrich Dörner: Wie bei der Lebenskunst und bei Wilhelm Schmid geht es Dietrich Dörner um die Zusammenhänge, es geht um Freiheit, um Wahlmöglichkeiten und im Wesentlichen geht es um alles – kein einzelner Teil des Systems, sondern das System selbst, das Leben, die Seele, der Geist als solcher und Ganzes stehen im Fokus des Interesses. Und auch wenn einiges an Forschung und Literatur, die Dietrich Dörner hervorgebracht hat, sehr mechanisch klingen mag („Bauplan einer Seele“ oder „Die Mechanik des Seelenwagens“), so geht es ihm doch immer um den Menschen, um das, was ihn im Innersten zusammenhält.

Der Weg zu einem Verständnis von allem ist iterativ und bei Dietrich Dörner nahm das Interesse an einem Verständnis seinen Anfang in – der Bundeswehr, die ihn aufgrund der Beobachtung zahlreicher „Beispiele merkwürdigen Verhaltens“ überhaupt erst zur Psychologie gebracht hat. Sein Studium, das er 1965 mit dem Diplom in Psychologie abschloss, ging jedoch weit über die Psychologie hinaus – er hat sich sein Handwerkszeug in dieser Zeit zusammengesucht, hat Kurse in Neurophysiologie, Logik und Mathematik belegt und sich das Programmieren beigebracht und er brachte es damals sogar so weit, dass er mit der Nachtrechenerlaubnis geadelt wurde – zwei, drei Nachtstunden ganz allein zum Rumprobieren und Experimentieren! Es war also eher ein Studium Generale (mit Anspielung auf Generalschlüssel), in einer Zeit, in der die Psychologie anfing, eine Naturwissenschaft zu werden.

Um nun psychische Prozesse nachzubilden (und im besten Falle zu verstehen), hat er Simulationsprogramme geschrieben. Seine Dissertation widmete sich einer Theorie des Denkens mit Klassenbegriffen, die Theorie hat er auf den Computer gebracht. Das Verhalten des Computers hatte sehr große Ähnlichkeit mit dem Verhalten von Versuchspersonen. Danach hat er nach-gedacht und kam zu der Erkenntnis, dass dem Computer doch aber gerade DAS wesentliche Element menschlicher Intelligenz fehlte – nämlich sich ad hoc auf neue und fremde Aufgaben einzustellen und Lösungswege selbständig zu generieren. Ein intelligenter Computer war also noch lange nicht geschaffen; Diese Erkenntnis zog Ernüchterung und Enttäuschung nach sich.

Zusammen mit Gerd Lüer untersuchte Dietrich Dörner im Anschluss an diese Erkenntnis dann das Problemlösen. Die Leitfrage für Dietrich Dörner war hierbei: „Kann man […] Atome des Denkens finden, aus denen die vorangegangenen Teilprozesse des deduktiven Denkens als Moleküle zusammengesetzt sind?“ Die so geleitete Forschung führte zu einer – nach Dietrich Dörners eigener Aussage – wenig rezipierten, jedoch für eine Habilitationsschrift als geeignet beurteilten – Entdeckung. Es ging um elementare, neuronal interpretierbare Prozesse, aus denen Denken zusammengesetzt ist, und wie dies wiederum etwa mit Gefühlen zusammenhängt.

Danach folgte wieder eine enttäuschende Einsicht: Ein bestimmter Realitätsbereich des klaren, deduktiven und durchschaubaren Denkens war beschreibbar geworden. Der Computer jedoch war noch immer nicht „intelligent“, konnte nicht denken im Sinne eines kreativen, phantasievollen und auf neue Situationen ohne klar umrissene Aufgaben, Möglichkeiten und Zielbeschreibungen adaptiven „Abenteurers“. Dietrich Dörner erfuhr hier die Einschränkungen der experimentellen „Puristik der Psychologie“. Dies hat ihn nun weggführt – und zwar wohin?

Wir sind inzwischen in den 70er-Jahren angelangt. Die (nicht nur) psychologische und nicht nur Ausbildung erfolgte vom Studium bis zur Habilitation in Kiel. Danach hatte Dietrich Dörner Professuren oder Lehrstühle in verschiedenen Städten inne. Die Preisfrage lautet nun: Mit welchen Orten bringen Sie Dietrich Dörner am meisten in Verbindung? Gut, er war Hochschullehrer in Düsseldorf, in Gießen und schließlich in Bamberg, wo er seit 2005 Emeritus am Institut für Theoretische Psychologie ist. Er war Leiter der Max-Planck-Projektgruppe für Kognitive Anthropologie in Berlin. Und seit 2016 ist er zudem Ehrendoktor der Universität Heidelberg. Aber die Orte, die mit Dietrich Dörner wohl am meisten assoziiert werden, sind – Lohhausen und Tanaland.

Dietrich Dörner konstruierte virtuelle Enklaven (Lohhausen oder Tanaland und ähnliche) mit unklaren Situationen; es gab keine festen Lösungsmethoden, es war alles nicht so ganz durchschaubar, falsch und richtig gab es nicht pauschal, sondern etwas war situationsabhängig besser/richtig oder schlechter/falsch. Die Versuchspersonen waren Politiker (beispielsweise Lohhausen-Bürgermeister) in diesen unklaren ökologisch-wirtschaftlich-politischen Situation. Das Oberthema war „Denken in komplexen Situationen“.

Feststellbar waren starke interindividuelle sowie intra-individuelle Unterschiede in den angewandten Strategien der Versuchspersonen. Das Verhalten der Versuchspersonen ergab sich aus der untrennbaren Einheit von Wahrnehmung, Emotionen, Lernen und Denken – eine Trennung in Hot und Cold Cognition war entweder unmöglich oder sinnlos. Aus den Erkenntnissen und der akribischen Analyse seltener, jedoch äußerst aufschlussreicher Aussagen der Versuchspersonen, die bestimmte Denkfehler offenbarten, ist das eingangs bereits eingeführte überaus erfolgreiche Buch „Die Logik des Misslingens“ entstanden.

Seit den 80er-Jahren (und heute noch immer – iterativ das Stichwort) hat Dietrich Dörner dann versucht, eine Theorie zu finden für die Gesamtorganisation des Verhaltens. Das Ziel war eine vollkommen formale Theorie der psychischen Prozesse, bei der der Seele als Steuerungsprinzip des Verhaltens die entscheidende Rolle zukommt – und das im Gegensatz zum Rest der Psychologie, die nach Dörners Einschätzung dieses Steuerungsprinzip ignoriert, um nur den Output zu untersuchen. Mit Emo-Regul wurde ab 1984 ein System für die menschliche Seelenstruktur gebaut, mit einem Motivsystem, Regulationen, einem Gedächtnis und einem Wahrnehmungssystem; mit der PSI-Theorie hat Dietrich Dörner eine Theorie begonnen, die am Ende ein komplettes Lebewesen mit Kognition, Emotion und Motivation abbilden können soll. Daran wird noch heute gearbeitet.

Theoretische Psychologie ist Dietrich Dörner ein ganz besonderes Anliegen, nicht nur als ehemaliger Inhaber eines Lehrstuhls für Theoretische Psychologie und ehemaliger Direktor eines Instituts für Theoretische Psychologie. Theorien sollten aus der Beobachtung von Einzelfällen entstehen und Einzelfälle sollten aus der Theorie ableitbar und erklärbar sein. Der Rückbezug auf (gute) Theorien ist eine Forderung, mit der Dietrich Dörner heute nicht alleine ist – Empfehlungen etwa der DGPs sowie des Wissenschaftsrates fordern diese ebenfalls ; deren Umsetzung gehen andere jedoch weniger selbstverständlich an als er.

Dietrich Dörner gehörte nie zum Mainstream der (Allgemeinen) Psychologie, was jedoch die DFG nicht davon abgehalten hat, ihm den wichtigsten deutschen Forschungspreis, den Gottfried-Wilhelm-Leibniz-Preis, zu verleihen und er wurde auch mit einer Reihe weiterer Auszeichnungen und Ehrungen bedacht, etwa war er Fellow am Wissenschaftskolleg zu Berlin oder auch Fellow des Hanse-Wissenschaftskollegs Delmenhorst. Dietrich Dörner selbst attestiert sich, dass er wohl „wissenschaftstheoretisch“ nicht so ganz auf der Linie der Fachgruppen-Ideologie zu liegen scheine (darüber sprechen wir nochmal). Freunde sagen über Dietrich Dörner, dass sie einigen seiner Ansichten stets vehement widersprechen werden, dass seine Ideen und Vorstellungen es jedoch immer wert waren und sind, sich mit ihnen auseinander zu setzen. Dietrich Dörner war Pionier der Problemlöseforschung und im Bereich der Computersimulationen. Er hat das Verhalten historischer Personen ergründet und eben Einzelfälle analysiert. Er setzte damit Methoden ein, die manche (nicht zuletzt Dietrich Dörner selbst) als außerhalb der Psychologie (eventuell sogar der Wissenschaft) betrachtet haben. Jedoch gestehen sie ein, dass Dietrich Dörner damit einen Anlass liefert, sich mit Möglichkeiten einer alternativen (Allgemeinen) Psychologie auseinanderzusetzen. Dietrich Dörner biete genügend Gründe dafür, über den Tellerrand unserer Alltagsforschung hinaus zu sehen.

Wenn man Dietrich Dörners Selbstdarstellung liest, offenbart sich, dass er dem Diktum von Georg Christoph Lichtenberg (1742 – 1799) „Man sollte nie so viel zu tun haben, dass man zum Nachdenken keine Zeit mehr hat.“ folgt. Es wird außerdem deutlich, dass Dietrich Dörner Forschung grundsätzlich als Kooperation betrachtet – er schreibt stets von „wir“, nennt „1000 tolle Leute“, man kann die Wertschätzung gegenüber seinen Mit-Denkern spüren – er lebt hier das vor, was die DGPs in ihren Empfehlungen zur Qualität der psychologischen Forschung 2016 veröffentlicht hat. Die inhaltlichen Themen, über die Dietrich Dörner forscht (Denken, kreative Herangehensweisen, Simulationen, integrative Betrachtung, Ineinandergreifen von Prozessen, Einflüsse von anderen und Gruppen) gehören inhärent zu dem, wie er forscht, dazu.

Dietrich Dörner beschäftigt sich mit den grundsätzlichen und grundlegenden Fragen des Funktionierens der Seele, im Kern also mit einer integrativen Allgemeinpsychologie (einer Allgemeinpsychologie im Gesamten sozusagen, also mit Kognition, Emotion und Motivation). Darüber hinaus hat er wichtige Impulse gegeben und Diskurse angestoßen in der Differentiellen Psychologie und auch der Sozialpsychologie. Und schließlich hat er wichtige Beiträge zur Methodenlehre geleistet, indem er insbesondere – wie vorher schon erwähnt – vor blindem Experimentieren warnt, neue Möglichkeiten aufzeigt und die klare Ableitung von Theorien und aus Theorien fordert.

Dietrich Dörner hat sich nicht nur in seiner Forschung außerordentlich engagiert. Er war auch als Herausgeber an der Zeitschrift „Sprache und Kognition“, die 1981 gegründet und 2000 eingestellt wurde, maßgeblich beteiligt. Darüber hinaus war Dietrich Dörner ein „psychologischer Wegbereiter der Wiedervereinigung“ oder mindestens ein „Wegbereiter der psychologischen Wiedervereinigung“. Als wesentlicher Initiator eines Projekts im Rahmen des Abkommens zur wissenschaftlich-technischen Zusammenarbeit zwischen den beiden deutschen Staaten hat Dietrich Dörner eine fruchtbare Kooperation trotz aller politischer Herausforderungen aufgebaut. Dörner, Spada, Hermann, Klix, van der Meer – das sind Namen, die zu dieser Kooperation dazugehörten. Es gab Workshops, gemeinsame Projekt und gemeinsame Publikationen und durch ganz praktische Unterstützung (Beispielsweise Einladungen zum Internationalen Kongress der Psychologie nach Sydney) eröffneten sich für manche der ostdeutschen Kolleginnen vorher ungreifbare Möglichkeiten mit sehr positiven und nachhaltigen Konsequenzen.

Dietrich Dörner ist Mitglied der Fachgruppe Allgemeine Psychologie, die es „erst“ seit 1996 gibt, und engagiert sich bisweilen auch hier, ganz aktuell hat er sich im Mai gemeldet, um als Mentor für den Nachwuchs zur Verfügung zu stehen. Vielen Dank dafür!

Am Ende möchte ich nun den Versuch eines Brückenschlags (verbunden mit einem kleinen Versöhnungsangebot – nicht nur dadurch, dass die Resonanz auf den Kongress in der Presse deutlich gesteigert werden konnte) wagen, von der Lebenskunst über den DGPs-Kongress und Frankfurt zu Dietrich Dörner. Wie mag dieser Brückenschlag gelingen?

Das Motto des diesjährigen Kongresses lautet „Psychologie gestaltet“. Frankfurt hat damit dem Kongress ein Motto gegeben, das nicht nur zur Psychologie, sondern auch sehr gut hierher nach Frankfurt passt. Den bereits viel zitierten Gestaltpsychologen um Wertheimer war es ein Anliegen, „die gute Gestalt“ zu finden – und dieses Anliegen im weiteren Sinne bezüglich einer guten, ganzen, gestalthaften, einheitlichen Theorie kann man auch bei Dietrich Dörner finden. Selbst die Betrachtung und Analyse der Historie stellt eine Parallele dar: Der Campus mit zahlreichen Reflexionen seiner Vergangenheit auf der einen Seite und Dietrich Dörner mit der Analyse historischer Personen und Situationen auf der anderen Seite. Neben diesen beiden Bezügen passt das Motto des Kongresses noch aus einem weiteren Grund sehr gut nach Frankfurt (und zu Dietrich Dörner). Beispielsweise schreibt der Frankfurter Designer Dieter Rams in seinem Tokyo Manifest (Mai 2009): „Design [dementsprechend Gestaltung] fängt [daher] mit Nachdenken an.“ Mit Wilhelm Schmid (und seiner Lebenskunst) frage ich nun und gebe die Antwort: „Warum [überhaupt] gestalten? Aufgrund der Kürze des Lebens. Das also ist das finale Argument.“

… am Ende einer Würdigung und Verbeugung anlässlich des anstehenden 80. Geburtstags eines außergewöhnlichen und streitbaren Psychologen, eines Nachdenkers, Vorreiters und Gestalters unseres Faches: Dietrich Dörner.